Aus der Werkstatt der deutschen Revolution
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Einbanddeckel der Neuausgabe

Einbanddeckel der Originalausgabe 1919

Emil Barth als Volksbeauftragter
(November 1918)

Extrablatt des ‚Vorwärts‘ vom 10. November 1918 mit Bekanntgabe der Mitglieder des Rates der Volksbeauftragten

Einbanddeckel von Richard Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution. Berlin: Die Buchmacherei, 12. Aufl. 2018, erhältlich direkt beim Verlag: www.diebuchmacherei.de

Emil Barth
Aus der Werkstatt der deutschen Revolution
Rechtfertigungsschrift Emil Barths über seine Rolle vor und während der Novemberrevolution 1918
Neusatznachdruck der 1919 erschienenen Erstausgabe, hrsg. von Dieter von Reeken
Klappenbroschur, ca. 170 Seiten, mehrere Abb.
15,00 € — ISBN 978-3-945807-19-4

Inhalt
Aus dem Vorwort des Verfassers (1919)
Aus dem Vorwort des Verlages der Erstausgabe (1919)
Aus den Vorbemerkungen des Herausgebers (2018)
Editorische Hinweise
Buchbesprechung von Kurt Tucholsky (1920)

Inhalt

Vorbemerkungen des Herausgebers

Vorwort des Verlages [der Erstausgabe 1919]
Vorwort des Verfassers

1. Revolutionen werden gemacht!
2. Der Weltkrieg als Keimbett der Revolution (Die Entwicklung bis zum Januar 1918)
3. Die Revolutionswerkstatt (Vom Februar bis zum November 1918)
4. Meine Tätigkeit als Volksbeauftragter der deutschen sozialistischen Republik (Vom 10. November bis 28. Dezember 1918)
5. Der Vollzugsrat und die revolutionären Obleute
6. Vom Dezember 1918 bis März 1919
7. Vom März 1919 bis zum Versailler Friedensprotokoll

Anhang

Abkürzugsverzeichnis
Personenregister
Bildnachweise

Aus dem Vorwort des Verfassers

„Von den verschiedenen Parteien von links und rechts verfemt, ist es mir ein dringendes Bedürfnis, das niederzuschreiben, was mir notwendig erscheint, um zu verhüten, dass ich später in der Geschichte als Bluthund, als Streber oder als Esel behandelt werde.“

Aus dem Vorwort des Verlages [der Erstausgabe 1919]

Für die sachliche Festlegung von Ereignissen weltgeschichtlicher Bedeutung ist es von hohem Wert, wenn Schilderungen des Tatsachenstoffes von den führenden Persönlichkeiten vorliegen. […] Obwohl wir uns weder die Einzelheiten des vorliegenden Werkes, das die erste Verarbeitung durch einen Beteiligten an der Hand von schriftlichen Aufzeichnungen bringt, noch die Kennzeichnung der verschiedenen Persönlichkeiten völlig zu eigen machen, und obwohl wir unklar sind, dass eine einwandfreie, sachliche Feststellung des geschichtlichen Geschehens erst aus der Bearbeitung von Schilderungen der verschiedenen Beteiligten sowie der urteilsfähigen Beobachter möglich ist, so halten wir es dennoch für angebracht, die Darstellung Emil Barths der breitesten Öffentlichkeit und dem Urteil der Geschichte vorzulegen. Denn wir sind überzeugt, dass sie zum mindesten einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der revolutionären Bewegung der neuesten Zeit liefert, der für die Geschichtsforschung und für das Urteil eines jeden unentbehrlich ist, welcher sich am revolutionären und sozialistischen Entwicklungsgange unserer Tage irgendwie beteiligt fühlt. Und wir sind weiter überzeugt, dass Barths Darstellung allein als psychologisches Dokument einer Persönlichkeit, welche an einem Tage höchster weltgeschichtlicher Bedeutung von unabsehbarer Wirkung dem Schwungrade der Geschichte maßgebend in die Speichen griff, nicht übersehen werden kann.

Aus den Vorbemerkungen des Herausgebers

Vor 100 Jahren, etwa von Anfang November bis zum Frühjahr 1919, erlebte Deutschland das, was heute, zur Abgrenzung von der russischen „Oktoberrevolution“ recht unscharf als „Novemberrevolution“ bezeichnet wird. Die ihr vorausgehenden und ihr folgenden Entwicklungen wären ohne den damaligen Weltkrieg mit seinen schließlich dramatischen Auswirkungen auf das Alltagsleben der Menschen gerade im vom Welthandel abgeschnittenen Deutschland nicht zu erwarten gewesen. Die Novemberrevolution und die Ereignisse in ihrem Vorfeld haben nicht zur militärischen Niederlage geführt, wie es die verantwortlichen und gescheiterten führenden Militärs zu ihrer Selbstentlastung („Dolchstoßlegende“) gern behauptet haben; im Gegenteil, das viel zu späte Eingeständnis des bevorstehenden Zusammenbruchs und das leichtsinnige Verhalten der Seekriegsleitung haben den in Jahren kriegsbedingt aufgestauten Druck erst zum Überdruck und schließlich, als „Streik gegen den Krieg“ und seine Auswirkungen, zur Entladung, zur Revolution geführt.
     Heute wird die Berichterstattung über die Novemberrevolution oft reduziert auf die fingierte Abdankung der Hohenzollern, die Ausrufung der Republik, Friedrich Eberts Regierungsübernahme, den „Spartakus aufstand“, die Nationalversammlung und den Versailler Vertrag. Man nennt Namen wie Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Was eigentlich geschah und worum es ging wird nur kurz abgehandelt.
     Im „Rat der Volksbeauftragten“, einer Art Revolutionsregierung, waren Liebknecht und Luxemburg nicht vertreten, aber neben Ebert, Scheidemann und Otto Landsberg von der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (SPD) für etwa 6 Wochen auch drei Vertreter der 1916 von dieser abgespaltenen „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (USPD): Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth. Die USPD-Vertreter sind heute so gut wie vergessen. Das gilt ganz besonders für Emil Barth. Über ihn gibt es nur wenige wohlwollende oder gar anerkennende, bestenfalls nachsichtige Kommentare. Verkürzt kann man aber sagen, dass Barth im „Rat der Volksbeauftragten“ in dem Bemühen, einerseits die Belange seiner linksradikalen Unterstützer zu vertreten und andererseits den Realitäten Rechnung zu tragen, also „zwischen beiden Stühlen sitzend“, gescheitert ist.
     Der am 23. April 1879 als Arbeitersohn in Heidelberg geborene Emil Barth erlernte nach seinem Volksschulabschluss den Beruf des Klempners, in dem er ab 1898 ausübte. 1908 übersiedelte er nach Berlin und trat dort der SPD und dem Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) bei, in dem er ab 1914 als hauptamtlichen Funktionär tätig war. 1917 verließ er die SPD und trat der USPD bei.
     Am 9. Februar 1918 ließ sich Barth nach einer flammenden Rede zum Vorsitzenden der „Revolutionären Obleute“ von Berlin wählen. In dieser Eigenschaft wurde er neben Haase und Dittmann für die USPD in den Rat der Volksbeauftragten entsandt, in dem er für Sozial- und Gesundheitspolitik zuständig war. Außerdem wurde er, der die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte im Zirkus Busch am 10, November geleitet hatte, in den „Vollzugsrat“ des Arbeiter- und Soldatenrats gewählt, der nach Vorstellung linksradikalen Kräfte den Rat der Volksbeauftragten kontrollieren sollte.
     Nach den „Weihnachtskämpfen“ um die „Volksmarine-Division“ treten am 29. Dezember die drei USPD-Vertreter aus dem Rat der Volksbeauftragten aus.
     Nach der Zersplitterung der USPD verließ Barth die Restpartei und trat 1921 wieder in die SPD ein. Von 1921–1924 war er Vorsitzender und Sekretär der Berliner Betriebsrätezentrale und trat gelegentlich als Redner in Partei- und Gewerkschaftsversammlungen auf, ohne hier eine besondere Funktion inne zu haben. Nach mehreren Verhaftungen während der NS-Zeit starb Emil Barth am 25. Juli 1941 in Berlin.
     Schon 1919 veröffentlichte er seine von Verbitterung geprägte Rechtfertigungsschrift Aus der Werkstatt der deutschen Revolution. Hierin hat er seine Rolle vor und während der Revolution stark überzeichnet, aber immerhin bietet er als einer der ersten Zeitzeugen und vor allem als politisch Handelnder Einblicke in die Vorgänge in dieser dramatischen Zeit. Mit der Einschränkung, dass die deutsche Revolution vom November 1918 nicht „in erster Linie von dem Verfasser dieser Arbeit vorbereitet worden“ ist, hat das Vorwort des Verlegers Adolph Hoffmann, der selbst im Rahmen der SPD, USPD, später KPD und dann wieder SPD politisch tätig war) auch heute noch Gültigkeit. Der Bericht kann und sollte den umfangreicheren und tiefer gehenden (später verfassten) Erfahrungsberichten anderer Zeitgenossen wie etwa Richard Müller und Hermann Müller zur Seite gestellt werden. Bei allen Vorbehalten dem Text gegenüber (geben die als Zitate wiedergegebenen Reden und Gespräche wirklich genau den tatsächlichen Inhalt wieder?) wird doch deutlich, dass Emil Barth zwar kein deutscher Trotzki oder Antonow-Owsejenko war, aber auch kein „Hofnarr der Revolution“, wie ein böses Wort lautete: Im Rat der Volksbeauftragten konnte er sich gegen Ebert und vor allem Landsberg (beide SPD) nicht behaupten, geschweige denn durchsetzen, und durch Dittmann und den phlegmatischen Haase (der immerhin auf dem Papier gleichberechtigter Vorsitzender neben Ebert war), den beiden weiteren USPD-Vertretern, fand er keine Unterstützung.
     Nach hundert Jahren halte ich es für gerechtfertigt, die Werkstatt wieder zugänglich zu machen. Der Bericht kann und sollte den umfangreicheren und tiefer gehenden (später verfassten) Erfahrungsberichten anderer Zeitgenossen zur Seite gestellt werden, wie etwa Richard Müller: Vom Kaiserreich zur Republik [I. Band]. Ein Beitrag zur Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung während des Weltkrieges. Wissenschaft und Gesellschaft. Band 3. Wien: Malik 1924; Vom Kaiserreich zur Republik. II. Band. Die Novemberrevolution. Wissenschaft und Gesellschaft. Band 4. Wien: Malik 1925; Der Bürgerkrieg in Deutschland. Geburtswehen der Republik. Berlin: Phöbus 1925. – Es gibt mehrere Neuausgaben. Aktuell ist die preiswerte Neuausgabe in einem Band unter dem Titel Eine Geschichte der Novemberrevolution zu empfehlen: Berlin: Die Buchmacherei, 12. Aufl. 2018, www.diebuchmacherei.de 24,00 €.

Editorische Hinweise

Der Neuausgabe liegt die o. J. [1919] im Verlag A. Hoffmann, Berlin, zugrunde. Der Nachdruck erfolgt im Antiqua-Neusatz, angepasst an die neue deutsche Rechtschreibung, aber ansonsten unverändert. Es wurden lediglich offensichtliche Fehler, insbesondere bei Namen, berichtigt. So heißt es jetzt z. B. statt „Jogisches“ richtig „Jogiches“, statt „Piek“ richtig „Pieck“ und statt „Scheuch“ richtig „Scheüch“. Die voneinander abweichenden Kapitelbezeichnungen im Inhaltsverzeichnis und in den Kapitelüberschriften sind beibehalten worden; lediglich die falsche Kapitelnummer „9“ wurde durch die richtige Nummer „7“ ersetzt.
Der Originalschriftsatz ist von wenigen Ausnahmen abgesehen durchgehend in gleicher Größe ohne besondere Hervorhebung wiedergegebener Reden, Aufrufe, Beschlüsse u. ä. ausgeführt. Im vorliegenden Nachdruck sind solche Passagen der besseren Übersichtlichkeit wegen durch einrückten kleineren Text hervorgehoben. Auch diese Texte sind auf die neue Rechtschreibung mit z. B. der Schreibweise „dass“ statt „daß“ umgestellt worden.

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Buchbesprechung von Kurt Tucholsky (als Ignaz Wrobel) in Die Weltbühne, 16. Jg., Nr. 36 (2. Sept. 1920), S. 269

„Revolutionen werden gemacht!“ – mit diesem Satz beginnt Emil Barth sein Buch: „Aus der Werkstatt der Revolution“ (erschienen in A. Hoffmanns Verlag zu Berlin). Gemacht werden Revolutionen, fährt er fort, nach einer Evolution – und Evolutionen ohne die Existenz schlagkräftiger, energischer, aufopferungsfähiger Männer führen zu nichts, es gibt dann keine Revolution, alles verläuft im Sande … 1918 ists nicht im Sande verlaufen.
     Die Schilderung dieser höchst bedeutungsvollen Epoche von Februar bis Dezember 1918 wird, je nach dem Schildernden, immer dieses Bild ergeben: Alle Welt taugte nicht viel, außer mir. Diesen Fehler macht Emil Barth nicht ganz mit – er erkennt die Tätigkeit und die Tüchtigkeit einer Menge Männer an, ohne sie natürlich zu nennen. Denn sie riskierten alle Kopf und Kragen. Die waren wirklich mutig. (Nicht Herr Ludendorff, der zweimal ausriß.) Die setzten wirklich wagemutig alles aufs Spiel – Leben, Familienexistenz, Freiheit und Geld. In den Hinterzimmern von Kneipen, dauernd bespitzelt, beargwöhnt, nie gewiß, ob der Freund nicht morgen zum Verräter werden würde – das sind Helden ihrer Ideen gewesen. Und was kam dann –?
     Eine klägliche Enttäuschung. Man muß nur im Buche das Gruppenbild der sechs Volksbeauftragten sehen, um alles zu begreifen. Sind das Köpfe –? (Und es waren noch lange nicht die schlechtesten.) Nein, Köpfe warens nicht. Und außerordentlich schmerzvoll und außerordentlich packend ist die Schilderung, wie leise, leise und unmerklich die ganze Revolution in ein bürgerliches Fest hinübersegelt, wie aus der Volkserhebung eine Organisationssache wird, mit Kompetenzstreitigkeiten, Stempelinschriften und Dienststellen. Von der Krippe zu schweigen, in die die Kindlein sich legen wollten.
     Die Novembertage des Jahres 1918 sind vorbei. Da, zum ersten, zum bisher einzigen Mal in der Geschichte Preußens, wehte ein freier Wind in diesem Lande. (Freilich, Herr Meier, die Elektrischen gingen nicht alle!) Da hatte etwas die Massen ergriffen, was nicht nur Phrase war wie in der Augustbesoffenheit des Jahres 1914. Da – zum ersten Mal. Sie wurden schnell wieder nüchtern. Der Preuße kam durch, der Ordentliche, der Brave, der Objektive, der Gerechte, der Abwägende, der, hol ihn der Teufel, der sich Demokrat nennt.
     Möglichkeiten – Möglichkeiten! Was hätte da alles geschehen können! Ein, zwei Tage lang hielt die deutsche Welt wirklich den Atem an. Alles lag in der Luft, alles im Bereich der Realität: völlige Zertrümmerung der Bundesstaaten, wirkliche Abrüstung, Herrschaft des Mannes und nicht des Herrn, Trennung von Kirche und Staat – alles, alles. Ein Schritt, ein so kleiner Schritt trennte uns damals von alldem …
Atmet auf. Die Gefahr ist vorbei. Wer weiß, für wie lange Jahre. Als Erinnerung an Schreck und beinah erreichte Seligkeit diene das Buch Emil Barths
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