Kurzer Bericht über eine bemerkenswerte Luftreise
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Einbanddeckel
Titelseite der niederl. EA 1813
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Einbanddeckel der niederländ.
Ausgaben 1965 und 1977
und der brit. Ausg. 1987

Seite 9 der deutschen Ausgabe
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Willem Bilderdijk
Kurzer Bericht über eine bemerkenswerte Luftreise und Entdeckung eines neuen Planeten
(Kort verhaal van eene aanmerklijke luchtreis en nieuwe planeetontdekking)

Deutsche Erstveröffentlichung der 1813 erschienenen niederländischen Erstausgabe
Klappenbroschur, 107 Seiten, 14 Abbildungen
12,50 €
ISBN 978-3-945807-12-5

Über das Buch
Inhalt
Über Willem Bilderdijk

Leseprobe

Über das Buch

Dieser deutschen Erstausgabe liegt die niederländische Erstausgabe zugrunde:

Kort verhaal van eene aanmerklijke luchtreis, en nieuwe planeetontdekking. Uit het Russisch vertaald [anonym verfasst von Willem Bilderdijk]. Groningen: W. Wouters 1813.

Im Jahr 1811 schrieb Willem Bilderdijk (1756–1831) die Erzählung Kort verhaal van eene aanmerklijke luchtreis, en nieuwe planeetontdekking die im Jahre 1813 anonym erschien, angeblich „aus dem Russischen übersetzt“. Genau ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 1863, veröffentlichte der Dramatiker und Romancier Jules Verne (1828–1905) den Roman Cinq Semaines en ballon und startete damit seine Karriere als populärer Verfasser abenteuerlicher Erzählungen mit Bezug zu den jeweils aktuellen technischen Möglichkeiten. Bilderdijks Erzählung ist, zumindest im deutschen Sprachraum, nahezu unbemerkt geblieben, vielleicht wegen der Anonymität des Autors.
     Beide Autoren bewegten sich auf einem in vieler Hinsicht neuen Gebiet der Literatur, nämlich der der Wissenschaft und Vorstellungskraft, die wir heute als Science-Fiction bezeichnen.
     Bilderdijk befasste sich in seiner Geschichte mit einem Zukunftsthema, das erst vor wenigen Jahren seinen Anfang genommen hatte: Im Jahre 1783 hatten die Brüder Montgolfier zum ersten Mal erfolgreich eine Heißluftballon aus Leinen und Papier vorgeführt. Bei Jules Verne im Jahre 1863 hatte der Ballon schon seine endgültige Form gefunden. Ohne Vernes Verdienst schmälern zu wollen, ist es aber an der Zeit, die Bedeutung Bilderdijks auf diesem literarischen Gebiet nach zwei Jahrhunderten aus dem Schatten zu holen.
Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Bilderdijks Erzählung außerhalb seiner eigentlichen literarischen Arbeit lag. Aus diesem Grund wählte er die Anonymität, und auch, weil er das Interesse an bestimmten
Ideen wecken wollte, ohne deshalb ausgelacht zu werden. Denn er glaubte, dass es in unserer Nachbarschaft für uns unsichtbare Himmelskörper gibt, deren Atmosphären an die unsere angrenzen, so dass eine Reise dorthin möglich sei. Er hat daher in seiner Erzählung eine gerade neu erfundene Sache, den Ballon, eingesetzt. Darüber hinaus waren in der griechischen Mythologie obskure Geschichten über die Skythen aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres im Umlauf, sehr intelligente Menschen, die auch die Kultur des antiken Griechenlands weiter entwickelt haben sollen. Ein solcher Skythe, Abaris, hatte selbst schon eine Raumfahrt unternommen. Und so hielt der gläubige Bilderdijk es für möglich, dass das Paradies von der Erde entfernt worden sei, z. B. durch die Abtrennung eines Brockens, und jetzt auf einem solchen kleinen Planeten sein könnte. Insgesamt bildeten diese Ideen die Grundlage für die Geschichte. Bilderdijk wählte wahrscheinlich eine russische Herkunft für seinen anonymen Autor, weil Russland damals als politisch aufstrebend galt und alles, was von dort ausging, als besonders bedeutend angesehen wurde.

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Inhalt

Bilderdijks „Bericht“ beginnt mit einer Erörterung der Bedeutung des Zufalls, der hin und wieder der Wissenschaft zur Hilfe kommt. Darauf fußt die Erzählung: Ebenso zufällig wie Kolumbus Amerika entdeckte stößt der Erzähler (letztlich Bilderdijk) auf den kleinen Planeten. Der Bericht über diese Reise und die Vorgeschichte dazu führt uns zunächst nach Persien, und zwar an die Grenze zu Russland. Ein Gerücht über ein Luftschiff ist das Thema des Tages. Die einfältigen Ansichten seiner Umgebung verleiten die Ich-Figur dazu, ihre Kenntnisse über Luftschifffahrt im großen Kreis zum Besten zu geben. Trotz eines erfolgreichen Experiment bleiben seine Zuhörer weiterhin so misstrauisch, dass sie ihn in seiner Verzweiflung zu einem gefährlichen Versprechen drängen: dem Bau eines Ballons und dem Aufstieg damit!
     Trotz einiger Rückschläge kommt es so weit, dass er allein mit großer Geschwindigkeit in den Raum aufsteigt. Er verliert das Bewusstsein und landet auf einem ihm völlig unbekannten Terrain. Ist es ein einsamer Ort auf der Erde, ist es der Mond? Warum sind ihm diese Tiere hier unbekannt? Was für ein fremdartiger großer Himmelskörper steht dort über dem Horizont? Warum ist es so lange hell oder dunkel? Mit dem Nachspüren der Antworten ist der Erzähler die halbe Erzählung lang beschäftigt. Aber dann weiß er auch alles über seine Verhältnisse. Er scheint der Herrscher eines neuen Planeten geworden zu sein, als eine bösartige Truthahnart ihn aus dem Traum erweckt und ihn schwer verletzt.
     Von nun an läuft alles gegen ihn: Sein Messer bricht, seine Kleidung verschleißt. Er entdeckt das Skelett eines gewissen Abaris, eines Skythen aus der griechischen Antike, und sinniert über sein Schicksal, hier ebenfalls sterben zu müssen. Eine Zeit lang ist er in einem Zustand der Verzweiflung und Apathie. Durch Zufall kommt er zurück an den Ort der Landung, und die Schäden an seinem Ballon scheinen sich in Grenzen zu halten. Er stellt das Luftschiff wieder her, findet hierin die Überreste der Hilfsmittel für die Gasgewinnung und steigt in den Raum auf.
     Wieder verliert er das Bewusstsein und kommt gerade wieder zu sich, als er von einem Adler, dem einzigen bis dahin bekannten Hochflieger, in seinem Fahrzeug angegriffen wird. Er bringt diesem Feind eine Wunde bei, schlägt aber in seiner Verzweiflung dabei auch ein Loch in den Ballon. Ein russisches Schiff fischt ihn halbtot aus dem Meer auf, aber er wird wieder gesund, und mit einem kurzen Kommentar endet Bilderdijks Erzählung.

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Über Willem Bilderdijk

Der am 17. September 1756 in Amsterdam geborene Willem Bilderdijk wuchs dort als Sohn eines Arztes auf. Die Ehe seiner Eltern war nicht glücklich. Willem war außerdem wegen einer Verletzung an seinem linken Fuß gezwungen, seine ganze Kindheit im Haus zu verbringen. Die Spannungen im Hause blieben nicht ohne Folgen für den Jungen. Er las aus der Bibliothek seines Vaters allerlei Bücher auf wissenschaftlichem, literarischem und kunsthistorischem Gebiet, sowohl in niederländischer als auch in fremden Sprachen, allerdings ohne dabei jeweils genügende Anleitung zu erhalten. Er vertiefte sich in die medizinische Literatur aus der Schule von Boerhaave, sodass er später bei verschiedenen Gelegenheiten als Arzt auftrat und Rezepte ausschrieb. Auch die Ich-Figur unserer Geschichte fungiert als Arzt.
     Sehr früh gab Bilderdijk sein literarisches Debüt und gewann, zwanzig Jahre alt, eine Goldmedaille.
     Im Jahre 1783 ließ er sich, nach drei Jahren Studium in Leiden, als Rechtsanwalt in Den Haag nieder und heiratete einige Jahre später Catherina Rebecca Woesthoven. In jener Zeit verfasste er Theaterstücke, romantische Erzählungen und Gedichte. Seine Ehe erwies sich als nicht glücklich, und seine Launen verschlimmerten die Konflikte. Im Jahr 1795 entkam er seiner Frau und seinen Gläubigern, indem er über Hamburg ins Londoner Exil ging. Der nun fast Vierzigjährige verliebte sich leidenschaftlich in die neunzehnjährige Tochter seines britischen Gastgebers, Katharina Wilhelmina Schweickhardt. Seine dabei sich vollziehenden inneren Kämpfe fanden ihren Ausdruck in einigen seiner schönsten und romantischsten Gedichte, z. B. in „Gebed“ („Gebet“). Er wählte einen merkwürdigen Ausweg: Eigenmächtig löste er seine erste Ehe und schloss 1897 seine zweite, ohne eine behördliche Registrierung vornehmen zu lassen. Diese romantische „natürliche Ehe“ hielt noch lange Zeit die Schreibfedern der Zeitgenossen in Bewegung. Seine gültige Ehe mit Catharina Rebecca Woesthoven wurde übrigens erst am 26. Februar 1802 geschieden.
     Wie dem auch sei, durch die Liebe und den Charme der (zweiten) Katharina wurde der ältere Bilderdijk zu einem arbeitsamen Leben als Dichter, Schriftsteller und Gelehrter angeregt, woran sie selbst einen kreativen Anteil hatte.
     Das politische Ansehen der Niederlande war im 18. Jahrhundert stark gesunken. Der Handel und die Industrie zeigten einen alarmierenden Niedergang. Die Kluft zwischen arm und reich, Obrigkeit und Handwerkern war sehr groß. Die Statthalter Willem IV. und Willem V. waren nicht in der Lage, diese Widersprüche zu beseitigen, die sie durch ihr Verhalten eher noch verstärkten. Die Revolution in Frankreich erhöhte die Spannungen. Die armen Leute standen treu zum Königshaus Oranien und gingen auf die Straße. Deshalb hatte Bilderdijk den wegen Volksverhetzung verhafteten Kaat Mossel in dessen Prozess 1784 verteidigt. Im Jahr 1787 wichen die Patrioten nach Süden aus und kamen Anfang 1795 mit den Franzosen wieder zurück.
     Es war so etwas wie ein unblutiger Wachwechsel. Willem V. ging nach England; Bilderdijk und andere folgten ihm. Die neu gegründete Batavische Republik wurde von einer patriotischen Regierung geführt. 1806 wurde dem nunmehrigen Königreich Holland Napoleons Bruder Louis als König Lodewijk aufgezwungen. Und fast alle knieten vor dem Thron.
     Bilderdijk war inzwischen (1806) mit seiner neuen Lebensgefährtin aus dem Exil in England und Deutschland zurückgekehrt und wurde Bibliothekar des Königs und bald darauf auch Mitglied und Sekretär des holländischen Nationalinstituts. Außerdem hatte er die undankbare Aufgabe, dem König wöchentlichen Unterricht in Niederländisch zu erteilen.
     Bilderdijk schrieb in dieser Zeit u. a. eine Hommage an Kaiser Napoleon, wie so viele in Europa neben ihm. Es entstanden große Werke: De ziekte der geleerden („Die Krankheit der Gelehrten“), De kunst der poëzij („Die Kunst der Poesie“), De ondergang der eerste wareld („Der Untergang der ersten Welt“) und die Theaterstücke Floris V („Floris V“), Willem van Holland („Willem von Holland“) und Kormak („Kormak“). Nach 1810 überkam ihn wieder die Armut, und Bilderdijk glaubte, wie so oft, dass sein Ende nahe sei.
     Im Jahr 1810 annektierte Napoleon Holland, weil sein Bruder Louis aus seiner Sicht zu sehr auf die Interessen seiner Untertanen Rücksicht nahm (ins besondere im Zusammenhang mit der Kontinentalsperre), und schloss es unmittelbar an das Kaiserreich Frankreich an. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo waren die Niederländer wieder unter sich.
     Bilderdijk erhielt nach der Landung (1813) und Krönung (1815) von Willem I. von Oranien-Nassau für seine Verdienste um die königliche Familie und das Vaterland ein Jahresgehalt (das ihm später im Zuge der Restauration wieder genommen wurde). Die Lage des Dichters hatte sich also zwar vorläufig verbessert, aber die königliche Politik und eine nicht erhaltene Professur brachten ihn zu heftiger Kritik am modernen Fortschritt, z. B. mit De dieren („Die Tiere“), einem Lehrgedicht gegen den Evolutionsgedanken.
     Allzu schnell setzte sich der neue Rationalismus des 19. Jahrhunderts durch, wodurch Bilderdijk mit seinen Ansichten ins Abseits geriet. Dennoch gelang es diesem, nach 1817 als Privatdozent in Leiden eine große Schar von Jüngern um sich zu versammeln, die er für sich einnehmen konnte; am meisten zugetan war ihm wohl Isaac da Costa, der später eine Gesamtausgabe seiner Werke samt Biografie herausgab. Diese Gruppe wehrte sich gegen die Folgen der Französischen Revolution und sprach sich für eine allmähliche Entwicklung hin zu einer christlichen Gesellschaft aus. So waren sie Vorläufer der späteren A. R. P. (Anti-Revolutionaire Partij) und C. H. U. (Christelijk-Histo rische Unie). Ihre Gedankenwelt richtete sich gegen Rationalismus, Liberalismus und Atheismus als „mo derne“ Fortschrittsideen und strebte die Erhaltung und Wiederbelebung christlicher Überzeugungen und die Übertragung auf das alltägliche Leben an.
     Im Jahre 1830 starb Katharina Schweickhardt und während eines schweren Unwetters am 18. Dezember 1831 Willem Bilderdijk. Mit ihm starb vorerst die Romantik in den Niederlanden, die ihre Wiedergeburt erst mit der Generation von 1880 erfuhr.
     Glücklicherweise ließen die Niederlande es sich nicht nehmen, Bilderdijk als Dichter zu ehren; wenige Monate vor seinem Tod erhielt er die Goldene Medaille der Niederländischen Gesellschaft für Literatur. Auch heute noch wird Willem Bilderdijks Andenken in den Niederlanden bewahrt, durch Biografien und Neuausgaben sein Werke und nicht zuletzt durch das nach ihm benannte Museum in Amsterdam.
 

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Leseprobe (Textbeginn)

Was schulden die Wissenschaften nicht alles dem Zufall! Eine geringfügige zufällige Wahrnehmung weckt eine flüchtige Vorstellung im Kopf eines einzelnen Menschen, und eine neue Welt, oder die Wahrheit, ist gefunden. Sicher, derjenige, der erstmalig einen entwurzelten Baumstamm treiben sah und sich rittlings darauf setzte, der dachte nicht an die Entdeckung dreier Erdteile, die ohne ihn niemals bekannt werden konnten. Ebenso wenig glaubte Frau Montgolfier, als sie ihr gewaschenes Kleid über der Feuerstelle trocknete, dass uns dadurch der Weg zu Entdeckungen geebnet werden würde, die der gesamten Himmelswelt ein neues Aussehen geben und die Finsternis und was uns unerreichbar zu sein schien, in das hellste Licht stellen und mit unserer Erde vereinigen würde.

Man hat viel über die Nützlichkeit der Luftballons gestritten oder, um deutlicher zu sprechen, der Aerostaten! Die Erfahrung hat bereits gelehrt, welcher Nutzen aus diesen Fluggeräten im Kriege zu ziehen ist, sei es zur Entdeckung und Beobachtung feindlicher Truppen, der Verteidigungseinrichtungen von Städten und dergleichen, sei es zur Übersicht und Auskundschaftung von Landstrichen, für die man keine topografischen Karten hat. Und sobald die Bedienungsweise dieser Geräte zu einem gewissen Grad der Vollkommenheit entwickelt und die beständigen Wind- und Luftströme in den höheren Bereichen der Lufthülle durch feste Wahrnehmungen bestimmt sein werden, wird sich eine unendlich große Aussicht auf Vorteile erschließen, die für das gegenseitige Verständnis und die Gemeinschaft der Länder und Völker noch nicht abzusehen sind. Ein neuer Weg wird sich für den Handel eröffnen; völlig neue Industriezweige werden entstehen: Die Vor- und Nachteile der geografischen Lage der Länder werden verschwinden, die Befestigungen der Grenzen gegenstandslos werden; und die Vorherrschaft wird verfallen oder nutzlos sein, da man durch mit Waren, mit Waffen und mit Mannschaften beladene Luftflotten den Überfluss oder den Krieg in die abgelegensten Gegenden lenken wird, ohne auf Land oder Wasser angewiesen zu sein. Wenn auch eine durchgängige und geregelte Luftfahrt die Vorstellungskraft heute noch einigermaßen übersteigt, was würde wohl der erste Schiffer, der sich mit seinem Floß aus hohlen Baumstämmen dem Nass auslieferte, gedacht haben, wenn wir ihm von unseren Kriegsschiffen und von der Weise berichtet hätten, diese durch die Meere und Stürme zu führen?

Doch wenig ist dies alles, wenn man das Auge höher erhebt und die Sache als ein Mittel zur Annäherung an die Himmelskörper betrachtet, über die uns der gewaltige Abstand und die Unerreichbarkeit jener Fernen bisher nichts weiter als Vermutungen und höchst unvollkommene Schlüsse aus wenigen geringfügigen und sehr ungenügenden Daten erlaubte. Es ist wahr, dass es unbedeutend scheinen muss, wenn man bei einem Abstand wie dem zum Mond einige Ruten gewonnen hat, und dass nun schon (dem besseren Unterricht in unserem aufgeklärten Zeitalter sei Dank) die Waschfrau von ihren kleinen Töchterchen ausgelacht wird, wenn sie befiehlt, die Leinen zum Trocknen der Hemden etwas höher an die Bäume zu binden, um der Sonnenwärme näher zu sein. Ich denke auch, dass niemand einem lügenhaften Byrone glauben wird, wenn dieser uns weismacht, auf dem Ätna viel mehr Sterne gesehen zu haben, als man sonst gewahr wird, weil er sich dort oben über den dichten Dünsten befand, die sie verdunkelten; vor allem weil er aus seiner Höhe, diese Dämpfe vergessend, die nun zwischen ihm und der Erdfläche unter ihm lagen, einen äußerst deutlichen und eingehenden Anblick ganz Siziliens und was sonst noch alles gehabt haben will. Wenn es schon nicht möglich ist, uns unserem Mond, dem nächstgelegenen der uns bekannten Planeten, nennenswert zu nähern, es würde schon genügen, wenn wir irgend einen Himmelskörper erreichen würden, den wir als ihm gleichgeartet kennenlernen könnten.

Aber gibt es denn derartige Himmelskörper, die sich uns näher befinden als der Mond? Und können wir uns diesen so weit nähern, dass wir klare Kenntnisse über sie bekommen können? Diese Frage stellt sich dem Leser natürlicherweise, und diese zu beantworten ist Aufgabe dieser Schrift.

Ich sage: zu beantworten, und zwar ausdrücklich und bestimmt. Ja, es gibt sie, die Himmelskörper, die Planeten, und sie sind unserer Lufthülle so nahe,
oder, um es besser und richtiger zu sagen, die Luft, in der sie sich bewegen, fließt so mit der Lufthülle der Erdkugel ineinander, dass sie durchaus nicht völlig unzugänglich sind. Die Reflexion möchte es uns lehren, das Vorurteil es wieder verwerfen, die Erfahrung gibt den Beweis. Es ist eine Tatsache, die ich anführe. Ich habe sie gesehen, ich habe sie gespürt, ich habe sie bereist. Hiergegen steht nichts außer Meinungen oder Hinundhergerede über Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten. Potest, nam est (es ist möglich, denn es ist) ist stärker als das non est, nam non potest, das Argument der Bestreiter der Antipoden und so vieler anderer Naturwahrheiten. „Ich bin dort gewesen, ich habe gesehen“, sagte Kolumbus, und die, die ihn ausgelacht hatten, verstummten. Ich sage Ihnen dasselbe, meine Leser, und gebe eine kurze Beschreibung der Reise, die ich zurückgelegt habe; im Ergebnis eine durch Zufall unternommene Entdeckungsreise, ohne dass diese Entdeckung beabsichtigt gewesen wäre, die aber in dieser Weise auch nicht (da bin ich zuversichtlich) verfehlen kann, ihr in einer Zeit der Sucht nach Entdeckungen, wie wir sie erleben, allgemeine Bedeutung einzuflößen: abgetrennt sogar von der Natur- und Sternkunde und der allen Sterblichen angeborenen Wissbegierde und der sie vor allem reizenden Neugier.

Ich bilde mir ein hoffen zu dürfen, dass das, was Kolumbus nicht verweigert wurde, auch mir nicht vorenthalten wird. Glauben Sie mir, dass ich aufrichtig und ohne die geringste Übertreibung erzählen werde. Es stimmt, dass Kolumbus viel vorhatte. Er war ausgerüstet mit der Autorität und dem Vertrauen, das ein großer König ihm zuteil werden ließ; er brachte Reisegenossen und Seeleute mit, die das, was er berichtete, bestätigten. Ja, er brachte Erzeugnisse der von ihm entdeckten Küsten mit sich: Und wer konnte angesichts dessen anders als überzeugt sein? Ich werde nicht nachforschen, ob die von ihm vorgewiesenen Gegenstände etwas anderes oder mehr als die Entdeckung eines bisher unbekannten Landes bewiesen, worauf es gerade nicht ankam; aber nicht eines Landes, fern im Westen gelegen und in solchem Abstand wie von Kolumbus vorgegeben; aber ich frage, falls ich Pflanzen oder Metalle vorlegte, welche Eigenschaft oder Prägung müssten die haben, um als aus einem anderen Planeten hervorgebracht angesehen zu werden? Und falls Kolumbus bei der Heimreise Schiffbruch erlitten haben würde und nackt und von allem entblößt irgendwo auf den Strand geworfen worden wäre, wäre seine Entdeckung dann weniger wahrhaftig gewesen? Sicher nicht: Sie wäre dann lediglich weniger nützlich geblieben, aber hätte einen Ansporn für weitere neue Unternehmungen geben müssen, die sie hätten bestätigen und erneuern können. Ein solcher angenommener Fall ist der meine: Bei der Rückreise ist mein Luftfahrzeug verunglückt, und zu meiner eigenen Verwunderung bin ich (wenn auch knapp) mit meinem Leben davongekommen. Was ich entdeckt habe ist verloren, bis auf das, soweit mein durch das Unglück geschwächtes Erinnerungsvermögen es zulässt, was ich sah, um es meinen Planetengenossen mitzuteilen. Dies glaube ich dem allgemeinen Wohl schuldig zu sein, und indem ich dies tue, meine ich das Recht auf Nachsicht für das Mangelhafte meines Berichts zu haben; vor allem aber das Recht, mit dem, was ich vortragen werde, ohne Voreingenommenheit gehört zu werden.

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