Jan Mayen (1936–1938 / 1949/50)
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Umschlagbild der Nr.1 der Erstausgabe 1936

Umschlagbild der Nrn.1 der Nachkriegsausgabe 1949

> Über Paul Alfred Müller (alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.)
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Titelverzeichnis

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Musterseiten Band 1, Seiten 14/15 und 20/21
Band 4 vergriffen, Nachauflage bei mindestens 10 Vorbestellungen; es fehlen noch 9 Bestellungen.
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Paul Alfred Müller (= Lok Myler / Freder van Holk)
JAN MAYEN
Neuausgabe der erstmals von 1936–1938 erschienenen Romanheftserie im Neusatz in 12 Bänden
Broschüren, je  313–332 Seiten, mit Vorbemerkungen und mehreren Abbildungen
Die Neuausgabe enthält die ungekürzten Texte der von 1936–1938 von Paul Alfred Müller unter dem Pseudonym Lok Myler verfassten und im Leipziger Verlag A. Bergmann mit einem Umfang von je 48 Seiten (Format ca. 12,0 x 17,0 cm) erschienenen Romanheftserie Jan Mayen (Hefte 1–10 in der Fassung der 1949/50 im Utopia-Verlag, Backnang, unter dem Pseudonym Freder van Holk mit einem Umfang von 32 Seiten im Format ca. 14,8 c 20,8 cm erschienenen Neuausgabe; = Text „letzter Hand“ zu Lebzeiten des Verfassers). Die Titel der Hefte sind aus dem Titelverzeichnis weiter unten ersichtlich, wobei die ursprünglichen Titel der Vorkriegsausgabe in eckigen Klammern aufgeführt werden.
     Der Text ist der ab 1996 geltenden neuen Rechtschreibung angepasst worden, ansonsten aber unverändert geblieben; lediglich offensichtliche Rechtschreibfehler sind berichtigt worden, soweit sie nicht (z. B. mundartlich bedingt) als beabsichtigt erscheinen.
     Die Abbildungen auf den Heftumschlägen wurden laut Impressum für die Hefte 1–37 von ‚W. Hahn“, ab Nr. 38 von „W. Rosch“ gezeichnet. Der Kunstmaler Walter Rosch (* Leipzig 3. 7. 1900, † Löfflingen 25. 1. 1975), der nach 1945 in Nürnberg Glasfenster für die katholische Kirche und für große Gebäude, z. B. für Banken, entworfen hat, zeichnete ab 1952 etwa 15 Jahre lang politische Karikaturen für die RHEINISCHE POST und illustrierte für den Rowohlt-Taschenbuchverlag u. a. Umschlagbilder zu den Lene-Voigt-Ausgaben Säk’sche Glassigger und Säk’sche Balladen. An dieser Stelle bedanken sich die Herausgeber bei Frau Regina Berchem geb. Rosch, der Tochter des Künstlers, herzlich für die freundliche Abdruckerlaubnis der im vorliegenden Band wiedergegebenen Abbildungen.

Musterseiten Band 1, Seiten 14/15 und 20/21:

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Band 1 (Hefte 1–10, 317 Seiten, 23 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-42-0
Inhalt: Ruf in die Welt | St. Louis, hauptpostlagernd | Bandit am Wege | Die Spur des Goldes | Das gleißende Band | Die Reiherprinzessin | Flucht auf dem Hyazinthenfluss | Das verhexte Haus | Spur im Norden | Zwischen Gesetz und Tod

Vor 1945 waren utopisch-phantastische Romanheftserien in Deutschland eine Rarität; Detektiv- und Wildwest-Reihen beherrschten die Szene. Da er hier wohl eine Marktlücke vermutete, startete der Bergmann-Verlag, kurz bevor die schon erwähnte Sun-Koh-Serie auslief, zusammen mit seinem Autor Paul Alfred Müller, wieder unter dem Pseudonym Lok Myler, sofort eine ähnlich konzipierte Heftreihe, Jan Mayen, die vom Verlag jeweils auf der hinteren Umschlagseite wie folgt recht schwülstig umschrieben wurde:

Licht und schlank, stählern hart und voll geschmeidiger Kraft, reich im Wissen und zäh im Wollen, unbändige Sehnsucht in den hellen Augen – so verläßt Jan Mayen die nebelumhüllte Insel im eisigen Nordmeer, auf der er Kindheit und Jugend verlebte. Seinen Vater will er finden – den stillen Gelehrten, der wegen seiner phantastischen Ideen geschmäht und verlacht wurde, den bekannten Millionär, der zu den Reichsten Amerikas gehört, den Verschwundenen, der irgendwo in der Einsamkeit unerhörte Pläne verwirklichen soll. Und zugleich will er seine Lebensaufgabe finden, für die er unter außergewöhnlichen Umständen vorbereitet und erzogen wurde. – Jan Mayen beginnt seinen Weg durch die Welt, den er sich bald gegen Feinde, Widerstände und Schwierigkeiten in immer neuen Abenteuern erkämpfen muß. Geheimnisvolle, dunkle Zusammenhänge umfassen ihn, aber er löst Schritt für Schritt die Rätsel bis er die gewaltigste und phantastischste aller Aufgaben klar umrissen vor sich sieht: das sagenhafte Wunschland Thule aus der Starre des ewigen Eises zu lösen.

Paul Alfred Müllers Sun Koh – Der Erbe von Atlantis fiel zwar schon in die Kategorie der utopisch-phantastischen Reihen, aber erst die Nachfolgeserie Jan Mayen kann als vorrangig utopische Serie bezeichnet werden. In diesen insgesamt 120 Heften thematisierte der Autor alles, was er bisher an visionären Ideen gesammelt hatte: Es wird davon berichtet, dass einst die Sonne über Thule aufgehen wird, seine Helden haben sogar bereits das Problem der Atomzertrümmerung durch Aufhebung der Schwerkraft gelöst. Hier treten schon Zukunftsvisionen wie Hitzestrahler, Strahlen, die Amnesie hervorrufen, künstlicher Riesenwuchs, Golderzeugung durch Atomzertrümmerung, künstliche Träume und als Krönung ein Flug zum Mond auf, von den Riesen aus dem Weltraum oder einer Reise in die Urwelt ganz zu schweigen.
     Der Verfasser nahm für seine Reihe die von Professor Hermann Oberth (1894–1989) schon 1923 konzipierte und noch 1978 vertretene Idee eines stationären Weltraumspiegels auf und machte sie zum Mittelpunkt des Geschehens. Der Protagonist soll im Schlussband mit Hilfe des Weltraumspiegels Grönland in Grünland verwandeln und damit die Sonne über Thule (Heft 120) aufgehen lassen.
Aber obwohl Jan Mayen in Bezug auf den technisch-visionären Gehalt sowie vom Innovationsreichtum her der Sun-Koh-Serie weit überlegen war, konnte der neue Held, dessen Name in Heft 1 von der arktischen Insel gleichen Namens hergeleitet wird, Charisma, Anziehungskraft und Faszination des bronzehäutigen „Erben von Atlantis“ nicht erreichen. Es fehlte jenes Gefühl des „Sense of Wonder“, der Hintergrund der so viele erzählerische Möglichkeiten bietenden Atlantistheorie
     In den ersten zehn Heften werden die Hauptpersonen der Handlung vorgestellt und wird der Handlungsrahmen angerissen. Die Geschichten handeln von der Suche des Helden nach seinem Vater und von der Jagd nach seiner entführten „Dulcinea“ Ursula van Thiel. Die in den Heften 6 (Die Reiherprinzessin) und 7 (Flucht auf dem Hyazinthenfluß) verwendete der Autor unter dem Pseudonym Rolf Hermes 25 Jahre später übrigens nochmals in dem Leihbuch Die Reiherjäger.
     Ebenso wie es für Sun Koh nach 1945 eine Renaissance gegeben hatte gab es auch für Jan Mayen eine Wiedergeburt, wenn auch mit kürzerer Lebensdauer:
     Unter dem Serientitel Jan Mayen – Der Herr der Atomkraft unter gleichzeitiger Bezeichnung Utopia Zukunftsromane auf dem Heftumschlag tauchte Müllers Held in der Zeit von Dezember 1949 und April 1950 noch einmal auf. Der Utopia-Verlag in Backnang (Inhaber Edward R. Schätz) brachte in diesem Zeitraum zehn Ausgaben unter dem neuen Pseudonym Freder van Holk in den Handel. Mit der Nr. 10 (Strahlen aus dem All) stellte das Unternehmen die Herausgabe allerdings bereits wieder ein. Auch die vollmundige Eigenwerbung jeweils auf S. 36 der Hefte konnte hieran nichts ändern:

Jan Mayen[,] DER HERR DER ATOMKRAFT, ist ein Deutschamerikaner, den sein Vater auf der gleichnamigen Insel im Nordmeer erziehen ließ, um ihn für eine besondere Aufgabe vorzubereiten. Er soll das Eis Grönlands mit Hilfe einer künstlichen Spiegelsonne auftauen und dieses Land, welches wahrscheinlich mit dem sagenhafte Thule identisch ist, so einer Besiedlung zugänglich machen.
Jan Mayen ist ein Mann, den die Natur mit allen Geistes- und Körperkräften reichlich ausgestattet hat. Wie er nun sein Vorhaben in die Tat umsetzt, das schildern die hundertzwanzig phantastischen Zukunftsromane dieser Heftchenreihe. Die Handlung spielt in Tagen, die der Jetztzeit um einige Jahre vorausliegen. Atomraketen, künstliche Monde, willkürliche Beeinflussung des Wetters, Übersprengstoffe, Gedankensender, Energiestrahler, künstliches Gold, die Tarnkappe, Todesstrahlen, Tiefseetaucher, Aufhebung der Schwerkraft, Weltraumstationen, künstliche Spiegelsonnen, unsichtbares Feuer, Umlenkung des Golfstromes, Wachstumsbeeinflussung und unzählige andere Probleme werden von Jan Mayen und seiner Erfinderorganisation gelöst. Dabei handelt es sich bei diesen Schilderungen nicht um törichte Voraussagen, die einen echten Techniker oder Wissenschaftler ärgerlich machen müssen, sondern um Prophezeiungen, die jeder Kritik standhalten.
Der Autor dieser Heftchenreihe hat alle seine Voraussagen bereits in den Jahren 1935–1938 gemacht und Sie werden überrascht sein, wie viele seiner „Erfindungen“ heute bereits verwirklicht sind.
Erleben Sie nun in dieser Reihe zusammen mit Jan Mayen dessen unzählige Abenteuer mit verrückten Genies, geldgierigen Desperados, verschrobenen Sonderlingen und machthungrigen Politikern in allen Teilen der Welt! Jedes Heft ist ein in sich abgeschlossener Roman, aber wir sind überzeugt, daß Sie alle 120 Hefte der Reihe lesen werden, wenn Sie einmal ein einziges in die Hand bekommen. Es ist völlig unmöglich, die Abenteuer Jan Mayens zu vergessen und es ist ausgeschlossen, daß Sie sich nicht bereits auf das nächste Heft freuen, wenn Sie diese Serie begonnen haben!
Jan Mayen unterhält Sie nicht nur, er bildet Sie auch in den Problemen der modernen und zukünftigen Technik unmerklich und auf angenehme Weise weiter. Die Jan Mayen-Serie ist die beste Heftserie, die es derzeit in Deutschland gibt. Lesen Sie eines der Hefte und Sie werden alle lesen!

Inwieweit der offenbar unbefriedigende Erfolg auf die wenig attraktive Umschlaggestaltung durch das Werbeatelier Oecker in Backnang zurückzuführen ist, kann nicht mehr ermittelt werden, aber vielversprechend waren die schwarz-weiß-roten Titelbilder auf keinen Fall.
     Die Texte waren gegenüber der Vorkriegsausgabe sprachlich, insbesondere von Gedankengut der damaligen Zeit („Arische Rasse“ usw.), „gereinigt“ und die Titel größtenteils geändert worden: Aus Ruf in die Welt (Nr. 1, 1936) wurde Am Ende der Welt, aus Zwischen Gesetz und Tod (Nr. 10, 1936) Strahlen aus dem All. Lediglich die Hefte 4 und 5 blieben titelmäßig unverändert. Die auf der Rückseite der Heftumschläge angekündigten (aber nicht erschienenen) 110 weiteren Titel waren gegenüber der Vorkriegsausgabe überwiegend ebenfalls verändert worden. Diese zehn Nachkriegs-Ausgaben sind heute bedeutend seltener und damit auch teurer als die Originale der dreißiger Jahre.

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Band 2 (Hefte 11–20, 313 Seiten, 12 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-43-7
Inhalt: Der blendende Strahl | Dreitausend Stundenkilometer | Der gestohlene Sattel | Der singende Pat | Der Mondnarr | Das Haus der tausend Wunder | Die diamantene Sonne | Der ewige Magnet | Die Wunderkugel | Der Traumhut

In Band 2 breitete Paul Alfred Müller schon 1936 unter dem Pseudonym „Lok Myler“ so visionäre Ideen wie schwebende Raketen, Ultrakurzstrahlen, Elektrizitätsspeicherung mittels Magneten, futuristische Flugzeuge und künstliche Träume vor seinen Lesern aus. Der Aktionsradius reicht von Nord- und Mittelamerika über Indien und den Vorderen Orient bis nach Europa und wieder nach Südamerika.
     Es gab in den 1930er Jahren außer den Serien SUN KOH und JAN MAYEN keine vergleichbare Romanheftreihe, die derart breit gefächert auf die Vermittlung technischer Ideen im Heftgewand setzte. Lediglich die Heftreihe JOHN KLINGS ERINNERUNGEN des Leipziger Dietsch-Verlages (1931–1939) wartete sporadisch mit einschlägigen Zukunftsvisionen auf: Das Orchester der Unsichtbaren, Die Wundermaschine, Der Schuß zum Mond u. ä.
Auf den Fundus an Innovationen, der der JAN-MAYEN-Serie zugrunde lag, griff P. A. Müller in den späteren Jahren immer wieder zurück: Die JAN-MAYEN-Abenteuer Der gestohlene Sattel (Nr. 13) und Der singende Pat (Nr. 14) verarbeitete der Autor z. B. zusammen mit drei weiteren JAN-MAYEN-Abenteuern aus dem höheren Nummernbereich 1960 zu dem SUN-KOH-Buch Nr. 35 (Der singende Gaucho) des Borgsmüller-Verlages, Münster.
     Dass Paul Alfred Müller sich Anregungen für seine SUN-KOH-Heftserie von Robert Kraft (1869–1916), insbesondere aus dessen Lieferungsroman Atalanta. Die Geheimnisse des Sklavensees (Dresden: Dresdner Roman-Verlag, 1911) holte, ist allgemein bekannt. Aber auch bei JAN MAYEN sind derartige Anleihen festzustellen:
In Das Haus der tausend Wunder (Nr. 16) bewegt sich der Held in einem Haus, das über eine sehr große Anzahl von Räumen zu verfügen scheint; später stellt sich heraus, dass diese Illusion durch einen technischen Trick hervorgerufen worden ist.
     In der uns vorliegenden Atalanta-Ausgabe des Verlagshauses Freya, Heidenau-Nord, aus dem Jahre 1922 (S. 1545) erklärt Littlelu dem Leutnant Torres das „Haus mit den zehntausend Zimmern“. Auch hier werden die Illusionen mit Hilfe technischer Mittel erzeugt.
     Zu einer Zeit, in der in Deutschland Wissenschaftler sich mit der Atomkraft gerade erst zu beschäftigen begannen, hatte Müller in seiner Erzählung Die Wunderkugel (Nr. 19) bereits vor den Gefahren atomarer Katastrophen gewarnt, sprach hier von einem glühenden Flammenmeer, Kraterbildung und der Vernichtung ganzer Stadtteile.
Die letzte Folge dieses Bandes, Der Traumhut (Nr. 20), hat der Autor 24 Jahre später in den Roman Die tödlichen Träume (STEVE-CORELL-Buchreihe des Borgsmüller-Verlages, Münster, 1960) eingearbeitet. In diesem Fall übernahm er sogar die Figur des Erfinders (Professor Sporli) aus der Heftausgabe in die Buchfassung.

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Band 3 (Hefte 21–30, 317 Seiten, 12 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-44-4
Inhalt: Durchbruch in Maracaybo | Hölle und Paradies | Das Tal des Vergessens | Schuß aus dem Dunkel | Vorhof der Unterwelt | Das brennende Ziel | Das gefährliche Auge | Zehn Jahre später | Der Indianerjäger | Der Rächer

In diesem Band durchstreift der jugendliche Held den amerikanischen Kontinent und verweilt auf Stippvisiten in Venezuela, Honduras und Brasilien. P. A. Müller stellt in diesen Erzählungen so utopische Wunschträume vor wie das mit Atomenergie angetriebene Luftschiff oder den Kathodenzerstäuber, der beliebige Stoffe dauerhaft mit Goldstaub überziehen kann. Der Atomantrieb hätte dem realen Luftschiff „Hindenburg“ gut getan; es wäre dann wohl nicht am 6. Mai 1937 in Lakehurst explodiert.
In unseren Tagen können Hausbesitzer mit Infrarot-Geräten „durch die Wände sehen“ und feststellen, ob die Wärmeisolierung zufriedenstellend ist. Der Autor Müller alias Lok Myler fabulierte bereits 1936 von Geräten, mit denen man durch die Wand sehen konnte.
     Und auch in diesem Zyklus beschäftigt sich Müller mit den Gefahren, die die Atomforschung mit sich bringt; erneut malt er das Menetekel eines Atombrandes aus, berichtet von Kraterbildung und glasig-geschmolzenen Wänden.
     Wie auch schon zu Band 2 dieser JAN-MAYEN-Gesamtausgabe ist auch hier festzustellen, dass der Verfasser dieser Heftserie sie später quasi als „Steinbruch“ für seine Buchausgaben benutzte: Die Heftfolgen Durchbruch in Maracaybo (Nr. 21), Hölle und Paradies (Nr. 22), Das Tal des Vergessens (Nr. 23), Vorhof der Unterwelt (Nr. 25) und Zwischen den Gängen (Nr. 36) verarbeitete er 1960 für die SUN-KOH-Leihbuchausgabe des Borgsmüller-Verlages in Münster zum Roman Vorhof der Unterwelt (Band 32). Aber auch in SUN-KOH-Leibuch Band 35 (Der singende Gaucho) hat der Autor JAN-MAYEN-Abenteuer integriert. In diesem Fall waren es die Hefte Zehn Jahre später (Nr. 28), Der Indianerjäger (Nr. 29) und Der Rächer (Nr. 30).
     Dass Paul Alfred Müller gern auf Robert Kraft als Ideengeber zurückgriff, wurde schon in den Vorbemerkungen zu Band 2 erwähnt; dass er aber auch in den 1930er Jahren immer „auf der Höhe der Zeit“ war, verrät folgendes Detail: Im Jahre 1931 veröffentlichte Walter Kabel (1878–1935) in seiner Taschenbuchreihe ABSEITS VOM ALLTAGSWEGE unter dem Pseudonym Max Schraut als Nr. 26 die Erzählung An den Feuern der Ewigkeit. In diesem Abenteuer erforschen die Helden eine Höhle an der Südgrenze Mexikos und stoßen im Erdinneren auf Riesenkäfer, urzeitliche Krokodile und Riesenmaulwürfe.
     Auch Müllers Protagonisten in JAN MAYEN begeben sich in den hier vorgelegten Erzählungen auf eine Expedition ins Erdinnere, in diesem Falle in die Höhlenwelt von Honduras. Sie treffen dort auf urzeitliche Tiere wie riesige Molche, grandiose Fledermäuse und – Riesenmaulwürfe!
     Ehe man die Duplizität der Ereignisse kritisiert, sollte man allerdings bedenken, dass ja auch schon Walter Kabel diese Idee von Jules Verne aus dessen Reise zum Mittelpunkt der Erde (OA Voyage au centre de la terre, Paris: Hetzel, 1864; dt. Wien/Pest/Leipzig: Hartleben, 1873) übernommen hatte …

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Band 4 (Hefte 31–40, 313 Seiten, 13 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-48-2
Band 4 vergriffen, Nachauflage bei mindestens 10 Vorbestellungen; es fehlen noch 9 Bestellungen.
Inhalt: Die rettende Kraft | Der grüne Drachen | Kameraden der Zukunft | Die wächsernen Wächter | Der gestohlene Platz | Zwischen den Gängen | Drei Messer | Das stählerne Gehirn | Die steinerne Ellipse | Das Schiff der Gläubigen

In einer Zeit, in der für die „arbeitende Bevölkerung“ Urlaub oft noch ein Fremdwort war und Fernreisen zu den Wunschträumen gehörten, bot Paul Alfred Müller alias „Lok Myler“ seinen überwiegend noch im jugendlichen Alter befindlichen Lesern eine große Bandbreite an „Traumreisen“. Zusammen mit der jungen Identifikationsfigur konnten sie so wenigstens im Geiste reisen und ihre Sehnsucht nach Abenteuern in fernen Ländern befriedigen. In den vorliegenden zehn JAN-MAYEN-Abenteuern kämpft und siegt der Protagonist in Brasilien, Kanada, den USA, Island, Deutschland, Großbritannien, Süd- und Zentralafrika und im Indischen Ozean.
Die Entwicklung der Handlung bekommt gleich im ersten Band dieser Zusammenstellung einen entscheidenden Impuls: Der Held übernimmt von seinem erkrankten Vater die Verantwortung für das utopische Projekt der Grönland-Enteisung mittels eines Weltraumspiegels.
Wenn dem Serienhelden Jan Mayen auch die mythologische Überhöhung fehlt, die der Autor seinem Maya-Spross Sun Koh angedeihen ließ, so ist diese Nachfolgereihe aus dem Blickwinkel der Innovationen, wie schon mehrmals erwähnt, bedeutend inhaltsreicher. In den vorliegenden Folgen hebt der Verfasser beispielsweise mit dem hier eingeführten Metall „Dietan“ die Erdanziehung auf, er beschreibt eine Strahlenwaffe, die Materie zu Staub zerfallen lässt, und ein Infrarot-Sichtgerät; man bewegt sich in automatisch oder ferngesteuerten Flugzeugen.
NASA-Ingenieure träumen von der Urbarmachung des Nachbarplaneten Mars und sprechen in diesem Zusammenhang von „Terraforming“. Man stellt sich vor, im Laufe von Jahrhunderten den Boden des Planeten (wieder) fruchtbar und seine Atmosphäre atembar werden zu lassen.
Mit dem Problem der Verbesserung des Bodens, mit der Erzeugung von Humus, beschäftigte sich Müller bereits 1934. In der SUN-KOH-Folge Die flüssige Pest (Nr. 51) ging er auf die humuserzeugenden Fermente (heute als Enzyme bezeichnet) ein. Auch im vorliegenden Sammelband kommt er in Nr. 35 (Der gestohlene Platz) noch einmal auf dieses Thema zurück, und schließlich hat Müller es 1952 sogar zum Mittelpunkt seines Romans Humus (Bielmannen-Verlag, München) gemacht.
Immer wieder erstaunt uns der Autor mit Ideen und Aussagen, die man im Rahmen einer sogenannten Groschenheftserie nicht erwarten würde. Er setzte zu einem Diskurs zum Thema „Kraft der Seele“ an, versuchte einen Existenzbeweis der Seele zu kreieren. Wie so viele Autoren jener Zeit musste auch Herr Müller Kotau vor der herrschenden Klasse machen; so herrscht bei seinen deutschen Bauern im Ausland noch Zucht und Ordnung in der Familie oder man stößt hier auf die Aussage, dass die Germanen mehr Kultur im Leibe hätten als gewisse andere Völker, die uns immer „vor die Nase gehalten“ werden. Da die Hefte dieses Sammelbands 1937 erschienen, werden die Engländer hier noch als Vertreter einer großen Kulturnation vorgestellt und Müller singt ein Loblied auf englische Traditionen.
Fast ein Vierteljahrhundert später (1960) hat Müller übrigens die drei JAN-MAYEN-Hefte 37 (Drei Messer), 38 (Das stählerne Gehirn) und 39 (Die steinerne Ellipse) in Band 31 (Die steinerne Ellipse) der SUN-KOH-Leihbuch ausgabe des Borgsmüller-Verlages, Münster, eingearbeitet.

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Band 5 (Hefte 41–50, 314 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-49-9
Inhalt: Der Schatzsucher | Sven Horre kehrt heim | Das perlende Meer | Das sterbende Land | Das verlorene Wunder | Das unsichtbare Feuer | Der weiße Hirsch | Die Seuche | Der künstliche Acker | Jim, der Schläfer

In den hier vorgelegten zehn JAN-MAYEN-Folgen steht die abenteuerliche Handlung im Mittelpunkt. Die Innovationen treten dagegen etwas in den Hintergrund, obwohl Paul Alfred Müller gerade in diesem Zyklus mit Themen aufwartet, die ihn immer wieder beschäftigt haben: Es geht u. a. um die Probleme der Energiespeicherung und der Humuserzeugung als Lösung gegen die Verwüstung von Landschaften durch zu starke Bodenausnutzung. So geht der Autor im vorliegenden Band z. B. auf eine heute vergessene Umweltkatastrophe ein, die sich in den 1920er Jahren in Kanada abspielte, als die Weizenfelder aufgrund zu starker Ausnutzung fast zu Wüsten wurden.
In der SUN-KOH-Serie hatte Müller zum ersten Mal seine Idee einer zukünftigen Energiespeicherung vorgestellt. Hier (Nr. 12, Der eisige Blitz) wurde sie allerdings zu verbrecherischen Zwecken benutzt. Auf diese Erfindung der „aufwärts fließenden Wärme“, also die Eigenschaft, dass ein Gegenstand die Energie nicht abgibt, sondern aufnimmt, kommt Müller in der JAN-MAYEN-Serie (Nr. 44, Das sterbende Land) zurück. Mit einer kalten Kugel, die Wärme abgibt, präsentiert er ein scheinbares Perpetuum mobile.
In seinem Buch Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg (Leipzig: Bergmann, 1939; Neuausgabe: Lüneburg: Dieter von Reeken, 2011) baute Müller sein Gedankengebäude um diese Innovation in der Episode „Das eisige Feuer“ weiter aus.
Und schließlich kam er 1948 in dem Roman Und alle Feuer verlöschen auf Erden (Braunschweig: Löwen) noch einmal auf diese Idee zurück. Hier verwertete er, mit veränderten Personennamen, die Handlung der JAN-MAYEN-Hefte Nr. 44 (Das sterbende Land), Nr. 45 (Das verlorene Wunder) und Nr. 46 (Das unsichtbare Feuer).
Sogar in dem 1960 erschienenden Band 31 (Die steinerne Ellipse) der SUN-KOH-Leihbuchausgabe (Münster: Borgsmüller) stößt man noch einmal auf JAN-MAYEN-Abenteuer. Hier sind es die Hefte 41 (Der Schatzsucher) und 42 (Sven Horre kehrt heim). In diesen beiden Folgen nahm Müller offenbar Motive des Grafen von Monte Christo und auch der Dreyfus-Affäre auf, die zwischen 1894 und 1906 nicht nur Emile Zola („J’accuse“), sondern ganz Europa erregt hatte.
Falls nun der Eindruck entstanden ist, der Autor habe mit der Zweitverwertung neue Wege beschritten, so trifft dies allerdings nicht zu. Im Genre der Belletristik ist und war dies eine übliche Praxis. Ob man da z. B. an den Science-Fiction-Autor Robert Heinlein oder an Schriftsteller aus dem Bereich der Kriminalliteratur wie Dashiell Hammet oder Raymond Chandler denkt, sie alle „kannibalisierten“ ersten Gehversuche und weiteten ihre Novellen später zu Romanen aus.

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Band 6 (Hefte 51–60, 317 Seiten, 15 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-51-2
Inhalt: Überfall am Kranichfluß | Die gelben Barren | Die Doppelgänger | Violan | Schatten hinter dem Vorhang | 50 000 Atmosphären gestohlen! | Der Stellvertreter des Toten | Die leeren Boote | Die Sklavensteine | Der große Pavian

In den Verträgen zu den Heftserien SUN KOH und JAN MAYEN war in den 1930er Jahren festgehalten worden, dass nach dem Auslaufen der jeweiligen Reihe die Abenteuer in Buchform erscheinen konnten. Zu diesem Zweck legte Paul Alfred Müller alias Lok Myler die Handlung so an, dass jeweils vier aufeinander folgende Hefte später zu einem Buch umgeformt werden konnten. Aus der SUN-KOH-Heftreihe entstanden beispielsweise zwischen 1937 und 1939 insgesamt zehn Buchausgaben. Kriegsbedingt ist es im unmittelbaren Anschluss daran zu weiteren Buchausgaben nicht mehr gekommen.
Dieser Vier-Hefte-Zyklus wurde zum Teil auch in der JAN-MAYEN-Serie eingehalten, obwohl es ab und zu Überlappungen gab. Die Auswirkungen des im Jahre 1939 ausgebrochenen Weltkrieges verhinderten auch hier, dass die JAN MAYEN-Hefte gleich nach dem Auslaufen der Serie zu Büchern umgewandelt wurden. Im Falle der Hefte 54–56 geschah dies allerdings 24 Jahre später in gewisser Weise doch noch: In der SUN-KOH-Leihbuchreihe des Borgsmüller-Verlags, Münster, verwendete der Autor 1961 diese JAN-MAY EN-Erzählun gen für das SUN-KOH-Buch Nr. 36, Violan.
Die Verträge zwischen Müller und dem Bergmann-Verlag legten u. a. fest, dass jedes Abenteuer einen belehrenden Kern enthalten, also Wissensvermittlung unter dem Deckmantel des Abenteuers leisten sollte. Der Verfasser integrierte im vorliegenden Band beispielsweise Gedankengut zu Themen wie Hydrokultur, der künstlichen Golderzeugung oder dem Einsatz von Selenzellen zur Steuerung von Eingangstoren. Sehr interessant sind die Ausführungen zu neuen Werkstoffen, die hier unter hohem Druck aus dem Gas Helium erzeugt werden unter Hinweis darauf, dass auch Wasser oder Öl unter einem derartig hohen Druck (50 000 Atmosphären) steinhart werden. Ganz modern mutet auch die Idee an, Hausmüll in Bausteine für den Hausbau umzuwandeln und so gleichzeitig das Müllproblem zu lösen.
Aber P. A. Müller wies nicht nur auf all die Innovationen hin, die zu seiner Zeit sozusagen „in der Luft lagen“, er äußerte sich auch zu wissenschaftlichen oder philosophischen Fragen, wobei er allerdings aus heutiger Sicht manchmal falsch lag, wie etwa bei der Vermutung, dass wir einer neuen Eiszeit entgegensehen.
Aus unbekannten Gründen, vielleicht aus Bequemlichkeit oder wohl eher unter Zeitdruck, kopierte er in den JAN-MAYEN-Heften 52 (Die gelben Barren) und 53 (Die Doppelgänger) weitgehend den Inhalt der SUN-KOH-Hefte 26 (Die Schatten von Lissabon) und 27 (Die sprechende Schleuse).
Trotz dieses kleinen „Schönheitsfehlers“: Auch in den hier vorgestellten zehn Folgen unterhält uns der Autor wieder prächtig.

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Band 7 (Hefte 61–70, 327 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-54-3
Inhalt: Das Meer in Afrika | Der Regenprofessor | Die gläserne Kugel | Tillyt | Alarm über Europa | Heiho –„Ohio“! | Zusammenbruch am Golfstrom | Mr. Steele lächelt | Der Mann ohne Kopf | Die Unsichtbaren

Die zwei Jahrzehnte zwischen den beiden Weltkriegen waren das goldene Zeitalter der technischen Großprojekte, ob es sich nun um Landgewinnung aus dem Meer, Energiegewinnung durch riesige Staudämme oder die Trockenlegung von Sümpfen handelte.
Der Münchner Architekt Herman Sörgel (1885–1952) trat zu Beginn der 1930er Jahre mit der Idee an die Öffentlichkeit, die Straße von Gibraltar durch einen Damm zu schließen und so das Mittelmeer trocken zu legen. 1 Herman Sörgel hatte mit seinen Visionen Furore gemacht und diverse Schriftsteller angeregt, sich mit dem Thema erzählerisch zu beschäftigen,
z. B. Titus Taeschner (1869–?) 2 und John Knittel (1891–1970) 3.
Später erweiterte Sörgel sein „Atlantropa-Projekt“ mit der Idee, durch einen Damm den Kongo aufzustauen und so im Kongobecken ein Meer entstehen zu lassen. Genau um das Projekt einer zentralafrikanischen Seenplatte dreht sich auch die Handlung in Das Meer in Afrika (JAN MAYEN 61). Man ersieht daraus wieder einmal, dass P. A. Müller immer die Hand „am Puls der Zeit“ hatte.
Im vorliegenden Band 7 der JAN-MAYEN-Gesamtausgabe werden außerdem zwei besonders interessante Zyklen zusammengeführt. In den Geschichten, die sich um die Erfindung des „Tillyts“ drehen, präsentiert der Autor eine erstaunliche Innovation, die für die visionären Pläne seines Titelhelden geradezu prädestiniert zu sein scheinen. Aber auch für den Kriegseinsatz ergeben sich Einsatzmöglichkeiten, was die „Händler des Todes“ auch sofort geradezu magisch anzieht. Aus dieser Ausgangssituation konstruierte der Verfasser eine packende Handlung, in deren Mitte das Blitzeis „Tillyt“ steht. Jeder Kriminalschriftsteller wäre im Übrigen auch begeistert von Müllers Idee, dem Inspektor einen Fall vorzulegen, in dem das Opfer auf einer Parkbank vorgefunden wird und die Obduktion ergibt, dass der Tote dort gleichzeitig erstickt und erfroren ist.
Für die SUN-KOH-Leihbuchreihe des Borgsmüller-Verlags verarbeitete Müller über 20 Jahre später die hier vertretenen JAN-MAYEN-Hefte 62–64 und präsentierte sie als Band 34 unter dem Titel Tillyt. 4 Man kann also viele der JAN-MAYEN-Erzählungen als Vorstufen zu seinen späteren utopisch-technisch-phantastischen Romanen betrachten. Müller ging hier ebenso vor wie die meisten amerikanischen Science-Fiction-Autoren seiner Zeit, die ihren Start auf den Seiten der „Pulp“-Magazine hatten und die dort veröffentlichten Stories später zu Romanen ausarbeiteten.
Der zweite Zyklus dreht sich um das große Thema der Golfstrom-Umlenkung und deren Auswirkungen auf das europäische Klima. Auch diesen Handlungskomplex recycelte der Verfasser gut 15 Jahre später in seinem Roman Das Ende des Golfstroms. 5
Das Thema „Golfstrom und seine Auswirkungen“ war insbesondere in den 1920er Jahren en vogue, doch schon 1913 war ein erster Beitrag hierzu von Hans Ludwig Rosegger (1880–1929) erschienen. 6 Ab 1923 folgten Romane von Otto Erich Kiesel (1880–1956) 7, Hans Dominik (1872–1945) 8, Georges Gustave Toudouze (1877–1974) 9, Artur Földes (1878–1938) 10 und Paul Gille 11. In fast all diesen Romanen versuchen amerikanische Magnaten den Golfstrom von Europa abzukoppeln, wobei der Roman von Földes besonders interessant ist, denn hier wie bei den JAN-MAYEN-Heften 65–68 dreht sich die Handlung um einen amerikanischen Industriellen, der den Golfstrom von Europa ablenken will. Übrigens trat 1959 noch als antiquiert wirkender Nachzügler der Dominik-Epigone Volkhard August Scherl 12 auf.
In den abschließenden zwei Erzählungssträngen des vorliegenden Bandes geht es um einen uralten Menschheitstraum – die Tarnkappe. Die Titelbilder der Hefte 69 (Der Mann ohne Kopf) und 70 (Die Unsichtbaren) visualisieren diesen Wunschtraum.
Müller hat hier erneut auf das Vorbild SUN KOH zurückgegriffen. Im SUN-KOH-Heft 59 (Die Unsichtbaren) hatte er bereits ein vergleichbares Szenario entwickelt. Sowohl hier wie auch in besagten JAN-MAYEN-Abenteuern operieren die Protagonisten mit den erweiterten Möglichkeiten des Mediums Fernsehen. Sie können hier mit Hilfe eines Geräts durch Mauern blicken und sogar in bewegliche Objekte wie Flugzeuge oder U-Boote hineinschauen.
Ob Paul Alfred Müller das erstmals 1923 erschienene Buch Das elektrische Fernsehen und das Telehor von Dénes von Mihály (1894–1953) 13, in dem u. a. der damalige Stand der Forschung zusammengefasst wurde, gekannt und daraus seine Ideen geschöpft hat, konnte nicht ermittelt werden, aber als 1937 die entsprechenden JAN-MAYEN-Abenteuer erschienen, gab es in Berlin bereits Fernsehstuben; sie waren 1936 anlässlich der Olympischen Spiele eingerichtet worden. JAN MAYEN befand sich also in bester Gesellschaft.
Auf eine Besonderheit ist noch hinzuweisen: Die Handlung der Folge 69 (Der Mann ohne Kopf) kommt völlig ohne Mitwirkung der Titelfigur Jan Mayen aus.

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Band 8 (Hefte 71–80, 332 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-55-0
Inhalt: Der treibende Berg | Gefangen im Paradies | Riese wider Willen | Der Tag der Wunder | Die rote Wolke | Ein Stückchen Blech | Die schwarze Schlucht | 100 000 km über der Erde | Gefahr aus dem Weltenraum | Verrat!

In den im vorliegenden achten Band der JAN-MAYEN-Gesamtausgabe enthaltenen Heften 71–80 brannte „Lok Myler“ (= Paul Alfred Müller) ein wahres Feuerwerk von Ideen ab. Er vergaß aber auch nicht, den notwendigen Spannungsbogen zu erzeugen und beizubehalten, der zum „Fesseln“ der Leser notwendig ist.
     In den Nummern 71, 72 und 79 tritt erneut Jan Mayens Gegenspieler Micero auf. Jeder Serienheld benötigt zur Erzeugung eines genretypischen Charismas einen Antipoden, einen schier übermächtigen Schurken, der jeweils nur im letzten Augenblick besiegt werden kann.
     P. A. Müllers langjähriger Weggefährte und Mitarbeiter Helmut K. Schmidt (RAH NORTEN) teilte uns zu diesem Thema mit, dass ihm der Autor einmal (1940) gesagt hatte: „Als aufmerksamer Leser werden Sie bemerkt haben, daß ich bei den ersten Bänden JAN MAYENs noch herumprobiert habe.“ Mit seinen 17 Jahren hatte der junge Mann damals nichts davon bemerkt, er war von Lok Myler begeistert und begegnete seinen Werken völlig unkritisch. Erst später erkannte er, dass der Autor damals längere Zeit mit den Hauptfiguren experimentiert und sie nicht so konsequent eingesetzt hatte, wie es bei der SUN-KOH-Serie der Fall gewesen war:
     Sun Kohs treue Begleiter und Beschützer Nimba und Hal Mervin treten bei JAN MAYEN in Gestalt verschiedener Nebenhelden auf: Don Rafael, Pat Killar, Bunny Bomfield und Barry Feltinger wechseln sich, manchmal paarweise auftretend, in dieser Rolle ab. Und auch bei den Gegenspielern des Helden schwankte der Autor eine Zeit lang: War es ursprünglich der Millionär Rubbard, so trat danach kurzfristig Buc Clish an dessen Stelle, ehe sich Müller für Juan Vincente Micero als Erzfeind entschied.
Es ist allgemein bekannt, dass der Verfasser das reichhaltige Schaffen des Kolportageautors Robert Kraft (1869–1916) als „Steinbruch“ benutzte, um daraus Versatzstücke zu entnehmen, wie auch in einigen der vorliegenden Abenteuer geschehen: In Krafts erstmals 1911 erschienenem Lieferungswerk Atalanta. Die Geheimnisse des Sklavensees (Dresden: Dresdner Roman-Verlag, 1911) wird der Held, Graf Felsmark, von einer Miss Morgan unerwidert geliebt. Um den störrischen Angebeteten zur Vernunft zu bringen, sperrt ihn die Dame ein und vollführt auch noch einen „Striptease“ vor den Augen ihres Opfers.
     Müller ließ sich davon inspirieren und baute 1934 eine ähnliche Szene in das SUN-KOH-Abenteuer Das Tal der Sklaven (Nr. 77) ein. Hier ist es Lady Houston, die den bronzehäutigen Apollo hinter Gitter bringen lässt, um ihn so gefügig zu machen. Auf die gleiche Ausgangssituation treffen wir bei JAN MAYEN in dem Abenteuer Gefangen im Paradies (Nr. 72). Die Schwester des Schurken Micero, Isabel Walker, sperrt den Protagonisten aus dem gleichen Beweggrund in einem Pantherkäfig ein.
     Bleiben wir noch bei Robert Kraft: So wie er, der seine Novellen später zu Romanen ausarbeitete, ging bekanntlich auch P. A. Müller vor. Die Erlebnisse Jan Mayens in den Heften 78 und 79 (100 000 Kilometer über der Erde und Gefahr aus dem Weltenraum) integrierte er 1955 in den utopischen Roman Trauben aus Grönland (Berlin: Gebrüder Weiß), einen Roman, in dem die Zukunftsvision Jan Mayens und seines Vaters Wirklichkeit wird, wobei man aufgrund der gegenwärtig prognostizierten Klimaveränderungen allerdings vermuten kann, dass aus Grönland tatsächlich einmal Grünland wird, und das ohne den Einsatz eines Weltraumspiegels!
     Gerade die im vorliegenden Band wiedergegebene Erzählung 100 000 Kilometer über der Erde verdient unsere besondere Beachtung: Hier geht Müller intensiv auf das Thema „Weltraumfahrt“ ein. Die Helden setzen einen kugelförmigen Satelliten im Weltraum aus, wobei sie genau so vorgehen wie heutige Astro-/Kosmonauten, indem sie einfach den Satelliten bei geöffneter Luke ausschweben lassen. Als Antriebsart dient bei Müller der Wunschtraum aller Weltraumenthusiasten – die Aufhebung der Schwerkraft.
     Dazu passt eine Meldung aus unseren Tagen, nach der der Teilchenphysiker Brian Cox erkannt haben will, dass die Gravitation gewissermaßen der Schlüssel zum gesamten Verständnis des Kosmos sei. Was ihn mit Paul Alfred Müller verbindet, ist die gleiche Hybris: Brian Cox bezweifelt die derzeit existierenden Gravitationstheorien eines Isaac Newton und Albert Einstein. Dazu passt eine weitere Meldung aus jüngster Zeit, wonach sich der Mond jährlich um drei Millimeter von der Erde entfernen soll und Experten dafür keine Erklärung haben. Drei Millimeter – das hört sich nicht nach viel an, aber das Phänomen ist, wenn es denn zutrifft, mit keiner der herrschenden mathematisch-physikalischen Modellrechnungen zu erklären.
     Dass feststehende Theorien ad absurdum geführt werden können, zeigt sehr schön ein Beispiel aus der Paläontologie. Dort war man jahrzehntelang der Meinung, die Dinosaurier seien schwerfällige Kreaturen gewesen; in der heutigen Betrachtungsweise haben sie sich zu gefiederten, grellbunten „Sprin tern“ entwickelt.
     Und noch eine interessante Stelle aus der 1938 erschienenen JAN-MAY EN-Folge 100 000 Kilometer über der Erde (Nr. 78) verdient Beachtung: Hier stoßen die Protagonisten in 200 km Höhe auf elektrische Stürme; im Jahre 1958 entdeckte der amerikanische Physiker James Alfred Van Allen, dass um den Erdball zwei Strahlungsgürtel liegen, Zonen ionisierter Strahlung von hoher Intensität.
Müller geht auch auf die Zukunftspläne des Titelhelden ein: Wie Sun Koh, der sich für den „Tag X“ mit diversen Schutzmaßnahmen und Waffen versah, rüstet sich auch Jan Mayen und versammelt in seinem Arsenal z. B. die technischen Voraussetzungen, um Regen zu erzeugen oder ganze Meere erstarren zu lassen, und natürlich fehlt auch nicht der alte Alchemisten-Wunschtraum, Gold zu erzeugen.
In den 1930er Jahren, in denen diese Erzählungen geschrieben wurden, befand sich das Erdalkalimetall (Magnesium) in den Händen vieler Fotografen. Es wurde als Pulver auf die Pfanne vor einer speziellen Pistole aufgehäuft oder es befand sich in einer kleinen Papiertüte, die an einem Stab hochgehalten und angezündet wurde. Die dann entstehende blitzartige Verbrennung führte meistens dazu, dass die fotografierten Personen weit aufgerissene Augen hatten.
     Auf diese Erscheinung geht Müller in den Erzählungen um den Erfinder Will Kirber in Der Tag der Wunder (Nr. 74) und Die rote Wolke (Nr. 75) ein. Er präsentiert hier die Idee des „brennenden Eisens“: So wie Magnesium entflammbar ist, sei auch jedes andere Metall, z. B. pulverisiertes Eisen, in einen „semipyrophoren“ Zustand zu versetzen. Man könne damit die Kohle als Brennstoff ablösen und Eisenpulver zum Kochen und Braten benutzen. Im vorliegenden Fall wird die Erfindung aber auch als Waffe benutzt; in der Luft zum Ausbruch gebracht entsteht eine glühende Wolke, die gegen angreifende Flugzeuge eingesetzt werden kann. Absolut verblüfft ist man jedoch, wenn man in Heft 74 liest, wie Müller als erfolgreicher Visionär das „Handy“ voraussah.

Ab und zu blitzt auch seine Fähigkeit auf, humorvolle Situationen zu Papier zu bringen, wie es in Nr. 80 (Verrat!) der Fall ist. Müller, der das Verlagswesen gut kannte, beschreibt hier, wie Ladenhüter, in diesem Falle 5000 Bände einer neuen Gesundheitstheorie, durch einen witzigen Reklamefeldzug erfolgreich verkauft werden.
     1949 erschien im Rahmen der Serie FRANK KENNEY. KRIMINAL-ABEN TEUER VON HEUTE UND MORGEN als Nr. 35 das Heft Retortenriesen schrecken Europa. Der Autor Wilhelm Löbsack bediente hier die die üblichen Klischees von den wahnsinnigen Wissenschaftlern, die Unheil über die Menschheit bringen. In der Beziehung schwamm P. A. Müller mit seiner Erzählung Riese wider Willen (Nr. 73) gegen den Strom: Auch hier taucht ein Wissenschaftler auf, der die bei Erwachsenen geschrumpfte Thymusdrüse noch einmal dazu bringen will, Wachstumshormone auszusenden. Doch in diesem Fall erweist sich der Wissenschaftler geradezu als Menschenfreund, ein Verhalten, das Wissenschaftlern in der Unterhaltungsliteratur selten zugestanden wird. Das gleiche Thema behandelte Müller 1939 übrigens nochmals in seinem Episodenroman Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg.
     In Heft 77 (Die schwarze Schlucht) geht der Autor ausführlich auf Alfred Wegeners (*1. 11. 1880, † November 1930, in Grönland verschollen) Kontinentalverschiebungstheorie ein.

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Band 9 (Hefte 81–90, 335 Seiten, 15 Abb.) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-58-1
Inhalt: Mann im Koffer | Der Gefangene der Toten | Sol. tub. E … | Griff nach der Macht | Rätsel in Singapore | Barrys Rache | Der wilde Rure | Drei Mann tot – und einer fehlt | Die goldene Kurve | Schuß durch die Nacht

Die JAN-MAYEN-Serie kann zwar, was den „Sense of wonder“-Faktor anbetrifft, nicht mit dem großen Vorbild SUN KOH mithalten, dafür aber punktet sie auf dem Sektor der wissenschaftlichen Prognosen. Es muss auch immer wieder darauf hingewiesen werden, dass es, mit Ausnahme der SUN-KOH-Serie, vorher und auch nachher (Beim „Enkel“ PERRY RHODAN ist noch kein Ende abzusehen …) wohl kaum eine Heftreihe gegeben hat, die so zielbewusst auf einen visionären Höhepunkt hinsteuerte, wie es bei JAN MAYEN der Fall war. Im vorliegenden Band 9 der Gesamtausgabe geht der Autor mehrfach auf den „Tag X“ ein, jenem Tag, an dem der Weltraumspiegel beginnen soll, das Eis auf Grönland aufzutauen.
     Paul Alfred Müller lässt seinen Helden darüber sinnieren, wie sich dieses Ereignis auf das Klima der Erde auswirken würde. In den Folgen Der Gefangene der Toten (Nr. 82) und Drei Mann tot – und einer fehlt (Nr. 88) wird angedacht, die mit Wasserdampf gesättigten Wolken in Richtung der irdischen Wüstengebiete zu lenken. Zu diesem Zweck untersuchen Jan Mayens Männer in Nr. 88 bereits die Wüste Gobi als mögliches Auffangbecken dieser Wassermassen. Es wird aber auch spekuliert, die entstehenden Wolkenformationen in Richtung des Nordpols zu senden, dort als Schnee abregnen zu lassen und damit den Eispanzer am Pol zu verstärken.
     Aus den zehn Episoden dieses Bandes ragt die Folge Griff nach der Macht (Nr. 84) heraus, und das nicht nur, weil jenes Abenteuer besonders stringent erzählt wird und hier keine Neben-Handlungsstränge oder sogenannte „Cliffhanger“ vorkommen. Es ist auch die Erzählung mit den visionärsten Ausblicken auf eine ferne Zukunft.
     Literaturwissenschaftler, die sich mit Karl May befassen, haben das Glück, dass sich seine Bibliothek mit Sekundärliteratur erhalten hat, so dass Sie feststellen können, aus welchen Reiseberichten May bestimmte Szenen entnommen hat. Dies ist bei P. A. Müller aufgrund der Kriegsereignisse nicht möglich; es ist aber gut vorstellbar, dass er Anton Lübkes Buch Technik und Mensch im Jahre 2000 gekannt hat, was folgende Textstelle vermuten lässt:

Wer will es wissen, ob bei dem steten Fortschreiten der Erforschung der Elektrizität und des Luftmeeres es eines Tagen nicht auch möglich ist, künstliche Blitze herzustellen, die man auf Munitions- und Lebensmittellager der Feinde schleudert und sie zur Entzündung bringt … Es ist nicht daran zu zweifeln, daß in einem Zukunftskriege die Starkstromelektrizität eine große Rolle spielen wird.

     Dazu passt auch die auf S. 6 dieser Vorbemerkungen wiedergegebene kongeniale Illustration, die in jenem Werk enthalten ist. Um einen derartigen Angriff mit elektrischer Energie dreht sich auch die Handlung in der JAN-MAYEN-Folge 84, Griff nach der Macht. Ein (wieder einmal) geisteskranker Wissenschaftler will sich zum Herrn der Welt aufschwingen. Es ist ihm gelungen, auf drahtlosem Wege Starkstrom auszusenden und an beliebiger Stelle eine glühende Wolke entstehen zu lassen, die alles vernichtet, was sich an diesem Ort befindet.
     Ein ähnliches Szenario hatte Müller bereits 1936 in der SUN-KOH-Serie (Nr. 143, Der Falsche) angedacht und Jahre (1959) später in Band 19 (Telenergie) der SUN-KOH-Buchreihe des Borgsmüller-Verlages ausgeweitet.
     Die Idee, im Luftkrieg mit dem Einsatz von Starkstrom zu operieren, war für jugendliche Leser der 1930er Jahre schon ein Novum, Müller steigerte dies aber in besagter Erzählung noch um eine noch visionärere Innovation.
     Im Jahre 1955 erblickten wir Science-Fiction-Leser zum ersten Mal die Visualisierung eines energetischen Schutzschildes. Auf dem Titelbild des UTOPIA GROSSBANDs Nr. 27 (Am Anfang war nur Chaos) war eine Energieglocke zu sehen, die sich schützend über eine Zukunftsstadt ausdehnte; Johnny Bruck hatte das Titelbild gezeichnet. Für uns stellte damals die Idee einer durchsichtigen Energiewand, vorgestellt vom amerikanischen Autor Fred MacIsaak, ein Novum dar. Was uns nicht (mehr) bewusst war: Eine derartige Idee hatte P. A. Müller seinen damaligen Lesern bereits Jahre vorher in Griff nach der Macht präsentiert. Um sich gegen die Attacken des Wahnsinnigen zu wappnen, lässt er in der Erzählung über England eine „elektrische Decke“ installieren. Diese schützt gegen Starkstromangriffe, lässt allerdings unter der Glocke auch jegliche Elektrizität verschwinden, sodass kein Radio, Telefon oder Auto (elektrische Zündung) mehr funktioniert. Vor dem Ideenreichtum des P. A. Müller alias Lok Myler muss man also auch heute noch „den Hut ziehen“ …
     Am 26. August 1938 fand in Berlin die Premiere des Veit-Harlan-Filmes Verwehte Spuren statt. Es geht in diesem Spielfilm um das spurlose Verschwinden einer älteren Frau im Trubel der Pariser Weltausstellung von 1867. Erst ganz zum Schluss erfährt deren Tochter die Ursache: Ihre Mutter war an der Pest gestorben, und die Polizei ließ alle Hinweise auf die Existenz der Toten beseitigen. um eine Panik in der Stadt zu vermeiden.
     P. A. Müller dürfte diesen Film gesehen oder wenigstens die Vorberichte dazu gelesen haben, denn noch im gleichen Jahr verwendete er dieses Sujet in den JAN-MAYEN-Heften Nr. 85 (Rätsel in Singapore) und Nr. 86 (Barrys Rache): Jan Mayens „Sidekick“ Bunny verschwindet aus dem Hotel, niemand will ihn überhaupt gesehen haben. Eine ansteckende Krankheit, in diesem Falle „Tularämie“ (eine bakterielle Seuche), ist in dem Hotel ausgebrochen, in dem Jan Mayen und seine Begleiter abgestiegen sind. Die infizierten Personen (Bunny) werden isoliert und jeder Hinweis auf ihre Existenz wird ausradiert. Der Held und sein Adlatus Barry Feltinger machen sich auf die Suche nach dem spurlos verschwundenen Bunny.
     Mit der Erzählung Der wilde Rure (Nr. 87) begab sich der Autor auf das Gebiet der Radioaktivität. Die Handlung dreht sich um den Abbau von Radium. Ausführlich geht Müller hier auf das Phänomen Radium ein, beschreibt Gewinnung, Vorkommen, Nutzen und Seltenheit des strahlenden radiumhaltigen Materials. Die Handlung dieser JAN-MAYEN-Folge weist Parallelen zur Erzählung Radium. Der Fund am Großen Bären-See von Curt Riedel auf. Auch dort tobt ein Kampf um die Bergung und Nutzung des Radiums. In den Jahren zwischen 1930 und 1944 befassten sich die Print-Medien also immer wieder mit dem Thema Radium und den Möglichkeiten der Atomspaltung. Noch im Jahre 1942 erschien beispielsweise in Heft 4 der Reihe ERZIEHUNG UND BILDUNG IM HEERE ein ausführlicher Artikel mit dem Titel „Atomzertrümmerung“, verfasst von Hans-Joachim Flechtner.
     Alexander Behm (1880–1952) erhielt 1913 das Patent für die Erfindung des Echolots, jenes Geräts, mit dessen Hilfe man Hindernisse im Meer aufgrund reflektierender Schallwellen orten kann. Was das mit JAN MAYEN zu tun hat? Nun, P. A. Müller hat diese Innovation aufgenommen und gedanklich weiterentwickelt. In der Erzählung Drei Mann tot – und einer fehlt (Nr. 88) tritt der Erfinder Georg Meuren auf den Plan. Er hat das Strahlenlot entwickelt, ein Gerät mit dessen Hilfe man Metalle im Boden aufspüren kann. Für heutige Militaria-Sammler, die mit dem Metalldetektor die Wälder durchstreifen und nach alten Waffen suchen, ist das keine Neuigkeit, für das Jahr 1938 war es das aber schon. Heute verfügen Landesämter sogar über Apparaturen zur Messung elektrischer Bodenwiderständen, die es Archäologen ermöglichen, steinzeitliche Gräber zu lokalisieren, ohne zur Ausgrabung schreiten zu müssen. Auch in diesem Falle (Echolot) hatte also Müller wieder einmal die Hand am Puls der Zeit.
Vielleicht hat er aber damals aber auch von Gerhard Fischers Erfindung erfahren. Im Jahre 1937 hatte sich nämlich ein in die USA ausgewanderter Dresdener Elektroingenieur namens Gerhard Fischer den Metalldetektor patentieren lassen.
     Zum Schluss soll noch auf einen Gag hingewiesen werden, den sich Müller mit seinen Lesern erlaubte, der Titel Sol. tub. E … (Nr. 83) weckt wohl Assoziationen in Richtung „Sonne“; es geht jedoch um „Solanum tuberosum“, die lateinische Bezeichnung für die – Kartoffel! Es handelt sich auch hier um ein Detail des zukünftigen Landes Thule, um die Züchtung wetterharter Nahrungsmittel …

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Band 10 (Hefte 91–100, 338 Seiten, 13 Abb.) — 22,50 € — ISBN ISBN 978-3-940679-60-4
Inhalt: Der Wahrsager | Der Haijäger | Der Gaucho | Die Pampashexe | Das falsche Gesicht | Der grüne Tod | Selbstmörder laufend gesucht | Weißer Brand im Fels | Land der Vergangenheit | Das verzauberte Haus

Für die Nachkriegs-Heftausgabe der JAN-MAYEN-Serie, die ab 1949 im Utopia-Verlag in Backnang vollständig erscheinen sollte – geworden sind es dann nur die ersten zehn Hefte –, hatte Müller die Titelvorschau bearbeitet und eine gewisse Modernisierung vorgesehen: Aus Der Wahrsager (Nr. 91) sollte „Der Hellseher“, aus Der Haijäger (Nr. 92) „Haie der Timorsee“, aus Der Gaucho (Nr. 93) „Feuer in der Steppe“, aus Die Pampashexe (Nr. 94) „Die Hexe“ und schließlich aus Weißer Brand im Fels (Nr. 98) „Brennender Fels“ werden.
     Mit Der Haijäger lehnte sich der Autor an ein Werk der Weltliteratur an. Der amerikanische Schriftsteller Hermann Melville (1819–1891) veröffentlichte 1851 seinen berühmten Roman Moby Dick, die Geschichte eines weißen Wals, der von Kapitän Ahab ruhelos verfolgt wird. Gregory Peck verkörperte diesen Besessenen 1956 im gleichnamigen Film; das Bild, wie er am Ende auf dem harpunierten Wal liegend im Meer verschwindet, ist unvergesslich. Was das alles mit JAN MAYEN zu tun hat? Nun, der Autor liefert in der Erzählung vom Haijäger in der Timorsee seine Version jener ungewöhnlichen Auseinandersetzung zwischen Mensch und Tier. In diesem Fall dreht sich die Handlung um Kapitän Bradford und seinen verhassten Gegner, den „König der Haie“. Lesen Sie, wie der Kampf zwischen Mensch und Tier in Müllers Version ausgeht. Der Autor hat hier erneut sein Talent bewiesen, eine spannende Abenteuergeschichte stringent zu Papier bringen zu können. Diesen Textbaustein integrierte er in den 1961 im Borgsmüller-Verlag, Münster, erschienenen Abenteuerroman Der Haijäger. Aus Jan Mayen wurde dabei Steve Corell und aus Barry ein gewisser Wobb; der Titelheld – Kapitän Bradford – behielt seinen Namen.
     Ab 1985 wurde in Großbritannien der sogenannte „Rinderwahn“, die „Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE)“, was so viel bedeutet wie „schwammige Gehirnkrankheit der Rinder“, registriert. Bis 1992 stieg die Zahl der betroffenen Tiere dramatisch an. In Deutschland traten die ersten Fälle Anfang 1990 auf. Als bei einigen Menschen eine neue Variante der tödlich ausgehenden „Creutzfeld-Jakob-Krankheit“ festgestellt wurde, einer Krankheit, die durch den Verzehr von Fleisch erkrankter Rinder ausgelöst wird, führte das zu großer Verunsicherung bei den Verbrauchern. Der Absatz von Rindfleisch ging stark zurück. Nach dem Fütterungsverbot mit Tiermehl in Großbritannien 1996 begannen die Fallzahlen zu sinken. Der letzte Krankheitsfall trat aber immerhin noch 2011 in der Schweiz auf.
     Nun war P. A. Müller kein Hellseher, aber seine Vision einer derartigen Seuche erschien bereits 1938 unter dem Titel Der grüne Tod (JAN MAYEN Nr. 96). Hier erkranken Menschen in Europa und Amerika ebenfalls nach dem Verzehr von Rindfleisch, das, wie sich später herausstellt, aus einer Konservenfabrik in Chicago stammt. Bei der Krankheit handelt es sich um eine künstlich erzeugte Überempfindlichkeit durch eine Form des Leichengiftes, die bei der Zersetzung von Eiweiß entsteht. Als Verursacher entlarvt Jan Mayen einen Misanthropen, der aufgrund von Nachwirkungen seiner Kinderlähmung Rache an der Menschheit nimmt und im Schlachthof von Chicago das Fleisch infiziert.
     In den Erzählungen Selbstmörder laufend gesucht (Nr. 97) und Weißer Brand im Fels (Nr. 98) steht im Mittelpunkt der Handlung der Versuch einer Bande, den Goldschatz der USA, der in einem Tresor in Pittsburgh lagert, zu stehlen. Zu diesem Zweck arbeiteten sich die Gangster unterirdisch heran, mit Hitzestrahlern zermürben Sie die Kalksteinformationen, die sich unterhalb Pittsburghs befinden, und schwemmen das Geröll einfach fort. Ein glatter Tunnel entsteht. Lassen Sie sich vom Autor schildern, welchen Verlauf die Ausführung des Plans nimmt …
     Interessant sind in diesem Zusammenhang Müllers Ausführungen zum Thema „Kohlenstoffanteil in der Atmosphäre“. Er vermutet, dass der Kohlenstoffanteil in der Luft zum Riesenwuchs der Saurier in der Kreidezeit geführt hat. Inzwischen seien jedoch bereits zwei Drittel des ursprünglichen Kohlenstoffanteils der Erde verbraucht. Wenn dann auch das letzte Drittel dieses für alle Organismen lebenswichtigen Bestandteils der Atmosphäre entschwunden sei, wäre es das Ende jeglichen irdischen Lebens.
     Wer beschreibt unser Erstaunen, als wir genau dieses Szenario mit exakt den gleichen Worten in Rudolf Heinrich Daumanns (1896–1957) zwei Jahre nach diesem JAN-MAYEN-Heft Nr. 98 erschienenen utopischen Roman Protuberanzen (Berlin: Schützen-Verlag, 1940) entdeckten! Entweder haben beide Autoren die gleiche Quelle gehabt, oder – Daumann hat Müllers JAN MAYEN-Heft Nr. 98 gelesen? Eine interessante Vermutung!
     Im Jahre 1925 lief in Deutschlands Kinos der amerikanische Film Die verlorene Welt, ein Streifen, der auf Arthur Conan Doyles gleichnamigem Roman basierte. Der Trickfilmspezialist Willis O’Brien (1886–1962) ließ hier u. a. mittels seiner „Stop-Motion-Technik“ einen Raubsaurier mit einem Mitglied der Familie der Ceratopsidae zusammenstoßen. Ebenfalls O’Brien war für den RKO-Film verantwortlich, der in Berlin am 1. Dezember 1934 unter dem Titel Die Fabel von King Kong Premiere hatte. Auch hier wird ein Zweikampf zwischen Fleisch- und Pflanzenfresser auf der Leinwand zum Leben erweckt, und erneut steht dem Raubsaurier ein Triceratops gegenüber.
     Und genau eines dieser Mitglieder der Ceratopsidae-Familie (Centrosaurus) präsentierte auch der Zeichner Walter Rosch 1938 auf dem Titelbild des JAN-MAYEN-Heftes Nr. 99 (Land der Vergangenheit). Die Protagonisten entdecken in der Sahara eine riesige Sumpflandschaft, in der sich eine prähistorische Fauna mit Flugsauriern sowie gewaltigen Pflanzenfressern erhalten hat. Müller ließ sich hier allerdings die Chance entgehen, auf das Thema der Kreidezeit mit all seinen Facetten einzugehen. Er lässt lediglich Bunny vom Flugzeug aus einen Centrosaurier erlegen. Dafür geht er ausführlich auf die Punischen Kriege zwischen Rom und Karthago ein und beschäftigt sich mit dem Rätsel der „zehntausend Gräber“ in der libyschen Wüste.
     Unter den zehn Folgen dieses Bandes befinden sich natürlich auch einige weniger spektakuläre Beiträge. Es fällt aber auch hier auf, dass P. A. Müller realistische Dialoge zu Papier bringen konnte. Helmut K. Schmidt, sein langjähriger Begleiter und Co-Autor, teilte uns in einem Brief vom 19. Juli 2011 mit: „Da wird es Sie interessieren, dass der Autor von dieser seiner Fähigkeit auch selbst überzeugt war, ein Zeichen dafür, dass auch er ein ganz klein wenig eitel war. Wörtlich sagte er mir einmal – in den 40er Jahren – selbstverständlich mit einem belustigten Schmunzeln: ‚Müllers Dialoge sind sowieso unwiderstehlich‘. Wegen dieser Fähigkeit, lebendige und überzeugende Dialoge zu schreiben, wurde er auch bei der Ausarbeitung von Filmdrehbüchern mit zugezogen und war deshalb als ‚Filmschaffender‘ in den frühen 40er Jahren mehrfach in Babelsberg.“

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Band 11 (Hefte 101–110, ca. 336 Seiten, 17 Abb.) — 22,50 € — ISBN ISBN 978-3-940679-62-8
I
nhalt: Das schwebende Wrack | Der Malstrom | Explosion Bonnet | Das Geheimnis des schwarzen Drahtes | Die Strahlenbastion | Atomfeuer auf Grönland | Run auf Diamanten | Nacht über dem Strom | Der fasernde Stein | Der mechanische Garten

Mit der in diesem Band u. a. enthaltenen Schilderung der Abschmelzung des Grönland-Eises (Hefte 105 und 106) rückt das Ziel Jan Mayens und seines Vaters näher, das neue Reich „Thule“ zu schaffen und in Besitz zu nehmen. Der nahende Höhepunkt der JAN-MAYEN-Serie hat zwar nicht den Phantasie-Faktor einer Atlantis-Auferstehung, wie sie am Ende der Vorgängerserie SUN KOH erfolgt, aber Vorbereitung und Ablauf dieses Großereignisses werden dafür bei JAN MAYEN umso detaillierter und technisch fundierter in Szene gesetzt.
Überhaupt muss man feststellen, dass die JAN-MAYEN-Serie zu Unrecht im Schatten des „großen Bruders“ SUN KOH steht, denn in Bezug auf den utopischen, ja visionären Gehalt ist die Nachfolgereihe bedeutend reichhaltiger ausgestattet. Im Schlussband 12 unserer JAN-MAYEN-Neuausgabe wird ein Episodenführer enthalten sein, der konzentriert alle Innovationen aufführt, die Müller in diese Reihe integriert hat. Daraus geht dann hervor, wie umfassend der Autor all die technischen Entwicklungen und angedachten Visionen jener Jahre aufgenommen und verarbeitet hat.
Gegen Ende der Serie setzt der Protagonist bereits einige jener Erfindungen ein, die er im Laufe der schließlich 120 Heftfolgen in sein Arsenal überführt hat. Dazu gehören in diesem Band z. B. der Einsatz atomarer Strahler zum Abschmelzen der Eisdecke auf Grönland, der Einsatz von Tillyt (vgl. Band 7, Heft 74) zur Abkühlung des aufgeheizten Wasserdampfes und die Steuerung der entstandenen Wolkenmassen durch Luftschiffe in Richtung auf die Sahara und die arabische Halbinsel.
Das Thema „Schwerkraft“ hat Müller im Zusammenhang mit der von ihm propagierten „Hohlwelttheorie“ mehrfach als Sachbuchautor 1, 2, 3 und auch in seinen Romanen 4 behandelt. Im vorliegenden Band (Heft 102) stattet er z. B. seine Taucherkugel mit einem künstlichen Schwerefeld aus, in einem anderen Fall (Heft 109) heben astbestähnliche Fasern die Schwerkraft auf. Daneben präsentiert Müller im vorliegenden Band einen Sprengstoff in Form von Drahtstücken, installiert in seinen Luftschiffen einen Breitband-Fern schreiber, lässt künstliche Diamanten vertreiben und prognostiziert 3-D-Filme, die man ohne Spezialbrille betrachten kann, ganz zu schweigen von der künstlichen Welt unter einer Kuppel, die er in Heft 110 (Der mechanische Garten) Lesern vorstellt.
Periodisch gestattete sich Müller auch Reminiszenzen an die vorangegangene SUN-KOH-Serie: Das plötzliche Auftreten der Schwerelosigkeit in einer abgelegenen Gegend der Erde hatte er schon im SUN-KOH-Heft 20 (Die Schleier des Kondors) thematisiert. Auf das Phänomen dreidimensionaler Filmprojektion war er fünf Jahre vorher in Heft 5 (Schach dem Tode) eingegangen.
In den „Recycling“-Sektor fällt auch die Einarbeitung diverser JAN-MAYEN-Hefte in die SUN-KOH-Leihbuchreihe des Borgsmüller-Verlages: Die Hefte 105 und 106 fanden dort Verwendung in Band 34 5, die Hefte 103 und 104 in Band 36
Der Zeitgeist manifestierte sich in den JAN-MAYEN-Heften 101 (Das schwebende Wrack), 102 (Der Malstrom) und 105 (Die Strahlenbastion): In den Heften 101/102 ging Müller auf die Tauchversuche von Charles William Beebe (1877–1962) und Otis Barton ein, die 1934 vor den Bermudas mit der Taucherkugel „Bathysphere“ den damaligen Tiefseetauchrekord von 923 Metern erreicht hatten. Ein Jahr später erschien das reich illustrierte Werk 7 Beebes auch in Deutschland.
Walther Kegel (1907–1945), Verfasser diverser Zukunftsromane der 1930er Jahre, nahm noch im gleichen Jahr darauf Bezug und brachte in Zusammenarbeit mit Hans Heuer im Goldmann-Verlag, München, das Buch Tiefsee. Tauchtank 9200 Meter unterm Meeresspiegel heraus. So ist es kein Wunder dass auch Müller diese Sensation in seine Heftserie einbaute.
Zu den Themen die die Menschen in den dreißiger Jahren beschäftigten, gehörten auch die Versuche, die steile Eiger-Nordwand und das Matterhorn zu bezwingen. Im Jahre 1936 kam es an der Eiger-Nordwand zu einem spektakulären tödlichen Absturz einer vierköpfigen Bergsteigergruppe. Das Internet-Lexikon „Wikipedia“ spricht von ca. 50 fiktiven Werken (Romane, Erzählungen, Schauspiele, Gedichte) zu diesem Thema. Eugen Roth veröffentliche 1948 eine entsprechende Erzählung über das Matterhorn. 8 Das Wetterleuchten dieses tragischen Unglücks reicht noch bis in unsere Tage: 2008 kam der Spielfilm Nordwand des Regisseurs Philipp Stölz in die hiesigen Filmtheater.
1938, im gleichen Jahr, in dem das JAN-MAYEN-Heft 105 (Die Strahlenbastion) erschien, gelang es einer Gruppe (u. a. war Heinrich Harrer dabei), endlich die Nordwand zu ersteigen. Müller nimmt darauf Bezug und lässt seine Geschichte an der Eiger-Nordwand und auf dem Jungfrau-Joch spielen.
Im Gegensatz zur SUN-KOH-Serie, die er in Vierergruppen aufgeteilt hatte, um sie später in Buchform zusammenfassen zu können, beließ es Müller hier bei einer Zweiteilung der Handlung. In den Heften 101 und 102 wandelt er auf Charles William Beebes Spuren, die folgenden zwei Erzählungen drehen sich um einen Supersprengstoff in Drahtform. Das „Großreine machen“ auf Grönland läuft in den Heften 105 und 106 ab, danach erschüttert der Held die Welt in den Heften 107 und 108 durch die Platzierung künstlicher Diamanten auf dem Markt. Und schließlich geht es in den letzten zwei Heften dieser Ausgabe noch einmal um eines von Müllers Lieblingsthemen, nämlich um das Thema der Aufhebung der Schwerkraft.
Für den Utopia-Verlag in Backnang hatte P. A. Müller 1949/50 als „Fre der van Holk“ erfolglos versucht, eine JAN-MAYEN-Renaissance einzuleiten. Es erschienen jedoch nur zehn Ausgaben; auch der neue Untertitel „Der Herr der Atomkraft“ hatte dem Projekt nicht mehr Schubkraft geben können.
Die von Müller dabei vorgesehenen Titeländerungen wirken übrigens weniger interessant als die Vorkriegstitel:
Nr. 101 1938: Das schwebende Wrack; neu: „Die Tiefseetauchkugel“.
Nr. 102 1938: Der Malstrom; neu: „Gefangene der Tiefsee“.
Nr. 104 1938: Das Geheimnis des schwarzen Drahtes;
neu: „Der Übersprengstoff“.
Nr. 109 1938: Der fasernde Stein neu: „Aufgehobene Schwerkraft“.

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Band 12 (Hefte 111–120, ca. 360 Seiten, ca. 15 Abb., Episodenführer) — 22,50 € — ISBN 978-3-940679-63-5
Inhalt: Riß in der Südsee | Verbrechen mit Wasserstoff | Männer im Nebel | Die Falle | Das belagerte Haus | Der Fingerabdruck | Der Goldberg | Riesen aus dem Weltenraum | Der letzte Riegel | Sonne über Thule | Episodenführer

In den nun vorliegenden letzten zehn Episoden kommt die Handlung zum lange vorbereiteten Kulminationspunkt: Das Land „Thule“ entsteht. Das sagenhafte Reich „Thule“, in der Antike eine Bezeichnung für eine Insel im hohen Norden, hat viele Schriftsteller beschäftigt. Es ist denkbar, dass Paul Alfred Müller alias „Lok Myler“ durch Karl-August von Lafferts (1872–1938) Roman Feuer am Nordpol (1924) auf diese Idee gekommen ist. In diesem utopischen Roman errichten ebenfalls Ingenieure in der Arktis einen Staat namens „Thule“.
     Und in von Lafferts Flammen aus dem Weltenraum (1927) wird sogar schon ein Weltraumspiegel präsentiert, wenn er hier auch als Waffe eingesetzt wird.
Jan Mayens „Thule-Sonne“ ist Dreh- und Angelpunkt des Handlungsgeschehens in diesen letzten zehn Folgen. In den fünf Nummern 115-118 und 120 schildert der Autor die Stationierung des Spiegels im Orbit sowie die Auswirkungen, die diese „zweite Sonne“ auf der Erde hervorruft, indem sie das Grönland-Eis abschmilzt.
     Der im bis 1919 österreichisch-ungarischen und danach rumänischen deutsch geprägten Siebenbürgen geborene und aufgewachsene Gymnasialprofessor Hermann Oberth (1894–1989), der später vor allem in Deutschland als Pionier der Raketentechnik und Weltraumfahrt wirkte, hatte u. a. die Idee eines „Weltraum spiegels“ schon 1923 in seinem grundlegenden Werk Die Rakete zu den Planetenräumen und ausführlicher 1929 in seinem Hauptwerk Wege zur Raumschiffahrt vorgestellt.
     Damit kommen wir in das Zeitfenster, in dem P. A. Müller begann, Material für seine geplanten utopischen Romane zu sammeln. Hermann Oberth hatte prognostiziert, dass man mit Hilfe dieses Spiegels das Klima beeinflussen, z. B. Nebel verhindern, Eisberge abtauen und generell damit die Arktis fruchtbar machen könne. Selbst die Wüste Sahara könne man mit einem Weltraumspiegel, der einen Durchmesser von 300 km haben würde, bewohnbar machen. Diese Gedanken hat Oberth 1954 in seinem Buch Menschen im Weltraum, das in erweiterter und aktualisierter Neuausgabe 1978 unter dem Titel Der Weltraumspiegel erschienen ist, nochmals ausgeführt und erweitert. Er war bis zu seinem Lebensende davon überzeugt, dass das Projekt eines Tages verwirklicht werden würde.
Paul Alfred Müllers Weltraumspiegel erreicht allerdings nicht jene von Hermann. Oberth vorgeschlagene Dimension. Jan Mayens künstliche Sonne umkreist den Nordpol und verwandelt die Eismassen auf Grönland in Wasserdampf, der in Form gewaltiger Wolkenformationen sich zusammenballt und nur dank der überlegenen Technik des Nordwerks in die Wüsten Sahara und Gobi abgelenkt werden kann.
Als der Autor 1949 für den Utopia-Verlag in Backnang eine Neuauflage der JAN-MAYEN-Reihe vorbereitete, hatte er auch schon die Titelplanung bis Band 120 abgeschlossen. (Es sind dann allerdings 1949/50 nur zehn Titel tatsächlich erschienen.) Aus der Titelvorschau ging hervor, dass Müller durch eine veränderte Titelvergabe den Blickpunkt noch plakativer auf den „Aufstieg Thules“ legen wollte:

     Nr. 115 1938: Das belagerte Haus; neuer Titel: „Licht über dem Nordpol“.
     Nr. 116 1938: Der Fingerabdruck; neuer Titel: „Großmacht Thule“.
     Nr. 117 1938: Der Goldberg; neuer Titel: „Der Strahlenspiegel“.

     Die letzten drei Hefte der Jan-Mayen-Serie hat Müller übrigens in seinen 1955 erschienenen Roman Trauben aus Grönland eingearbeitet.
     Neben dem Handlungsstrang um das neue Machtzentrum Thule kommt es kurz vor dem Schluss der Serie zu einem „Ausflug“ des Verfassers, den man ihm angesichts folgender (wohl von ihm selbst verfassten) Einstufung seitens des Gebr.-Weiß-Verlages eher nicht zugetraut hätte:
     Freder von Holk sieht den utopischen Roman nicht als Ausdruck einer enthemmten Phantasie, die das Unmögliche darstellt, sondern beschränkt sich bewußt auf Probleme, deren wissenschaftliche und technische Lösung in absehbarer Zukunft als möglich erscheint. Völlig unerwartet überrascht Müller hier mit einer Invasions-Story. die eines „Doc“ Smith, Anderson oder van Vogt würdig gewesen wäre. In den Heften 118 und 119 wandern riesige außerirdische Forschungsreisende über die Erde. Die „menschlichen Ameisen“ unter ihren Füßen registrieren sie nicht. Die tausend Meter großen Besucher kamen in Raumschiffen, die einen Durchmesser von fünfzig Kilometern haben. Zum einen dürfte der Verfasser sich bei H. G. Wells’ (1866–1946) erstmals 1904 in Deutschland (Minden: Bruns) erschienenen Roman Die Riesen kommen (OA: The Food of the Gods, 1904) bedient haben. In diesem Roman lässt Wells bereits riesige Menschen auf der Erde wie Vandalen hausen und Häuser und Bäume als Spielzeug benutzen.
     Noch interessanter ist jedoch die zweite Spur: Am 30. Oktober 1938 löste Orson Welles’ Rundfunkadaption des Romans Krieg der Welten von H. G. Wells (Dt. EA: Wien, Perles, 1901; OA: The War of the Worlds, 1898) eine Panik bei den Hörern einer New Yorker Radioshow aus. Ziemlich nahe am Original beschreibt Müller die Landung der Fremden, wie sie in der Rundfunkversion des Wells’schen Romans bei Grovers Mill ablief.
     Zum Thema „Innovationen“ ist auch folgendes Detail erwähnenswert: Als wir deutschen Fans der Science Fiction in den 1950er Jahren Romane wie Am Anfang war nur Chaos 9 von Fred Mac Isaak (1886–1940), oder Zweimal ging die Welt unter 10 von Jack Williamson (1908–2006) lasen, waren wir begeistert von dieser typischen Science-Fiction-Idee einer Strahlenglocke als Schutz über den Städten der Zukunft. Wir wussten nicht, dass Paul Alfred Müller schon 1938 einen derartigen Schutzwall vorgestellt hatte. In Heft 118 (Riesen aus dem Weltenraum) beschreibt der Autor, wie sein Held die norwegische Stadt Hammerfest durch diese Schutzmaßnahme vor den Stürmen schützt, die durch das Abschmelzen des Grönland-Eises entstehen.
     Als Prophet betätigte sich Müller im Schlussband der Serie, indem er eine Wärmeperiode voraussagte und ein Zurückweichen der Gletscher als Indiz anführte, und das immerhin schon 1938!
     Als „krönenden Abschluss“ haben wir am Ende dieses Bandes einen von Heinz J. Galle zusammengestellten JAN-MAYEN-Episodenführer beigefügt.

Texte: Copyright © Heinz J. Galle / Dieter von Reeken

 

 

 

 

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Titelverzeichnis [in eckigen Klammern zu den Heften 1–10 die Titel der Nachkriegsausgabe 1949]:

1936: Hefte 1–24; 1937: Hefte 25–76; 1938: Hefte 77–120

Band 1
1 Ruf in die Welt [Am Ende der Welt]
2 St. Louis, hauptpostlagernd [Der Kampf beginnt]
3 Bandit am Wege [Rätsel in Australien]
4 Die Spur des Goldes
5 Das gleißende Band
6 Die Reiherprinzessin [Das Urwaldschloß]
7 Flucht auf dem Hyazinthenfluß [Flucht aus dem Sumpf]
8 Das verhexte Haus [Die künstliche Sonne]
9 Spur im Norden [Die Spur im Norden]
10 Zwischen Gesetz und Tod [Strahlen aus dem All]
Band 2
11 Der blendende Strahl
12 3000 Stundenkilometer
13 Der gestohlene Sattel
14 Der singende Pat
15 Der Mondnarr
16 Das Haus der tausend Wunder
17 Die diamantene Sonne
18 Der ewige Magnet
19 Die Wunderkugel
20 Der Traumhut
Band 3
21 Durchbruch in Maracaybo
22 Hölle und Paradies
23 Das Tal des Vergessens
24 Schuß aus dem Dunkel
25 Vorhof der Unterwelt
26 Das brennende Ziel
27 Das gefährliche Auge
28 Zehn Jahre später
29 Der Indianerjäger
30 Der Rächer
Band 4
31 Die rettende Kraft
32 Der grüne Drachen
33 Kameraden der Zukunft
34 Die wächsernen Wächter
35 Der gestohlene Platz
36 Zwischen den Gängen
37 Drei Messer
38 Das stählerne Gehirn
39 Die steinerne Ellipse
40 Das Schiff der Gläubigen
Band 5
41 Der Schatzsucher
42 Sven Horre kehrt heim
43 Das perlende Meer
44 Das sterbende Land
45 Das verlorene Wunder
46 Das unsichtbare Feuer
47 Der weiße Hirsch
48 Die Seuche
49 Der künstliche Acker
50 Jim, der Schläfer
Band 6
51 Überfall am Kranichfluß
52 Die gelben Barren
53 Die Doppelgänger
54 Violan
55 Schatten hinter dem Vorhang
56 50 000 Atmosphären gestohlen!
57 Der Stellvertreter des Toten
58 Die leeren Boote
59 Die Sklavensteine
60 Der große Pavian
Band 7
61 Das Meer in Afrika
62 Der Regenprofessor
63 Die gläserne Kugel
64 Tillyt
65 Alarm über Europa
66 Heiho –„Ohio“!
67 Zusammenbruch am Golfstrom
68 Mr. Steele lächelt
69 Der Mann ohne Kopf
70 Die Unsichtbaren
Band 8
71 Der treibende Berg
72 Gefangen im Paradies
73 Riese wider Willen
74 Der Tag der Wunder
75 Die rote Wolke
76 Ein Stückchen Blech
77 Die schwarze Schlucht
78 100 000 Kilometer über der Erde
79 Gefahr aus dem Weltenraum
80 Verrat!
Band 9
81 Mann im Koffer
82 Der Gefangene der Toten
83 Sol. tub. E …
84 Griff nach der Macht
85 Rätsel in Singapore
86 Barrys Rache
87 Der wilde Rure
88 Drei Mann tot –- und einer fehlt
89 Die goldene Kurve
90 Schuß durch die Nacht
Band 10
91 Der Wahrsager
92 Der Haijäger
93 Der Gaucho
94 Die Pampashexe
95 Das falsche Gesicht
96 Der grüne Tod
97 Selbstmörder laufend gesucht
98 Weißer Brand im Fels
99 Land der Vergangenheit
100 Das verzauberte Haus
Band 11
101 Das schwebende Wrack
102 Der Malstrom
103 Explosion Bonnet
104 Das Geheimnis des schwarzen Drahtes
105 Die Strahlenbastion
106 Atomfeuer auf Grönland
107 Run auf Diamanten
108 Nacht über dem Strom
109 Der fasernde Stein
110 Der mechanische Garten
Band 12
111 Riß in der Südsee
112 Verbrechen mit Wasserstoff
113 Männer im Nebel
114 Die Falle
115 Das belagerte Haus
116 Der Fingerabdruck
117 Der Goldberg
118 Riesen aus dem Weltenraum
119 Der letzte Riegel
120 Sonne über Thule
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Jan-Mayen-Episodenführer

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