Wunder der Zukunft
Bestellungen bitte an:
Dieter von Reeken, Br.-Grimm-Straße 10, 21337 Lüneburg, Telefon 0 41 31 / 5 94 66, (E-Mail-Adresse zur Spam-Vorbeugung bitte von Hand eingeben), versandkostenfreie Lieferung gegen Rechnung. Beachten Sie bitte auch mein vollständiges Programm auf meiner Startseite.
emailadresse.gif (1227 Byte)
[Zurück zur Startseite]

Einbanddeckel der Neuausgabe

Robert Heymann (1909)

Umschlagseite 1 des Bandes 1 (1909)

Umschlagseite 2 des Bandes 1 (1909)

Umschlagseite 1 des Bandes 3 (1909)

Umschlagseite 1 des Bandes 4 (1910)

Robert Heymann
Wunder der Zukunft
- neu
Neuausgabe der 1909/10 erschienenen 4 „Romane aus dem dritten Jahrtausend“ in einem Band:
Der unsichtbare Mensch vom Jahre 2111, Der rote Komet, Die über und unter der Erde, Die Seele des ägyptischen Priesters

Klappenbroschur, 316 Seiten, 20 Abbildungen, umfangreiches Nachwort (44 Seiten) von Lars Dangel
20,00 € — ISBN 978-3-945807-21-7

Inhalt

Vorwort

1. Der unsichtbare Mensch vom Jahre 2111
2. Der rote Komet
3. Die über und unter der Erde
4. Die Seele des ägyptischen Priesters

Nachwort von Lars Dangel
Editorische Hinweise des Verlegers

Robert Heymann und die ‚Wunder der Zukunft‘ (kurze Auszüge)
(© Copyright 2018 by Lars Dangel)

Robert Heymann – Leben und Schaffen

Robert Heymanns Leben ist heute fast nicht mehr nachzuzeichnen, und damit teilt er das Schicksal der Unzahl von Lohnschriftstellern, die in den Diensten der Unterhaltungsmaschinerie standen. Die wenigen Informationen, die in der Sekundärliteratur erhältlich sind, sind häufig falsch oder zumindest nicht verifizierbar.
     Seine Kriminalromane, Groschenhefte, sittengeschichtlichen Romane und Sachbücher begegnen einem hin und wieder in den Angeboten von Antiquariaten (teils auch in fremdsprachigen Ausgaben), wurden aber nach seinem Tod weitestgehend nicht mehr neu aufgelegt.
     Um Heymanns Leben und Schaffen ein wenig nachvollziehen zu können, ist es unumgänglich, nicht nur aus seinen Büchern, sondern auch aus Berichten und Besprechungen in Zeitungen und Zeitschriften zu zitieren, wobei angesichts der Unmenge von Hundertausenden in Frage kommenden Einzelausgaben weder alle Referenzen gefunden noch alle berücksichtigt werden konnten.
     Tatsache ist, dass Robert Heymann am 28. Februar 1879 in München geboren wurde und dort auch lange Jahre lebte. So wohnte er vor dem Ersten Weltkrieg in der Nähe des Englischen Gartens in der Römerstraße 1 und zog während des Krieges in das kaum einen Kilometer entfernte Haus in der Tengstraße 43 um, das zum Zeitpunkt von Heymanns Einzug wohl gerade neu errichtet worden war. In den 1920er Jahren wohnte Heymann dann in Berlin-Charlottenburg in der Grolmanstraße 55/56. Kurzzeitig war er als Dramaturg in Zürich tätig.
     Nach anfänglichen, von der Kritik wenig wohlwollend aufgenommenen Gedichten und Dramen, und Tätigkeiten als Redakteur und Dramaturg folgten schon bald recht erfolglose phantastische und utopische Romane, begleitet von beliebten Kriminalromanen im Groschenheftformat, die – im Vergleich zu Romanen in Buchform – unglaublich hohe Auflagen verzeichnen konnten. Frühe kulturgeschichtliche Romane wurden teilweise konfisziert, und dies sorgte möglicherweise dafür, dass im wohl wichtigsten Nachschlagewerk für Schriftsteller, Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, unter seinem Namen keine Werke mehr gelistet wurden. Mit dem Ersten Weltkrieg kamen die obligatorischen Propagandawerke hinzu; zugleich war er als Regisseur und Drehbuchautor tätig. Es folgten Romane, die unter Pseudonym erschienen und das Leben in den USA vorstellten. Daraufhin erschienen sittengeschichtliche Werke, ein Buch über den Film in der Karikatur, eine Herausgeberschaft in scheinbarer Kooperation mit Edgar Wallace (1875–1932) und schlussendlich noch ein Abenteuerroman.
     Robert Heymanns Sohn, der auch den Namen Robert erhielt, wurde ebenfalls Unterhaltungsschriftsteller und hatte damit wie sein Vater respektablen Erfolg. Um von der Leserschaft nicht verwechselt zu werden, nahm Heymann jun. das Pseudonym „Robert Arden“ an, welches er dann für fast alle seine Romane verwendete. […] Robert Heymann jun. (1901–1963) schuf mit seinem vielfach aufgelegten Erfolgsroman Sergeant Berry und der Zufall (1937) die Vorlage für den erfolgreichen Film mit Hans Albers (1891–1960) in der Hauptrolle (1938).
     [Robert Heymann sen. war auch für den Film tätig:]. Das relativ neue Kulturmedium wurde von den etablierten Schriftstellern der Zeit unter dem Vorwand der Kulturlosigkeit angewidert mit Verachtung abgestraft, obwohl die Filmschaffenden händeringend nach guten Drehbüchern suchten. Als Hauptmanko wurde angesehen, dass dem Film (noch) das gesprochene Wort fehle und daher dies keine Kunst für Schriftsteller sei. Auch wenn der Skandal- und Erfolgsautor Hanns Heinz Ewers (1871–1943) mit seinem selbst verfilmten Drehbuch zum ersten Autorenfilm Der Student von Prag (1913) Kritik und Publikum gleichermaßen begeistern konnte, so dauerte es noch viele Jahre, bis seine Schriftstellerkollegen mehr Interesse für den Film aufbrachten.
     1924 beendete Heymann überraschend seine Tätigkeit beim Film. Möglicherweise war ihm sein Arbeitspensum über den Kopf gewachsen oder er hatte sich als Schriftsteller ausreichend etabliert. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sein mittlerweile volljähriger Sohn nicht länger die Haushaltskasse der Familie belastete und er endlich kürzertreten konnte.
     Robert Heymann sen. starb irgendwann im Jahr 1946. Weder das genaue Todesdatum noch der Sterbeort sind bekannt.

[Zurück nach oben]

‚Wunder der Zukunft‘ im historischen Kontext

Die utopisch-phantastischen Texte Robert Heymanns finden sich in zwei Romanreihen, ‚Aus dem Reiche der Illusion‘ und ‚Wunder der Zukunft‘, und gehören heute zu den gesuchten Seltenheiten des Autors und des Genres. Da es bislang bis auf eine Ausnahme keine Neuauflagen der Texte gab, musste man sich bislang auf die langwierige Suche nach antiquarischen Originalausgaben machen, die allerdings kaum auffindbar sind und heute höchste Preise erzielen.
     Im Falle der Reihe ‚Wunder der Zukunft‘ wurden von verlegerischer Seite sonderbare Entscheidungen getroffen, die dann wohl auch zum vorzeitigen Ende führten. Wenn man ein Original dieser Reihe vor sich hat, stellt man sich unweigerlich die Frage, ob das nun ein Buch oder ein unhandliches Romanheft sein soll, und genau diese Eigenschaft als Hybrid machte es sowohl den Händlern als auch den Käufern schwer, sich für dieses Produkt zu entscheiden. Der Verlag verlangte für die nur 96 Seiten starken, aber übergroßen Broschüren immerhin eine Goldmark. Im Vergleich dazu: Ein Romanheft im üblichen Kleinformat mit 32 Seiten kostete in dieser Zeit gerade einmal 10 Pfennige. Verglichen mit den regulären Buchpreisen lag man einerseits durchaus im üblichen Rahmen - so kosteten z. B. die gehefteten Ausgaben der Bücher aus dem Georg-Müller-Verlag gerade mal zwischen zwei und drei Mark, also eine Mark für rund 100 Seiten. Andererseits waren die ‚Wunder der Zukunft‘-Bände für die kaufkraftschwache Romanheft-Klientel viel zu teuer, und so mancher Jugendliche wird sich lieber 10 Groschenhefte als einen Band dieser Reihe gekauft haben. Was die Reihe so teuer machte, war der Druck auf hochwertigem und holzfreiem Maschinenbüttenpapier. Hätte man das kleinere und auch übliche Oktavformat gewählt, wäre der Buchumfang wohl bei 150 bis 200 Seiten gelegen, und damit hätte man das kaufkräftigere Bücherklientel ansprechen können. Absurderweise wurde den fertigen Werken dann trotz des hochwertigen Papiers nur ein hauchdünner Umschlag verpasst, und gerade diese minderwertige Ausstattung wird dafür gesorgt haben, dass nur so wenige Exemplare dieser Reihe überlebt haben, denn sobald die Umschläge zerfleddert waren, wurden die Bücher in der Regel entsorgt. Nur die wenigsten Käufer haben sich die Mühe gemacht und die Bücher dann ohne Umschlag neu aufbinden lassen, wobei das Büttenpapier diesen Aufwand durchaus gerechtfertigt hätte, denn auch heute noch ist das Papier von leuchtender Helligkeit und geschmeidiger Flexibilität.
     Der Inhalt der Bände spricht allerdings eindeutig dagegen, dass man hier überhaupt ein jugendliches Publikum ansprechen wollte, denn an grausigen Gewalttaten mangelt es den vier Zukunftsvisionen nicht, und sicherlich entging die Reihe nur deshalb den großen Säuberungsaktionen der Anti-Schundliteratur-Bewegung, weil sie zu dieser Zeit bereits nicht mehr erhältlich war. Sadistische Grausamkeiten, Todesstürze, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen zurücklassen, unnötig nackte weibliche Gefangene und dergleichen mehr an heute wie damals zwar unterhaltsamen, aber auch moralisch zweifelhaften Ingredienzien gibt es genügend. Viele Sittenwächter der damaligen Zeit waren zwar nicht behördlich autorisiert, hatten aber weitreichenden Einfluss, der u. a. zu etlichen Vernichtungswellen von sogenannter Schundliteratur durch Lehrer, aber letztlich auch durch staatliche Organe führte.
     Schon ab dem Herbst 1909 wurde in der Presse über die Wiederkehr des Halley’schen Kometen nach über 75 Jahren berichtet. Anfangs zwar nur zögerlich und durchaus wissenschaftlich-nüchtern,
aber schon bald sollte diese Berichterstattung einer unglaublichen Panikmache weichen. Es stand ein Ereignis bevor, das Europa in Angst und Schrecken versetzen sollte. Je weiter sich die Menschen aber Kenntnisse über die Astronomie aneigneten, umso mehr entwickelten sich Kometen weg von Boten des unerklärlichen Unheils wie Seuchen, Krankheiten, Krieg und Naturgewalten, hin zur konkreten Gefahr einer Kollision mit der Erde und des damit einhergehenden Weltuntergangs. Heymann erhoffte sich sicherlich, dass der ab April 1910 erscheinende Komet das Interesse an seinem Kometenroman entfachen würde.52 Allerdings war der Komet vor seinem eigenen Erscheinen und zum Zeitpunkt des Erscheinens von Heymanns Roman in der Presse weniger präsent als der Autor wohl erwartet hatte. So wurde der Komet in einer der absatzstärksten Zeitschriften dieser Zeit, ‚Die Woche‘ aus Berlin, mit nur einem einzigen Artikel erwähnt, wohingegen die Flugversuche mit den neuartigen Flugmaschinen der Gebrüder Voisin in Berlin regelmäßig mit großen Bildberichten untermalt wurden, und sogar ein Kuriosum wie der Einschienenzug wurde in drei Ausgaben ausgiebig vorgestellt.
     Mit dem unmittelbar bevorstehenden Erscheinen des Kometen wurde in der Presse eine beispiellose Angst geschürt. Man berichtete über verheerende Überschwemmungen bei Kometensichtungen in der Vergangenheit, über die Möglichkeit eines Einschlages des Kometen auf die Erde, dass die Erde durch den giftigen Schweif des Kometen flöge und die Menschheit letztlich am Cyan-Gas sterben müsse. In den ‚Wiener Caricaturen‘ wurde unter dem Titel „Der jüngste Tag“ gedichtet: „Im wunderschönen Monat Mai, / Wenn alle Knospen springen, / Wird auch der Halley’sche Komet / Auf unsere Erde dringen. […]“.
     Das unerwartete Erscheinen des sog. „Johannesburger Kometen“ im Januar 1910 verunsicherte die Bevölkerung noch mehr und ließ sie an der Verlässlichkeit der wissenschaftlichen Prognosen, der Vorbeizug des Kometen sei ungefährlich, zweifeln. Die Panik gipfelte in Selbstmorden, und kaum war der Komet weitergezogen, da geißelte die Presse die üble Panikmache, die sie ja selbst verursacht hatte. Ob Heymanns Der rote Komet zu diesem Zeitpunkt – rund ein halbes Jahr nach Erscheinen – überhaupt noch erhältlich war, ist ungewiss.
     In der Presse wurden die ‚Wunder der Zukunft‘ konsequent ignoriert, obwohl Heymann zu dieser Zeit bereits ein bekannter und für seine Dramen gelobter Schriftsteller war, der neben seinen Büchern auch viele Abdrucke in Zeitungen verzeichnen konnte. Claus Ritter meint: „Obzwar der Unermüdliche skrupellos mit schockierenden Schauereffekten, gräßlichen Gruselgestalten und metaphysischen Manipulationen seine Leser vom Einschlafen abhält, ermöglichen Heymanns Heftromane trotzdem überlieferungswerte Einblicke in marktangepasste utopische Phantasie.“ Und er ergänzt: „Allerdings mußte es neben der Zukunft auch die dort vom Kommerz festgeprägten Spannungs- und Unterhaltungsmuster mitbringen.“

[Zurück nach oben]

Wunder der Zukunft‘ – Kritik und Vorwürfe

Robert Heymann wurde schon von Zeitgenossen und in der Folge auch posthum vorgeworfen, dass er sich für die Reihe ‚Wunder der Zukunft‘ ganz schamlos bei Herbert George Wells (1866–1946) bedient hätte,62 ja, sogar plagiiert habe. Seine Vorlagen bei Wells habe er bewusst verheimlicht und stattdessen im Vorwort angegeben: „Es war mir nicht darum zu tun, Jules Vernes unzeitgemäßer Epigone zu sein. […] E. A. Poe, der große Amerikaner, war mein Ziel.“
      Was Heymanns Werk mit Poe in der Tat gemein hat, ist das Motiv des Wahnsinns. Alle seine Bösewichte sind überzogen wahnsinnig und pendeln zwischen Größenwahn und Slapstick.      Allerdings scheinen manche Kritiker bei dem zwanghaften Bemühen, Vergleiche mit Weltautoren anzustellen, auf Abwege geraten zu sein.
     Einem verständigeren Leser dürfte es sich durchaus als naheliegend erweisen, dass sich diese Art Lektüre nicht an Rezipienten wissenschaftlicher Fachliteratur richtet, sondern ausschließlich an Leser, die – im Kontext der damaligen Zeit – gar nicht den Wissensstand der heutigen Leserschaft haben konnten und diese Lektüre vielleicht auch nicht so ernst nahmen. Seit Informationen dauerhaft und unbegrenzt zugänglich sind, hat sich freilich auch der Anspruch der Leser verändert – früher musste man dem Schriftsteller einfach Glauben schenken. Technische Akribie, wie sie später ein Hans Dominik (1872–1945) einsetzte, ist auch in der utopischen Literatur eher die Ausnahme und stieß erst dann auf Interesse, als die Gesellschaft durch die Technokratie der Nationalsozialisten von Emotion und Phantasie hinweg hin zur nüchternen Sachlichkeit gezwungen worden war.
     Es ist fraglich, ob ein qualitativer Vergleich von Wells’ Romanen und der Reihe von Heymann Sinn ergibt. Freilich konzentriert sich Wells mehr auf die Entwicklung seiner Figuren, und das phantastische Element ist zwar Ursache, aber nie die Situation dominierend.
     Anders bei Heymann, der so viele Ideen in seine Texte packt und sie damit fast schon überfrachtet, dass es ihm unmöglich ist, diese detailliert darzustellen oder seine Figuren eine nachvollziehbare Entwicklung durchmachen zu lassen. Fast hat man den Eindruck, dass es sich um kurze Entwürfe für eine Verfilmung handelt, und vielleicht wird hier schon Heymanns spätere Tätigkeit als Drehbuchautor sichtbar.
     Auf den ersten Blick mögen Heymanns Visionen der Zukunft für reflexartiges Kopfschütteln sorgen. Aber allein der Titel ‚Wunder der Zukunft‘ weist schon die richtige Richtung, nämlich dass hier weniger akribische Wissenschaft präsentiert wird, sondern entgegen bekannten Gesetzmäßigkeiten und rational Erklärbarem Ideen vorgestellt werden, die weitestgehend Erfindungen und Phantasien des Autors sind, was dieser auch im Vorwort betont.
     Mit Motorschuhen auf den Straßen durch Berlin zu rasen, Luftschiffe, die wie Vögel mit Flügelschlägen eine Geschwindigkeit von mehreren hundert Stundenkilometern erreichen und dergleichen mehr, all das sorgt beim heutigen Leser vielleicht für Erheiterung, aber viele der heute ganz selbstverständlichen Erfindungen waren damals noch in der Entwicklungsphase und oftmals war nicht abzusehen, welche Optionen sich letztlich durchsetzen würden.
     Heymann mag sich in seinen Zukunftsvisionen wohl auch nicht festlegen: Während er im ersten Band noch den Verkehr in Berlin in 300 Metern Höhe auf Schienen stattfinden lässt, wird in den Folgebänden der Verkehr mal in den Untergrund und dann wieder in die Lüfte verlegt. Mal kritisiert er den Rechtsstaat als zu hart, dann wieder als zu langsam und nachsichtig.
     Heymann weiß sehr wohl, dass die Zukunft viele Möglichkeiten offen hält, und so träumt er von einem Berlin, das wie eine Vorahnung auf Fritz Langs unsterblichen Filmklassiker Metropolis aussieht.
     Heymann liegt bei einigen Prognosen aber durchaus auch richtig – so greift er Organtransplantationen und künstliche Befruchtung auf und prognostiziert eines unserer aktuell wichtigsten Probleme und löst dies auch zugleich, denn die Fortbewegungsmittel sind bei Heymann alle mit Elektromotoren ausgestattet.
     In meinen Augen sind die vier Bände äußerst lesenswerte Unterhaltungsromane, die nicht den Anspruch auf technische Exaktheit, ja noch nicht einmal auf technische Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit erheben, denn dafür werden sie zu häufig als phantastische Elemente übersteigert dargestellt. Aber sie sind flott und ungekünstelt geschrieben und die Fülle an aberwitzigen Ideen, Verbrechen und bizarren Zukunftsvorstellungen lassen keine Langeweile aufkommen. Dies macht sie auch heute noch lesbar, und damit stechen die vier Bände durchaus weit aus der Menge der phantastischen Bücher der Vorkriegszeit heraus. Man erkennt den routinierten und begabten Unterhaltungsschriftsteller, der Heymann zweifellos war und was ihm auch seinen jahrzehntelangen Erfolg bescherte.

[Zurück nach oben]

Zur vorliegenden Neuausgabe

Nach dem Lesen der Reihe ‚Wunder der Zukunft‘ war es mir ein Rätsel, warum diese Reihe bislang in der Sekundärliteratur nicht mehr Aufmerksamkeit erhielt und es auch keine Neuauflagen davon gab. Ein Grund hierfür war sicherlich, dass Heymanns Werke nach geltendem Recht erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors, also ab 2017, urheberrechtsfrei wurden, wobei noch nicht einmal klar war, wer der eventuelle Rechtsnachfolger sein und ab wann diese Regelung greifen könnte, da jahrzehntelang das richtige Sterbejahr Heymanns unbekannt war. Diese Rechtsunsicherheit ließ viele Verleger in den Startlöchern verharren, bis nach offizieller Bekanntgabe des Sterbejahres das Buch dann 2017 hätte erscheinen können.
     Eric Hantsch (als Verleger der ‚Edition CL‘) und ich hatten für den Herbst selbigen Jahres geplant, eine Sammleredition von Heymanns Reihe ‚Wunder der Zukunft‘ zu publizieren. Diese Ausgabe sollte exklusive Illustrationen und eine hochwertige Ausstattung erhalten. Hierfür hatten Dieter von Reeken und Gerd-Michael Rose, mit denen wir vorab Kontakt aufgenommen hatten, auf die von ihnen selbst bereits geplanten Ausgaben der Heymann-Reihe verzichtet, damit nicht drei Verleger fast zeitgleich dieselben Bücher herausbringen.
     Allerdings bekam ich dann kurzfristig die Abdruckrechte für Kurt Gerlachs Krabat oder die Zauberschule (1925) erteilt, sodass wir diesen Band vorzogen. Da für den Herbst 2018 allerdings schon eine Anthologie in Arbeit war, wäre der Heymann-Band von uns ins Jahr 2019 verschoben worden.
     Zwischenzeitlich teilte mir Eric Hantsch leider mit, dass seine Gesundheit es erforderte, dass er bis auf Weiteres seine verlegerische Tätigkeit einstellt. Da allerdings die Texte schon transkribiert waren, war ich sehr froh, dass Dieter von Reeken sofort zusagte und das Heymann-Projekt wieder übernahm. Somit waren Eric Hantschs Vorarbeiten nicht vergebens und nach über 100 Jahren bekommen die Leser endlich – mit einer kleinen Verspätung – wieder die Gelegenheit, in Heymanns unterhaltsame und mit einem Augenzwinkern versehene Visionen einer Zukunft einzutauchen, die hoffentlich so niemals kommen wird.

Editorische Hinweise des Verlegers

Den Nachdrucken liegen die Erstausgaben zugrunde. Die Texte wurden auf die seit 1996 geltende und danach oft geänderte „neue deutsche Rechtschreibung“ umgestellt. Hierbei wurden offensichtliche Rechtschreib- oder Drucksatzfehler stillschweigend berichtigt. Im Übrigen ist der Text aber unangetastet geblieben.
     Die farbigen Umschlagbilder der vier Originalbände wurden von Julius Schlattmann (* 1857 in Borken i. W.) gezeichnet. Der Illustrator lebte in Berlin und war 1925 noch tätig. Das Todesjahr konnte nicht ermittelt werden.

[Zurück nach oben]

   

[Zurück zur Startseite] - [Zurück nach oben]