DvR • Dieter von Reeken • Kollektion Laßwitz
Neuausgaben älterer utopisch-phantastischer Literatur, Sekundärliteratur
Ausgezeichnet mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2011

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Neues und Bewährtes

Hinweise, Neuerscheinungen und Vorankündigungen (). Dezember 2019)

 Autoren- und Titel-Schnellübersicht

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Das Science Fiction Jahr

Für die Fortführung des seit vielen Jahren erscheinenden (zuerst bei Heyne, dann bis 2018 bei Golkonda) Jahrbuchs haben Melanie Wylutzki und Hardy Kettlitz eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die immensen Kosten abzufangen und die Finanzierung auch für die nächste Ausgabe auf solide Beine zu stellen. Es ist recht gut angelaufen. Bitte unterstützen Sie das Vorhaben, z. B. mit einer Vorbestellung direkt beim Verlag. Näheres erfahren Sie hier:  https://www.startnext.com/das-science-fiction-jahr-2019

DvR-Buchreihe

Ausverkauft (keine Nachauflage): Wunder der Zukunft von Robert Heymann
Ausverkauft (keine Nachauflage): Atalanta von Robert Kraft
Ausverkauft (keine Nachauflage): Loke Klingsor von Robert Kraft

HUNDERT JAHRE DEUTSCHE WESTERNMYTHEN von Rainer Eisfeld
Von Armand bis Astor: "Alles authentisch". Klappenbroschur, 197 S., 35 Abb.,17.50 € - Das Buch erscheint am 10. Dezember 2019.

DIE ZUKUNFT VON GESTERN von Heinrich Stöllner
Science-Fiction-Serien in den deutschen Utopia- und Terra-Reihen der 1950er bis 1980er Jahre: Klappenbroschur, 512 Seiten, 133 Abb., Literatur- und Quellenverzeichnis, Namensregister, Reihen-, Serien- und Titelregister: 27,50 €

DAS UTOPISCH-PHANTASTISCHE LEIHBUCH NACH 1945 von Jörg Weigand
Originalausgaben und Publikationsgeschichte. Eine Bestandsaufnahme 1946–1976. Klappenbroschur, 303 S., über 1650 Eintragungen, 241 Abb., 20,00 €

ARTHUR C. CLARKE von Fritz Heidorn
Jenseits des Möglichen. Visionär des 21. Jahrhunderts. Klappenbroschur,  235 S., 80 Abb., 17.50 €

Bücher anderer Verlage
Diese Bücher sind NICHT bei mir erhältlich, sondern DIREKT bei den Verlagen oder Herausgebern.

DER EINHEITLICHE WILLE DES GESAMTEN SOWJETVOLKES von Kir Bulytschow
Herausgegeben und  aus dem Russischen übersetzt und mit einem Nachwort und einer deutschen Bulytschow-Bibliographie versehen von Ivo Gloss. Bibliothek der SF des Ostens, Band 1. Klappenbroschur, 304 S., Textillustrationen von Renate Gloss, 18,00 €; Hardcover 26,00 Euro (nur direkt beim Verlag). MEMORANDA Verlag, erscheint im Januar 2020. Vorbestellungen: E-Mail: hardy(at)memoranda.eu

HERMANN-LÖNS-BUCHREIHE im Synergen-Verlag
Band 1: Der missbrauchte Löns im Nationalsozialismus. Hermann Löns und seine politische Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten 1923 - 1945. 410 S. mit 150 Abb., Bibliophiler Hardcover mit Leseband, 49,80 €
Band 2: Hermann-Löns-Bibliographie. Die Bucherstausgaben seiner 540 Erzählungen 1901 - 2020. 150 S. mit 70 Abb., 29,80 €
Mehr Infos, Bestell- und Abo-Möglichkeiten auf: www.synergenverlag.de

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Romane, Erzählungen

Ludwig Anton:
Brücken über dem Weltenraum
Wilhelm Bastiné:
Die
wiedergefundene Zeitmaschine

Willem Bilderdijk:
Kurzer Bericht über eine bemerkenswerte Luftreise

Albert Daiber
:
Anno 2222
| Die Weltensegler Vom Mars zur Erde
Carl Grunert:
Im Königreich Nirgendwo
Lazar Freiherr von Hellenbach:
Die Insel Mellonta
Oskar Hoffmann:
Mac Milfords Reisen im Universum

Unter Marsmenschen | Der Goldtrust
Die Eroberung der Luft
Bezwinger der Natur
Die vierte Dimension

Phantastische Novellen
Freder van Holk: siehe unter Müller
Kurd Laßwitz:

Bilder aus der Zukunft
Schlangenmoos
| Seifenblasen
Auf zwei Planeten | Nie und Immer
Homchen | Traumkristalle

Aspira | Sternentau
Gedichte und Erzählungen | Studien
Herr Strehler o. d. poet. Hauslehrer
Sonderausgaben
H. Ch. Leroy:
Sternengeschenk im Eis
Sophus Michaelis:
Das Himmelsschiff
Paul Alfred Müller:

Blaue Kugel
Und sie bewegt sich nicht
Die gestohlene Schwerkraft
Herz hinter Eis
Alle Feuer verlöschen auf Erden
Vielleicht ist morgen der letzte Tag
Die wachsende Sonne
Der sterbende Stahl
Die Erde brennt | Die Unsterblichen
Kosmotron
| Sprung über die Zeit
Falsche Mesonen
Der Krieg, den keiner wollte
Die tödlichen Träume

Constantin Redzich:
Ein Besuch auf d. Mars im Jahre 3000

Hans Rosenstengel:
Des Himmelsstürmers Planetenfahrten
Vom Mars zur Erde
Waldemar Schilling (Ferd. Kringel):
Von der Erde zum Mars
Die Diamantenjagd im Weltenraume
Fünf Jahre auf dem Mars

I. V. Steen:
Das Lied der Norne

Der kupferne Mond
Der Mann aus dem All
Spur durch vier Dimensionen

Sachbücher

Emil Barth:
Aus der Werkstatt der deutschen Revolution
Jakob Bleymehl:
Beiträge zur Geschichte und Bibliographie der utopischen und phantastischen Literatur

Rainer Eisfeld:
Abschied von Weltraumopern
Die Zukunft in der Tasche

Zwischen Barsoom und Peenemünde
100 Jahre deutsche Westernmythen
Heinz J. Galle:
Volksbücher und Heftromane, Band 1

Volksbücher und Heftromane, Band 2
Volksbücher und Heftromane, Band 3
Fehlstart ins Atomzeitalter
Als Roboter noch Roboter waren
Wie die SF Deutschland eroberte
Sun-Koh-Dokumentation
P.A. Müller, Bibliografie
Gotthard Günther:
Science Fiction als neue Metaphysik?

Fritz Heidorn:
Kurz vor ewig
Demnächst oder nie

Arthur C. Clarke
Michael K. Iwoleit:
Reductio ad absurdum 
Kurd Laßwitz:
Ueber Tropfen, welche an festen Körpern hängen
Atomistik und Kriticismus
Die Lehre Kants von der Idealität des Raumes und der Zeit
Geschichte der Atomistik, Band 1
Geschichte der Atomistik, Band 2
Gustav Theodor Fechner
Wirklichkeiten
Seelen und Ziele
Natur und Mensch
Zivilisation und Kultur
K. Laßwitz, illustrierte Bibliografie
K. Laßwitz: Tagebuch, Bilder, Aufsätze
Paul Alfred Müller:
Schriften über die Hohlwelttheorie
P. A. Müller, Bibliografie
Max Popp:
Jules Verne und sein Werk

Dieter von Reeken (Hrsg.):
K. Laßwitz: Tagebuch, Bilder, Aufsätze
Die Welt von morgen

P.A. Müller, Bibliografie
Fritz Reuter:
Illustrationen zu Fritz Reuters Werken

Franz Rottensteiner:
Im Labor der Visionen
Zukunftskriege in der SF
Revanche!
Rudi Schweikert (Bearb.):
K. Laßwitz, illustrierte Bibliografie

Heinrich Stöllner
Die Zukunft von gestern
Jörg Weigand:
Abenteuer Unterhaltung

Das utop.-phant. Leihbuch nach 1945
Zeitschriften-Reprint:
Die Welt von morgen (1955–1960)

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Umschlagbilder

Außer der Reihe

verkleinerte Musterseiten, Abbildungen, Texte

Illustrationen zu Fritz Reuters Werken (Bildband)
von Konrad Beckmann, Friedrich Hiddemann, Otto Emil Lau, Ludwig Pietsch und Hermann Tischler
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen, Bilderdruckpapier), 195 Seiten, 180 überwiegend ganzseitige Abb., teilweise doppelseitig.
19,80 € — ISBN 978-3-945807-11-8

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Herausgebers
Ut mine Stromtid
Erster Teil (1862)
Zweiter Teil (1863)
Dritter Teil (1864)
Weitere Erzählungen und Versdichtungen
Läuschen un Rimels (1853/1858)
De Reis’ nah Belligen (1855)
Haunefiken (1855)
Meine Vaterstadt Stavenhagen (1856/1861)
Kein Hüsung (1857)
Ut de Franzosentid (1859)
Hanne Nüte un de lütte Pudel (1860)
Woans ick tau ’ne Frau kamm (1860)
Abendteuer des Entspekter Bräsig (1861)
Ut mine Festungstid (1862)
Dörchläuchting (1866)
De Reis’ nah Konstantinopel
Abbildungsnachweis

Fritz Reuter
 (1810–1874) war neben Klaus Groth (1819–1899) wohl der bedeutendste, jedenfalls der erfolgreichste Schriftsteller niederdeutscher Sprache. Nach einer bewegten Jugendzeit u. a. als Burschenschaftler mit Verurteilung zum Tode, dann Begnadigung zu Festungshaft (bis 1840) und schließlich einer Lehrzeit als Landwirtschaftsvolontär (sog. „Strom“; 1842–1847) hatte er 1853 erste schriftstellerische Erfolge mit den Gedichtsammlungen Läuschen un Rimels. Es folgten mehrere Versdichtungen und Erzählungen überwiegend in mecklenburgisch-niederdeutscher Sprache: Kein Hüsung (1857), Ut de Franzosentid (1859), Ut mine Festungstid (1862) und schließlich der umfangreichste und populärste Roman in drei Teilen Ut mine Stromtid (1862–1864). Von Neu-Brandenburg aus, wo der seit 1851 mit Louise Kuntze verheiratete Reuter von 1856–1863 gelebt hatte, zog das Ehepaar nach Eisenach. Hier verlebte der Dichter seine letzten Lebensjahre.

Über das Buch
Es hat schon früh Illustrationen zu Reuters Werken gegeben, insbesondere zu Ut mine Stromtid. In den Jahren 1978–1980 wurde sogar eine inzwischen auch als DVD-Serie erschienene Fernsehverfilmung (Onkel Bräsig; Onkel Bräsig erzählt) nach Motiven aus Reuters Werken (Ut mine Stromtid, Ut de Franzosentid, Ut mine Festungstid, Dörchläuchting) produziert, wobei Ut mine Stromtid den Schwerpunkt bildete.
Die derzeit im aktuellen Buchhandel zugänglichen niederdeutschen und ins Hochdeutsche übertragenen Ausgaben dieses Romans enthalten allerdings kaum noch Illustrationen oder verzichten völlig auf sie; genannt seien hier stellvertretend die beiden folgenden preiswerten Ausgaben:
Fritz Reuter: Ut mine Stromtid (Gesammelte Werke und Briefe, Band V), hrsg. von Kurt Batt, bearb. von Walter Ihrke. Rostock: Hinstorff (Edition Konrad Reich) 2008 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1866/67), 765 S.
Fritz Reuter: Das Leben auf dem Lande (Ut mine Stromtid). Aus dem Plattdeutschen übertragen und mit Anmerkungen versehen von Friedrich und Barbara Minssen. Warendorf: Manuscriptum 2005, 805 S
Die vorliegende Sammlung will dazu einladen, die von Konrad Beckmann (1846–1902), Friedrich Hiddemann (1829–1892), Otto Emil Lau (1853–1917), Hermann Lüders (1836–1908), Ludwig Pietsch (1824–1911) und Hermann Tischler (1866–1946) geschaffenen Illustrationen neben den niederdeutschen oder hochdeutschen Text zu legen und sich auf diese Weise auch bildhaft in die Zeit des 19. Jahrhunderts in Mecklenburg versetzen zu lassen.

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Emil Barth
Aus der Werkstatt der deutschen Revolution
Rechtfertigungsschrift Emil Barths über seine Rolle vor und während der Novemberrevolution 1918
Neusatznachdruck der 1919 erschienenen Erstausgabe, hrsg. von Dieter von Reeken
Klappenbroschur, 175 Seiten, 7 Abb.
15,00 € — ISBN 978-3-945807-19-4

Ausverkauf, keine Nachauflage!

 Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Herausgebers, Vorwort des Verlages [der Erstausgabe 1919], Vorwort des Verfassers
1. Revolutionen werden gemacht!
2. Der Weltkrieg als Keimbett der Revolution (Die Entwicklung bis zum Januar 1918)
3. Die Revolutionswerkstatt (Vom Februar bis zum November 1918)
4. Meine Tätigkeit als Volksbeauftragter der deutschen sozialistischen Republik (Vom 10. November bis 28. Dezember 1918)
5. Der Vollzugsrat und die revolutionären Obleute
6. Vom Dezember 1918 bis März 1919
7. Vom März 1919 bis zum Versailler Friedensprotokoll
Anhang: Abkürzungsverzeichnis, Personenregister, Bildnachweise

Emil Barth
Der am 23. April 1879 als Arbeitersohn in Heidelberg geborene Emil Barth erlernte nach seinem Volksschulabschluss den Beruf des Klempners, in dem er ab 1898 ausübte. 1908 übersiedelte er nach Berlin und trat dort der SPD und dem Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) bei, in dem er ab 1914 als hauptamtlichen Funktionär tätig war. 1917 verließ er die SPD und trat der USPD bei.
Am 9. Februar 1918 ließ sich Barth nach einer flammenden Rede zum Vorsitzenden der „Revolutionären Obleute“ von Berlin wählen. In dieser Eigenschaft wurde er neben Haase und Dittmann für die USPD in den Rat der Volksbeauftragten entsandt, in dem er für Sozial- und Gesundheitspolitik zuständig war. Außerdem wurde er, der die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte im Zirkus Busch am 10, November geleitet hatte, in den „Vollzugsrat“ des Arbeiter- und Soldatenrats gewählt, der nach Vorstellung linksradikalen Kräfte den Rat der Volksbeauftragten kontrollieren sollte. Nach den „Weihnachtskämpfen“ um die „Volksmarine-Division“ treten am 29. Dezember die drei USPD-Vertreter aus dem Rat der Volksbeauftragten aus.
Nach der Zersplitterung der USPD verließ Barth die Restpartei und trat 1921 wieder in die SPD ein. Von 1921–1924 war er Vorsitzender und Sekretär der Berliner Betriebsrätezentrale und trat gelegentlich als Redner in Partei- und Gewerkschaftsversammlungen auf, ohne hier eine besondere Funktion inne zu haben. Nach mehreren Verhaftungen während der NS-Zeit starb Emil Barth am 25. Juli 1941 in Berlin.

Buchbesprechung von Kurt Tucholsky (als Ignaz Wrobel) in ‚Die Weltbühne‘, 16. Jg., Nr. 36 (2. Sept. 1920), S. 269
„Revolutionen werden gemacht!“ – mit diesem Satz beginnt Emil Barth sein Buch: „Aus der Werkstatt der Revolution“ (erschienen in A. Hoffmanns Verlag zu Berlin). Gemacht werden Revolutionen, fährt er fort, nach einer Evolution – und Evolutionen ohne die Existenz schlagkräftiger, energischer, aufopferungsfähiger Männer führen zu nichts, es gibt dann keine Revolution, alles verläuft im Sande … 1918 ists nicht im Sande verlaufen.
Die Schilderung dieser höchst bedeutungsvollen Epoche von Februar bis Dezember 1918 wird, je nach dem Schildernden, immer dieses Bild ergeben: Alle Welt taugte nicht viel, außer mir. Diesen Fehler macht Emil Barth nicht ganz mit – er erkennt die Tätigkeit und die Tüchtigkeit einer Menge Männer an, ohne sie natürlich zu nennen. Denn sie riskierten alle Kopf und Kragen. Die waren wirklich mutig. (Nicht Herr Ludendorff, der zweimal ausriß.) Die setzten wirklich wagemutig alles aufs Spiel – Leben, Familienexistenz, Freiheit und Geld. In den Hinterzimmern von Kneipen, dauernd bespitzelt, beargwöhnt, nie gewiß, ob der Freund nicht morgen zum Verräter werden würde – das sind Helden ihrer Ideen gewesen. Und was kam dann –?
Eine klägliche Enttäuschung. Man muß nur im Buche das Gruppenbild der sechs Volksbeauftragten sehen, um alles zu begreifen. Sind das Köpfe –? (Und es waren noch lange nicht die schlechtesten.) Nein, Köpfe warens nicht. Und außerordentlich schmerzvoll und außerordentlich packend ist die Schilderung, wie leise, leise und unmerklich die ganze Revolution in ein bürgerliches Fest hinübersegelt, wie aus der Volkserhebung eine Organisationssache wird, mit Kompetenzstreitigkeiten, Stempelinschriften und Dienststellen. Von der Krippe zu schweigen, in die die Kindlein sich legen wollten.
Die Novembertage des Jahres 1918 sind vorbei. Da, zum ersten, zum bisher einzigen Mal in der Geschichte Preußens, wehte ein freier Wind in diesem Lande. (Freilich, Herr Meier, die Elektrischen gingen nicht alle!) Da hatte etwas die Massen ergriffen, was nicht nur Phrase war wie in der Augustbesoffenheit des Jahres 1914. Da – zum ersten Mal. Sie wurden schnell wieder nüchtern. Der Preuße kam durch, der Ordentliche, der Brave, der Objektive, der Gerechte, der Abwägende, der, hol ihn der Teufel, der sich Demokrat nennt.
Möglichkeiten – Möglichkeiten! Was hätte da alles geschehen können! Ein, zwei Tage lang hielt die deutsche Welt wirklich den Atem an. Alles lag in der Luft, alles im Bereich der Realität: völlige Zertrümmerung der Bundesstaaten, wirkliche Abrüstung, Herrschaft des Mannes und nicht des Herrn, Trennung von Kirche und Staat – alles, alles. Ein Schritt, ein so kleiner Schritt trennte uns damals von alldem …
Atmet auf. Die Gefahr ist vorbei. Wer weiß, für wie lange Jahre. Als Erinnerung an Schreck und beinah erreichte Seligkeit diene das Buch Emil Barths.

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Umschlagbilder

Sachbücher, Sekundärliteratur

verkleinerte Musterseiten, Abbildungen, Texte

Einbanddeckel der Neuausgabe 2014

Einbanddeckel der Erstausgabe 1965

Jakob Bleymehl
Beiträge zur Geschichte und Bibliographie der utopischen und phantastischen Literatur
Nachdruck der Erstausgabe 1965 im Neusatz
Broschüre, 257 Seiten, 2 Fotografien, 8 Reproduktionen, Vorwort von Prof. Gerhard W. Bleymehl, Anhang
17,50 € — ISBN 978-3-940679-88-8

Inhalt
Vorwort zur Neuausgabe
Editorische Hinweise des Herausgebers
Vorwort [1965]
TEIL I
Morgendämmern
Gottesstaat und Tausendjähriges Reich
Utopia
Eutopia
Dystopia
Laputa und Balnibarbi
Robinson und Felsenburg
Ikaros, Dädalos und Kapitän Nemo
Ad Astra
Zukünftiges, Zeitreisen
Utopischer Archipelagos, Selige Inseln
Dya Na Sore, Elfenbeinturm, Shangri La
Merkwürdiges Land Aipotu
Muspilli, Ragnarök
Was wäre, wenn …
Homo superior
Ausblicke
TEIL II

Chronologie
Bibliographie
Sekundär-Literatur
Nachträge
ANHANG
Titelliste der „Sammlung Antares“

Auszüge aus den editorischen Vorbemerkungen
Im Juni 1964 begann der in Fürth/Saar lebende langjährige Sammler utopisch-phantastischer Literatur, Jakob Bleymehl (* 1908 Fürth/Saar, † 1975 Ottweiler/Saar) mit der Herausgabe der „Sammlung Antares“, einer im Spiritus-Umdruck-Verfahren (die – preiswerten – Reproduktionsmöglichkeiten waren damals noch nicht so entwickelt wie heute) in Kleinstauflage hergestellten Reihe von insgesamt 30 Neuausgaben utopisch-phantastischer Romane und Erzählungen.
Im Rahmen dieser Reihe erschien 1965 als Band 18 das sekundärliterarische Buch Beiträge zur Geschichte und Bibliographie der utopischen und phantastischen Literatur. Dieser von Jakob Bleymehl verfasste Band im Umfang von 352 Seiten enthielt u. a. eine Chronologie der utopischen Werke zwischen 800 v. Chr. und 1948. Außerdem bot das Buch eine für die damalige Zeit umfangreiche Bibliografie und auf mehr als 50 Seiten eine Zusammenstellung von (Sach- und) Sekundärliteratur.
Angesichts der Herstellung als Spiritus-Umdruck in teilweise unbefriedigender Vervielfältigungsqualität fand das damals bahnbrechende Werk leider nicht die verdiente Verbreitung und wird heute zwar von Fachleuten gern und mit Lob zitiert, ist aber nur in wenigen öffentlichen Bibliotheken erreichbar; der größte Teil der Exemplare befindet sich, sofern nach so langer Zeit noch vorhanden und nicht verblasst, in Sammlerhänden.
Nachdem seit der Erstausgabe 1965 ca. 50 Jahre und dem Tode des Verfassers ca. 40 Jahre vergangen sind und inzwischen neue Druckverfahren zu vertretbaren Preisen auch für Kleinauflagen zur Verfügung stehen, ist es an der Zeit, dies wichtige Werk in gut lesbarer Ausführung wieder und auf breiterer Basis zugänglich zu machen. Ich freue mich daher, dass die Kinder Jakob Bleymehls (Christa Schmidt geb. Bleymehl, Gerhard W. und Wieland M. Bleymehl) einer Neuausgabe zugestimmt und ein Vorwort sowie zwei Fotografien zur Verfügung gestellt haben. Auf diese Weise wird Jakob Bleymehl, wenn auch mit erheblicher Verspätung, die ihm endlich gebührende Anerkennung für seine Arbeit zuteil.
Leider ist der Druck (also die violette bzw. hellgrüne Spiritus-Umdruck-Vervielfältigung) im Original so blass, unterschiedlich stark oder undeutlich (vergleiche die im vorliegenden Buch enthaltenen Faksimiles), dass eine Übernahme des Textes durch ein Texterkennungsprogramm nicht in befriedigender Weise möglich war. Ein reprografischer Nachdruck wäre angesichts der mangelhaften Qualität des Originals nur mit sehr großen Einschränkungen möglich gewesen und hätte zu einem unzumutbaren Ergebnis geführt. Der Herausgeber musste also den gesamten Inhalt manuell erfassen, also abschreiben, was einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet hat.
Der Text ist, auch hinsichtlich der Rechtschreibung einschließlich der Zeichensetzung, trotz vieler typografischer Unzulänglichkeiten (insbesondere unterschiedlich verwendete Abkürzungen, oft frei stehende Anführungszeichen, reichliche Verwendung des Doppelpunktes und Kombination von Komma und Gedankenstrich) sowie inhaltlicher Fehler mit folgenden Ausnahmen unverändert geblieben:
Es wurde erwogen, angesichts der heutigen typografischen Möglichkeiten (Fett- und Kursivschrift, Kapitälchen, verschiedene Schriftgrößen) gegenüber den eingeschränkten Möglichkeiten der mechanischen Schreibmaschinen in den 1960er Jahren den Text entsprechend neu zu formatieren. Dies ist bewusst unterblieben, da es einen erheblichen Eingriff in die Textgestalt bedeutet hätte; lediglich in den Bibliografien wurden die Verfassernamen in Fettschrift gesetzt. Die Umstellung von der nicht-proportionalen Schreibmaschinenschrift auf proportionale Schrift (Baskerville Standard) erscheint dagegen vertretbar und im Interesse einer leichteren Lesbarkeit sogar als geboten.
Ebenso wurde erwogen (und verworfen), die inzwischen erkannten Fehler und Lücken, insbesondere in der Chronologie und Bibliographie, zu berichtigen bzw. zu ergänzen; dies hätte einen sehr großen Arbeitsaufwand bedeutet und zu einer fast völligen Neufassung geführt, was dem Charakter einer Dokumentation des Originalwerks widersprochen hätte. Es sei stattdessen auf die in der Anmerkung auf S. 9 genannten aktuelleren Werke verwiesen.
Soweit der Originaltext z. B. bei Jahreszahlen und Verfassernamen als Wiederholungszeichen Anführungszeichen („Gänsefüßchen“) enthält, wurden diese in der vorliegenden Ausgabe zur besseren Lesbarkeit durch ausgeschriebene Zahlen oder Namen ersetzt. Der oft verwendete Genitiv-Apostroph vor dem „s“ ist durchgehend gestrichen worden (aus „Plato’s Staat“ wurde also „Platos Staat“ usw.). Ganze Sätze wurden nach einem Doppelpunkt mit einem Großbuchstaben begonnen, offenbar fehlende falsche Satzzeichen wurden eingefügt bzw. ersetzt. Soweit vor oder nach einem Wort oder einer Zahl ein Satzzeichen vor oder nach einem Leerzeichen steht oder wechselnd nicht steht, ist die Schreibweise vereinheitlicht und ist der Text (teilweise) berichtigt und ergänzt worden. Aus


A c h e r m a n n,F.H. : Der Antichrist . Zukunftsroman.1.A.Olten-Schweiz. 1939. 217 S.

wurde also z. B.

Achermann, F. H.: Der Antichrist. Zukunftsroman. Olten (Schweiz): Walter, 1. Aufl. 1939, 217 S.

Schließlich wurden die zeitliche bzw. alphabetische Reihenfolge in der Chronologie und Bibliografie berichtigt und offenbar fehlende Wörter (kenntlich gemacht durch [eckige] Klammern) eingefügt.

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Unten und rechts: Musterseiten

 

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© Dr. Rainer Eisfeld, 2019


Rainer Eisfeld
Die Zukunft in der Tasche
Science Fiction und SF-Fandom in der Bundesrepublik — Die Pionierjahre 1955-1960
Paperback, 216 Seiten, 54 Abb., davon 12 in Farbe, Quellen- und Literaturverzeichnis, Personenregister.
25,00 € ISBN 978-3-940679-11-6

Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I.     Keine Experimente? Die Bundesrepublik wird modern!
II.    Utopia statt Billy Jenkins
III.    „Alle Sterne wirst du seh’n – mein Raketenkapitän …“
IV.   Walter Ernsting: „Dafür kämpfe ich! Dafür lebe ich!“
V.    Echternacher Springprozession bei Utopia
VI.   Anne Steul und der ‚Witzcon‘
VII.   Die Häuptlinge sind da – die Indianer bleiben nicht aus
VIII.  Gruppenbild mit Wendelstein: Der erste Urlaubscon
IX.    Auszeichnung oder Verkaufsinstrument? Die Clubsiegel-Debatte
X.     Wolfgang Jeschke proklamiert den „Kalten [Fan-] Krieg“
XI.    Der SFCD floriert, und Pabel bekommt erste Konkurrenz
XII.    Ernsting stellt die Vertrauensfrage
        Bildteil
XIII.   Eine „vergnügliche Sause“: Der Londoner Weltcon
XIV.  “The times they are a-changin’”: Der BIGGERCON
XV.   Kurze Idylle I: Durchbruch auf dem Heft- und Leihbuchmarkt
XVI.   Kurze Idylle II: Die „größte Buch- und Interessengemeinschaft der Welt ...“
XVII.  Scheer, Ernsting, Rohr: Jedem „Promi“ seinen Club
XVIII. Vom EUROCON zur „Entmaterialisierung“ des SFCE
XIX.   EUROTOPIA: Erfüllter Traum der Fans?
XX.    Epilog
Quellen- und Literaturverzeichnis
Personenregister

Rainer Eisfeld
Rainer Eisfeld, Dr. rer. pol., Jahrgang 1941, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück, wurde 2006 emeritiert. 2002 war er Gastprofessor an der University of Calfornia-Los Angeles (UCLA), 2006-2012 Vorstandsmitglied der International Political Science Association. Bis 2018 gehörte er dem Kuratorium der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora an. Neuere Buchveröffentlichungen u. a.:

Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei (1996/2000/2012);
Marsfieber (mit Wolfgang Jeschke, 2003);
Streitbare Politikwissenschaft (2006);
Die Zukunft in der Tasche (2007);
Abschied von Weltraumopern (2011);
Radical Approaches to Political Science: Roads Less Traveled (2012);
Political Science: Reflecting on Concepts, Demystifying Legends (2016);
Empowering Citizens, Engaging the Public. Political Science for the 21st Century (2019).

Über das Buch
Rainer Eisfeld schildert die Entstehung einer, wie man heute sagen würde, „Subkultur“ – des deutschen Science-Fiction-Fandoms. Er beschreibt die ersten, in vieler Hinsicht prägenden, Jahre des immer noch bestehenden Science-Fiction-Clubs Deutschland, dessen 106. Mitglied er 1955 wurde. Und er berichtet von den literarischen Erzeugnissen, welche die SF-Fans damals lasen.

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Rainer Eisfeld
Abschied von Weltraumopern
Science Fiction als Zeitbild und Zeitkritik — Kommentare aus 25 Jahren

Mit einer Vorbemerkung von Wolfgang Jeschke und einem Beitrag von Jörg Weigand

Paperback, 160 S., 22 Abb., davon 13 in Farbe, Drucknachweise, Personen- und Sachregister
17,50 € ISBN 978-3-940679-47-5

Inhaltsverzeichnis
Vorwort von Wolfgang Jeschke: Wovon in diesem Buch die Rede ist
Einleitung
I. Das „Spinrad“-Gutachten, die Bundesprüfstelle und Bert Brecht (1983-1987)

Jörg Weigand: Hitler, Jaggar und die Folgen (1983)
• Bert Brechts Glanz fällt auf Spinrad: Die Indizierung ist vom Tisch (1987)
II. Die dunkle Seite von Raumfahrt und technischem Fortschritt (1989-1994)
• Frau im Mond: Technische Vision und politisches Zeitbild (1989)
• Der reale Horror unseres Jahrhunderts: Zu Fritz Leibers „Expresszug nach Belsen“ (1993)
• Raumfahrt als Schreckensvision bei Ray Bradbury und Nigel Kneale (1992)
• „Wissender“ anstelle sozial „blinden“ Fortschritts: Robert Jungk (1994)
III.„Die schwachen Feuer, die der Mensch entzündet“: Grenzen und Möglichkeiten des Genres (1986-2008)
• Die politischen Visionen A. E. van Vogts (1986)
• „Die schwachen Feuer, die der Mensch entzündet“: Über Chad Oliver (1994)
• „Es ist gut, dass wir von neuem staunen lernen… Die Raumfahrt hat wieder Kinder aus uns gemacht“: Über Carl Sagan (1998)
• „Für einen Augenblick in der Ewigkeit wird die Bildung eines Musters versucht“: Über A. E. van Vogt (2001)
• Zur Entwicklungsfähigkeit von Menschen und von Literaturgattungen: Über Jack Williamson (2007).
• Hugo Gernsback und die Anfänge westdeutscher Science Fiction: Als Ralph 124C 41+ an Deutschlands Kiosken hing (2008)
Drucknachweise / Personen- und Sachregister

Über das Buch
Immer wieder hat Rainer Eisfeld, hauptsächlich im Heyne SF Jahrbuch und in der SF-Times, Zukunftsszenarien auf politische Aussagen und zeitkritische Perspektiven untersucht. Diese Sammlung seiner Aufsätze enthält Würdigungen Robert Jungks und Carl Sagans. Sie dokumentiert außerdem die Kontroverse um Norman Spinrads satirischen Roman Der stählerne Traum, an der Eisfeld als Gutachter beteiligt war.

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Rainer Eisfeld
Zwischen Barsoom und Peenemünde
Von den eingebildeten „Landschaften“ des Mars bis zu den zerbröckelnden Mythen der V-2-Konstrukteure
Paperback, 213 S., 26 Abb. (davon 8 in Farbe), Drucknachweise, Personen- und Sachregister
20,00 € ISBN 978-3-940679-89-5

Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Nach Barsoom – und weiter: Annäherungsversuche an einen großen Kosmos
• Siedler an fremder Grenze: Ray Bradbury, Sänger des amerikanischen „Dranges nach draußen“
• Wandlungen eines imaginären Mars: Wie der menschliche Geist „Szenarien“ auf andere Welten projiziert
• Expansion in den Kosmos – Heilserwartungen aus dem Kosmos: Das Weltall als Projektionsfläche für Hoffnungen und Ängste
II. Science Fiction in ihrer Zeitgebundenheit
• Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes und A. E. van Vogts Expedition der „Space Beagle“
• Arthur C. Clarke und die „verrückten Jahre“ britischer Science Fiction
• Die Zukunft in der Tasche (Vorrede)
Bildteil (24 Seiten mit 26 Abb. - davon 8 ganzseitig in Farbe - auf Bilderdruckpapier)
III. Kostproben übersetzter Science Fiction aus den glorreichen Tagen von Astounding und Galaxy, von Utopia und Terra
• Einleitung
• Die kosmische Bestimmung der Menschheit (Clifford Simak)
• Anbruch der Unendlichkeit (Isaac Asimov)
• Interstellare Sturmwarnung (A. E. van Vogt)
• Universum à la Doppelberg (Fredric Brown)
• Phönix aus der Asche (A. E. van Vogt)
• Schaurige Bedrohung aus dem All (Jack Williamson)
• Die Große Wanderung (A. E. van Vogt)
• Im karmesinfarbenen Licht der Sonne Phi Coronis (Marion Zimmer Bradley)
• Aus der Tiefe zu den Sternen (Henry Kuttner)
IV. FANAnnIA und „Unternehmen Bimsstein“ – von Anne Steul bis Walter Spiegl:
Soziokulturelle Beobachtungen über die Begründer des westdeutschen Fandoms

• „Ich habe die Nase gestrichen voll von Raketen und ähnlichem Käse“
• „Geschrieben im Weltraum während der Umrundung des Mondes an Bord der MR 1“
V. Fragen an Peenemünde
• Der „Mythos Peenemünde“ – Entstehung, Verfestigung und erste Risse
• Über den Umgang mit „Jahrestagen“ der V 2: Kritik und Vorschläge
Drucknachweise / Personen- und Sachregister

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Über das Buch
Ein weiteres Mal vermitteln die Beiträge dieses Bandes Rainer Eisfelds kritisch-informative Sicht auf das SF-Genre, das ihn auch als Politikwissenschaftler nicht losgelassen hat. Themen der hier gesammelten Aufsätze aus jüngster Zeit sind frühe Ursprünge des deutschen Fandoms, besondersdie lange vernachlässigte Rolle Anne Steuls; Projektionen und Visionen der Science Fiction, von Burroughs und Brackett bis zu Bradbury und Arthur C. Clarke; neue Ergebnisse der Auseinandersetzung Eisfelds mit dem „Mythos Peenemünde“, der die Ausbeutung von KZ-Häftlingen durch die V2-Konstrukteure vertuschen sollte. Ergänzt werden die Texte durch einen Bildteil, dessen seltene Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos ein eigenes Zeitdokument darstellen.


 


Rainer Eisfeld
Hundert Jahre deutsche Westernmythen
Von Armand bis Astor: "Alles authentisch"
Klappenbroschur, 197 S., 35 Abb., Quellenangaben, Index
17,50 € — 978-3-945807-51-4

Das Buch ist in Vorbereitung für Dezember 2019.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

I. Heldengestalten im deutschen Western:
Wechselnde Rollen, gleichbleibende Vorspiegelung historischer Authentizität

II. Armand / Farnwald / Falkland:
Der deutsche Held als Zivilisationsbringer, Kämpfer gegen Comanchen und Mexikaner
   Friedrich Armand Strubberg (1806–1889)

III. Old Shatterhand: Der deutsche Held als Edelmensch,
Verbündeter der guten Apachen, Kämpfer gegen die schurkischen Comanchen

   Karl May (1842–1912)

IV. Importe aus den USA (I) – Buffalo Bill / Texas Jack:
Kundschafter und Indianerkämpfer als Manege-Stars – die Vermarktung der eigenen Legende


V. Billy Jenkins (I):
Der deutsche Manege-Star als „Cowboykönig“ und G-Man – die Erfindung der eigenen Legende

   Frank Astor (Hans Günther; 1903-1987);
   Paul Pitt (Paul Oskar Erttmann; 1899-1944) & Co.

Bildteil

VI. Nach dem 2. Weltkrieg
♦ Jenkins-Abziehbild Bill Rocky: Abenteurer und G-Man
  
Paul Pitt (Paul Oskar Erttmann; 1899–1944)
   Charly Grant/Jim Gray (Joachim Rennau; 1919–1993)
♦ Billy Jenkins (II): Nach wie vor die Hand am Colt
   Stephan Trey (Hans Geisler; 1910–1993)
   C. Presto (Gerhard Carsjens; geb. 1906) & Co.
   G. F. Unger / Broderick Old (Gert F. Unger; 1921–2005)

VII. Zivilisationsbringer und Kundschafter: Gescheiterte Wiederbelebungsversuche
♦ Fred Falkland: „Bereits zu Lebzeiten ins Gebiet der Sage entrückt“
  
Frank Astor (Hans Günther; 1903–1987)
♦ Buffalo Bill: „Symbol eines kämpferischen Wagemuts“
   Sigfred Taubert (9 Pseudonyme; 1914–2008)
♦ Wild Bill Hickok: „Der Pistolenkönig und Töter“
  
Frank Astor (Hans Günther; 1903-1987)

VIII. Importe aus den USA (II):
♦ Auf der Fährte von Zane Grey:
   „Hondo“, „Shane“ und „Cetan Mani“
♦ „Lockender Westen“:
   Der Awa-Verlag setzt auf Scouts, Sheriffs und Revolverkämpfer
♦ Louis L’Amour und Wayne D. Overholser:
   Die Gebr.-Zimmermann-Verlage ziehen nach

IX. Vom „Kraut-Western“ zur Orientierung an US-Vorbildern
   Robert Ullman / Robert Starr / Bud W. Clarke / Christopher S. Hagen (H. J. Stammel; 1926–1990)
   Broderick Old / G. F. Bucket / A. F. Peters (Gert F. Unger (1921-2005)

X. Fazit:
Amerikas imaginärer „deutscher“ Westen im Wandel

Index

Über das Buch
Rainer Eisfeld lehrte als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück und als Gastprofessor an der University of California at Los Angeles (UCLA). Während seines Studiums übersetzte er außer zahlreichen Science-Fiction- auch ein rundes Dutzend Western-Romane, darunter Erzählungen von Louis L’Amour und Wayne D. Overholser. Aus seinem mehrfach nachgedruckten Aufsatz “Myths and Realities of Frontier Violence: A Look at the Gunfighter Saga” ging das Buch Wild Bill Hickok: Westernmythos und Wirklichkeit (Reinbek 1994) hervor.
Rainer Eisfelds Darstellung entwirft ein Panorama des „deut schen“ Wilden Westens, in dem ein Jahrhundert lang – beginnend mit Friedrich Armand Strubberg („Armand“) über Karl Mays „Shatterhand“ bis zu „Billy Jenkins“ – Deutschen als Zivilisationsbringern eine zentrale Rolle zufiel. Schließlich gab es im 19. Jahrhundert eine regelrechte Auswanderungswelle aus den deutschen Fürstenstaaten ins freie Texas, angefeuert durch keinen Geringeren als Hoffmann von Fallersleben …
Das Buch kontrastiert auf fesselnde Weise die im deutschen Westernroman immer wieder erhobenen Ansprüche auf historische Wahrheit mit den Realitäten der amerikanischen Siedlungsgrenze. Im Lauf seiner Darstellung zeigt Eisfeld, dass Karl May sehr viel stärker durch Strubberg beeinflusst wurde, als bislang angenommen. Er demonstriert, wie der Zirkusgründer Hans Stosch-Sarrasani den Romanhelden „Billy Jenkins“ erfand, und er erläutert, warum die Jenkins-Reihe unter dem NS-Regime erscheinen konnte. Sein Buch erzählt, wieso die Figur des „G-Man“ lange vor den Jerry-Cotton-Krimis Einzug in deutsche Western hielt. Und es räumt am Ende auf mit der Legende von der „neuen Authentizität“ der Westernromane G. F. Ungers und H. J. Stammels.




Heinz J. Galle
Volksbücher und Heftromane - Band 1

Der Boom nach 1945 — von Billy Jenkins bis Perry Rhodan

Klappenbroschur
, 3. Auflage 2018, 278 S., Literaturverzeichnis, Register, 115 schwarzweiße Abb.
17,50 € ISBN 978-3-945807-22-4

Inhalt:
Editorische Hinweise / Vorwort 

1. Kometen am Himmel – Österreichs Frühstart nach 1945
Die drei Caballeros / Aufbruch ins All / Lizenzausgaben / Die Langlebigen / Signalwirkung / Trouvaillen
2. Ein Blick über der Zaun
3. Alte Liebe rostet nicht
4. Die wilden fünfziger Jahre

Billy Jenkins / Tom Brack der Grenzreiter / Coyote / Buffalo Bill / Aladdin-Romane / Bill Garry der schwarze Reiter / Der Texaner / La Salle / Tom Prox / Bill Rocky / Zorro / Erdball-Romane / Quer durch den indianischen Kontinent / Old Iron Jack und andere Reihen / Frank Kenney, Jo Marson / Kabinett der Leidenschaften / Pimpinello Mystifex
5. In Rastatt stand die Wiege der Science-Fiction-Literatur
Jim Parker / Utopia-Zukunftsroman, Mark Powers, Ad Astra / Utopia-Großband / Utopia-Krimi(nal) / Utopia-Magazin, Galaxis und die Nachfolger / Luna-Utopia, Luna-Weltall, Utopischer Taschen-Roman / Terra, Terra Extra, Terra Nova und Terra Astra / Terra-Sonderband / Abenteuer im Weltenraum, Der Weltraumfahrer
6. Die Erben des Universums — Perry Rhodan & Co.
Perry Rhodan / Ren Dhark / Rex Corda, der Retter der Erde / Raumschiff Promet / Zeitkugel, Erde 2000 / Commander Scott, Agent der Erde / Gemini / Raumschiff Orion / Die Terranauten / Star Gate / Tabelle: SF-Zeittafel seit dem Jahre Null nach Perry Rhodan
7. Die Rollbahn ins Verderben
SOS Schicksale deutscher Schiffe, Fliegergeschichten / Schild-Hefte, Signal-Hefte / Anker-Hefte, Blaue Jungs, Wolkenstürmer / Der Landser, Soldatengeschichten, Die andere Seite / Postskriptum
8. Schnüffler, G-Men und Kriminal-Kommissare
Allan Pinkerton / Tom Shark / Frank Allan / John Kling / John Drake und andere Helden und Heldinnen / Hermann Skolaster, Butler Parker / Kom-missar X / Jerry Cotton
9. Kampf dem Imperialismus
Im Gegensatz zum dekadenten kapitalistischen Westen gab es in der DDR keine Schundliteratur ... / Von Marholds illustrierter Jugendbücherei bis zur Romanwelt — der Start nach 1945 / Der Boom der fünfziger Jahre / Die Letzten der Mohikaner / Quintessenz
10. Gänsehaut für ein paar Euro
Zauberkreis-Verlag / Pabel-Verlag / Bastei-Verlag / Kelter-Verlag / Erber-Verlag / Marken-Verlag / Tabelle: Horror-, Spuk- und Grusel-Zeittafel / Diagramm: „Fieberkurve“ der Horror-Heft-Produktionen
Literaturverzeichnis / Alphabetisches Register

Über das Buch
Der erste Versuch, einen Überblick über das in diesem Buch behandelte Thema zu geben, startete 1988 im Ullstein-Verlag, Berlin, mit Groschenhefte. Die Geschichte der deutschen Trivialliteratur. Da verlagsseitig in die Kapitelabfolge eingegriffen wurde, war dies keine absolut zufriedenstellende Arbeit gewesen, aber es war ein Anfang! Zehn Jahre später kam im EDFC, Passau, das umfangreiche Werk Volksbücher und Heftromane heraus. Dies war ein großer Fortschritt; erstmals konnte der weitgespannte Rahmen dieser populären Lesestoffe sichtbar gemacht werden. Aber aufgrund der Zusammenstellung diverser Einzelbeiträge aus vielen Zeitschriften konnte eine gewisse Überschneidung einzelner Spezialthemen nicht vermieden werden. Dies wurde mit der Neuausgabe 2005/06 geändert: Aus dem einen Buch wurden drei Einzelbände, die jeweils bestimmte Zeitabschnitte behandeln. Nun endlich konnte, da alle Texte neu geschrieben wurden, der Sektor der Heftromane chronologisch aufgearbeitet werden..
Der hier vorgelegte Band 1 beginnt mit der Zeit nach 1945 und beleuchtet hierbei auch die Produktionen der DDR sowie Publikationen der uns umgebenden deutschsprachigen Länder.
Die breite Palette visueller und akustischer Unterhaltungsvarianten, die der heutigen Jugend geboten wird, hat die Lust am Lesen ins Abseits gedrängt. Die sogenannten „Pisa-Studien“ zeigen in erschreckendem Maße die Leseschwäche heutiger Schülergenerationen auf. Damit einher gehend haben natürlich auch populäre Lesestoffe, wie sie die Heftromane darstellen, an Einfluss und Faszination verloren.
Während früher die Auslagen am Kiosk von den bunten Heftumschlägen beherrscht wurden, muss man heute nach derartigen Druckerzeugnissen schon dezidiert Ausschau halten. Von der großen Anzahl einstiger Verlagsunternehmen dieses Genres sind nach diversen Fusionen eigentlich nur noch zwei Verlage (Bastei und Pabel/Moewig) verblieben.
Heftserien wie Jerry Cotton, Perry Rhodan, John Sinclair oder Lassiter haben zwar noch eine treue Lesergemeinde, aber dahinter klafft schon eine erhebliche Lücke, und sie wird immer breiter! Nach den Boom-Phasen vor 1933 und nach 1949 befindet sich das Genre des Heftromans inzwischen im Sinkflug.
Während meiner Teilnahme am Symposium des Bastei-Verlages „Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung“ (28. April 2004 im Bonner Haus der Geschichte) konnte ich erneut registrieren, dass junge Autoren der Mainstream-Literatur mit Unverständnis auf das Engagement für den Heftroman reagieren. Das ist, ausgehend von der völlig neuen Sachlage im Sektor der Unterhaltungsmedien, verständlich. Ein junger Leser unserer Epoche kann die Faszination nicht nachvollziehen, die diese Fluchtliteratur auf die Generationen ausübte, die nach 1945 in das Lesealter hineingewachsen waren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren es diese populären Lesestoffe, die den Jugendlichen das Fenster zur weiten Welt öffneten. Es war für sie, besonders in den ersten Nachkriegsjahren, die einzige Möglichkeit, dem Alltag aus Ruinen zu entfliehen.
Der Schwerpunkt dieser Ausführungen wird auf die vergangenen Jahrzehnte gelegt; heutige Serien werden nur angerissen und müssen einer späteren Betrachtung überlassen werden. Wir haben es ja auch hier mit einem völlig neuen Phänomen zu tun: Dass Serienhelden wie Jerry Cotton oder Perry Rhodan über mehrere Jahrzehnte am Kiosk erhältlich sind, hat es vorher noch nie gegeben!
Die literaturwissenschaftliche Erkundung der im deutschsprachigen Raum veröffentlichten populären Lesestoffe hat an deutschen Universitäten zögernd und in den Verlagen noch immer nicht begonnen. Im Gegensatz dazu ist in England und Amerika eine Vielzahl einschlägiger Sekundärliteratur veröffentlicht worden. Allein in meinem Besitz befinden sich zwanzig zum Teil opulent ausgestattete Werke, in denen die Historie der „Dime Novels“, „Penny Dreadfuls“ oder „Pulps“ beleuchtet wird.

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Heinz J. Galle
Volksbücher und Heftromane - Band 2

Vom Kaiserreich zum „Dritten Reich“ — 40 Jahre populäre Lesestoffe
Klappenbroschur, 3. Auflage 2019, 371 S., 201 Abb., Literaturverzeichnis, Register
22,50 € — ISBN 978-3-945807-34-7

Inhalt:
Editorische Notiz / Vorwort
1. Einführung

TEIL 1: DIE KAISERZEIT (1905–1918)

2. Vorbemerkungen zu Teil 1
3. Die Letzten aus dem Geschlecht der Ritter und Räuber
Florian Geier; Kämpfe mit den Raubrittern / Dick Turpin; Abenteuer des Fürsten der Landstraße / Berühmte Räuber aller Länder / Berühmte Räuber der Welt
4. Der Abgesang der Piraten
Unter schwarzer Flagge / Die Blutfahne der Flibustier / Klaus Störtebecker, der gefürchtete Herrscher der Meere
5. Jugendliche Rüpel und freche Backfische
Jungens-Streiche / Jugendwoche / Jugendbund / Der Bund der Sieben / Backfischstreiche / Prinzessin Übermut / Lu und Lo die beiden Rangen / Männe und Max; lustige Bubengeschichten / Stiel und Stumpf
6. Ein Abgrund an Verworfenheit; erotische Heftromane
Für Bonvivants / Der moderne Boccaccio und Liebesperlen / Ein Blick durch’s Schlüsselloch / Kleine amüsante Bibliothek / Intime Geschichten / Feine Havanna / Aus dem Sumpfe der Großstadt / Noch einmal: Intime Geschichten / Was man nicht laut erzählt / Mädchenhändler
7. Von Nick Carter bis Wanda von Brannburg
Dime Novels aus den USA; ein revolutionäres Format erobert den Markt / Alwin Eichler der Pionier / Buffalo Bill / Nick Carter, Amerikas größter Detectiv / Sâr Dubnotal, der grosse Geisterbanner / Jesse James, Amerikas grösster Abenteurer / Kapitän Stürmer’s Fahrten zu Wasser und zu Lande / Wanda von Brannburg, Deutschlands Meister-Detectivin / Rund um die Welt; Erlebnisse und Schicksale merkwürdiger Menschen / Detectiv Sherlock Holmes und Aus den Geheimakten des Welt-Detektivs / Hurrah! Soldatenstreiche aus Krieg und Frieden / Minx — Der Geistersucher / Bill Cannon, Amerikas berühmtester Kriminalkommissar / John Wilson: Aus dem Geheimbuch des berühmten amerikanischen Detektivs / Lord Lister genannt Raffles der Meisterdieb oder Raffles der große Unbekannte / Erlebnisse deutscher Fremdenlegionäre
8. Rothäute und Rauh-Reiter
Wild West Bibliothek / Sitting Bull, der letzte Häuptling der Sioux-Indianer oder Berühmte Indianer-Häuptlinge / Texas Jack, der berühmteste Indianerkämpfer / Die Helden der Wildnis / Geheimnisse der Wüste oder Old Ironhand der Trapper und Indianerkämpfer / Roosevelts Rauh-Reiter / Der neue Lederstrumpf
9. Nat Pinkerton & Co.
Nat Pinkerton — Der König der Detectivs / Kriminal-Bibliothek oder Fritz Stagarts Abenteuer / Pat Conner, der Meisterdetektiv / Detektiv John Spurlock / Jack Franklin — Der Weltdetectiv / Ethel King — Ein weiblicher Sherlock Holmes
10. Reisen auf den Flügeln der Gedanken
Jürgen Peters der Schiffsjunge / Um den Erdball / Lord Percy vom Excentric Club / Erlebnisse einsamer Menschen / Aus fremden Landen / Durch Länder und Meere / Rolf Rodewalds Reise um den Erdball / Von deutscher Treue / Neue Robinson Abenteuer oder Ein neuer Robinson / Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
11. Der Krieg ist der Vater aller Dinge
Die Lawine rollt an / Mit dem Verlag für Volksliteratur an die Front / Mignon holte seine Weltenbummler heim / Der Verlag moderner Lektüre / Auch renommierte Verlage waren sich nicht zu schade / Der Großinquisitor

TEIL 2: DIE WEIMARER ZEIT (1918–1933)

12. Vorbemerkungen zu Teil 2
13. Stuart Webbs und Co.; der Filmheld erobert das Groschenheft
Vereinigte Verlagsgesellschaft Werner Dietsch Verlag und Speka Verlag / Heinrich (alias Harry) Piel / Jack Mylong — Der geheimnisvolle Hochstapler / Harry Hill – Der Weltmeister der Sensationen / Luciano Albertini / Carlo Aldini – Der tollkühne Abenteurer / Eddy Polo / Im Bermuda-Dreieck / Luna Bücher und Stern Bücher – Koch & Co. Verlag / Harold Lloyd „Er!“ – Der Welt amüsantester Taugenichts / Lee Parry – Die tollkühne Abenteuerin / Von Baron Bunny zu Rothbarths Filmromanen
14. Neue Helden im Wilden Westen
Wildtöter – Neue Erzählungen aus dem Wilden Westen / Texas Jack — Der große Kundschafter / Der neue Buffalo / Winoga der letzte Mohikaner / Daniel Boon – Der Held von Wildwest / Felsenherz und Felsenherz der Trapper / Die kurzlebigen Mitläufer
15. Sexuelle Freiheit im Großstadtdschungel
Liebesleben berühmter Frauen / Intimes – Skizzen aus dem Leben / Mascotte-Bücher / Illustrierte Galante Bücherei / Illustrierte Sittenromane und Illustrierte Großstadt-Romane / Sie tanzten nur einen Sommer
16. Einzug der Neuzeit; Radio-Club und Hypnose-König
 Illustrierte Weltall-Bibliothek / Hans Stark der Fliegerteufel / Phil Morgan — Der Herr der Welt / Sir Ralf Clifford der unsichtbare Mensch oder Das geheimnisvolle Vermächtnis des Fakirs / Timm Fox — Der König der Detektive oder Der König der Abenteurer / Der Bund der Rächer / Jens Rolf und Tom Hypnos / Im Flugzeug um die Welt / Im Radio-Club — Aus dem Tagebuch des Ingenieurs Joe West / Mess Mend oder Die Yankees in Leningrad / Jack Nelson vom Tric-Trac-Tric / DAR Serie — Detektiv & Abenteuer Romane / Olaf K. Abelsen — Abenteuer abseits vom Alltagswege
17. Die deutschen Pulps; Kriminalmagazine und Wahre Geschichten
Kreuz und Quer durch alle Welt / Fama – Das Magazin für Alle / MZ – Meine Zeitung / Der Die Das / Das Kriminal-Magazin / Wahre Geschichten und Wahre Erzählungen / Wahre Detektiv Geschichten
18. Verbrechen lohnt sich nicht – wird aber immer wieder gern goutiert
Frank Allan der Rächer der Enterbten / Der Detektiv und Harald Harst / Fred Parker — Die Erlebnisse des großen Unbekannten / James Robertson – Der Weltdetektiv / Al Capone / Herman Desler — Der junge Detektiv
19. Aufbruch zu neuen Ufern; Terra incognita wird zum Fremdwort
Hans Stosch-Sarrasani – Fahrten und Abenteuer / Aus weiter Welt / Durch Wüstenglut und Urwald / Seybold’s Volksbücher / Kurt Gafran’s Reise-Abenteuer / Fred Tarmun – Aus eigener Kraft um die Erde / Rolf-Serie – Abenteuer aus aller Welt

TEIL 3: DIE NS-ZEIT (1933–1945)

20. Vorbemerkungen zu Teil 3
21. Kindheit unter dem Hakenkreuz
22. Die phantastischen Abenteuer des Sun Koh und Jan Mayen

Sun Koh – Der Erbe von Atlantis / Jan Mayen / Weltenbummler — Die vier Musketiere
23. Die Erfolge von Rolf Torring und Co.
Rolf Torring / Jörn Farrow’s (U-Boot-) Abenteuer / Hein Class – Fahrten, Abenteuer / Frank (Fred) Faber’s Abenteuer / Norbert Falk in der Fremdenlegion / Salto mortale – Elefantenkarls Erlebnisse / Claus Timm – Der Held von Kamerun
24. Von Alaska Jim bis Tex Bulwer
Billy Jenkins und Billy Jenkins Wild-West-Bücher / Alaska Jim und Sturmvögel / Bob Hunter auf Indianerpfaden / Tex Bulwer — Abenteuer im Wilden Westen /
25. Mimikry der Detektive
Welt-Kriminal-Bücherei und John Kling / Tom Shark – Der König der Detektive / Tom Shark II / Wolf Greif / Noch einmal Tom Shark / Detektiv Robby IX und Detektiv Robby King – Auserlesene Kriminal-Romane / Lord Lister, genannt Raffles, der grosse Unbekannte / Black Bird — Der schwarze Vogel von Scotland Yard / Max Wing’s tolldreiste Abenteuer / Sonstige Reihen /
26. Es geht auch ohne Serienhelden | Der 30 Pfennig-Roman / Spannende Geschichten / Aufwärts-Jugend-Bücherei / Abenteuer aus aller Welt / Tatsachen! – Romane und Berichte / Mut und Tat / MV Fesselnde Romane / Von Gerstäckers Reiseromanen bis zu den Seltsamen Geschichten
27. Claqueure und Opportunisten
Sieg-Heil! / Ein Hitlerjunge erlebt / Die Fahne hoch! / Jugend voran / Helden der Nation / Und ihr habt doch gesiegt / Unsere Wehrmacht in Krieg und Frieden / Deutsche Jugendbücherei und Hillgers Deutsche Bücherei / Jungdeutschland-Bücherei / Welt-Pirat England / England ohne Maske / Bunte Geschichten rund um die Politik
28. Auf in den Kampf– die Flut der Kriegsserien
Flieger-Abenteuer / Kriegsbücherei der deutschen Jugend / Kolonial-Bücherei / Erlebnis-Bücherei / Jan Stavast Reeks / Die Mädelbücherei / Madeleine und Louise / Der deutsche Wegleiter / Der Krieg 1939 / Die grauen Hefte / Kleine Kriegshefte / Waffenhefte des Heeres / Ritterkreuzträger des Heeres / Unterhaltung für die Nordfront / Lesestoffe für Horst und Bunker / Bunker Magazin / Panzerfausthefte / Kommt zur Fliegertruppe / Adler-Bücherei / Unsere Jagdflieger
29. Schlussbemerkungen
Literaturverzeichnis / Alphabetisches Register

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Heinz J. Galle
Volksbücher und Heftromane - Band 3

Die Zeit von 1855 bis 1905 — Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane

Klappenbroschur, 3. Auflage 2009, 349 S., 192 Abb., davon 73 in Farbe, Literaturverzeichnis, Register
20,00 €ISBN 978-3-945807-50-7

Wegen Neuauflage als Klappenbroschur (20,00 €), bitte vorbestellen.

Inhalt:

Editorische Notiz
Vorwort

1. Einführung

TEIL 1: VON MORITATENSÄNGERN ZU KOLPORTEUREN (1855–1905)

2. Bänkelsänger, Moritatenhefte und Anderes
Flugschriften und Einzelblattdrucke / Steindrucke / Volksbücher / Moritatenhefte / Bilderbögen
3. Unterhaltung für zehn Silbergroschen | Großstadtleben / Biedermann auf Reisen / Spitzweg-Idylle
4. Eisenbahnliteratur
5. Theaterfieber
6. Collectionen
7. Erotik- und Witzblätter

Schamlos und unmoralisch … / Satire, Humor und Erotik auf dem Zeitschriftenmarkt / Vom Sumpf der Verruchtheit zu den Wassern der Unschuld / Der Humor als Waffe / Lustige Blätter für Jedermann / Eros in der Unterwelt
8. Jugend- und Volksbibliotheken
Julius-Bagel-Verlag, Mülheim an der Ruhr / Adolf-Spaarmann-Verlag, Styrum an der Ruhr / August-Weichert-Verlag, Berlin / E.-Bartels-Verlag, Berlin / Enßlin-&-Laiblin-Verlag, Reutlingen / Robert-Bardtenschlager-Verlag, Reutlingen / E.-Grieser-Verlag, Frankfurt am Main / Unter ferner liefen …
9. Kolportageromane
Produktion, Distribution und Rezeption des Lieferungsromans / Kolportage-Verlage / Themenskala / Autoren des Genres
10. Frühe Heftreihen 
Hermann-Hillger-Verlag / Die vier Versuche des Robert Kraft / Adolph-Wolf-Verlag / Richard-Eckstein-Verlag / August-Weichert-Verlag / Otto-Weber-Verlag / Enßlin-&-Laiblin-Verlag / Vita, Deutsches Verlagshaus / Verlagsbuchhandlung Schulze & Co. / Franckh’sche Verlagshandlung / W.-W.-(Ed.-)Klambt-Verlag

TEIL 2: ZU GUTER LETZT

11. Frauenromane — ein Kapitel für sich
Wie alles begann / Das Aschenputtel-Syndrom / Vom Dirndl-Roman zur Frau von Heute / Das schwankende Bild der Frau im „Dritten Reich“ / In 50 Jahren vom Aschenputtel zur Superfrau / Die fünfziger Jahre — das goldene Zeitalter des Heftromans / Die Großen Fünf / Die drei Überlebenden / Die Revolution beginnt / Die achtziger Jahre / Die neunziger Jahre — die Jahre des Kelter-Verlages / Das 21. Jahrhundert
12. Schlussbemerkungen
13. (Kl)eine Autobiographie

Literaturverzeichnis / Alphabetisches Register

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Heinz J. Galle
Fehlstart ins Atomzeitalter
Die strahlende Zukunft der fünfziger Jahre im Spiegel der deutschsprachigen populären Medien
Paperback, 149 Seiten, 103 SW-Abb., Quellen-, Sekundärliteratur-, Zeitschriften-, Internet-, Film-Verzeichnis, Bildnachweis, Personenregister

15,00 € — ISBN 978-3-940679-71-0

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Eine real existierende Atom(waffen)welt

     Schutz vor Atombomben?
2. Vorwärts ins Atomzeitalter

     Die populärwissenschaftlichen Magazine und Zeitschriften
3. Die Marke „Atom“ verkauft sich gut

     Ein neuer literarischer „Steinbruch“ wird erschlossen
4. „Atom“ in dicken und dünnen Büchern

     Leihbücher und Taschenbücher
5. Weltuntergang im Kleinformat

     Heftromane
6. Weltuntergang auf der Leinwand

     Atomare Katastrophen im Film
7. Das Atomzeitalter im Bild

     Sammelbilder
Anhang: Quellenverzeichnis / Sekundärliteratur / Zeitschriften und Magazine / Internet / Filme/ Bildnachweis/ Personenregister

Aus dem Vorwort
Eine saubere, billige, nahezu unerschöpfliche Energie für das Jahr 2000 durch friedliche Nutzung der Kernenergie … die versprach uns die Atomindustrie seit den 1950er Jahren, unterstützt von den Bundesregierungen und großzügig (vor-)finanziert) von der Bundesrepublik Deutschland. Wie in einer konzertierten Aktion malten uns auch Zeitungen, unterhaltende, wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Zeitschriften, Bücher und Filme die zu erwartenden Segnungen des „Atomzeitalters“ aus, sozusagen eine „strahlende Zukunft“.
Wie gesagt, die blauäugigen und von einer wissenschaftsgläubigen Wiederaufbau-Generation gerne aufgenommenen nahezu paradiesischen Verheißungen, die „Unser Freund, das Atom“ (so ein Film- und Buchtitel) uns und unseren Nachkommen bringen sollte, fanden in den 1950er und 1960er Jahren statt. Die 1970er Jahre und die folgenden Jahrzehnte „bis Fukushima“ brachten dann nach einer Phase der Ernüchterung eine Gegenbewegung hervor, die schließlich (nach einem Zwischenspiel nach dem Motto „raus aus den Kartoffeln, rein in die Kartoffeln“) dazu geführt hat, dass Deutschland den Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie zur Stromerzeugung begonnen hat.
Denn inzwischen hat uns die Natur selbst deutlich gezeigt, dass diese Technik, ganz abgesehen von der damit notwendig verbundenen Entsorgung und Lagerung des „Atommülls“ über gigantisch lange Zeiträume, nicht beherrschbar ist: Schon jetzt müssen wir feststellen, dass Zwischen-Einlagerungen nach wenigen Jahren nicht mehr als sicher gelten; ein geeignetes Endlager für den schon angefallenen „Atom-Müll“, „gesucht“ nach dem St.-Florians-Prinzip, fehlt noch immer.
Diese Probleme sind im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts allgegenwärtig. Nahezu vergessen und der jüngeren Generation teilweise ebenso unbekannt wie die jahrzehntelange Teilung Deutschlands ist die Zeit, in der die Atomenergie als Schlüssel zur Lösung kommender Energieprobleme und überhaupt als Verheißung einer rosigen Welt der Zukunft propagiert wurde.
Eine bedeutende Rolle bei der Einstimmung auf die „friedliche Nutzung der Kernenergie“ (Die militärische Nutzung wurde zwar verdammt, aber massiv vorbereitet.) spielten in allen maßgeblichen Ländern der Erde (mittelbar oder unmittelbar) die schon eingangs genannten Massenmedien. Auch unterhaltende Literatur und Spielfilme, insbesondere auf dem Gebiet der Science Fiction, gehörten dazu. Zwar wurde teilweise angesichts des zweifachen Atombombeneinsatzes der USA gegen Japan 1945 drastisch vor den Folgen einer militärischen Nutzung gewarnt, aber fast immer verbunden mit dem Hinweis auf den Segen einer friedlichen Nutzung.
Heinz J. Galle, der 1936 geborene bekannte Sammler, Herausgeber und Lexikograf auf dem Gebiet der populären Unterhaltungs- und Sachliteratur, hat diese Zeit des versuchten „Aufbruchs in das Atomzeitalter“ miterlebt. Im vorliegenden Lesebuch lässt er anhand seiner eigenen Erfahrungen und vor allem unter Einbeziehung der populären „Atomliteratur“ im weiteren Sinne die 1950er und 1960er Jahre mit ihren diesbezüglichen Blüten noch einmal Revue passieren. Das Buch will kein wissenschaftliches Werk sein und keine bahnbrechenden Erkenntnisse liefern, sondern auf unterhaltsame Art an eine fast vergessene, aber für viele Menschen, auch den Autor, prägende Zeit erinnern, die die Grundlagen für die spätere Anti-Atombewegung als Antithese schon in sich trug und heute zur (hoffentlich belastbaren) Synthese im Wege einer umweltschonenderen und weniger gefährlichen Technik geworden ist.

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Heinz J. Galle
Als Roboter noch Roboter waren
Ein illustrierter Streifzug durch die Geschichte
der Roboter in den populären Medien
Klappenbroschur, 209 Seiten, 143 Abb.

17,50 € — ISBN 978-3-945807-13-2

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Roboter - eine erste Annäherung
2. Das Roboter-Zeitalter
3. Die „lustigen Blechkumpel“
4. Morgenröte der Roboter
5. Wie alles begann
6. Roboter in der Science Fiction
7. Roboter im Film

     7.1 Roboter in der Frühzeit des Films
     7.2 Die weibliche Note
     7.3 Serien und B-Filme
     7.4 Im Reich der Fantasy
     7.5 Ambitionierte Film-Roboter
     7.6 Film-Roboter auf hohem Niveau
8. TV-Roboter im Einsatz
     8.1 The Avengers
     8.2 Doctor Who
     8.3 Lost in Space
     8.4 Raumschiff Orion
9. Autonome Traumtänzer
Weiterführende Literatur

Über das Buch
Im vorliegenden Werk wird versucht, das Auftreten der Roboter im 19./20. Jahrhundert übergreifend zu dokumentieren, ausgehend von Zeitschriften und Romanen über Filme und Fernsehserien bis zum Spielzeugbereich, einem hochinteressanten Sektor, der bisher oft nur stiefmütterlich, wenn überhaupt, behandelt wurde. Der Zeitraum, der hier dokumentiert werden soll, liegt zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, mit gelegentlichen Ausreißern nach hinten und vorn. Diese Begrenzung bedarf einiger Erklärungen:
Dass der Start im Biedermeierzeitalter erfolgte, ist darauf zurück zu führen, dass in dieser Zeit das Phänomen der Massenkultur entstand. In den Publikationen jener Zeit sind die ersten Hinweise auf Maschinenmenschen anzutreffen. Der Berichtszeitraum konnte aber auch nicht unbegrenzt erweitert werden, da eine gigantische Anzahl von Roboter-Bezügen vorliegt.
So bestand von vornherein nicht die Absicht, Vollständigkeit anzustreben, und bei einer derartigen Flut von Informationen liegt es auch auf der Hand, dass die Auswahl subjektiv ist. Im „Bermuda-Dreieck“ der alten Romane und Anthologien des utopisch-phantastischen Genres sind mit großer Wahrscheinlichkeit noch viele Entdeckungen mit Bezug auf die Roboterthematik zu machen. Aus Platzgründen  mussten viele Detailbereiche des Roboter-Themas außer Acht gelassen oder doch vernachlässigt werden, insbesondere die Beleuchtung der Literatur und der einschlägigen Filme des ehemaligen Ostblocks, und zwar nicht nur aus Platzgründen, sondern auch einfach deshalb, weil ich mich auf diesem Gebiet nicht sicher fühle, und man sollte eigentlich nur über Themen schreiben, die man beherrscht. Das Gleiche trifft auf den Sektor der Comics zu, obwohl sich bestimmt auf diesem Gebiet interessante Querverbindungen aufgetan hätten. Auch spezielle Roboter-Bezüge im Bereich der Brettspiele, Kalender, Aufstellfiguren, ja selbst der Musik, mussten entfallen. Ungeachtet dieser bedauerlichen, aus meiner Sicht nicht zu vermeidenden Einschränkungen soll versucht werden, unterhaltend zu informieren, ohne dabei belehrend zu wirken.

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Heinz J. Galle
Wie die Science Fiction Deutschland eroberte
E
rinnerungen an die miterlebte Vergangenheit der Zukunft

Klappenbroschur,  224 Seiten, 164 Abb., 2 Tabellen, Quellen- und Literaturverzeichnis, Personenregister
17,50 €ISBN 978-3-945807-15-6

Inhaltsverzeichnis
Vorwort und editorische Hinweise
Einleitung: Memoirenliteratur

1. Vom Zukunftsroman zur Science Fiction
     Science Fiction ist in der Gegenwart angekommen
     Was bedeutet der Terminus „Science Fiction“?
     Schon vor 1945 gab es Science Fiction in Deutschland
     Die Zeit von 1945–1949
     Das erste Jahrzehnt: Der Weltraum lockt
2. Die SF-Fans und ihre Welt
     Der erste deutsche Science-Fiction-Club
     Vom Wesen und Unwesen der SF-Conventions
     Links – da wo das Herz sitzt
     Mit „Transgalaxis“ durch die Bücherwelt
3. Vormarsch auf schmaler und breiter Basis
     Jakob Bleymehl und die „Sammlung Antares“
     Paul Alfred Müller alias Freder van Holk alias Lok Myler
     Aus der Welt von morgen
4. Science Fiction in den Leihbüchereien von 1948–1975
     Weltraumfahrt für 50 Pfennige
     Paul-Feldmann-Verlag
     Gebrüder-Zimmermann-Verlag
     Bewin-Verlag
     Reihenbuch-Verlag
     Autoren dieses Genres
     Leihbücher als Sammelobjekte
     Das Ende der Klarsichtfolien
5. Das SF-Taschenbuch beginnt seinen Siegeszug
     Bären-Bücher
     Die Bunte Reihe
     rororo-Taschenbücher
     Taschen-Junior
     Berliner Taschenbücher
     UTO-Zukunftsromane
     AWA-Taschenbücher
     Utopische Taschenbücher
     Ullstein-Verlag
     Walter-Lehning-Verlag
     Wilhelm-Heyne-Verlag
     Fischer-Verlag
     Erich-Pabel-Verlag
     Arthur-Moewig-Verlag
     Wilhelm-Goldmann-Verlag
     Und was es sonst noch gab …
     Tabelle: Taschenbücher mit SF-Titeln (1948–1970)
6. Verwelkte Blüten und Schwanengesang?
     Anabis. Ein Amateurmagazin auf dem Weg zur Professionalität
     Planet-Magazin – 6 … 7 … 8 … aus
     Reif fällt auf die Blütenpracht …
7. Das Haus mit den bunten Fenstern
     Science Fiction als Kunstobjekt und Table-top-Fotos
     Weltliteratur für eine Deutsche Mark
     Abenteuer des Kapitän Rob
     Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
8. Die SF-Filme der 1950er und 1960er Jahre
     Ein Blick über den großen Teich
     Die SF-Filme der 1950er Jahre
     Das Buch zum Science-Fiction-Film
     Rettung durch 3-D-Effekt?
     Der SF-Film und sein Echo in der Öffentlichkeit
     Amerikanische und britische SF-Filme der 1960er Jahre
     Tabelle: SF-Filme aus den Jahren 1950–1970 (Auswahl)
     Wissenschaftliche Phantastik (UdSSR, CSSR, DDR)
     Nicht zuletzt: Die Raumpatrouille Orion
9. Die UFOs und die Science Fiction
     Das UFO-Phänomen – eine Massenpsychose?
     Bücher-Varianten
     UFO-Filme
     UFOs im Gewand des Heftroman
     UFOs im Bild
     Ufologie – im Reich der Gläubigen und Scharlatane
Quellen- und Literaturverzeichnis / Personenregister / Abbildungsnachweis

Über das Buch
Nach seinem dreibändigen Standardwerk Volksbücher und Heftromane (2005/2006, Neuauflage 2009) und dem Almanach Zwischen Tecumseh und Doktor Fu Man Chu (2007) hat Heinz J. Galle 2008 ein weiteres Buch vorgelegt, das sich vor allem mit dem Einzug der Science Fiction in Literatur, Kunst, Film und Freizeitgestaltung („SF-Fandom“) in der Zeit nach 1945 in Westdeutschland befasst. Die als Hardcover mit teils farbigen Abb. erschienene Erstauflage ist inzwischen vergriffen. Hier wird nun eine Nauauflage als Klappenbroschur mit schwarzweißen Abb. zu einem günstigen Preis vorgelegt.
Einige Themenbereiche sind schon in den genannten Büchern in unterschiedlicher Breite und Tiefe behandelt worden; das vorliegende Buch, das gleichzeitig auch ein Erinnerungsbuch ist, soll einige „weiße Flecke“ im breiten Themenspektrum decken und mehr oder weniger bekannte Themen aus teilweise verändertem Blickwinkel vertiefen und ergänzen. So kann dieser persönlich geprägte Bericht über die miterlebte „Vergangenheit der Zukunft“ den eindrucksvollen Darstellungen von Wolfgang Both, Hans-Peter Neumann und Klaus Scheffler über die Entwicklung in der SBZ/DDR (Berichte aus der Parallelwelt, 1998) und von Rainer Eisfeld über die Entwicklung in Westdeutschland (Die Zukunft in der Tasche, 2007) sowie den Biografien von Heiko Langhans über Walter Ernsting (Clark Darlton. Der Mann, der die Zukunft brachte, 2000) und Karl-Herbert Scheer (Karl-Herbert Scheer. Konstrukteur der Zukunft, 2001) und dem von Kurt Kobler herausgegebenen fünfbändigen Sammelwerk Kommandosache K. H. Scheer (2006–2008) an die Seite gestellt werden.
In Deutschland wurde die Bezeichnung „Science Fiction“ erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs langsam zu einem Begriff. Im Schlepptau der Science Fiction entstand, wie in Amerika, ein Fandom (also eine Fangemeinde), aus deren Mitte ebenfalls Autoren, Redakteure, Herausgeber, Agenten und Übersetzer hervorgingen. Von den jugendlichen Enthusiasten, die in den 1950er Jahren mit Begeisterung SF lasen und sich kommunikativ betätigten, weilen allerdings leider heute schon viele nicht mehr unter uns.
Leser aus den neuen Bundesländern werden ihre einschlägigen Jugenderinnerungen vermissen. Die Aufarbeitung der DDR-Verlage sollte aber in den Händen der Bewohner der ehemaligen DDR verbleiben, sie verfügen über das dazu notwendige Wissen. Zum Teil hat ja auch schon in der Vergangenheit die Aufarbeitung begonnen; ich erinnere nur an Dieter Spillers Katalog der DDR-Unterhaltungsliteratur (1995), an Hans-Peter Neumanns Die große illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR (2002) und an die Berichte aus der Parallelwelt von Wolfgang Both, Hans-Peter Neumann und Klaus Scheffler (1998).
Ende 2007 erschien im Verlag Dieter von Reeken ein grundlegender deutscher Beitrag zu dieser Form von Sekundärliteratur: Die Zukunft in der Tasche, so lautet der Titel; er stammt aus der Feder Professor Dr. Rainer Eisfelds, der als Heranwachsender, wie der Verfasser dieser Zeilen, zu den eifrigen SF-Fans der ersten Stunde zählte.
Mit dem vorliegenden Buch möchte ich einen weiteren Baustein zu diesem „Haus der Erinnerungen“ beitragen. In vorliegenden Fall soll allerdings ein etwas anders strukturierter Rückblick auf die Pionierzeit der Science Fiction und auf ihre Leser und Fans gegeben werden. Es wird deutlich gemacht, dass sich hinter dem Begriff Science Fiction mehr verbirgt als nur Unterhaltungsliteratur. Die Gedankengänge der SF-Autoren befruchteten auch Filmregisseure, Spielwarenfabrikanten, Sammelbilderproduzenten, Comiczeichner, Werbeagenturen in toto – unser heutiges Leben.
Als Zeitgenosse und engagierter Leser will ich nicht die Fiktion aufrechterhalten, objektiv zu sein. Dieses Buch wurde auch nicht mit dem Anspruch geschrieben, alles besser zu wissen oder eine allgemeingültige Meinung zu vertreten – nein, dies ist eine rein subjektive Reminiszenz auf die Jugendzeit der SF-Bewegung. Der eine oder andere Leser und SF-Fan wird seinen Lieblingsautor oder sein Lieblingsbuch vermissen; nun, hier wird auch nicht der Versuch unternommen, Vollständigkeit anzustreben. Im Vordergrund steht eine nostalgische Rückschau auf gut zwei Jahrzehnte SF-Geschichte. Es soll dabei nicht gebeckmessert werden; einschlägige Erfahrungen haben gezeigt, dass Kitsch oder Schund durch die Zeit geadelt werden und die Öffentlichkeit sie daraufhin mit Wohlwollen betrachtet.

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Heinz J. Galle:
Sun Koh, der Erbe von Atlantis
Eine illustrierte Dokumentation

Paperback, 15 x 22 cm, 229 S., 328 Abb., mehrere Tabellen
17,50 € — ISBN 978-3-945807-44-6

Hinweis: Der Sammelband mit den Dokumentationen und Anhängen aus der vergriffenen neunbändigen Sun-Koh-Neuausgabe  wendet sich an Leserinnen und Leser, die diese Ausgabe NICHT oder nicht vollständig besitzen.

Inhaltsverzeichnis
Editorische Hinweise

Dokumentationen

Über Paul Alfred Müller alias Lok Myler, Freder van Holk u. a.
1. Zu den Heften 1–17
2. Zu den Heften 18–32, Nachauflagen 23, 29
3. Zu den Heften 33–48, Nachauflage 36
4. Zu den Heften 49–6
5. Zu den Heften 66–82
6. Zu den Heften 83–99
7. Zu den Heften 100–116, Nachauflage 27
8. Zu den Heften 117–133, Nachauflage 28
9. Zu den Heften 134–150

Anhang

Anhang 1: Sun-Koh-Heft-Titelverzeichnis 1–150
Anhang 2: Sun-Koh-Leihbuch-Titelverzeichnis 1–37
Anhang 3: Sun-Koh-Taschenbuch-Titelverzeichnis 1–37
Anhang 4: Sun-Koh-Synopse der erschienenen Ausgaben
Anhang 5: Jan Mayen, die Sun-Koh-Nachfolgeserie
Anhang 6: Jan-Mayen-Heft-Titelverzeichnis 1–120
Anhang 7: Bibliografie der serienunabhängigen utopisch-technischen Romane

Über das Buch
P
aul Alfred Müller (1901–1970) verfasste von 1932 bis 1969 unter seinem bürgerlichen Namen und unter mehreren Pseudonymen (z. B. Lok Myler, Werner Keyen und Freder van Holk) zahlreiche humoristische, Kriminal-, Abenteuer- und utopisch-phantastische Romane.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören die unter dem Pseudonym „Lok Myler“ verfassten Heftromanserien Sun Koh, der Erbe von Atlantis (1933–1936) und Jan Mayen (1936–1938). Sun Koh ist dem ersten Erscheinen als Romanreihe in 150 Heften (in mehreren Auflagen) mehrfach nachgedruckt worden, und zwar als nochmalige Heftserie, als Leihbuch-, als Taschenbuch- und inzwischen auch als E-Book-Ausgabe. Die Nachkriegs-Leibuch- und Taschenbuchausgaben und ihre Nachdrucke (erschienen unter dem neuen Pseudonym „Freder van Holk“) waren mehr oder weniger stark bearbeitet und gekürzt und teilweise mit fremden Texten (aus Jan Mayen und Rah Norten) ergänzt.
Von 2013–2015 erschien im Verlag Dieter von Reeken, Lüneburg, in neun Bänden zu je ca. 17 Heften eine ungekürzte und unbearbeitete Neuausgabe der ursprünglichen Heftausgabe. Diese Bände enthielten im Anhang ausführliche reich illustrierte Dokumentationen mit Kommentaren und Hintergrundinformationen zur Serie, verfasst von Heinz J. Galle, der das literarische Erbe P. A. Müllers im Einvernehmen mit der Witwe des Autors, Frau Erika Müller, über Jahrzehnte gepflegt und gewürdigt hat.
Aus rechtlichen Gründen darf der Verlag Dieter von Reeken diese neun Bände nicht mehr verlegen. Um denen, die diese beim Verlag vergriffene Ausgabe nicht besitzen und auch antiquarisch nicht mehr erreichen können, aber Zugang zu den anderen (wenn auch bearbeiteten und gekürzten) Texten haben, enthält der vorliegende Band den ungekürzten (redaktionell teilweise angepassten) illustrierten Text der Anmerkungen Heinz J. Galles einschließlich der in Anhängen beigegebenen Listen und Übersichten.
Bei der Verteilung der Dokumentation auf neun Bände kam es bei Text und insbesondere Abbildungen zu mehreren Überschneidungen, die hier beibehalten worden sind, um Seitengestaltung beibehalten zu können. Verweise auf Titelbilder und Text der Originalhefte in den neun Sammelbänden wie
z. B. („… siehe S. … der vorliegenden Ausgabe“ wurden in der Regel durch die Formulierung „… siehe S. … des Bd. … der DvR-Neuausgabe“ ersetzt.
Heinz J. Galle und der Verleger hoffen, dass die Dokumentation auch in dieser Gestalt künftigen Leserinnen und Lesern der Sun-Koh-Abenteuer von Nutzen sein kann.

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Heinz J. Galle / Dieter von Reeken:
Paul Alfred Müller (Lok Myler / Freder van Holk)
Eine illustrierte Bibliografie seiner Werke (1932–2018)

2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Br., 212 S., 126 Abb., Register
15,00 € — ISBN 978-3-945807-24-8

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen der Herausgeber
1. Erläuterungen
2. Chronologisches Verzeichnis
3. Verfasser- und Pseudonymverzeichnis
4. Zeichnerverzeichnis
5. Abbildungen
6. Aphabetisches Titelverzeichnis
7. Verlage, Reihen und Serien mit Beiträgen von P. A. Müller
8. Redakteurstätigkeit, Rundfunkbeiträge und Nachlass

- 8.1 Redakteurstätigkeit
- 8.2 Rundfunkbeiträge
- 8.3 Nachlass
9. Ausgewählte Sekundärliteratur
- 9.1 Bücher
- 9.2 Aufsätze und andere Beiträge
- 9.3 Rezensionen
- 9.4 Internet
Abbildungsnachweis

Über das Buch
Die vorliegende Bibliografie enthält die Veröffentlichungen von Paul Alfred Müller aus dem Zeitraum von 1932 bis 2018. Um eine preiswerte Ausgabe zur ermöglichen, sind die Abbildungen (in der Erstauflage teilweise farbig) durchgehend schwarzweiß gehalten.
Nicht berücksichtigt wurden sog. Raubdrucke, deren Verbreitung (Druckauflage), ja deren Existenz nicht mit Sicherheit nachweisbar ist, da sie unter Verstoß gegen bestehende Urheber- und Verlagsrechte (wie z. B. Sun Koh und Jan Mayen) mehr oder weniger konspirativ hergestellt worden sind. Gelegentlich sind einzelne Bibliografie-Einträge kommentiert. Zur schnelleren Orientierung beim Benutzen der Bibliografie ist hinter die Jahreskennziffern ein genrebezogener Kennbuchstabe nach folgendem Schlüssel gesetzt:

A = Abenteuerromane
H = Heitere und Liebesromane
K = Kriminalromane
P = Utopisch-technisch-phantastische Romane
S = Sachbücher, Aufsätze, Stellungnahmen u. a.
V = Gattungsübergreifende Romanserien (Jan Mayen und Sun Koh als Abenteuer-, Kriminal- und utopisch-technische Erzählungen im Wechsel und mit Elementen der jeweils anderen Literatur-Gattungen)

Buchbesprechungen: Carsten Kuhr bei phantastik-news und Dr. Klaus Schreiber bei Informationsmittel für Bibliotheken

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Gotthard Günther
Science Fiction als neue Metaphysik?
Einleitungen und Kommentare zu den vier »Rauchs Weltraum-Büchern« (1951/52)
Klappenbroschur, 137 Seiten, 18 Abbildungen, Nachwort von Dr. Franz Rottensteiner
12,50 € — ISBN 978-3-940679-93-2

Inhaltsverzeichnis
Editorische Hinweise
Einleitungen und Kommentare (1951/52) von Dr. Gotthard Günther zu »Rauchs Weltraum-Büchern«:
Die Entdeckung Amerikas und die Sache der Weltraum-Literatur (Science Fiction)
Zu Band 1: Der unglaubliche Planet von John W. Campbell jr.
Zu Band 2: Wing 4 von Jack Williamson
Zu Band 3: Überwindung von Raum und Zeit (Anthologie)
Zu Band 4: Ich, der Robot von Isaac Asimov
Nachwort von Dr. Franz Rottensteiner

Editorische Hinweise

Dem Sammelband liegen die folgenden Texte von Dr. Gotthard Günther zugrunde:
Die Entdeckung Amerikas und die Sache der Weltraum-Literatur (Science Fiction). Düsseldorf und Bad Salzig: Karl Rauch 1952, Heft, 24 S.
[„Einleitung“], in: John W. Campbell jr. (1910–1971): Der unglaubliche Planet (The Incredible Planet, 1949, übersetzt von Otto Schrag). Hrsg. von Gotthard Günther (Rauchs Weltraum-Bücher, Band 1). Düsseldorf und Bad Salzig: Karl Rauch 1952, S. 5 (unpaginiert); „Kommentar des Herausgebers“, a. a. O., S. 295–306.
[„Einleitung“], in: Jack Williamson (1908–2006): Wing 4 (The Humanoïds, 1947, übersetzt von Otto Schrag). Hrsg. von Gotthard Günther (Rauchs Weltraum-Bücher, Band 2). Düsseldorf und Bad Salzig: Karl Rauch 1952, S. 5 (unpaginiert); „Kommentar des Herausgebers“, a. a. O., S. 205–223.
[„Einleitung“], in: Überwindung von Raum und Zeit. Hrsg. von Gotthard Günther (Rauchs Weltraum-Bücher, Band 3). Düsseldorf und Bad Salzig: Karl Rauch 1952, S. 7 (unpaginiert); „Kommentar des Herausgebers“, a. a. O., S. 223–238; die Anthologie enthält folgende Erzählungen:
Clifford D. Simak (1904–1988): „Flucht“ („Desertion“, 1944, übersetzt von Elisabeth Klein);
Isaac Asimov (1920–1992): „Einbruch der Nacht“ („Nightfall“, 1941, übersetzt von Otto Schrag);
John W. Campbell jr.: „Wer da?“ („Who Goes There?“, 1938, übersetzt von Otto Schrag);
Stanley G. Weinbaum (1902–1935): „Die Lotusesser“ („The Lotus Eaters“, 1935, übersetzt von Otto Schrag);
H. Beam Piper (1904–1964): „Zeit und wieder Zeit“ („Time and Time Again“, 1947, übersetzt von Otto Schrag);
Alfred E. van Vogt (1912–2000): „Wiedererweckung“ („Resurrection“, 1948, übersetzt von Otto Schrag);
Lewis Padgett (Ps., Henry Kuttner, 1914–1958. und Catherine L. Moore, 1911–1987): „Mimsy were the Borogoves (Erbärmlich war’n die Bürgerbeine“ („Mimsy Were the Borogoves“, 1943, übersetzt von Otto Schrag);
[„Einleitung“], in: Isaac Asimov (1910–1971): Ich, der Robot (I, Robot, 1950, übersetzt von Otto Schrag). Hrsg. von Gotthard Günther (Rauchs Weltraum-Bücher, Band 4). Düsseldorf und Bad Salzig: Karl Rauch 1952, S. 5–6 (unpaginiert); „Kommentar des Herausgebers; die ‚zweite Maschine‘“,
a. a. O., S. 219–242.

Gotthard Günther
Gotthard Günther (1900–1984) studierte von 1921–1933 Sinologie und Philosophie in Heidelberg und Berlin und dissertierte 1933 über Hegel. Von 1935–1937 arbeitete er am Institut von Arnold Gehlen an der Universität Leipzig und schrieb zusammen mit Helmuth Schelsky Christliche Metaphysik und das Schicksal des modernen Bewußtseins.
Günthers jüdische Frau, die promovierte Germanistin und Philosophin Marie Günther geb. Hendel (1893-1986), mit der er seit 1929 verheirat war, erhielt 1933 als Lehrerin Berufsverbot. Sie flüchtete umgehend nach Italien, dessen Sprache sie beherrschte. Gotthard Günther folgte ihr 1937. Gemeinsam emigrierten beide über Südafrika in die USA (1940).
Dort entwickelte er ein System einer nichtaristotelischen Logik. Da erste Arbeiten dazu von den philosophischen Fachzeitschriften abgelehnt wurden, veröffentlichte er ab 1953 einzelne populäre Darstellungen in den SF-Magazinen Astounding Science Fiction und Startling Stories: Daher rührt seine Bekanntschaft mit der Science Fiction und seine Freundschaft mit SF-Autoren wie John W. Campbell jr. und Isaac Asimov.
1957 erschien Günthers Metaphysik der Kybernetik, Das Bewusstsein der Maschinen, 1959 Band I von Idee und Grundriss einer nicht-Aristotelischen Logik, 1962 Cybernetic Ontology and Transjunctional Operations. Nach seiner Emeritierung 1972 lehrte er bis zu seinem Tod am 29. November 1984 an der Universität Hamburg.
Sein umfangreiches Werk beschäftigt sich, basierend vor allem auf Hegel, Heidegger und Spengler, hauptsächlich mit der Entwicklung einer nicht-aristotelischen Logik und der Grundlegung einer operationsfähigen Dialektik. Im Umfeld der deutschsprachigen Science-Fiction-Literatur wird Günther vor allem wegen seiner Kommentare in den von ihm 1952 herausgegebenen vier »Rauchs Weltraum-Büchern« geschätzt. Der vorliegende Sammelband enthält neben diesen Texten die 1952 erschienene Schrift Die Entdeckung Amerikas und die Sache der Weltraum-Literatur (Science Fiction) und ein informatives Nachwort von Dr. Franz Rottensteiner.

Über das Buch
In deutschen SF-Kreisen nehmen die vier Bände der „Rauchs Weltraum-Bücher“ einen Ehrenplatz ein. Sie gelten als der erste Versuch, „gehobene“ amerikanische Science Fiction (SF) im deutschen Sortimentsbuchhandel durchzusetzen; in dieser Reihe erschienen zu sein, ist sozusagen ein Adelsprädikat. Das Scheitern des Projekts soll die Sache der seriösen SF auf Jahre zurückgeworfen haben. Das stimmt so nicht ganz, denn der Gebr.-Weiß-Verlag, Berlin, war mit seinen „Romanen aus der Welt von morgen“ mit zum Teil vergleichbaren Autoren (Edmond Hamilton, Robert A. Heinlein) sogar ein bisschen früher dran, stützte sich aber vor allem auf deutsche Autoren wie Hans Dominik und Freder van Holk. Freilich war auch späteren Buchreihen kein größerer Erfolg beschieden, am längsten hielten sich noch „Goldmanns Zukunftsromane“. Aber allgemein war SF in gebundener Form im deutschen Sprachraum nie eine Erfolgsgeschichte, und der Durchbruch kam erst mit dem Aufkommen der Taschenbücher, vor allem beim Heyne-Verlag, München.
„Rauchs Weltraum-Bücher“ beeinflussten die Entwicklung der SF in Deutschland eher mittelbar, durch den Eindruck, den sie bei den späteren Herausgebern der SF in Deutschland, die sich aus dem Kreis des „inneren Fandoms“ rekrutierten, hinterließen. Die meisten Leser dürften sich von den schwer lesbaren, mit logischen und metaphysischen Argumenten überfrachteten Ausführungen in den Kommentaren, die eher auf allgemeine philosophische Probleme hinwiesen als konkret auf die Geschichten eingingen, kaum angesprochen gefühlt haben. Ihr allgemeiner Tenor war, dass die Science Fiction ein typisch amerikanisches Phänomen war, das praktisch nichts mit europäischen Vorläufern zu tun hatte, und dass sie als Vorstufe zu einer neuen Metaphysik anzusehen war, die einmal als „das amerikanische Märchen“ bekannt werden würde. Und dass sie als radikale Absage an die europäische Geistesgeschichte zu verstehen war, die außer als in der Neuen Welt gar nicht woanders hätte entstehen können, obwohl die Mathematiker und Logiker, die etwa die Grundlagen der Kybernetik und der „mechanical brains“ schufen, vorwiegend europäischen Ursprungs waren. Sehr fragwürdig sind Günthers an Spengler angelehnten Ausführungen zu dem metaphysischen Grauen, das verhindert hätte, dass Amerika schon früher entdeckt wurde bzw. dass dessen vielfache Entdeckung im Lauf der Geschichte als solche rezipiert worden wäre.

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Fritz Heidorn
Kurz vor ewig 
Kosmologie und Science-Fiction. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte der Science-Fiction aus Kosmologie, Religion und Literatur
Klappenbroschur,  231 Seiten, 6 Abbildungen, Vorwort von Kim Stanley Robinson
17,50 € – I
SBN 978-3-945807-08-8

Inhaltsverzeichnis
Vorworte von Kim Stanley Robinson (englisch und deutsch) und von Fritz Heidorn
1. Einführung: Einsteins Universum und die Phantasie des Menschen
2. Die Tragödie des Menschen in Einsteins Universum
3. Die Literatur des Unmöglichen: Science-Fiction und Veränderung
4. Der künstliche Gott: Science-Fiction und die Religionen
5. Die Schöpfung: Science-Fiction und die Erschaffung des Universums
6. Buddhas Universum: Science-Fiction und der ewige Kreislauf von Vergehen und Entstehen
7. Die Evolution des Universums: Science-Fiction und Kosmologie
8. Superzivilisationen im Universum: Science-Fiction und die Ewigkeit
9. Die Konstruktion einer Zeitmaschine: Science-Fiction und die Vorstellung von Reisen durch die Zeit
10. Mahlstrom in die Zukunft: Science-Fiction und Klimawandel
11. Good Governance in der Zukunft: Science-Fiction und Demokratie
12. Menschheit der Zukunft: Science-Fiction und die Evolution der Menschheit im Universum
13. Erst-Kontakt: Science-Fiction und die Begegnung mit intelligentem Leben aus dem All
14. Die Kulturen der Aliens: Science-Fiction und Astrobiologie
15. 2000 Light Years from Home: Science-Fiction und Musik
Quellenverzeichnis der Essays / Literaturhinweise / Internet-Quellen

Über das Buch
Menschen sorgen sich um Leben und Tod, Gesundheit und Wohlstand, Macht und Einfluss. Ihre direkte Einflusssphäre ist das Alltagsleben, das sie gut und behaglich gestalten wollen, jedenfalls im reichen Westen, wo die Kriege und Konflikte fern  sind. Die Lebensspanne des Menschen im einundzwanzigsten Jahrhundert bezieht sich auf einen überschaubaren Zeitraum von ungefähr 80 Jahren und verliert sich im Vergessenwerden, wenn man die Generationen der Kinder und Enkel mitrechnet,  also spätestens nach ungefähr 150 Jahren. Diese Lebensspanne ist gering und vernachlässigbar im Angesicht der Ewigkeitszeiträume des Universums. Dennoch sollen die Zivilisation und die Kulturen der Menschen nicht gering geschätzt werden, denn  sie beruhen auf historischen Verständigungsprozessen, die den Menschen als politisches und kulturelles Wesen seit Jahrhunderten im Sinne der Aufklärung entscheidend geprägt haben. Es gibt viele Begriffe für diese Verständigung, die mit den  Begriffen „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ der Französischen Revolution begannen und sich im einundzwanzigsten Jahrhundert mit dem Begriff „Achtsamkeit“ der buddhistischen Lehre kennzeichnen lassen. Der Dalai Lama versteht unter  „Achtsamkeit“ eine „tiefe Ebene des Denkens“, die „Klarheit des Geistes“, die Förderung des Glücks und die Überwindung des Leids hin zum Seelenfrieden.
Die menschliche Tragödie kreist um Körper, Materie und Unwissenheit, während Buddhas Lehre auf Geist, Wissen und Weisheit abhebt. Im Zentrum des Buddhismus stehen Informationen über Lebensprozesse, die im Kreislauf von Leben, Tod und  Wiedergeburt erhalten bleibt. Diese Lebens-Information manifestiert sich in unterschiedlichen Erscheinungen, sie bleibt generell erhalten und kann sich durch die Kreisläufe hindurch vermehren und dabei wertvoller werden. Durch solche Vermehrungsprozesse steigen die Lebewesen in höhere Bewusstseinsebenen auf und gelangen zu fundamentalen Einsichten über die Ordnung im Universum. Nirvana ist schließlich der Zustand eines teilenden und für alles Leben fürsorglichen  universellen Altruismus. Die Lebens-Informationen im Sinne der Lehre Buddhas sind ewig und unzerstörbar, während das menschliche Schicksal eher einer Tragödie ähnelt, bezogen auf kurzfristige Ziele und gefälliges Verhalten im Alltag.
Was wäre, wenn sich die uralten menschlichen Mythen über Tod und Wiedergeburt, die buddhistischen Glaubensvorstellungen und das neue kosmologische Denken mit ihren Theorien über das Multiversum und das „Anthropische Prinzip“ der Kosmologie verbinden ließen zu einer Vereinheitlichenden Spekulation über das ewige Leben, in der alles enthalten ist, was sich über Leben, Körper, Geist und Seele im Kleinen und im Großen in Erfahrung bringen lässt? Was könnte die Menschheit gewinnen, wenn es - irgendwann - nicht nur eine „Vereinheitlichende Theorie“ der Physik gäbe, sondern tatsächlich eine „Vereinheitlichende Theorie von Allem“, also eine Verschmelzung der Rolle menschlichen Lebens in Einsteins Universum auf sehr lange Sicht?
Die sogenannte Science-Fiction Literatur hat dazu einige bemerkenswerte Ideen und Konzepte geliefert, die wiederum in ständigem Austausch mit den Naturwissenschaften stehen und interessante Ähnlichkeiten mit dem Buddhismus aufweisen, so dass sich eine nähere Betrachtung lohnen sollte. Die Erfahrungen des Menschen sind an den Planeten Erde geknüpft, aber es gibt eine Literaturgattung, die den Planeten verlässt und uns in ein unbekanntes Land entführt. Diese phantastische Literatur wird als „Science Fiction“ bezeichnet, also als „wissenschaftlich basierte Fiktion“ von Menschen oder anderen intelligenten Lebewesen, die Erfahrungen machen an anderen Orten, in anderen Zeiten oder in anderen Umständen als denjenigen, die an die Gegenwart des Planeten Erde gebunden sind. Science Fiction lässt dabei nicht alles zu, was beispielsweise in der Fantasie-Literatur denkbar und möglich ist, sondern nur das, was im Einklang steht mit dem gegenwärtigen Stand der naturwissenschaftlichen Theoriebildung in der Kosmologie und der experimentellen Praxis der Astronomie. Literarische Fiktionen sind also nach diesem Verständnis an die physikalischen Bedingungen in Einsteins Universum geknüpft.
Interessanterweise hat sich die kosmologische Forschung in den letzten Jahrzehnten stark verändert und ist um die Dimension des Spekulativen und Phantastischen erweitert worden. Es geht, zumindest bei der Betrachtung eschatologischer, also finaler,
Zustände im Universum, nicht mehr um lineare Abhängigkeiten und gemessene Sicherheiten in der Theoriebildung, sondern fast schon um die spekulative Erweiterung des Arbeitsfeldes hin zu Überlegungen, die aus verschiedenen Glaubenskonzepten,
insbesondere denen des Buddhismus, entliehen zu sein scheinen. Damit verbinden sich Ewigkeitsbetrachtungen der Kosmologie und des Buddhismus zu qualitativ neuen Gedankenmodellen, die gespeist werden aus der phantastischen Literatur und diese gleichzeitig befruchten. Im Mittelpunkt steht dann oft die Tragödie des Menschen in seiner Winzigkeit, gemessen an kosmischen Maßstäben, und an seiner Sterblichkeit.
Das vorliegende Buch stellt die Überlegungen und Konzepte für eine solche Synthese vor und stellt beachtenswerte Beispiele aus der Wissenschaft, der Literatur und verschiedenen Religionen vor, die den Lesern Einsichten in moderne Vorstellungen von der Rolle des Menschen im Universum geben können.

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Dr. Fritz Heidorn und Dr. Kim Stanley Robinson am 30. März 2017
 in der Otherland-Buchhandlung in Berlin

Fritz Heidorn
Fritz Heidorn, geboren 1952 in Stadthagen, ist promovierter Erziehungswissenschaftler (Dr. phil.) mit den Arbeitsschwerpunkten Naturwissenschaftsdidaktik, Umweltbildung, Entwicklungszusammenarbeit und interkulturelles Lernen.
Er hat als geschäftsführender Gesellschafter der gemeinnützigen Agentur
„econtur gGmbH“ mit Sitz in Bremen mehr als zwei Jahrzehnte lang Projekte und Forschungsvorhaben der nachhaltigen Entwicklung geleitet und Vorhaben in der Entwicklungszusammenarbeit durchgeführt, unter anderem als Leiter des Bereichs „weltwärts-Bremen“ und als Gutachter für GTZ und GIZ mit Einsätzen auf den Philippinen und in Aserbaidschan. Fritz Heidorn hat Projekte zum internationalen Austausch und zum Einsatz junger deutscher und internationaler Fachkräfte mit Ländern des Globalen Südens organisiert, insbesondere mit Südafrika, Lesotho, Indien und Indonesien. Die Reisen in diese Länder und die
Projekte mit den dortigen Partnern und Freunden haben sein Weltverständnis entscheidend geprägt und sein Interesse an einem kulturellen Austausch mit dem „zunächst Fremden“ geweckt.
Fritz Heidorn verbindet sein wissenschaftliches Interesse und die Vermittlung eines naturwissenschaftlich geprägten und politisch motivierten Weltverständnisses als allgemeines Bildungsgut mit seinen Vorlieben für Musik und Literatur. Seit seiner Jugend interessiert er sich auch für Science-Fiction und meldet sich seit mehreren Jahren mit Beiträgen und Essays zu diesem Literaturgenre zu Wort. Er lebt mit seiner Lebenspartnerin in Oldenburg, Niedersachsen.



Fritz Heidorn
Demnächst oder nie 
Reisen zu fremden Welten. Gedanken über die Erde, die Menschen und ihre Besuche anderer Himmelskörper
Klappenbroschur, 239 Seiten, 34 Abb., davon 30 farbig
20,00 € – ISBN 978-3-945807-27-9

Inhaltsverzeichnis
Einführung
Die Menschheit auf dem Weg zu fernen Welten. Science-Fiction als moderne Entdeckerliteratur

1. UNSERE VERANTWORTUNG FÜR DIE ERDE
1.1 Die Erde ohne uns? Die Erde vor uns, das Zeitalter des Anthropozäns, die Erde nach uns
1.2 Natur ohne Schutz?
1.3 Klimawandel ohne Konsequenz? Wetterphänomene, Klimawandel und Katastrophen in der Gegenwart und in der Zukunft
1.4 Umwelttechnologien ohne Durchsetzungskraft? Solar-Wasserstoff-Wirtschaft. Ein Beitrag zu einer ökologischen Verkehrswende
1.5 Raumfahrt ohne Regierung?
1.6 Fortschritt ohne Visionen? Blicke in die Zukunft der Entwicklung der Menschheit
1.7 Land ohne Lokalität?
1.8 Menschheit ohne Zukunft?
1.9 Mensch ohne Vernunft? Was und wie soll der Mensch lernen, um globalen Katastrophen begegnen zu können?

2. UNSERE ZUKUNFT IM SONNENSYSTEM
2.1 Nick der Weltraumfahrer. Von der Nachkriegszeit in das Goldene Zeitalter der Raumfahrt
2.2. Mondfieber 2.0 - Reisen zum Erdtrabanten und darüber hinaus
2.3 Die Planeten. Eine literarische Reise durch unser Sonnensystem
2.4 Die Erde
2.5 Der Erdorbit
2.6 Die Internationale Raumstation ISS
2.7 Der Mond
2.8 Der Mars
2.9 Die Sonne
2.10 Der Merkur
2.11 Die Venus
2.12 Der Jupiter und der Jupitermond Europa
2.13 Der Saturn
2.14 Der Uranus
2.15 Der Neptun
2.16 Der Pluto (Zwergplanet)
2.17 Die Asteroiden – Trümmer zwischen Mars und Jupiter
2.18 Jenseits der Neptunbahn - Kometen, Kuipergürtel und Zwergplaneten
2.19 Exoplaneten. Wo die großen Geheimnisse angesiedelt sind
2.20 Die literarische Reise zu den Planeten als fiktive Entdeckerliteratur

3. JENSEITS VON RAUM UND ZEIT
3.1 Das Universum. „In den Tiefen von Raum und Zeit“
3.2 Cixin Lius Trilogie ‚Remembrance of Earth’s Past‘ (‚Trisolaris‘-Trilogie)

4. ANHANG
4.1 Wissenschaftliche Referenzliteratur
4.2 Ausgewählte Science-Fiction Werke
4.3 Quellenverzeichnis der Essays
4.4 Abbildungsnachweis

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Über das Buch
In diesem Buch geht es um eine nachhaltige, gerechte Zukunft der Menschheit mit gleichen Entwicklungsperspektiven für alle Gruppen und Individuen. Der Verfasser handelt dies in drei Abschnitten ab. Zunächst beschreibt er im ersten Abschnitt „Unsere Verantwortung für die Erde“, welche Probleme auf unserem Heimatplaneten offen stehen, brach liegen oder durch die Wissenschaft, technische oder politische Aktionen in Bearbeitung sind. Im zweiten Abschnitt „Unsere Zukunft im Sonnensystem“ werden Forschungsprojekte der Gegenwart und nahen Zukunft vorgestellt, die unser Sonnensystem erschließen werden. Dabei wird die Rolle der Science-Fiction-Literatur, die als „Reiseberichte im Weltraum“ unsere Sinne für das scheinbar Unmögliche öffnen und uns Wagemut und Risikobereitschaft zeigen und Perspektiven aufweisen kann, untersucht. Und vor allem geht es dabei auch um eines: um die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für unsere Nachkommen in der nahen Zukunft. Im dritten Abschnitt „Jenseits von Raum und Zeit“ werden  einige Science-Fiction-Autoren mit ihren Hauptwerken vorgestellt, die uns einen sehr weiten Blick in Raum und Zeit fast jenseits unseres Vorstellungsvermögens gestatten, um unsere Sehnsucht nach dem Unendlichen zu befriedigen.



Fritz Heidorn
Arthur C. Clarke
Jenseits des Möglichen. Visionär des 21. Jahrhunderts
Klappenbroschur, 235 S., 80 Abb.
17,50 €
— ISBN 978-3-945807-48-4

Aus dem Vorwort von Kim Stanley Robinson
Arthur C. Clarke war einer der größten Science-Fiction Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts und in der letzten Hälfte seines Lebens ein wichtiger öffentlicher Intellektueller, der für utopische Zukünfte eintrat, die auf technologischen und sozialen Fortschritten basierten, mit einem Schwerpunkt auf dem Einsatz von Mitteln und Perspektiven der Menschheit im Weltraum.
Das gesamte Werk von Clarke beinhaltet diese utopische Möglichkeit. Es ist intellektuell stimmig und bildet eine wirkliche Wiedergabe seines sonnigen Charakters. Er war gelassen, heiter, gut informiert, intelligent. Seine Urteilsfähigkeit war ausgezeichnet. Er liebte es, zu lachen. Alle diese Eigenschaften durchziehen seine Schriften und geben seiner Vision etwas an dauerhaftem Wert für uns und eine Freude, diese Vision zu erleben.
Es ist ein Vergnügen, das Buch von Fritz Heidorn über diesen Science-Fiction-Giganten zu begrüßen.

Inhaltsverzeichnis
Foreword by Kim Stanley Robinson
Vorwort von Kim Stanley Robinson
Über Kim Stanley Robinson

1. EINFÜHRUNG

2. BIOGRAFISCHES
2.1 Kurz-Biografie
2.2 Autobiografisches
2.3 Großbritannien, USA, Weltbürger
2.4 Leben auf Ceylon/Sri Lanka
2.5 Der sexuell uneindeutige Arthur C. Clarke
2.6 Ehrungen in Sri Lanka
2.7 Übersicht über die wichtigsten Werke von Arthur C. Clarke
2.8 Musik, komponiert nach Werken von Arthur C. Clarke

3. DAS LITERARISCHE WERK
3.1 Erzählungen für das 21. Jahrhundert
3.2 Einstieg in das umfangreiche Werk
3.3 Schriftsteller für das 21. Jahrhundert
3.4 Schriftsteller für das Anthropozän

4. FUTURIST UND PHILOSOPH
4.1 Der Futurist: Prognosen und technische Innovationen
4.2 Die Mysterien des Arthur C. Clarke
4.3 Fernsehauftritte und Videobotschaften im Internet
4.4 Philosophie und Ethik
4.5 Bonmots und Kommentare zum Zeitgeschehen
4.6 Zusammenarbeit mit anderen Autoren
4.7 Würdigungen und Auszeichnungen
4.8 The Arthur C. Clarke Foundation, Washington D.C.
4.9 The Arthur C. Clarke Center for Human Imagination, University of California, San Diego
4.10 Zeitlose Ideen

5. FRÜHE ARBEITEN ZUR ERFORSCHUNG DES WELTRAUMS
5.1 Wissenschaftsautor
5.2 Raumfahrt
5.3 Wissenschaft und Fiktion im beginnenden Raumfahrtzeitalter
5.4 Außerirdische
5.5 Weitere wissenschaftliche Werke des frühen Clarke

6. ERZÄHLSTRUKTUREN BEI ARTHUR C. CLARKE
6.1 Naturwissenschaften und Science-Fiction
6.2 Die Poesie der Raumfahrt
6.3 Erzählstrukturen
6.4 Das naturwissenschaftlich-technische Narrativ
6.5 Drehbuch-Autor und Szenenschreiber
6.6 Das kosmologische Narrativ
6.7 Das eschatologische Narrativ
6.8 Das interkulturelle Narrativ
6.9 Didaktiker
6.10 Das Serien-Narrativ
6.11 Technologische Zukunftsentwicklungen

7. CIXIN LIU UND ARTHUR C. CLARKE
Vordenker und Nachfolger für die Science-Fiction Literatur im 21. Jahrhundert

8. WERKVERZEICHNIS 1: ERFORSCHUNG DES WELTRAUMS
8.1 Frühe Arbeiten
8.2 Wissenschaftliche Werke zur Weltraumerkundung
8.3 Geostationäre Satelliten für die weltweite Kommunikation
8.4 Frühe Werke zur beginnenden Raumfahrt
8.5 Die Erforschung des Mondes
8.6 Die Erforschung des Mars
8.7 Der Fahrstuhl in den Weltraum
8.8 Jenseits des Jupiter
8.9 Popularisierung des Weltraumflugs
8.10 Drehbücher

9. WERKVERZEICHNIS 2: ESSAYS, NATURWISSENSCHAFT UND GESELLSCHAFT, BRIEFWECHSEL U. A.
9.1 Essays
9.2 Wissenschaft und Gesellschaft
9.3 Briefwechsel und Debatten mit anderen Autoren
9.4 Vorworte, Nachworte, Sammelbände
9.5 Tauchen und Meeresforschung

10. WERKVERZEICHNIS 3: ERZÄHLUNGEN UND ROMANE
10.1 Science-Fiction-Kurzgeschichten
10.2 In der Tradition von Lord Dunsany
10.3 Science-Fiction-Romane
10.4 Der Space-Odyssee-Zyklus
10.5 Der Rama-Zyklus mit Gentry Lee
10.6 Rama – das Computerspiel
10.7 Der Zeit-Odyssee-Zyklus mit Stephen Baxter
10.8 Der letzte Roman von Arthur C. Clarke und Frederik Pohl: The Last Theorem

11. AUSKLANG
11.1 Eine Botschaft an die Zukunft
11.2 Ratschlag für Autoren
11.3 Signierungswünsche seiner Leserinnen und Leser
11.4 Erinnerung an Sir Arthur C. Clarke

12. AUSWAHL-BIBLIOGRAFIE
12.1 Romane
12.2 Sammlungen
12.3 Drehbücher
12.4 Kurzgeschichten
12.5 Poesie
12.5 Illustrationen

13. ABBILDUNGEN
13.1 Sachbücher von Arthur C. Clarke
13.2 Romane und Erzählungen von Arthur C. Clarke
13.3 Bücher anderer Autoren
13.4 Rama-Computerspiel
13.5 Reproduktionen

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Michael K. Iwoleit
Reductio ad absurdum
Acht Essays zur Short Science Fiction aus den Jahren 1993–2012
Klappenbroschur,  240 S., 25 Abb., mit einem Vorwort von Horst Pukallus, Titelbild von Helmut Wenske
17,50 € — ISBN 978-3-945807-01-9

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Horst Pukallus, Vorwort: Mythen der aktuellen Gegenwart
Ein Tribut an die Science-Fiction-Story / Zur Einführung
Reductio ad absurdum / Die Science Fiction des David I. Masson
Jenseits der Tabula Rasa / Anmerkungen zur Science Fiction des Carter Scholz
Update des Menschen / Trends in Greg Egans Kurzgeschichtenwerk
Mythen der nahen Zukunft / Über Muster und Quellen im Werk J. G. Ballards
Der Demiurg in der Gosse / Selbstironie und Selbstinszenierung im Werk Philip K. Dicks
Gestaltwesen, die Bombe und die Mysterien der Liebe / Über die Kurzgeschichten von Theodore Sturgeon
Transformationen und magische Gegenwelten / Anmerkungen zu den Erzählungen von Lucius Shepard

Über das Buch
Der Sammelband enthält, versehen mit einem Vorwort von Horst Pukallus, acht (teilweise überarbeitete und aktualisierte) Essays des bekannten deutschen Autors, Herausgebers und Kritikers Michael K. Iwoleit aus den Jahren 1993–2012 mit ausführlichen Analysen bedeutender Kurzgeschichtenautoren der Science Fiction:

Aus der Einführung
[…] Die klassischen Methoden der Science Fiction – Alternative, Verzerrung, Verfremdung, Zuspitzung, Übertreibung – sind Mittel der Steigerung, wie sie sonst nur in der Satire ein gesetzt werden, und sie funktionieren deshalb am besten in einem Medium, dem es selbst auf Intensivierung, auf Verdichtung, auf geballte Wirkung ankommt, weniger in einem ausdifferenzierten, weiter ausholenden Weltentwurf, wie ihn der Roman anstrebt.
Eine Literaturgeschichte der Science Fiction unter diesem besonderen Aspekt ist, meines Wissens, noch nicht geschrieben worden, und ich fürchte, künftigen Generationen von SF-Autoren, -Kritikern und -Lesern werden wesentliche Kenntnisse ihrer eigenen Geschichte verloren gehen, wenn ein solches Projekt nicht wenigstens einmal versucht wird. […]
Bei aller Bewunderung für Aldiss’ Prosa und Belesenheit ist es doch bedenklich, dass selbst in der Neubearbeitung seines Werks [Billion Year Spree], um nur zwei Beispiele zu nennen, Cordwainer Smith nur ein einziges Mal erwähnt oder Eric Frank Russell, wie Mike Resnick beklagte, nur beiläufig abgehandelt wird. Hier zeigt sich erneut ein grundlegender Mangel in der Aufarbeitung der SF: eine eklatante Vernachlässigung der Story. […]
Was die Geschichte der Short Science Fiction angeht, könnte man ergänzen: einige Artikel in Barry N. Malzbergs The Engines of the Night, Mike Ashleys Bände zur Magazingeschichte, die Einleitungen und Nachwörter zu den Storybänden der NESFA Press oder (mit Abstrichen) die Kommentare von Gardner Dozois in seinen diversen Anthologien. Das Rückgrat der SF-Geschichte – die Entwicklung von Themen, Motiven und Techniken der SF-Story – ist bis heute nur in solch verstreuten Quellen dokumentiert. Wer es genauer wissen will, müsste sich durch alte Magazinjahrgänge, Collections, Anthologien und die zahlreichen peripheren Medien arbeiten, die sporadisch SF veröffentlicht haben (von der Saturday Evening Post bis zu Omni und Playboy). Eine zusammenhängende, detaillierte Darstellung dieser Geschichte ist ein Desiderat, geradezu eine peinliche Lücke in der SF- Kritik, die wohl nur durch die gemeinsame Anstrengung einer ganzen Armada von SF-Experten geschlossen werden könnte. Die hier versammelten Essays sollen einige Bausteine zu dieser ungeschriebenen Geschichte liefern.

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Michael K. Iwoleit
Michael K. Iwoleit wurde 1962 in Düsseldorf geboren und lebt heute in Wuppertal. Nach Abitur und einer Ausbildung zum Biologisch-technischen Assistenten studierte er einige Semester Philosophie und Germanistik und arbeitete am Botanischen Institut der Universität Düsseldorf. Seit 1989 ist er freiberuflicher Autor, Übersetzer, Kritiker und Herausgeber, hauptsächlich im Bereich Science Fiction und Phantastik.
Er veröffentlichte vier Romane, etwa dreißig Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien sowie zahlreiche Essays und Rezensionen. 2002 gründete er mit Helmuth W. Mommers und Ronald M. Hahn das deutsche Science-Fiction-Magazin Nova, das er heute gemeinsam mit Olaf G. Hilscher herausgibt. Neben seinen Essays ist er in der Science-Fiction-Szene vor allem für seine Novellen bekannt, für die er insgesamt viermal mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis und zweimal mit dem Kurd- Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde.



Paul Alfred Müller-Murnau [Freder van Holk]
Schriften über die Hohlwelttheorie
Paperback, 142 S., 32 Abb., Vorbemerkungen
15,00 € — ISBN 978-3-940679-90-1

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen
Revolution des Geistes (1946)
Warum halten wir das kosmozentrische Weltbild für richtig? (1957)
Kosmozentrische Bewegungsgesetze (1957)
a. Die Beobachtung
b. Die heliozentrische Theorie
c. Die kosmozentrische Theorie
d. Die Bewegungsgesetze
e. Störungen
Der Mikrokosmos (1961)

1. Das Elektron
2. Elektronenbindungen
3. Elektronenketten
4. Das Meson
5. Das Neutron
6. Das Proton
7. Das Atom
8. Das Periodische System der Elemente
Anhang: Dokumentation zur sog. ‚Sputnik-Wette“, Werbung der „Gesellschaft für Erdweltforschung“


Über das Buch
Neben Welträtsel Universum hat P. A. Müller auch weitere theoretische Schriften verfasst. Es begann mit der Streitschrift Kritik der Hohlwelttheorie [4], die er 1940 verfasst hatte. Nach seinem theoretischen Hauptwerk Welträtsel Universum veröffentlichte Müller im Rahmen seiner Mitgliedschaft in der „Gesellschaft für Erdweltforschung“ (vorher „IN-Club“ genannt) mit Sitz an seinem Wohnort Murnau am Staffelsee u. a. die Schriften Bewegungsgesetze und Entfernungen im Geokosmos (1955) [5], in überarbeiteter Fassung 1957 neu veröffentlicht unter dem Titel Kosmozentrische Bewegungsgesetze [6], und (als Zusammenfassung des unveröffentlicht gebliebenen Manuskripts „Welträtsel Materie“) 1961 Der Mikrokosmos [7]. Ebenfalls 1957 erschien ein von Müller verfasstes Informationsheft mit dem Titel Warum halten wir das kosmozentrische Weltbild für richtig? [8], das gegen eine Schutzgebühr von 0,20 DM abgegeben wurde. Diese Schrift wurde übrigens von J. H. Tonn ins Englische übersetzt und von der Gesellschaft für Erdweltforschung unter dem Titel Why Do We Believe the Cosmocentric Theory to Be Right? [9] für den englischsprachigen Raum herausgegeben. Diese Schrift ist, trotz anderweitiger Behauptungen [10], neben dem von Robert A. J. Zielschot (einzigen) ins Niederländische übersetzten Heft 1 der SUN-KOH-Serie [11] die bisher einzige fremdsprachige Veröffentlichung Müllers!
Schon 1946 erschien ein inzwischen weithin in Vergessenheit geratener Zeitschriftenbeitrag mit dem Titel Revolution des Geistes [12], in dem Müller einige Gedanken aus seinem 1949 erschienenen theoretischen Hauptwerk Welträtsel Universum und aus den Manuskripten der nicht mehr erschienenen, von ihm in einer Buchreihe „Forschung und Wissenschaft“ geplanten Nachfolgewerke „Welträtsel Materie“, „Welträtsel Leben“ und „Welträtsel Mensch“ vorwegnahm und in dem er insbesondere die Hohlwelttheorie als „neu“ und „revolutionär“ vorstellte. Die Redaktion hatte dem Aufsatz (vorsorglich?) die folgende Erklärung vorangestellt: „Die Veröffentlichung dieses Aufsatzes ist gerechtfertigt durch den erfreulich frischen Wind, der in ihm weht.“
Abschließend gebietet es die Fairness gegenüber P. A. Müller, noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass die Texte zwischen 1946 und 1961, also vor mehr als 50 bzw. fast 70 Jahren, erschienen sind und nicht den heutigen Kenntnisstand berücksichtigen konnten, und ferner, dass alle Berechnungen (vor allem in Kosmozentrische Bewegungsgesetze) ohne Taschenrechner oder gar Computer vorgenommen worden sind. Andererseits muss man aber auch feststellen, dass er bis an sein Lebensende an seiner Überzeugung festgehalten hat, indem er die von ihm vertretene Theorie mit den neuen Erkenntnissen und Erfahrungen durch „Anpassung“ in Einklang zu bringen versuchte. Beispielhaft mag dafür der Ausgang der von ihm initiierten „Sputnik-Wette“ und seine Reaktion auf die seit 1957 gestarteten künstlichen Erdsatelliten stehen. (Siehe die Dokumente hierzu im Anhang.)
Dem vorliegenden Sammelband liegen die folgenden Veröffentlichungen zugrunde:
1. Paul Alfred Müller-Strasser: Revolution des Geistes. In: DEUTSCHE RUNDSCHAU (Berlin: Verlag Deutsche Rundschau), 69. Jg., Heft 7 (Oktober 1946), S. 27–31
2. [P. A. Müller-Murnau]: Warum halten wir das kosmozentrische Weltbild für richtig? München: Gesellschaft für Erdweltforschung 1957. 7 S., 1 Abb.
3. P. A. Müller-Murnau: Kosmozentrische Bewegungsgesetze. Murnau: Gesellschaft für Erdweltforschung 1957. 38 S., 4 Abb.
4. P. A. Müller-Murnau: Der Mikrokosmos. Murnau: Gesellschaft für Erdweltforschung 1961. 31 S., 10 Abb.
Der Text selbst ist, da es sich nicht um Erzählungen, sondern um (wenn auch „grenzwissenschaftliche“) Sachliteratur handelt, hinsichtlich der Rechtschreibung einschließlich der Zeichensetzung unangetastet geblieben. Offensichtliche Drucksatzfehler im Original sind stillschweigend berichtigt worden. Aus technischen Gründen erfolgte die Silbentrennung nach den seit 1996 geltenden neuen Regeln. Im Original fett oder gesperrt gesetzte Texte werden hier entsprechend wiedergegeben. Bei der Wiedergabe einiger Abbildungen waren Qualitätsverluste leider nicht zu vermeiden.
Wir hoffen, dass diese Neuausgabe dazu beiträgt, den in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen Menschen und Schriftsteller Paul Alfred Müller und seine Werke vor dem Vergessen zu bewahren, auch wenn es oft schwer fällt, seinen Gedankengängen in diesem Buch zu folgen.

Anmerkungen:
1) Paul Alfred Müller: Welträtsel Universum. Schriften über die Hohlwelttheorie, Zukunftsromane und die Relativitätstheorie aus den Jahren 1940–1959. Lüneburg: von Reeken 2011.
2) P. A. Müller: Kritik der Hohlwelttheorie. Frankfurt am Main: Schirmer & Mahlau 1940.
3) P. A. Müller-Murnau: Welträtsel Universum. Astronomie im Kreuzverhör. Eine kritische Untersuchung. München: Bielmannen 1949.
4) Siehe Anm. 5.
5) P. A. Müller-Murnau: Bewegungsgesetze und Entfernungen im Geokosmos. Murnau: Gesellschaft für Erdweltforschung 1955.
6) P. A. Müller-Murnau: Kosmozentrische Bewegungsgesetze. Murnau: Gesellschaft für Erdweltforschung 1957.
7) P. A. Müller-Murnau: Der Mikrokosmos. Murnau: Gesellschaft für Erd welt for schung 1961.
8) [P. A. Müller-Murnau]: Warum halten wir das kosmozentrische Weltbild für richtig? München: Gesellschaft für Erd welt for schung 1957.
9) [P. A. Müller-Murnau]: Why Do We Believe the Cosmocentric Theory to Be Right? München: Gesellschaft für Erd welt for schung 1957.
10) So behauptete etwa 1961 die UTOPIA-Redaktion: „Seine [Freder van Holks, also P. A. Müllers] Zukunftsromane sind in viele Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt bekannt.“ Vgl. Freder van Holk: Weltraumstation Nr. 1. 1. Teil (Utopia-Zukunftsroman 294 I). Rastatt: Pabel 1961, Umschlagseite 2. – P. A. Müller bzw. „Freder van Holk“ war insofern „Leidensgenosse“ von Hans Dominik, dessen Auflagenerfolge ebenfalls nahezu ausschließlich auf den deutschsprachigen Raum beschränkt waren.
11) Freder van Holk: Een man valt uit de hemel (SUN KOH – ERFGENAAM VAN ATLANTIS 1). Heerlen: RAJ Publications 1976.
12) Paul Alfred Müller-Strasser: Revolution des Geistes. In: DEUTSCHE RUNDSCHAU (Berlin: Verlag Deutsche Rundschau), 69. Jg., Heft 7 (Oktober 1946), S. 27–31.

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Eine notwendige Klarstellung
Wie schon in den Vorbemerkungen zur Neuausgabe [1] der Schriften Kritik der Hohlwelttheorie [2] und Welträtsel Universum [3] möchten wir Herausgeber vorsorglich klarstellen, warum die 1946, 1957 und 1961 erschienenen theoretischen Schriften Müllers zur sog. „Hohlwelttheorie“ nach so langer Zeit wieder veröffentlicht werden:
Wir wollen damit keine Propaganda für diese heute kaum noch bekannte und den meisten Menschen als wunderlich erscheinende Theorie verbinden. Die Wiederveröffentlichung der Texte erfolgt allein aus dem Grund, um den Lesern der utopischen Romane von P. A. Müller alias Lok Myler, Freder van Holk und Werner Keyen Gelegenheit zu geben, die Gedankenwelt kennenzulernen, in der sich der Autor beim Schreiben seiner „Hohlweltromane“ bewegt hat. Es soll verdeutlicht werden, dass Müller hier nicht, wie viele seiner Schriftstellerkollegen, einfach eine fiktive Alternativ- oder Parallelwelt erdacht und seine Erzählhandlungen hineingesetzt hat, sondern dass er davon überzeugt war, im Sinne der Hohlwelt-Vertreter erklärend-aufklärend tätig zu sein und damit auf unterhaltende Weise „für die Wahrheit“ zu werben.
Erst wenn man seine theoretischen Schriften, insbesondere sein Hauptwerk Welträtsel Universum, kennt, wird deutlich, wie ernst es Müller mit diesem „neuen Weltbild“ war. Mehr wollen wir Herausgeber mit der Wiederveröffentlichung nicht erreichen, vor allem nicht Argumente und Gegenargumente der Vertreter des etablierten kopernikanischen und des sogenannten „kosmozentrischen“ Weltbilds diskutieren. Die Gründe liegen auf der Hand:
Beide Systeme haben ihnen eigene Axiome, also Grundannahmen, die die Basis für das jeweilige Weltbild bilden. Auf der Grundlage der Axiome des einen Weltbildes kann man gegenüber den Anhängern des anderen Weltbildes das eigene nicht beweisen und das andere (das abweichende, meist entgegengesetzte Axiome hat) nicht wiederlegen. Es ist nämlich so, dass beide Theorien bei entsprechender Weiterentwicklung mit unseren Erfahrungen in Einklang zu bringen sind: Auch die nach 1957 und 1969 in ihren Axiomen ergänzte Hohlwelttheorie lässt Erdsatelliten und Mondreisen zu; man braucht sich nicht einmal in Fälschungs- oder andere Verschwörungstheorien zu flüchten.
Das Thema soll hier nicht weiter vertieft werden. Wegen weiterer Informationen zur Hohlwelttheorie und ihrer Entwicklung verweisen wir auf die Vorbemerkungen zur Neuausgabe von Welträtsel Universum.
Wir Herausgeber fühlen uns jedenfalls in der „kopernikanischen“ Welt „zu Hause“ und vermissen kein anderes Weltbild. Jeder kann es damit halten wie er will; in Schule, Studium und Beruf sollte man sich allerdings genau überlegen, ob sich das dauernde „Schwimmen gegen den Strom“ lohnt. Wir empfehlen daher, die Hohlwelt in Müllers Romanen als fiktive durchstrukturierte Alternativ- oder Parallelwelt zu verstehen.



Max Popp
Jules Verne und sein Werk
Des großen Romantikers Leben, Werke und Nachfolger
Neusatznachdruck der 1908/09 unter dem Titel "Julius Verne und sein Werk" erschienenen Erstausgabe
Klappenbroschur, 225 S., 27 Abb., Nachwort
17,50 € — ISBN 978-3-945807-09-5

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Zum Geleit: Wie dieses Buch entstanden ist
I. Teil: Vernes Leben
1. Kapitel: Vernes Abstammung und Jugend
2. Kapitel: Theater und Börse
3. Kapitel: Der Weg zum Ruhm
4. Kapitel: Mensch und Schriftsteller
5. Kapitel: Wanderjahre
6. Kapitel: In stiller Ruh
7. Kapitel: Das Ende
8. Kapitel: Das schönste Denkmal
II. Teil: Vernes Werke
1. Kapitel: Zur Geschichte des phantastischen Reiseromans
2. Kapitel: Die Entwicklung der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert
3. Kapitel: Vernes Werke
4. Kapitel: Aeronaut
5. Kapitel: Astronom und Geologe
6. Kapitel: Ingenieur und Chemiker
7. Kapitel: Geograf, Ethnograf und Biologe
8. Kapitel: Historiker; Phantast, Humorist und Dramatiker
III. Teil: Vernes Nachfolger
1. Kapitel: Landsleute und Anfänger
2. Kapitel: Auf der Höhe
3. Kapitel: Kosmische und irdische Zukunftsreisen
Schlusswort
Personen- und Sachregister / Anmerkungen des Herausgebers

Über das Buch
Seit dem Tode Jules Vernes am 24. März 1905 sind zahlreiche Biografien sowie Gesamtdarstellungen und Monografien zu seinem Werk erschienen. Im deutschen Sprachraum sind hierzu gegenwärtig die Biografien von Volker Dehs [1] zu nennen. Schon sehr früh nach Vernes Tod erschien Ende 1908 (im Impressum datiert auf 1909) das hier als Nachdruck im Neusatz vorgelegte von Max Popp verfasste Buch [2] über Leben und Werk des großen französischen Schriftstellers. Anders als über Jules Verne ist über Max Popp nur wenig bekannt. [3]
Popps Verne-Biografie ist noch heute mit Gewinn lesbar, denn sie ordnet den Schriftsteller und sein Werk nicht nur in die literaturgeschichtlichen Strömungen ihrer Zeit ein, sondern geht auch auf Vernes Kollegen und Nachfolger auf dem Gebiet der wissenschaftlich-phantastischen Literatur ein, u. a. auf Kurd Laßwitz, Carl Grunert, Oskar Hoffmann, Percy Greg und Herbert George Wells.
Bei der Lektüre ist es reizvoll, sich zu vergegenwärtigen, dass die von Popp geschilderten Überlegungen Vernes hinsichtlich der Möglichkeit eines Weltraumflugs zum Mond mittels eines Kanonenschusses schon wenige Jahre nach dem Erscheinen des Buches wissenschaftlich geprüft worden sind. Zeitlich versetzt und unabhängig voneinander kamen Konstantin E. Ziolkowski (1857–1935) ab etwa 1898, Robert H. Goddard (1882–1945) ab spätestens 1918 und Hermann Oberth (1894–1989) ab etwa 1908 zum übereinstimmenden Ergebnis, dass nur Flüssigkeitsraketen geeignet sein könnten, Menschen unversehrt in den Weltraum und schließlich zum Mond (und nach Möglichkeit auch zurück) zu bringen. Ausgangspunkt für ihre Forschungen waren u. a. Vernes Romane „Von der Erde zum Mond“ und „Reise um den Mond“! Oberth fasste hierzu 1929 u. a. zusammen: „Auch Jules Verne begeht […] ein paar arge Sünden gegen die Andrucksrechnung. Ich nenne hier u. a. die Idee, daß die Insassen den Stoß beim Abfeuern des Projektiles überleben würden, wenn sie auf einem 2½ m hohen Wasserpolster liegen würden. In Wirklichkeit müßte dieser Polster mindestens 1000 Km hoch sein:“ a = v2 : 2s;
„die Formel ist unerbittlich.“[4]
Dem Nachdruck liegt die (laut Impressum 1909, tatsächlich aber 1908 erschienene) Originalausgabe zugrunde. Der Text ist an die seit 1996 geltenden neuen Rechtschreibregeln (Stand 2006) angepasst worden, ansonsten aber unangetastet geblieben; lediglich offensichtliche falsche Schreibweisen sind stillschweigend berichtigt worden. Vor allem wurde die als Fremdkörper erscheinende eingedeutschte Bezeichnung „Julius“ Verne durchgehend in „Jules“ Verne berichtigt.
Hinsichtlich der Abbildungen bedanke ich mich bei Herrn Bernhard Krauth, dem Vorsitzenden des Jules-Verne-Clubs [5], dass er mir entsprechende Druckvorlagen in guter Qualität aus seiner Sammlung zur Verfügung gestellt hat.

[1] Volker Dehs: Jules Verne. Mit Selbstzeugnissen und Dokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 4. Aufl. 2005 (1. Aufl. 1986). – Ders.: Jules Verne. Eine kritische Biographie. Düsseldorf: Artemis und Winkler 2005.
[2]  Max Popp: Julius Verne und sein Werk. Des großen Romantikers Leben, Werke und Nachfolger. Wien und Leipzig: A. Hartleben’s Verlag 1909 [1908]. – Ein reprografischer Nachdruck (Max Popp: Jules Verne. Sein Leben, seine Werke, seine Nachfolger) ist 1999 im Fabri-Verlag, Ulm, erschienen.
[3] Die weiter oben stehenden Angaben beruhen auf dem Beitrag „Hartleben & Co.“ von Volker Dehs und Wolfgang Thadewald in: Volker Dehs; Ralf Junkerjürgen (Hrsg.): Jules Verne. Stimmen und Deutungen zu seinem Werk (Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Band 75). Wetzlar: Phantastische Bibliothek Wetzlar 2005, S. 265–281 (hier der Abschnitt „Postscriptum: der Biograph Max Popp“, S. 278f.).
[4] Hermann Oberth: Wege zur Raumschiffahrt. München und Berlin: R. Oldenbourg 1929, S. 88.
[5]  Jules-Verne-Club (Vors. Bernhard Krauth), Postfach 120219, 27516 Bremerhaven, www.jules-verne-club.de. – Hier sind neben umfassenden Informationen zu Jules Verne und seinem Werk und der Zeitschrift Nautilus auch Schriften von und über Verne (darunter deutsche Erstausgaben wie Der Weg nach Frankreich u.a.) erhältlich.

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Max Popp
Otto Max Popp wurde am 16. Dezember 1878 in Mönchen-Gladbach geboren und starb am 16. März 1943 in Berlin-Zehlendorf.
Er war ein deutscher Agrarwissenschaftler, der nach seiner Promotion zum Dr. phil. 1902 an der Universität Halle als Agrikulturchemiker an der Versuchs- und Kontrollstation der Landwirtschaftskammer für das damalige Herzogtum Oldenburg arbeitete, wo er sich vor allem mit Fragen der Düngung befasste, seinem Spezialgebiet, das ihn zeitlebens immer wieder beschäftigte. Zum 50-jährigen Bestehen der Versuchs- und Kontrollstation der oldenburgischen Landwirtschaftskammer im Jahr 1926 verfasste Popp die Festschrift.
In Oldenburg, der Hauptstadt des damaligen Freistaats Oldenburg, betätigte er sich zudem in der Freimaurerloge „Zum goldenen Hirsch“, in der er hohe Ämter ausfüllte und zur Feier des 175-jährigen Bestehens der Loge am 6. Dezember 1927 auch die Festschrift beisteuerte. Im Jahr 1932 zog sich Popp, der mittlerweile eine hohe Position im Landwirtschaftsministerium bekleidete und auch Professor der Agrikulturchemie war, jedoch aus der Freimaurerloge zurück. Popp war außerdem Mitglied im Beirat des Deutschen Esperanto-Bundes, zuständig für die „Propaganda in naturwissenschaftlichen Kreisen“. Außer seinem Buch über Jules Verne hat Max Popp bis 1939 mehrere Fachschriften veröffentlicht.



Franz Rottensteiner
Im Labor der Visionen
19 Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 2000–2012
Br., 268 S., 144 Abb., Quellenverzeichnis, Bildnachweis
20,00 € — ISBN 978-3-940679-72-7

Inhaltsverzeichnis
Einleitende Bemerkungen
Die Zukunft der Science Fiction
Einige Anmerkungen zum sozialkritischen Gehalt von SF
Zur Kritik an der Zukunft
Eine kurze Geschichte der Zeitreise
SF-Literatur zwischen Außenseitertum und Bestsellerstatus. Die Subkultur des Science-Fiction-Fandoms
Religion und Science Fiction
Der „Seelenwanderer“ Paul Busson
Lovecrafts transhumane Transformationen. Geschichten von der Begegnung mit den maximal Fremden
Erich Dolezal – Science Fiction als Erziehung zur Weltraumfahrt
Stanisław Lem und die letzten Dinge
Solaris
– Ein Roman und seine Verfilmungen
Peter Schattschneider — Das Spiel mit der Wirklichkeit
Wolfgang Jeschkes Kurzprosa
Michael K. Iwoleits posthumane Zukunft
Herbert W. Franke – Science Fiction als Gedankenexperiment
Die gespenstische Eufemia Adlersfeld-Ballestrem
Der streitbare Feminismus der Joanna Russ
Mein Freund Kalju Kirde
Helmut Wenske – Maler fremder Dimensionen und Welten
Anhang: Quellenverzeichnis / Bildnachweis

Über das Buch
Der Sammelband enthält 19 Aufsätze und Vorträge des bekannten österreichischen Autors, Herausgebers und Kritikers Dr. Franz Rottensteiner aus den Jahren 2000–2012 mit zeitlosen „Anmerkungen zur phantastischen Literatur“. – Auszüge aus den einleitenden Bemerkungen:
Die Beiträge dieses Bandes entstanden aus den verschiedensten Anlässen, oft für ein Publikum, das mit phantastischer Literatur und Science Fiction überhaupt nicht vertraut ist. Das bedingt gewisse Wiederholungen und Feststellungen, die für eingeschworene Fans der phantastischen Gattungen Binsenweisheiten sein mögen. Manche waren Vorträge, andere Vor- und Nachworte zu Sammlungen von Kurzgeschichten und anderen Büchern, Würdigungen von mir geschätzten Personen – oder entsprangen Einladungen, Beiträge für Sammelbände zu liefern.
… Dass ich klar und direkt schrieb, ohne den germanistischen Jargon, mit dem Lektoren in der Praxis des Verlagswesens nichts anfangen können (sie wollen nur wissen, ob ein Buch etwas taugt und welche Leserkreise sie damit ansprechen können), wurde von vielen Lektoren geschätzt. Ich glaube, dass ich ein sicheres Urteilsvermögen habe, und zwar für verschiedene Ebenen literarischen Niveaus (ich habe auch unzählige Heimatromane bewertet!), und ich habe es immer als meine wichtigste Aufgabe betrachtet, Texte, die es wert sind, zugänglich oder wieder zugänglich zu machen. So konnte ich als Herausgeber Stanisław Lem im deutschen Sprachraum bei Insel und Suhrkamp durchsetzen und auch international als sein Agent einiges für ihn tun. Das endete ziemlich hässlich, denn in Amerika hat er sich dann von einem Agenten vor Ort mehr versprochen, aber ich kann nicht alles falsch gemacht haben, denn nach meiner Zeit als sein Agent erschien kein einziges neues Buch mehr von ihm – und die letzte neue Lem-Übersetzung in den USA datiert immerhin schon von 1994. Auch die Strugatzkis und einige deutschsprachige Autoren konnte ich ein bisschen fördern.
… Die Kritik der Science Fiction, die ich durchaus als Amateur betrieb, vor allem in meinem eigenen Fanzine Quarber Merkur, aber auch in zahlreichen amerikanischen Publikationen, von Amateurzeitschriften wie Riverside Quarterly, Zenith, Australian SF Review, SF Commentary bis zu akademischen Zeitschriften wie Science Fiction Studies und Nachschlagewerken zur SF, war nur ein Nebenprodukt. Es gibt zahlreiche Kritiker, die besser und raffinierter schreiben und gewandt alle Intellektuellen zu zitieren wissen, die gerade modisch sind – Jacques Lacan, Jean-François Lyotard, Michel Foucault, Slavoj Žižek, Roland Barthes etc. Ich habe mich immer bemüht, möglichst klar und einfach für jene Leser zu schreiben, die vor allem wissen wollen, was in einem Buch eigentlich drinnen steht und ob es sich lohnt, sich damit zu beschäftigen.
So sind auch die Aufsätze in diesem Band aufzufassen. Mich interessiert vor allem die Science Fiction, von der Phantastik vor allem die ältere Spielart. Die moderne Fantasy allerdings bräuchte es meinetwegen nicht zu geben (von einigen schon klassisch gewordenen Werken abgesehen), und ich muss gestehen, dass auch Heft- und TV- bzw. Film-Serien wie Perry Rhodan, Star Trek und Star Wars – wie überhaupt so ziemlich das ganze SF-Kino – an mir vorübergegangen sind. SF als „Genre im Medienverbund“ (Manfred Nagl) hat mich, muss ich gestehen, nie interessiert, ich war immer extrem auf das geschriebene Wort fixiert, was gewiss eine Beschränkung ist.
Die meiste SF ist ziemlich schlecht – aber auf sehr vielfältige Art; dennoch gibt es auf diesem weiten Acker der Literatur auch erstaunliche Entdeckungen zu machen, und wenn es mir gelingen sollte, Interesse für einige von ihnen zu wecken, so wurden diese Aufsätze nicht vergeblich geschrieben.

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Franz Rottensteiner
wurde 1942 in Waidmannsfeld (Niederösterreich) geboren. Er studierte Publizistik, Anglistik und Geschichte an der Universität Wien. Nach seiner Promotion (1968) zum Dr. phil. war er rund 15 Jahre als Bibliothekar an einem Forschungsinstitut tätig und betreute daneben u. a. die Phantastik- und Science-Fiction-Programme mehrerer Verlage. Dr. Rottensteiner ist Herausgeber zahlreicher Anthologien und Verfasser der Bildbände The Science Fiction Book (1975) und The Fantasy Book (1978). Er ist Mitarbeiter an mehreren Lexika der Science Fiction und Fantasy, u. a. Herausgeber des im Corian-Verlag erscheinenden Werkführers durch die utopisch-phantastische Literatur, und seit 1963 Herausgeber der Zeitschrift Quarber Merkur. Seit 1985 ist er freiberuflicher Autor und Verlagskonsulent.



Franz Rottensteiner
Zukunftskriege in der Science Fiction

Kommentierte Beispiele aus den Jahren 1871–1918
Klappenbroschur., 159 S., 30 Abb.
15,00 € — ISBN 978-3-945807-26-2

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Der Anfang – der Vater aller Schlachten: Chesneys Battle of Dorking

George Tomkyns Chesney: Englands Ende in der Schlacht bei Dorking (1871)
Zwei englische Beispiele in deutscher Übersetzung
[Mehrere Autoren:] Der große Krieg von 189_ (1892)
William Le Queux: Die Invasion von 1910. Einfall der Deutschen in England (1906)
Ein singuläres österreichisches Beispiel außerhalb der Reihe, schon vor der Battle of Dorking
Heinrich, Ritter von Levitschnigg: Leier und Schwert (1864)
Frankreich ist der Feind!
Julius Hoppenstedt: Ein neues Wörth. Ein Schlachtenbild der Zukunft (1909)
Anonym: Und dann…?! Fortsetzung der Schlacht auf dem Birkenfelde in Westfalen 191…! (1912)
Adolf Sommerfeld: Frankreichs Ende im Jahre 19?? (1912)
England als Feind – um die Seemacht
Gustav Adolf Erdmann: Wehrlos zur See (1900)
„Beowulf“: Der deutsch-englische Krieg (1906)
„Moriturus“: Mit deutschen Waffen über Paris nach London. Briefe von der Elbe (1906)
Karl Bleibtreu: Die „Offensiv-Invasion“ gegen England (1907)
Graf von Bernstorff: Deutschlands Flotte im Kampf (1909)
Anonym: Der Zusammenbruch. Die Seeschlacht bei Borkum und Helgoland (1913)
Anonym: Hindenburgs Einmarsch in London (1915)
Arthur Conan Doyle:Der Tauchbootkrieg (1915)
Der Krieg erobert die dritte Dimension – die Luft!
Anonym: Luftschiff 13 (1909)
Johannes Friedrich: Das Luftgespenst (1909)
„Maurus“: Ave Caesar! Deutsche Luftschiffe im Kampfe um Marokko (1909)
Wilhelm Middeldorf: An Bord des Sirius (1913)
Anonym: Der fliegende Tod (1911)
Rudolf Martin: Berlin-Bagdad. Das deutsche Weltreich im Zeitalter der Luftschiffahrt 1910–1931 (1907)
Rudolf Martin: Der Weltkrieg in den Lüften (1909)
Der Krieg wird zum Weltkrieg
August Niemann: Der Weltkrieg. Deutsche Träume (1904)
Seestern [d. i. Ferdinand Grautoff]: „1906“. Der Zusammenbruch der alten Welt (1905)
*** [d. i. Karl Bleibtreu]: Völker Europas…! Der Krieg der Zukunft (1906)
Michael Wagebald: Europa in Flammen (1908)
Anonym: Der Europäische Krieg (1912)
[Mehrere Autoren:] Bomben auf den Eiffelturm
[Mehrere Autoren:] Wie der Weltkrieg sein Ende fand
Der Kampf gegen die „Gelben“, Rassenkrieg
Condor: Im Kampf um Südamerika (1908)
„Parabellum“: Bansai! (1908)
Um den Fortbestand der österreichisch-ungarischen Monarchie
Anonym: Unser letzter Kampf (1907)
C. v. Eynatten: Pereat Austria! Geschichte einer Zukunftsrevolution in Österreich-Ungarn (1909)
L. Rautenburg: Der Dreibund an die Front! (1914)
Und der Kampf der Reaktion gegen den inneren Feind – und die Slawen …
„Bundschuh“: Die Revolution von 1912 (1907)
„Graf Teja“: Der Abgrund (1914)
Die weißen Raben in der Zukunftskriegsliteratur – gegen den Krieg!
V. E. Teranus: Der letzte Krieg (1907)
Paul Scheerbart: Die Entwicklung des Luftmilitarismus und die Auflösung dereuropäischen Landheere, Festungen und Seeflotten (1909)
Wilhelm Lamszus: Das Menschenschlachthaus (1912)
Sekundärliteratur
I. F. Clarke: Voices Prophesying War 1763–1984 (1966)
Henning Franke: Der politisch-militärische Zukunftsroman in Deutschland 1904–14 (1985)
Claus Ritter: Kampf um Utopolis oder Die Mobilmachung der Zukunft (1987)
Abbildungen

Aus dem Vorwort
Geschichten von künftigen Kriegen erfreuten sich schon lange vor Star Wars großer Beliebtheit. Sie sind Gebrauchsliteratur, die zumeist bestimmte politische Ziele verfolgt. Sie malen häufig die schrecklichen Folgen aus, was passieren kann, wenn das betreffende Land nicht für einen möglichen Krieg gerüstet ist, wollen aufrütteln und bewirken, dass mehr in militärische Rüstung und Ausbildung investiert wird. Oft haben die Autoren dabei einen bestimmten Gegner im Auge. In deutschen Romanen waren es meist die Franzosen oder, seltener, die Engländer – oder beide zusammen. Solche Romane waren vor dem Ersten Weltkrieg im Schwange, besonders in der Zeit ab 1900, vor allem in England, Frankreich und Deutschland, kaum je in Russland. Nach dem Krieg etablierte sich ein anderes Muster in Deutschland: der Revanchekrieg, der die Schmach der Friedensverträge von Versailles tilgen sollte.
Das Schema des Zukunftskrieges wurde von einer englischen Geschichte vorgegeben, die 1871 unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges entstand, als die Welt überrascht wurde, wie schnell Frankreich, das als stärkste Militärmacht Europas galt, von den preußischen Armeen niedergeworfen wurde: George Tomkyns Chesneys Battle of Dorking (1871). Diese Geschichte und ihre Nachfolger hatten einen konkreten politischen Bezug. Darum sind sie auch heute noch von Interesse, weil in ihnen deutlich die kollektiven Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen der damaligen Zeit zum Ausdruck kommen. Weniger sind sie von strategischem Interesse, auch tiefere Einsichten in die Möglichkeiten der modernen Kriegstechnik und die von ihnen ausgelöste Massenvernichtungsmöglichkeiten sucht man in ihnen meist vergeblich. Viele Beschreibungen moderner Kriegführung sind von geradezu rührender Naivität und repetieren oft nur die Erfahrungen vergangener Kriege. Die Schemata der Erzählungen sind meist ziemlich einfach und schablonenhaft und zeichnen sich nicht durch politisches Verständnis aus. Die Autoren sind keine scharfsichtigen Dichter, sondern zumeist Amateure.
Die meisten dieser thematisch gegliederten und zeitlich gestaffelten Rezensionen erschienen zuerst in etwas anderer Form im Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur des Corian-Verlages (Mei tingen 1989–2017), herausgegeben von Franz Rottensteiner und Michael Koseler.

Siehe auch die Buchbesprechung von von Horst Illmer in phantastisch! Nr. 73 (1/2019), S. 13.

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Franz Rottensteiner
Revanche!

Zukunftskrieg und Wiederaufstieg zu alter Macht im deutschsprachigen Zukunftsroman der Zwischenkriegszeit (1919–1938).
Eine Fortsetzung von Zukunftskriege in der SF (siehe oben).
Klappenbroschur,  230 S., 55 Abb., Literaturverzeichnis.
17,50 € — ISBN 978-3-945807-46-0

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Krieg allgemein
Curt Abel-Musgrave: Der Bacillenkrieg (1922)
Paul Albrecht: Der Diktator (1923)
Alexander Raxin: Der nächste Massenmord (1928)
Anonym: Umsturz im Juli (1929)
Anonym: Krieg dem Hunger! (1931)
Oberst a. D. Immanuel: Der große Zukunftskrieg – keine Phantasie! (1932)
Anton Steininger: Weltbrand 1950 (1932)
Karl Klotz: Die letzte Schlacht am Birkenbaum (1932)
Major Helders: Luftkrieg 1936 (1932)
Axel Alexander: Die Schlacht über Berlin (1933)
Stanislaus Bialkowski: Der Radiumkrieg (1937)
Karl Hans Strobl: Feuer im Nachbarhaus (1938)

Revanche!
Waldemar Haefner-Hainen: Der Prophet von der Zugspitze (1919)
François Romain: Der Untergang Frankreichs (1920)
Paul Jäger: 1929. Weltfriedens-Konferenz zu Berlin (1921)
Dieter Arndt: Kommen wird der Tag! (1921)
McGorgo: Die gestohlene Lüge (1921)
Ernst Otto Montanus: Die Rettung des Abendlandes (1921)
Fritz Skowronnek: Dies irae (1922)
Curt Rabe: Nie wieder Krieg! (1922)
Karl Schworm: Der Schmied vom Rhein (1923)
Karl August von Laffert: Feuer am Nordpol (1924)
Anonym: „… da läuteten die Glocken Sturm“ (1925)
Eduard Dannert: Im Weltkrieg der Andern (1925)
Alfred Reifenberg: Des Götzen Moloch Ende (1925)
„Seestern“: Fu, der Gebieter der Welt (1925)
Adolf Schaum: Die Tat (1927)
Anonym: Revolution 1933 (1930)
„General John Johnson“: Das deutsche Wunder 193? (1930)
Karl L. Kossak-Raytenau: Katastrophe 1940 (1930)
Karl Bartz: Krieg 1960 (1931)
Junius Alter: Nie wieder Krieg?! (1931)
Günther von Trutzberg: Es kommt der Tag (1931)
Johann von Leers: Bomben auf Hamburg! (1932)
Ernst Ledner: Die leuchtende Ratte (1933)

Rassenkrieg
Fritz Arenhövel: Bazillus Napoleonis (1919)
Hans Dominik:Die Spur des Dschingis Khan (1923)
Afim-Assanga: Die schwarze Welle (1925)
Hans Dominik: Der Brand der Cheopspyramide (1926)
Ludwig Hofbauer: Der Pestkrieg (1927)
Viktor Klages: Die Neger (1929)
Max Thelemann: Der Friede des Dalai Lama (1931)
Anonym: König Midas (1932)
„Kondor“: Gelb gegen Weiß (1932)
Werner Chomton: Weltbrand von morgen (1934)
Stanislaus Bialkowski: Leuchtfeuer im Mond (1934)
Stanislaus Bialkowski: Krieg im All (1935)

Frieden mit Gewalt erzwingen
Roland Betsch: Ein Messias (1920)
Karl August von Laffert: Fanale am Himmel (1925)
Karl August von Laffert: Flammen aus dem Weltenraum (1927)
Axel Beste: Das blaue Wunder (1927)
Paul Busson: F.A.E. (1927)
Hans Hutten: Der Arzt der Welt (1931)

Seltene Antikriegs-Romane
Arthur Zapp: „Revanche für Versailles!“ (1924)
Johannes R. Becher: (CH Cl=CH)3 As (Levisite) oder Der einzig gerechte Krieg (1926)
Hanns Gobsch: Wahn-Europa 1934 (1931)

Literaturverzeichnis

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Auszüge aus der Einleitung
In der Science-Fiction ist der Krieg allgegenwärtig, in den deutschen Zukunftskriegsromanen, wie sie vor allem in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg häufig waren, wird der Krieg in bestimmter politischer Absicht thematisiert, etwa in der Hinsicht, dass der eigene Staat für drohende Konflikte nicht gerüstet sei. Gegenüber England nicht zur See, gegenüber Frankreich zu Land. Diese beiden Länder wurden als Hauptfeinde in künftigen Auseinandersetzungen gesehen. Die meisten dieser Romane verfolgten eine eindeutige Tendenz, manche waren mit beträchtlicher Sachkenntnis geschrieben. […]

Nach dem verlorenen Weltkrieg änderte sich das Bild von Zukunftskriegen in der deutschsprachigen Science-Fiction radikal. Es gab nur mehr ein überwältigendes Thema: Revanche! Revanche für die erlittene Demütigung, den Gebiets- und Machtverlust des Deutsches Reiches im Friedensvertrag von Versailles, wobei sich meist der Groll gegen die Franzosen, seltener gegen die Engländer richtet. […]
Die Rezensionen dieses Sammelbandes beleuchten nur Romane, in denen ein Krieg – es kann auch ein Wirtschaftskrieg sein – mit den Gegnern von gestern im Zentrum steht, oder auch ein Rassenkrieg, der völlig groteske Züge annehmen kann. Manche schildern nur den Zustand deutscher Erniedrigung und lassen offen, was nach der nationalen Erhebung weiter passiert (Revolution 1933, 1930), oder sehen die geheimen Urheber in einer jüdischen Verschwörung (u. a. König Midas, 1932). Das militärische Denken ist so allgegenwärtig, dass auch an sich friedliche wirtschaftliche Aktionspläne militärisch wie ein Krieg organisiert werden (wie in dem anonymen Krieg dem Hunger, 1931). Die Ideen, mit denen die Führer die Massen begeistern und in kürzester Zeit einen ungeheuren Einfluss auf das Volk erlangen, sind meist von seltener Schlichtheit, ja Einfalt. Fast nie wird das Thema Bürgerkrieg angesprochen, wie in dem anonymen österreichischen Roman Umsturz im Juli (1929), der den Ängsten vor einem kommunistischen Umsturz Ausdruck gibt. Feinde der nationalen Einheit werden aber erbarmungslos und ohne umständliche Gerichtsverfahren ausgemerzt. […]
Allgemein kann gesagt werden, dass die Zukunftskriegsromane der Weimarer Zeit die Stimmung der damaligen Zeit intensiv spiegeln. Sie sind meist aus der Perspektive des enttäuschten Frontkämpfers geschrieben, der die Dolchstoßlüge glaubt, dass Deutschlands „unbesiegte“ Armee nur durch inneren Verrat den Krieg verloren hat, den zu gewinnen es verdient hätte.  Diese „Schande“ gilt es auszumerzen und den Besitzstand und die Macht Deutschlands vor 1914 (oder ein bisschen mehr) wiederherzustellen – und sich an den westlichen Hauptgegnern von damals, Frankreich (meistens) und England, zu rächen. Manchmal geht Frankreich auch ohne Einwirkung anderer Mächte in einem göttlichen Strafgericht zugrunde, das durch seine Dekadenz herausgefordert wurde (in F. O. Bilses Gottes Mühlen, 1924). Wut über die persönlichen Verluste an Status und wirtschaftlicher Stellung spielt ebenfalls herein.
Die Romane sind meist sehr schematisch aufgebaut, die staatspolitische Schlichtheit der Ideen korrespondiert in der Regel mit kitschigen Intrigen- und Liebesgeschichten.
Und ganz selten sind jene Romane, die den Krieg kompromisslos ablehnen und ungeschminkt sein Grauen schildern; manche Autoren erhoffen sich das Ende der Kriege aber ebenfalls von einem Weltdiktator, der mit übermächtiger Gewalt den Frieden erzwingt, wobei Kollateralschäden ohne viel Gewissensbisse in Kauf genommen werden. […]
Es ist schwer abzuschätzen, welchen Einfluss die SF der Weimarer Zeit wirklich hatte. Viele Bücher und Broschüren wurden zweifellos massenhaft verbreitet, besonders die der Rechten, andere hatten nur winzige Auflagen, erschienen in obskuren Verlagen und fanden kaum Verbreitung. Viele wurden entweder bald nach Erscheinen beschlagnahmt oder später von den Nazis verboten und fast restlos vernichtet. Die Untersuchung Fishers zeigt, dass die Trivialliteratur weniger eine formende Kraft der öffentlichen Meinung und der Zukunft ist als ein Indikator dafür, was große Teile der Bevölkerung empfinden, was sie bewegt, was sie fürchten oder sich für die Zukunft erhoffen oder ersehnen. Sie zeigt auch den Mangel an echtem Verständnis für die wahren Kräfte, die ihr Schicksal gestalten. An ihre Stelle treten romantisierte und idealisierte Wunschvorstellungen, in denen sich dumpf empfundene Sehnsüchte niederschlagen.


Einbandvorderseite

unter Verwendung zweier Ausschnitte aus den Umschlagbildern des Utopia-Heftes 160 (Nichts Gutes kam von Terra, oben) und des Terra-Heftes 49 (Utopia stirbt, unten), © Moewig-Pabel-Verlag KG, Rastatt, beide gezeichnet von H. J. („Johnny“) Bruck


Heinrich Stöllner
Die Zukunft von gestern
Science-Fiction-Serien in den deutschen Utopia- und Terra-Reihen der 1950er bis 1980er Jahre
Klappenbroschur,  512 Seiten, 133 Abb., Literatur- und Quellenverzeichnis, Namensregister, Reihen-, Serien- und Titelregister
27,50 € — ISBN 978-3-945807-49-1

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Danksagung

I. Einleitung
1. Science-Fiction als eigenständiges Genre der Unterhaltungsliteratur
2. Utopia und Terra – Flaggschiffe der deutschen Nachkriegs-SF

II. Serien deutschsprachiger Autoren
3. Jim Parker startet von Utopia
4. Keine Power gegen Perry – Mark Powers
5. Zu den Sternen – Ad Astra!
6. Terra gegen Utopia – Kurzserien der beiden Perry-Rhodan-Gründer
7. Thor und der Wurzelzwerg – ZBV
8. Perry war nicht alles – Kurzserien von Perry-Rhodan-Autoren I
9. Fingerübungen für Perry – Kurzserien von Perry-Rhodan-Autoren II
10. Der solide Mittelbau – Kurzserien von Perry-Rhodan-Autoren III
11. Die nächste Generation – Kurzserien von Perry-Rhodan-Autoren IV
12. All You Need Is Love – Kurzserien weiterer deutschsprachiger Autoren I
13. Tantalus im Cyberspace – Kurzserien weiterer deutschsprachiger Autoren II

III. Serien englischsprachiger Autoren
14. Lerchen und Linsen – klassische Space Operas von E. E. Smith
15. Luftpiraten und Legionäre – klassische Space Operas von John W. Campbell jr., Jack Williamson und George O. Smith
16. ‚Comet‘ in der Sternennacht – Captain Future
17. Der Mann aus Bronze – Doc Savage
18. Roboter, Psychohistoriker und Weltraumranger – SF-Klassiker von Isaac Asimov
19. Der kosmische Schachspieler – SF-Klassiker von A. E. van Vogt
20. Psychotechniker, Sternenhändler und Geheimagenten Ihrer Majestät – Poul Andersons Serien
21. Unter dem Banner von Dorsai – Gordon R. Dicksons Serien
22. Unter dem Licht der blutigen Sonne – Darkover
23. Am Rande der Milchstraße – John Grimes & Co
24. Auf der Suche nach der Erde – Earl Dumarest
25. Emergency Room im Weltraum – die Weltraum-Mediziner
26. SF meets Fantasy
27. Sternschnuppen internationaler Autoren

IV. Berühmte SF-Serien in Fernsehen und Film
28. Vom Starlight-Casino auf Raumpatrouille – Raumschiff Orion
29. Wo noch niemals zuvor ein Mensch gewesen ist – Raumschiff Enterprise
30. Rollentausch – Planet der Affen

V. Resümee
31. Die Zukunft von gestern ist nicht die Welt von heute

Anhang
Abbildungsnachweis
Abkürzungsverzeichnis
Quellen- und Literaturverzeichnis
Weblinks
Namensregister
Reihen-, Serien- und Titelregister

Über das Buch
Werke der Science-Fiction-Literatur wurden unter diesem Gattungsbegriff ab den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts in den USA in preiswerten Magazinen publiziert, die sich auf Unterhaltungsliteratur spezialisiert hatten. Allerdings gab es Werke, die als Science-Fiction eingeordnet können, bereits wesentlich früher. In den deutschsprachigen Ländern hatten ab den fünfziger Jahren während einiger Jahrzehnte Heftreihen eine ähnliche Bedeutung wie in Amerika vorher die Pulpmagazine. Die wichtigsten darunter waren die unter den Namen Utopia und Terra von den Verlagen Pabel und Moewig publizierten Reihen. Neben vielen Einzelwerken gab es in diesen auch eine große Anzahl von Serien mit gleichbleibenden Hauptpersonen oder mit einem gemeinsamen Hintergrund.
In diesem Buch werden in fünf Teilen die in den Utopia- und Terra-Reihen erschienenen Sub- und Miniserien vorgestellt. Nach zwei einleitenden Kapiteln zur Geschichte der Science-Fiction als eigenständiges Genre und zur Bedeutung der Utopia- und Terra-Reihen werden in den Kapiteln 3–13 die Serien deutschsprachiger Autoren betrachtet, in den Kapiteln 14–27 Serien englischsprachiger Autoren. Die Kapitel 28–30 beleuchten die berühmten Fernseh- und Filmserien Raumschiff Orion, Raumschiff Enterprise und Planet der Affen.
Es werden sowohl Serien vorgestellt, die komplett in Utopia oder Terra publiziert wurden, aber auch solche, die durch Ein- und Ausgliederungen teilweise auch als eigenständige Serien herauskamen. Schließlich werden jene Serien gesamtheitlich betrachtet, von denen nur einzelne Romane in den beiden Reihenkomplexen erschienen sind, die Mehrzahl aber in Buch- oder Taschenbuchausgaben.
Eine Fülle von Zitaten und Querverweisen lässt bei Kennern Erinnerungen hochkommen, der Blick richtet sich aber auch auf manche bemerkenswerte Details über die Autoren. Die Werke werden kritisch betrachtet, auch im Vergleich verschiedener Ausgaben und dabei insbesondere auch der Übersetzungen fremdsprachiger Texte. Die umfangreichen Bibliografien zu den einzelnen Kapiteln sind zur Hilfestellung für Sammler, aber auch für wissenschaftlich Tätige gedacht. Das Buch beleuchtet eine wichtige Periode in der deutschen SF-Geschichte.

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Heinrich Stöllner
Heinrich Stöllner wurde im August 1955 in der Mozartstadt Salzburg, wenige Tage nach Gründung des Science Fiction Clubs Deutschland, und kurz bevor der letzte Besatzungssoldat sein Heimatland Österreich verließ, als Kind der Freiheit geboren. Er blätterte bereits im Vorschulalter lieber in Zeitschriften als draußen zu spielen und entwickelte sich zu einem richtigen Bücherwurm. Die Science-Fiction, die er als etwa Zwölfjähriger entdeckte, ist seither sein bevorzugter Lesestoff (mit gelegentlichen Schwenks in Richtung Mittelerde und andere entlegene Gegenden). Dass es bei ihm keine Berührungsängste zwischen Phantastik und Mainstream-Literatur gibt, beweist seine Büchersammlung von mehr als fünftausend Bänden, in der beispielsweise Robert A. Heinlein und Hermann Hesse sowie Franz Kafka und Alexander Kasancev friedlich nebeneinander Platz finden.
Nach der Reifeprüfung an der Handelsakademie studierte er in Innsbruck Volkswirtschaftslehre und startete seine Berufslaufbahn als Buchhändler. Anschließend ging er mit dem Umstieg in die IT-Branche einem weiteren seiner Interessensgebiete nach. Die berufliche Karriere führte ihn von Systemeinführung, Anwenderschulung und Programmierung in den Vertrieb, wo er in den achtziger und neunziger Jahren Tausende von Personal Computern und Mehrplatzsystemen bei Firmenkunden verkaufte. Der Trend zu Dienstleistungen brachte ihn dazu, in späteren Jahren als Sales Manager für Outsourcing-Projekte die Übernahme und den Betrieb von ganzen IT-Infrastrukturen durch ein darauf spezialisiertes Unternehmen zu begleiten.
Sein Interesse für Weltraumabenteuer führte zu vielen schlaflosen Nächten, für die aber nicht der Lesehunger, sondern astronomische Beobachtungen die Ursache waren. Die Liebe zu Büchern hinderte ihn nicht daran, viele herrliche Tage mit Skifahren und Bergtouren in den Alpen – vorzugsweise mit seiner Familie – zu verbringen. Er lebt in Salzburg, ist mit einer Bibliothekarin verheiratet, die naturgemäß großes Verständnis für sein Bücherhobby zeigt, dreifacher Vater und im Herbst 2019 dreifacher Großvater. Seit einigen Jahren gibt er seine Leseerfahrungen in Form von Artikelserien und einzelnen Artikeln an die Besucher des Onlinemagazins Zauberspiegel weiter, was letzten Endes zur Publikation des vorliegenden Werkes geführt hat.



Jörg Weigand
Abenteuer Unterhaltung 
Erinnerungen an 60 Jahre als Leser, Autor und Kritiker
Klappenbroschur, 241 Seiten, 118 Abb., Register
17,50 € — ISBN 978-3-945807-28-6

Siehe die Rezension von Hermann von Allwörden im Zauberspiegel

Inhaltsverzeichnis
Zur Einführung
1. Die Anfänge
2. Erste Schreibversuche
3. Frankreich
4. Science-Fiction
5. Das Science-Fiction-Getto
6. Science-Fiction in der Bundesrepublik
7. Wissenschaftliche Phantastik in der DDR
8. Mein Weg als Kurzgeschichtenautor
9. Längere Prosa
10. Freud und Leid als Herausgeber
11. Erfahrungen mit Verlegern und Lektoren
12. Begegnungen und Erlebnisse mit Autorinnen und Autoren
13. Das Selbstverständnis der Autoren
14. Sekundäres Schreiben
15. Das Leihbuch – ein besonderer Fall
16. Faszination Pseudonyme
17. Jugendmedienschutz
18. ‚Landser‘-Autoren – Wer steckt dahinter?
19. L. Ron Hubbard und die Scientology
20. Rätsel „Jerry Cotton“
21. Sehnsuchtsliteratur „Western“
22. Feldpostausgaben
23. Arbeit als Sachbuchautor
24. Arbeit als Biograf und Bibliograf
25. Meine Sammlung von Widmungsexemplaren
26. Eine Liste besonderer Art
27. Die „Autorengruppe Phantastischer Oberrhein“
28. Der Komponist
Selbstständige Veröffentlichungen
Register der Namen und Pseudonyme
Editorische Hinweise des Verlegers

Jörg Weigand
Dr. Jörg Weigand wurde 1940 in Kelheim (Donau) als Sohn eines Chemikers geboren. Er besuchte die Volksschule in Saal an der Donau und in Wuppertal, anschließend Gymnasien in Wuppertal und ab 1952 in Freiburg im Breisgau, wo er 1960 das Abitur ablegte.
Weigand studierte ab 1962 an der Universität Erlangen Germanistik, Romanistik und Geschichte und an der École Nationale des Langues Orientales Vivantes als Stipendiat der französischen Regierung. Er wechselte dann an die Universität Würzburg und zu den Studienfächern Sinologie, Japanologie und Politikwissenschaft. 1969 promovierte er über den altchinesischen Militärtheoretiker Wei Liao Tzu zum Doktor der Philosophie. 1971 absolvierte er ein Volontariat beim ZDF in Mainz. Von 1973 bis 1996 arbeitete er als Korrespondent für das Bonner Studio des ZDF und lebte in Wachtberg bei Bonn. Weigand ist heute mit seiner zweiten Frau, der Autorin Karla Weigand, in Staufen im Breisgau ansässig.
Neben seiner Tätigkeit als Fernsehjournalist befasste sich Weigand früh mit dem Themenbereich der Trivialliteratur, insbesondere mit deutschsprachiger Science-Fiction. Er veröffentlichte eigene Werke dieses Genres, gab zahlreiche einschlägige Anthologien heraus und wirkte als Kritiker. Im Sekundärbereich sind zwei weitere Schwerpunkte das Leihbuch nach 1945 sowie die Pseudonymenforschung. Unter dem gemeinschaftlichen Pseudonym Celine Noiret veröffentlichte er auch mit Karla Weigand. In neuerer Zeit ist er als Komponist hervorgetreten.
Weigand hat eine Sammlung von Feldpost-Ausgaben deutscher Literatur (im Zweiten Weltkrieg) zusammengestellt, die seit 2010 als Ausstellung an verschiedenen Orten gezeigt wird. Er hat dabei die verschiedenen rechtlichen, editorischen, militärischen, qualitativen und verlagsseitigen Aspekte dieses Genres untersucht.
Jörg Weigand ist Mitglied der Humboldt-Gesellschaft und des Förderkreises Phantastik. 2002 erhielt er den Deutschen Fantasy-Preis.

Aus der Einführung
Wichtig ist mir, zu zeigen, dass im eigentlichen Sinne, der Autor (Frau oder Mann, ganz egal) der wichtigste Faktor im Zirkus der Veröffentlichungen ist. Ohne ihn kann der Verlag nicht arbeiten, haben die Lektoren Freilauf, finden viele Drucker kein Auskommen, hat der Vertrieb nichts zu verteilen, sitzt der Buchhändler auf dem Trockenen.
Der Autor ist der Verursacher und der Erhalter vieler Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Und deshalb sollte sich jeder Autor auch darüber im Klaren sein, welche rechtlichen Möglichkeiten ihm zustehen; von denen die meisten – offen gesagt – keine Ahnung haben, weil sie sich darum nicht kümmern.
Aber beklagen wollen sich alle über ihre Situation.
Und ein weiteres Anliegen, das mir sehr am Herzen liegt, seit ich als Herausgeber Anthologien zusammenstelle, ist der schriftstellerische Nachwuchs. Oft genug belächelt oder schief angesehen, sind junge Autoren für unsere Literatur ebenso von Bedeutung wie neu in den Arbeitsmarkt eingetretene Beschäftigte für die Sozialversicherung.
60 Jahre Beschäftigung mit Unterhaltungsliteratur.
Eine Bilanz, die vielleicht nicht jedem schmecken mag. In der Rückschau eine bewegte Entwicklung mit Höhen und Tiefen, bei der mir klar geworden ist:
Unterhaltungsliteratur ist in jedem Falle alle Mühen wert, die man darauf verwenden kann – als Leser, als Autor und als Kritiker.

Siehe auch die Buchbesprechungen von Christian Kuhr bei phantastik-news, Franz Schröpf in Fantasia 753e (Dez. 2018, erhältlich über edfc@edfc.de / www.edfc.de), Karl-Ulrich Burgdorf (unter ‚Aktuelles‘) mehrere Buchbesprechungen bei Amazon.

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Jörg Weigand
Das utopisch-phantastische Leihbuch nach 1945
Originalausgaben und Publikationsgeschichte. Eine Bestandsaufnahme 1946–1976
Klappenbroschur, 303 Seiten, über 1650 Eintragungen, 241 Abb., Literaturhinweise
20,00 € — ISBN 978-3-945807-47-7

Inhaltsverzeichnis
Editorische Hinweise
Notwendige Vorbemerkungen
Alphabetisches Verfasserverzeichnis
Weiterführende Literatur

Editorische Hinweise
Das Verfasserverzeichnis nennt in alphabetischer Reihenfolge die Verfasser in K
APITÄLCHEN, dahinter bei Pseudonymen in [eckigen Klammern] den bürgerlichen Namen, die Titel in Fettdruck, evtl. fremdsprachige Originaltitel in Kursivdruck mit Angabe der Übersetzerin oder des Übersetzers, danach evtl. Untertitel, Bezeichnungen und Zuordnungen zu Reihen oder Serien, Verlagsort(e), Erscheinungsjahr, falls nicht angegeben das [wahrscheinliche Erscheinungsjahr] in eckigen Klammern. Ein nach links zeigender Pfeil verweist auf ◄ vorhergehende Ausgaben, ein nach rechts zeigender Pfeil auf (ggf. bearbeitete und/oder gekürzte) ► Neuausgaben, soweit sie (insbesondere bei Übersetzungen) auf die hier genannte Leihbuchausgabe zurückgehen, also nicht neu übersetzt worden sind. Ein Pfeil → bedeutet „siehe (auch) unter“. Ansonsten werden die üblichen Abkürzungen verwendet. Hier zwei Beispiele:

NAME, VORNAME [evtl. bürgerlicher Name]
Titel

Originaltitel
, übers. Übersetzer(in)
Bezeichnung. Reihe. Ort: Verlag o. J. [geschätztes Erscheinungsjahr]

Verfasser, Titel (falls abweichend). Reihe, Nummer. Ort: Verlag Jahr
Verfasser, Titel (falls abweichend). Reihe, Nummer. Ort: Verlag Jahr

ANDERSON, POUL
Unter kosmischen Nebeln

Brain Wave
, übers. Jesco von Puttkamer / Transgalaxis
Science-Fiction-Roman Utopia Spitzenklasse. Balve: Widukind o. J. [1961]

Macht des Geistes. Utopia-Großband 70. Rastatt/Baden: Pabel 1958 (gekürzt)

BROWN, WILLIAM [Ernst H. Richter]
Herculiden über der Erde

SF-Roman. Menden/Sauerland o. J. [1957]

► Terra 38. München: Moewig 1958 (gekürzt)

Darlton → Bings/Darlton; Perry Rhodan

Vorbemerkungen 
Das sogenannte Leihbuch, das zwischen 1948 und ca. 1976 in Deutschland (bzw. in der Bundesrepublik Deutschland) speziell für gewerbliche Leihbüchereien hergestellt wurde, ist bislang nur in Teilbereichen ausreichend erforscht. In dieser Darstellung soll lediglich dem Leihbuch mit utopisch-phantastischem Inhalt mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden, speziell auch deswegen, weil sich bei diesem Genre der Unterhaltungsliteratur eine besonders interessierte Sammlergemeinde gebildet hat.
Den Schwerpunkt der utopisch-phantastischen Leihbücher bildet die Science-Fiction, die hier auch unter weiteren Bezeichnungen wie „technischer Roman, „wissenschaftlich-technischer Roman“ oder schlicht „Zukunftsroman“ auftritt. Darüber gibt es bereits etliches Material, insbesondere über Autoren und ihre Werke.
Zur reinen Science-Fiction kommen wenige Horror-Titel. Weswegen also diese Bestandsaufnahme?
Meine Lektüre quer durch die Genres des Leihbuchs brachte mir sehr rasch die Erkenntnis, dass weitaus mehr Titel als bislang angenommen, phantastischen Inhalt transportieren – und sei es nur in einzelnen Elementen. Solche Science-Fiction- und phantastischen Elemente finden sich in zahlreichen Kriminal- und Abenteuerromanen, aber auch – wenngleich nur vereinzelt – in sogenannten Frauenromanen, vorzugsweise Arztromanen.
Ob in diesen Romanen der fünfziger und sechziger Jahre mit Laserpistolen geschossen oder mit atomaren Handfeuerwaffen geballert wird, ob der Held durch eine neuentwickelte chemische Methode eine für Waffen undurchdringliche Haut erhält oder ob der Kriminalinspektor es gar mit gespenstischen Wesen aus der Anderswelt aufnehmen muss – das alles ist Phantastik; und daher für den engagierten, möglichst auf Vollständigkeit erpichten Sammler von hohem Interesse.
Freilich, nicht alles, was großzügig zum Leihbuch gezählt wird, gehört wirklich dazu, auch wenn sich durch eine derartig weite Sicht die Sammlung leicht um nicht wenige Titel aufstocken lässt.
Es bedarf daher einer genauen Klärung, was hier unter dem Begriff „Leihbuch“ zu verstehen ist. Das Gebiet exakt eingrenzend lautet die Definition: Leihbücher sind von spezialisierten Verlagen speziell für gewerbliche Leihbüchereien hergestellte Bücher, die zum längeren Verleih außen mit einer Kunststofffolie (sogenanntes Supronyl) beklebt wurden. Dies geschah freilich erst ab etwa 1951/52. Das heißt aber, dass man nolens volens alle Titel, die vor oder in diesen Jahren als Halbleinen- oder gar Leinenbände auf den Markt kamen, als „Quasi-Leihbücher“ dazuzählen muss.
Das heißt aber auch, dass Titel, die nach dieser „Deadline“ für das Sortiment herauskamen, nicht zu den Leihbüchern gezählt werden können.
Viele Titel, die freizügig zu den Leihbüchern hinzugezählt werden, sind also nicht als solche zu verstehen. Bücher des Goldmann-Verlages etwa, vom schweizerischen Olten-Verlag oder von Bertelsmann können also nicht zu den Leihbüchern gezählt werden. Wie immer gibt es auch hier Ausnahmen, genau: zwei.
Der AWA-Verlag in München veröffentlichte seine Titel großteils in Supronyl (für die Leihbüchereien) und in Leinen (fürs Sortiment). Und der Gebrüder-Weiß-Verlag in Berlin hat von vorneherein mit Blick auf die Leihbüchereien publiziert und sein Programm darauf ausgerichtet, um einen gesicherten Absatz zu gewährleisten.
Und noch eine Gattung SF und Phantastik kann und darf nicht als Leihbücher vereinnahmt werden: Die Jugendbücher, denn diese fanden keinen Eingang in die gewerblichen Räume der Verleiher und wurden von den Kunden auch nicht dort erwartet. Auch da eine einzige Ausnahme: Die Jugend-SF-Trilogie von W. W. Bröll im Engelbert-Verlag, der als Teil des Leihbuch-Imperiums der Brüder Zimmermann in Balve/Westfalen diese drei Titel mit Supronyl ausstattete. Später wurde darauf verzichtet.
Neben dieser Bestandsaufnahme aller mir bekannt gewordenen Leihbuchtitel mit up-Charakter oder zumindest up-Anteilen im Inhalt soll diese Zusammenstellung freilich auch noch etwas anderes bewirken: Bislang wird das Leihbuch nach 1945 als eine zeitliche begrenzte, ziemlich spezielle Erscheinung der deutschen Buchgeschichte zur Kenntnis genommen. Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts verschwanden die darauf spezialisierten Verlage mangels Nachfrage vom Markt. Und damit hatte es sich. Dachte man wenigstens bislang.
Diese Meinung muß in einer bestimmten Richtung relativiert werden. Denn von den „Schwarten auf dickem Papier“ gehen Einflüsse bis in unsere Tage aus.
In den 1960/1970er Jahren gab es Nachdrucke in den diversen Heftreihen, vorzugsweise bei Moewig und Pabel, aber auch bei Lehning und Zauberkreis. Autoren wie Clark Darlton, Karl Herbert Scheer, Wolf Detlef Rohr erhielten sogar eigene Taschenbuchreihen – wer hatte das zu Beginn der Leihbuchära auch nur hoffen können? Und sogar ins Hardcover haben es up-Leihbuchtitel geschafft.
Moderne Reproduktionstechniken haben es seit den 1990er Jahren ermöglicht, dass Autoren wie Kurt Brand, Clark Darlton, Freder van Holk usw. wieder aufgelegt werden, wenn auch in kleinen Auflagen. Doch auf die Quantität kommt es gewiss weniger an, vielmehr auf die reine Präsenz, die es dem interessierten Lesernachwuchs ermöglicht, auch mit solchen modernen Klassikern der utopisch-phantastischen Literatur Bekanntschaft zu machen; für die Jahrzehnte danach bis in unsere Tage.
Die Bedeutung der up-Leihbücher wird durch einen Nachweis der Nachdrucke beim jeweiligen Titel für die Jahrzehnte danach bis in unsere Zeit verdeutlicht, wobei nur jene Nachdrucke notiert werden, die nachweislich auf der Leihbuch-Ausgabe fußen.
Besonders deutlich wird dies bei Übersetzungen, von denen es – gerade im Science-Fiction-Bereich – eine ganze Reihe gibt. Wird der Titel X vom Autor Y in der Folge (also nach Erscheinen des Leihbuchs) als Heft, aber mit anderer Übersetzerangabe herausgebracht, wird diese Ausgabe hier nicht aufgelistet. Wird die Leihbuchübersetzung im Impressum zitiert, aber mit dem Zusatz versehen „neu durchgesehen von XXYY“, dann gehört sie in unsere Liste.
E-Books und Hörbücher – sie gibt es natürlich, sie werden aber in dieser Bestandsaufnahme nicht berücksichtigt. Eine Auflistung dieser Publikationsformen verlangt nach einer eigenen Untersuchung und soll als Desiderat hier angemerkt werden.
Zusammengefasst kann festgestellt werden:
Zu ihrer Zeit fast durchgängig als Schmuddel-und Schundliteratur hingestellt, hat sich in der Folgezeit (nach 1976) herausgestellt, dass nicht wenige Texte von damals auch heute noch eine gebührende Wertschätzung erfahren. Das Leihbuch hat auf dese Weise, wenn man es so ausdrücken will, ins Sortiment Eingang erhalten (wenngleich in der Regel vor allem über den Online-Handel). Auch die Selbstvermarktung kleiner und kleinster Verlage spielt hier eine wichtige Rolle.
Für den Sammler von up-Leihbüchern ist wichtig, dass sich neben den ausgewiesenen Titeln zahlreiche Romane (Abenteuer-, Kriminalromane) als zumindest teilweise up-haltig herausgestellt haben. Der eine oder andere Sammler wird sicherlich bemüht sein, sich die entsprechenden Titel zuzulegen; freilich ein bisweilen eher mühseliges Unterfangen, doch die Suche danach auf Trödelmärkten und in spezialisierten Antiquariaten lohnt sich.
Bleibt nur noch festzustellen, dass Vollständigkeit bei der Bibliografierung selbstverständlich angestrebt wurde, jedoch keineswegs garantiert werden kann.
Für Hilfe bei der Beschaffung von Daten und anderen Unterlagen bin ich vielen Sammlern und sonstigen Interessierten verbunden; insbesondere gilt mein Dank: R. Gustav Gaisbauer (EDFC Passau), Herbert Kalbitz (Offenbach), Grethe Kremser (Wien), Thomas Le Blanc (Phantastische Bibliothek Wetzlar), Kurt Löffler (Offenbach), Klaus-Dieter Nebe (Dortmund), Michael Peters (Kürten), Werner Puchalla (Bochumer Krimi Archiv), Matthias Schalow (Berlin), Franz Schröpf (Salzweg), Wolfgang Thadewald (1936–2014, Langenhagen) und nicht zu vergessen meinem Veleger Dieter von Reeken (Lüneburg), der die Idee zu diesem Buch sofort aufgriff.

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Die Welt von morgen
Hauszeitschrift des Gebrüder-Weiß-Verlags für die Freunde technischer Zukunftsromane
Reprografischer Nachdruck der erschienenen Hefte 1–6 (1955–1960). Herausgegeben von Dieter von Reeken
Paperback, DIN A 4, 100 Seiten, zahlreiche Abb., davon 105 farbig auf 7 Seiten
17,50 € — ISBN 978-3-945807-16-3

Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers
Editorische Hinweise
Über Bernhard Borchert
Heft 1 (1955) – 8 Seiten
Weltraumflug – aber wann? (Arthur C. Clarke, aus: Vor dem Start in den Weltraum)
Wissenschaftler über Raumfahrtprobleme
Schriftsteller über den Zukunftsroman
Hans Dominik (A. Jansen)
Soll man Zukunftsromane lesen (P. A. Müller)
Science fiction – heute und morgen
Robert A. Heinlein
Wußten Sie schon …? – Nachrichten aus der Astrophysik
Freder van Holk
Heft 2 (1956) – 8 Seiten
Raumschiffahrt in greifbare Nähe gerückt
Besuch aus dem Weltraum? (Richard Koch)
Science Fiction Club Deutschland
Science Fiction in Frankreich (Jean-Gaston Vandel)
Durch den Tunnel (Robert A. Heinlein, aus: Tunnel zu den Sternen)
Atomabkommen der Vereinigten Staaten mit der Bundesrepublik
Fortschritte der Technik
Menschen auf dem Mars (Oscar J. Friend, aus: Mann vom Mars in besonderer Mission)
Noch einmal „Fliegende Untertassen“
Wußten Sie schon …? – Nachrichten aus Astrophysik und Technik
Heft 3 (1957) – 12 Seiten
Die Eroberung des Weltraums kein Traum mehr
Alltagsleben im Jahre 2000 (Robert A. Heinlein)
Eisen fällt vom Himmel (Richard Koch)
Die Mondschlacht (Arthur C. Clarke, aus: Um die Macht auf dem Mond)
Atomenergie – Forschung und Auswertung
Roboter auf dem Vormarsch
Wußten Sie schon? – Nachrichten aus Astrophysik und Technik
Warum ich Zukunftsromane schreibe (Edmund Schopen)
Heft 4 (1958) – 16 Seiten
Erste Etappe: Sputnik umkreist die Erde. Nächste Etappe: Flug zum Mond
Warum lese ich Zukunftsromane? Das Ergebnis unserer Preisfrage
Ein Mann allein. John W. Campbell jr. Vorkämpfer der Science Fiction (Theodore Sturgeon)
Wußten Sie schon? Nachrichten aus Astrophysik und Technik
Fliegen (Egon Larsen, aus: Du wirst die Zukunft noch erleben)
Vom Delphin zum E-T-I (Egon Larsen, aus: Du wirst die Zukunft noch erleben)
Das geheimnisvolle Schiff (Jules Verne, aus: 20 000 Meilen unter dem Meer)
Don landet auf der Venus (Robert A. Heinlein, aus: Zwischen den Planeten)
Heft 5 (1959) – 16 Seiten
Mensch im Weltraum? Neue Flugprojekte
Auf zwei Planeten (Kurd Laßwitz, aus: Auf zwei Planeten)
Die ungelösten Probleme des Sonnensystems (Erich Schneider, aus: Kleine Astronomie)
Hans Dominik entdeckt den Zukunftsroman (Hans Dominik, aus: Vom Schraubstock zum Schreibtisch)
Satelliten erkunden den Raum
Die ersten Mondraketen
Zusammenstoß zweier Welten (Edwin Balmer, Philip Wylie, aus: Wenn Welten zusammenstoßen)
Der betrunkene Robot (Isaac Asimov, aus: Ich, der Robot)
Der Mensch zerschlägt die Materie. Die künstliche Sonne der Zukunft (W. D. von Tippelskirch)
Wußten Sie schon? Nachrichten aus Astrophysik und Technik
Von Raketen und Satelliten
Heft 6 (1960) – 16 Seiten
Die Weltraumfahrt hat begonnen
Raumfahrttechnik ein neuer Industriezweig (Richard Koch, aus: Weltraumfahrt, das letzte große Abenteuer)
Atome mit Denkvermögen
Die Insel Utopia (Thomas Morus, aus: Utopia)
Kraftstationen einer anderen Welt (Edwin Balmer, Philip Wylie, aus: Auf dem neuen Planeten)
Fremde Raumschiffe über der Erde (Arthur C. Clarke, aus: Die letzte Generation)
Wußten Sie schon? Nachrichten aus Astrophysik und Technik
Phobos ein künstlicher Marssatellit? (Joachim Cherek)
Werbematerial und Prospekte
Bestellkarte für Die Welt von morgen / Versandumschlag für Die Welt von morgen / Faltprospekt für die Romane aus der Welt von morgen
Utopisch-technische Zukunftsromane im Verlag und Vertrieb der Gebrüder Weiß
Erläuterungen / Romane aus der Welt von morgen / Besprochene Sachbücher / Utopische Taschenbücher / Restbestände der Romane von Freder van Holk aus dem Bielmannen-Verlag / Bildteil

Bernhard Borchert
Bernhard Wilhelm Borchert wurde 1910 in Riga (Lettland) als zweiter Sohn des Künstlerehepaars Bernhard Christian Carl Borchert (1862–1945) und Eva-Margarete Borchert geb. Schweinfurth (1878–1964) geboren. Er starb 1971 in Berlin. Nach dem Studium der Kunst und Grafik an der Hochschule für bildende Künste Berlin (H. f. b. K.) bis 1939 heiratete er die Deutsch-Baltin Edith Alix von Baer. Das Ehepaar bekam drei Kinder.

1939 wurde Bernhard Borchert als Sanitätsfahrer zur Wehrmacht einberufen. Von 1943–1947 befand er sich in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
Ab 1947 war er als Gebrauchsgrafiker in Berlin tätig. 1949 wurde er von Karl Hofer an die H. f. b. K. Berlin berufen und dort zum ordentlichen Professor ernannt. Er lehrte elementares Zeichnen nach der Natur für die angewandte und freie Abteilung. Daneben arbeitete er weiterhin als freischaffender Künstler, und zwar in großem Umfang für den Verlag der Gebr. Weiß in Berlin-Schöneberg und dessen Buchreihen, insbesondere für die in der damaligen Zeit herausragenden Reihen Romane aus der Welt von morgen und Utopische Taschenbücher, in denen von 1949–1962 insgesamt 90 utopisch-technische Zukunftsromane deutscher, amerikanischer, britischer, französischer, tschechischer und russischer Autoren erschienen. Hier zeichnete er neben den Umschlagbildern der Utopischen Taschenbücher fast sämtliche Schutzumschläge für die in Leinen oder Halbleinen gebundenen Bücher und gestaltete auch die Einbandprägungen der Romane aus der Welt von morgen.
Der Gebr.-Weiß-Verlag gab von 1955–1960 als Werbemittel die anfangs kostenlose Hauszeitschrift Die Welt von morgen heraus, die hier nach etwa zwei Generationen wieder zugänglich gemacht wird. Diese Hefte wurden durchgehend mit Zeichnungen von Bernhard Borchert illustriert, der damit neben den Buchreihen auch dieser Zeitschrift und damit dem Verlag sein über Jahrzehnte charakteristisches Gesicht gab.
Die in diesem Sammelband farbig wiedergegebenen Schutzumschlagbilder können, auch wenn sie stark verkleinert sind, einen Eindruck von der damaligen Wirkung vermitteln und sollen die Bedeutung Bernhard Borcherts für die Einführung seriöser Science Fiction im deutschsprachigen Raum herausstellen.
Bernhard Borchert und seine Frau haben drei Kinder, Brigitta Borchert-Scheide und Uliane Borchert (beide Malerinnen) und Bernhard Konrad Borchert (Innenarchitekt), die sich auf ihrem Tätigkeitsgebiet alle einen guten Namen erwerben konnten.
Aber auch in der darauf folgenden vierten Generation setzt sich mit Katja Borchert und Eva Caroline Brigitta Scheide (verheiratet mit dem Bildhauer und Kunstwissenschaftler Bertrand Freiesleben) die Tradition der Künstlerfamilie Borchert fort. Eine eindrucksvolle Würdigung bedeutete die Ausstellung „Vier Generationen der deutsch-baltischen Künstlerfamilie Borchert“ im Sommer 2010 in der lettischen Hauptstadt Riga.

Aus dem Vorwort und editorische Hinweise
Mitte der 1960er Jahre, als ich als Jugendlicher begann, mich neben den vorwiegend in Heftform erschienenen Zukunfts- oder Science-Fiction-Romanen (Uto pia-Zukunftsroman, Utopia-Großband, Terra, Perry Rhodan) endlich auch für „richtige“ Bücher auf diesem Gebiet zu interessieren, stieß ich u. a. in der „Grab belkiste“ eines Kaufhauses (also im „modernen Antiquariat“) auf die Utopischen Taschenbücher des Gebr.-Weiß-Verlags, die dort neben zahlreichen Humboldt-Taschen büchern preiswert angeboten wurden. So wurde ich über die in den Taschenbüchern (Unternehmen Neptun von David Duncan, SOS von der Venus von Alexander Robé, Gefahr aus dem Weltall von Richard Daumann) enthaltenen Werbeanzeigen auf die gebundenen Romane aus der Welt von morgen aufmerksam, die damals schon nicht mehr im regulären Buchhandel, sondern auch nur noch im „modernen Antiquariat“ angeboten wurden.

Die im Anhang enthaltene Zusammenstellung der Weiß- und Bielmannen-Bücher geht auf die sehr informative SF-Leihbuch-Datenbank (www.sf-leihbuch.de) zurück, die neben farbigen Umschlagbildern zahlreiche weitere Daten und Hinweise enthält.
Um auf meine erste Begegnung mit einem Roman aus der Welt von morgen zurückzukommen: Dem Buch hatte eine Karte („Gutschein“) beigelegen, mit der man Die Welt von morgen, die „Zeitschrift für die Freunde technischer Zukunftsromane (science fiction)“ kostenlos (!) beim Verlag anfordern konnte. Natürlich schickte ich die Karte sofort ab. Aber wie groß war die Enttäuschung, als statt der ersehnten Zeitschrift nur ein Faltprospekt kam. Die Zeitschrift war längst eingestellt worden.
Erst vor einigen Jahren wurde mir die Zeitschrift (6 Hefte aus 6 Jahren mit zwischen 8 und 16 Seiten Umfang), mit Buchauszügen und anderen Texten versehen und reich illustriert von Bernhard Borchert, in Kopien bekannt. Da Die Welt von morgen kaum noch erreichbar ist (die erhaltenen Exemplare sind fest in Sammlerhand), habe ich mich entschlossen, in Zusammenarbeit mit einigen Sammlern einen Nachdruck herauszugeben. Die Bildbearbeitung musste viel leisten: Die Originale sind oft gelocht, geknickt, gebräunt oder schlecht gedruckt, Daher konnte teilweise nur ein unbefriedigendes Ergebnis erreicht werden.
Ich bedanke mich bei Heinz J. Galle, Hans-Reinhard Kühnreich und Michael Peters, die mit Druckvorlagen, Bildern und weiteren Informationen geholfen haben. Und ganz besonders bedanke ich mich bei der Erbengemeinschaft Bernhard Borchert, insbesondere bei Frau Brigitta Borchert-Scheide, für die Druckerlaubnis für die von Bernhard Borchert illustrierten Hefte der Welt von morgen und für die Schutzumschlag- und Umschlagzeichnungen.
Die Kundenzeitschrift Die Welt von morgen erschien im Großformat von ca. 21,3 x 29,9 bis 23,0 x 31,8 cm und war auf Zeitungspapier in der Regel einfarbig, teilweise (Außen- und/oder Innen-Doppelseiten) schwarz und blau gedruckt. Der Druck war unregelmäßig, teilweise sehr blass, teilweise sehr stark, sodass manche Zeilen fast grau oder unsauber-verschmiert waren. Da die Zeitschrift überwiegend auf dem Postweg verbreitet wurde, haben die wenigen noch erhaltenen Exemplare in der Mitte einen Knick, der oft zu Brüchen und daher Textverlusten geführt hat. Diese Mängel und auch altersbedingt entstandene Beschädigungen und Verschmutzungen an den aus mehreren Quellen zusammengestellten Originalen wurden nach Möglichkeit über die Bildbearbeitung ausgeglichen, insbesondere wurden die durch Lochung fehlenden Buchstaben oder Worte durch eine dem Original weitgehend entsprechende Druckschrift ersetzt. So konnte ein insgesamt gerade noch vertretbares Ergebnis (insbesondere bei den Fotos) erzielt werden, das aber einem sterilen Neusatz immer noch vorzuziehen ist. Der Nachdruck erfolgt aus technischen Gründen leicht verkleinert. Die blauen Bereiche in Überschriften und Bildern (gezeichnet von Bernhard Borchert) erscheinen hier in der Regel grau, teilweise (bei sehr dunklem Blauton) auch in schwarz. Die Hefte waren nur vereinzelt paginiert. Die Zuordnung zu den Heftseiten und zur Gesamtseitenzählung ist aus dem Inhaltsverzeichnis ersichtlich.
Die von Wilhelm Borchert gezeichneten Schutzumschlag- und Umschlagbilder werden mit freundlicher Erlaubnis der Erbengemeinschaft Bernhard Borchert wiedergegeben. Die verkleinerten Bilder und die bibliografischen Angaben im Anhang sind der SF-Leihbuch-Datenbank (www.sf-leihbuch.de) entnommen worden.
Die Bücher waren in Leinen (teilweise auch parallel in Halbleinen) mit Prägeaufdruck gebunden und mit Schutzumschlägen versehen. Entsprechendes gilt für die aus dem Bielmannen-Verlag übernommenen Bücher von Freder van Holk. Die Utopischen Taschenbücher hatten einen Glanzkartoneinband.

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Umschlagbilder

Utopisch-phantastische Literatur, Science-Fiction

verkleinerte Musterseiten, Bilder, Texte

Einbanddeckel der Originalausgabe 1922 und ‚Wonder Stories Quarterly‘, Nr. 2, 15.12.1932, Umschlagbild

Ludwig Anton
Brücken über dem Weltenraum
Ein Roman deutscher Zukunft
Neuausgabe des 1922 erschienenen Romans
Paperback, 242 S., 14 Abb., 17,50 €

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über Ludwig Anton und das Buch
Sigmund Krauss (oder Krauß), der seine Romane und Erzählungen unter dem Namen „Ludwig Anton“ veröffentlichte, wurde am 26. Juli 1872 in Wien geboren, wo er am 8. Dezember 1941 starb. Nach dem Studium der Medizin und seinem Einsatz als Militärarzt im 1. Weltkrieg lebte und arbeitete der hauptberuflich als praktischer Arzt in Baden bei Wien. Er war Verfasser mehrerer Erzählungen und Romane, die bis auf den Kriminalroman Der Kiek sämtlich utopisch-technisch-phantastische Elemente enthalten:

Wie der Krieg sein Ende fand und andere Geschichten (Feldbücherei. Nr. 2). Wien/Leipzig: Verlag der k. u. k. Feldzeitung der 4. Armee / Karl Harbauer o. J. [1917], 29 S.; Inhalt: Wie der Weltkrieg sein Ende fand; Kriegslatein; Aus der ‚Norddeutschen Allgemeinen‘ vom 20. Oktober 1919. – Neuausg. (Wiener Volksbücher. Nr. 2) Wien/Leipzig: Karl Harbauer 1919, 29 S. – Wiederabdruck der ersten und dritten Erzählung in: Detlef Münch (Hrsg.): Wie der Weltkrieg sein Ende fand. Deutsche Kriegsutopien im 1. Weltkrieg 1914–1918 (Deutsche Zukunftsvisionen vor 100 Jahren. Band 18). Dortmund: Synergen-Verlag (Detlef Münch) 2017, S. 137–145, 146–153..
Brücken über dem Weltenraum. [Ein] Roman [deutscher Zukunft]. Bad Rothenfelde: Johannes Georg Holzwarth 1922, 335. S. – Amerikanische
Übersetzung von Konrad Schmidt: Interplanetary Bridges. In: ‚Wonder Stories Quarterly‘ (Winter 1933), 4. Jg., Nr. 2 (15.12.1932), S. 102–165, 188, illustriert von Frank R. Paul.
Die japanische Pest. Roman. Bad Rothenfelde: Johannes Georg Holzwarth 1922 (1.–8. Tsd.), 284 S.; Leipzig: Ernst Keils Nachfolger o. J. [1925] (9.–13. Tsd.), 247 S.
Verlorenes Paradies. Roman. Braunschweig: Georg Westermann 1923, 293 S.
Der Kiek. Roman [des Dr. Müller contra Dr. Ferner]. Bad Rothenfelde: Johannes Georg Holzwarth o. J. [1924], 257. S.; Bad Pyrmont: E. Schnelle
o. J. [1930], 257 S.
Der Mann im Schatten. Roman. Braunschweig: Georg Westermann o. J. [1926], 308 S.
Gift aus Amerika. Ein Wiener Abenteurer-Roman (Der gute Manzroman). Regensburg: Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz 1933, 185 S.

Der nur einmal 1922 im deutschen Sprachraum im Druck erschienene utopische Roman Brücken über dem Weltenraum, der hier nach fast 100 Jahren wieder zugänglich gemacht wird, beschreibt in seinem Hauptteil die Reise einer Gruppe von Menschen zum Planeten Venus und ihre Erlebnisse mit der dortigen urweltlichen Flora und Fauna.
Der Text wurde an die seit 1996 geltende neue deutsche Rechtschreibung angepasst, ansonsten aber einschließlich heute nicht mehr gebräuchlicher Ausdrucksweisen (z. B. „frug“ statt „fragte“ oder „re galieren“ statt „bewirten“) ungekürzt und unbearbeitet belassen. Auch so scheußliche Bezeichnungen wie „Nigger“ für die farbigen französischen Besatzungssoldaten, „Japs“ für Japaner und andere heute als unvertretbar empfundene Bezeichnungen wurden unter Zurückstellung von Bedenken beibehalten, um die unmittelbar nach den Friedensverträgen von Versailles (für Deutschland) und Saint-Germain (für die österreichische Reichshälfte Österreich-Ungarns) und ihren bedrückenden Folgen vorherrschende Verbitterung und ohnmächtige Wut in weiten Kreisen der Bevölkerung dieser Länder nachvollziehbar zu machen. Als Herausgeber distanziere ich mich aber ausdrücklich von derartigen herabwürdigenden Bezeichnungen. Es wurden also lediglich offensichtliche Drucksatzfehler stillschweigend berichtigt.
Die nicht konsequent strukturierte Kapiteleinteilung der Erstausgabe (nach fünf als solche kenntlich gemachten, aber nicht nummerierten Kapiteln wird der Text durchgängig bis zum Ende geführt und nur noch von Sternchen (*) unterbrochen. Der Grund für dies Vorgehen beim Schriftsatz ist nicht erkennbar. Für die Neuausgabe sind daher im Interesse einer ausgewogenen Einteilung die Sternchen als Kapitelbeginn gewertet und die Kapitel nummeriert worden.
Die „Flüssigkeitsraketen-Lösung“ als technische Möglichkeit für Weltraumreisen, die von Konstantin E. Ziolkowski, Robert H. Goddard und Hermann Oberth (zeitlich versetzt, aber unabhängig voreinander) als einzig geeignete erkannt worden war, konnten die einschlägigen Schriftsteller vor deren Verbreitung (im deutschsprachigen Raum seit 1923) noch nicht kennen und daher auch nicht berücksichtigen. Die schriftstellerisch bevorzugten Methoden waren bis dahin außer Jules Vernes Abschuss aus einer Riesenkanone (ohnehin ein Weg ohne Wiederkehr, denn auf dem Ziel-Himmelskörper gab es dergleichen ja nicht) oder „Traumlösungen“ Reisen in den Weltraum und zu anderen Himmelskörpern durch Beherrschung (also Ausschaltung und/oder Umkehrung) der Schwerkraft, in der Regel durch Verwendung entsprechender Stoffe, die eine Regelung ermöglichten.
So ließ Herbert George Wells 1901 in seinem Roman The First Men in the Moon den Erfinder Cavor und seinen Begleiter durch Verwendung des schwerkraftneutralisierenden „Cavorits“ zum Mond reisen. Auch Kurd Laßwitz stellte schon 1897 in seinem Roman Auf zwei Planeten die Regelung der Schwerkraft als Lösung der Marsianer (oder „Martier“) für ihre Reisen zur Erde und zurück vor.
Auch Ludwig Anton lässt seine Romanfiguren einen Stoff, „Varium“, und dessen Fähigkeiten entdecken, der ihnen schließlich (erstmals im deutschen Sprachraum) eine Reise zum Planeten Venus ermöglicht. Die Venuswelt wird, wie in vielen Romanen noch bis in die 1950er Jahre hinein, als urweltlich-tropisch mit bizarren Pflanzen und Tieren mit entsprechenden Abenteuern geschildert (siehe die Abb. auf der folgenden Seite), was vor den Erkenntnissen aus verschiedenen Venus-Raumsonden-Missionen in der Mitte der 1960er Jahren damals (noch) vertretbar war.
Was den Roman aus der Vielzahl anderer Venus-Romane hervorhebt ist zum einen das zeitliche und damit politische Umfeld, in dem die Handlung beginnt und sich entwickelt, zum andern die Tatsache, dass der Roman als einer der ganz wenigen Science-Fiction-Romane aus dem deutschsprachigen Raum von Konrad Schmidt ins Englische übersetzt worden und im 4. Jahrgang, Nr. 2 vom 15. Dezember 1932, des populären SF-Magazin ‚Wonder Stories Quarterly‘ (Hrsg. Hugo Gernsback), illustriert von Frank R. Paul, unter dem Titel Interplanetary Bridges erschienen ist.
Brücken über dem Weltenraum erschien laut Impressum der Erstausgabe im Jahr 1922. Die von einer Rahmenhandlung umschlossene Haupthandlung (Aufzeichnungen) spielt in der Zeit, in der Gustav Noske Reichswehrminister war, also zwischen dem 13. Februar 1919 und dem 22. März 1920.
Der Roman gehört, wie so viele in der Zeit nach den diktierten Friedensverträgen von Versailles und Saint-Germain erschienene Erzählungen zur Gruppe der Erfindungs- und Revanche-Utopien: Wenigstens auf dem Papier sollte die als Schande empfundene militärische Niederlage dadurch kompensiert werden, dass deutsche Ingenieure und Offiziere die Mittel schaffen, mit denen der Krieg entweder weitergeführt und in seinen Folgen aufgefangen werden kann. Im vorliegenden Roman wird der Beginn einer deutschen Kolonisierung des Planeten Venus thematisiert, sozusagen als Ausgleich für die verlorenen Kolonien. Das wirkt wenig überzeugend, denn auch zu Zeiten der deutschen Schutzgebiete waren diese für deutsche Siedler wenig attraktiv; man wanderte lieber in die USA oder nach Kanada aus.
Der größte Teil dieser von Rachegedanken und überheblichen nationalistischen Ausfällen erfüllten Sieges-Ersatz-Romane kamen über den deutschsprachigen Raum nicht hinaus: Hans Dominiks Romane sind, von Auszügen abgesehen, nur in deutscher Sprache erschienen. Da ist es bemerkenswert, dass Brücken über dem Weltenraum unter dem Titel Interplanetary Bridges 1932 in einem populären amerikanischen SF-Magazin erschien.
Erstaunlich wirkt aus heutiger Sicht, dass der österreichische jüdische Arzt und Schriftsteller Ludwig Anton sich so sehr für preußische Offiziere begeistert hat. Damals waren die meisten assimilierten Juden patriotisch eingestellt, sodass die sie später treffende Verfolgung allein wegen ihrer Abstammung umso erschütternder gewirkt haben muss. Ob Ludwig Anton unter Verfolgung oder Zurücksetzung leiden musste und ob sein Tod Ende 1941 damit in Verbindung stand, konnte nicht ermittelt werden.

Vorbemerkung zur amerikanischen Veröffentlichung
in ‚Wonder Stories Quarterly‘ (Winter 1933) 4. Jg. (15.12.1932), Nr. 2, S. 103

Hier ist die wichtigste interplanetarische Erzählung im Buchumfang, die seit einem Jahrzehnt in Deutschland erschienen ist. ‚Wonder Stories Quarterly‘ hat die Rechte für diesen Klassiker erworben, und wir sind sicher, dass die Erzählung Science-Fiction-Geschichte schreiben wird.
Der Autor, dem zahlreiche Romane zu verdanken sind, ist ein bekannter deutscher Amateur-Wissenschaftler und überschreitet in der gesamten Geschichte in keinem Fall die Grenzen der Plausibilität.
Jede Seite ist handlungsreich und enthält sehr viel Neues und Ursprüngliches, jedoch mit einer solchen Zurückhaltung geschrieben, dass die Erzählung durchaus zum Vorbild für interplanetare Geschichten werden kann.
Die Geschichte ist nicht nur in Bezug auf das Weltraumfliegen herausragend, sondern der Autor geht auf jeden erdenklichen Zweig der allgemeinen Wissenschaft auf eine Weise ein, die nicht weniger als erstaunlich ist.
Der durchschnittliche Autor lässt in der Regel nur einen Weltraumflieger bauen und den nächsten Planeten besuchen. Das ist nicht sinnvoll. Man gewinnt kein olympisches Rennen, bevor man das Laufen gelernt hat. Der Autor zeigt mit großer Zurückhaltung, welche Schwierigkeiten überwunden werden müssen und welchen Weg die Wissenschaft gehen muss, bevor der Weltraumflug Realität wird. Er zeigt uns jeden Schritt mit klassischer deutscher Gründlichkeit und lässt keine Einzelheiten aus, mit denen man ihn vielleicht in Verlegenheit bringen könnte.
Eine insgesamt bemerkenswerte Geschichte, eine der besten, die wir gelesen haben.

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‚Wonder Stories Quarterly‘, Nr. 2, 15.12.1932, Seiten 117, 138, 146, 155

Leseprobe
Lindner erwachte. Wollüstig streckte er sich auf dem Lager, er fühlte sich wohl und behaglich und ausgeruht. Gedankenlos wanderte sein Blick über die verschiedenen ihm bekannten Gegenstände seiner Kammer; zuletzt blieb er an dem offenen Seitenfenster haften, wo durch die engen Maschen des Drahtgeflechtes das Licht eindrang.
Doch was war das? Ein weißes Leuchten stand vor dem Fenster gleich einer in Licht gebadeten Wolke. Das wallte und wogte hin und her; er erinnerte sich nicht, je dergleichen gesehen zu haben. Darüber kam er zum Bewusstsein seiner Lage. Rasch sprang er aus dem Bett und eilte zum Fenster. Er versuchte hinauszublicken; aber die leuchtende Wolke hemmte den Blick; es war ein helles, mildes Leuchten, das nicht wärmte.
War vielleicht die Venusatmosphäre leuchtend und undurchsichtig?
Ausgeschlossen. Sie hatten gestern Meere und Inseln, Berge und Wälder gesehen. Sie waren auf einem kleinen Bergsee niedergegangen, sie hatten durch das klare durchsichtige Wasser geblickt, ohne bis auf den Grund sehen zu können.
Als er in die Mittelkammer trat, fand er die Freunde bereits dort. Martin und Taußig beobachteten auf dem Bauche liegend durch das ins Wasser eingetauchte Mittelfenster das Tierleben in dem Bergsee, soweit es durch diesen kleinen Raum in Erscheinung trat.
Das Gesichtsfeld wimmelte von Tieren der verschiedensten Farben, Größen und Formen. Es gab da langgestreckte aalartige Tiere, aber ohne Flossen, dagegen mit Hunderten Fäden und Büscheln, die ihnen unregelmäßig aus allen Teilen des Körpers hingen. Es gab kugelige Tiere, nackt und glatt, wie Schnecken, aber mit zwei und mehr aus dem Leibe herausragenden Fortsätzen, mit denen sie sich fortbewegten. Es gab Schalentiere, glatt und von Stacheln starrend.
Das quirlte und wimmelte durcheinander, fremdartig und sonderbar anmutend, ein ewiges Drängen, ein fortwährendes Aufsteigen und Absinken der merkwürdigsten Formen, an Erdmollusken erinnernd, aber noch viel eher an Rädertierchen und Infusorien, deren ewig wechselnde Ge stalten nur das Mikroskop dem Forscher verrät.
„Du hast recht“, sagte plötzlich Martin zu Taußig. „Ich habe noch kein Wesen gesehen, das fischähnlichen Charakter hätte.“
Lindner blickte auf. „Ihr seht da ins Wasser auf die Krabben oder was das sonst ist? Warum schaut ihr nicht zum Fenster hinaus?“
„Wo denn?“, frug Taußig. „Man steht ja vor Nebel nicht die Hand vor den Augen.“
„Ein Nebel ist das? Was für merkwürdiger, leuchtender Nebel.“
Meixner lachte vergnügt. „Ich habe ihn schon. Da in der Eprouvette.“
Er wies auf mehrere mit Watte verschlossene Eprouvetten, in denen sich eine rötlich-graue, durchschimmernde Substanz befand.
„Was ist denn das?“, frug Lindner ohne Verständnis.
„Das sind Nährböden für Bakterien. Hier links ist irdisches Material, rechts habe ich Blutserum und eingekochte Bouillon von Venustieren, die ich mit der Angel fing.“
Sprach’s und hob den Deckel von einem Fischkocher.
Im kochenden Wasser schwammen kindskopfgroße, stachelige Bewohner des Sees.
Martin erhob sich vom Boden. „Wie lange werden wir denn noch auf dem Bergsee liegen bleiben?“
„Nicht lange“, entschied Taußig. „Wir werden auf der Plattform frühstücken. Auf viele Meilen ist dieser Berg die einzige Bodenerhöhung. Hat sich nach dem Frühstück dieser leuchtende Nebel, den Meixner für eine Bakterienkultur hält, verzogen, so werden wir rekognoszieren gehen. Wenn nicht, eine andere Gegend aufsuchen, wo man sieht.“
Die vier Männer trugen ihr frugales Frühstück zur Plattform. Noch immer hüllte ein weicher, warmer, trockener, hellglänzender Nebel den See und das Land ein. Doch hie und da an einzelnen Stellen wies der Schleier Lücken auf, nicht groß genug, um durchzusehen, wohl aber, um wahrzunehmen, dass sich der Nebel lichtete und dünner wurde.
„Unangenehm, der Nebel“, meinte Lindner, „will er sich denn nicht verziehen?“ […]



Wilhelm Bastiné
Die wiedergefundene Zeitmaschine
sowie die Erzählungen Die ausgenutzte Erdumdrehung und Der Schuss auf den Mond
Neuausgabe der 1914, 1916 und 1919 erschienenen Erzählungen
Paperback, 198 S., 18 Abbildungen
15,00 € — ISBN 978-3-945807-17-0

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Die wiedergefundene Zeitmaschine
1. Manifestationen eines Verschollenen
2. Probefahrten
3. Die Geschichte des Funkeninduktors
4. Seltsame Erfahrungen
5. Rückwärts ins dunkle Mittelalter
6. In der Alchimistenküche
7. Guilelmus und der Zeitreisende
Anhang
1. Die ausgenutzte Erdumdrehung (1916)
2. Der Schuss auf den Mond (1919)
Anmerkungen des Herausgebers

Aus den Anmerkungen
Über Wilhelm Bastinés Leben ist kaum etwas bekannt, außer dass er am 20. August 1885 geboren wurde, von Beruf Gymnasiallehrer (1922 Studienrat) war und neben seinem bekannten Roman Die wiedergefundene Zeitmaschine und den beiden hier ebenfalls wieder abgedruckten (an Jugendliche gerichteten) Erzählungen Die ausgenutzte Erdumdrehung und Der Schuß auf den Mond in den Jahren um 1910 mehrere kurze Erfinder-Biografien verfasst hat, so z. B. über Thomas A. Edison, Werner von Siemens und George Stephenson. Diese Bändchen im Umfang von etwa 40–50 Seiten erschienen in der von Georg Gellert in der Verlagsanstalt Ed. Rose in Neurode und Berlin herausgegebenen Reihe ‚Illustrierte Helden-Bibliothek. Geistes- und Kriegshelden aller Völker und Zeiten‘. Gellert war übrigens auch Herausgeber der Knaben-Jahrbuch-Reihe ‚Flemmings Knabenbuch‘, in der ebenfalls Beiträge von Bastiné erschienen sind.
Den Nachdrucken liegen die folgenden deutschen Erstdrucke zugrunde:

Die wiedergefundene Zeitmaschine. Romantische Erzählung von Wilhelm Bastiné. Illustrierte Weltall-Bibliothek. Fesselnde Erzählungen, Abenteuer u. Forschungsreisen aus allen Gebieten des Weltalls. 5. Band. Hrsg. von Georg Gellert, Berlin-Wilmersdorf, im Auftrag der Deutschen Gesellschaft zur Verbreitung guter Schriften u. Bücher E. V. Karlsruhe/Leipzig: Verlag der Hofbuchhandlung Friedrich Gutsch 1914. Kartoneinband mit aufgeklebtem Farbbild, ca. 12,0 x 17,0 cm, 159 S., vier Zeichnungen von Adolf Wald.
Die ausgenutzte Erdumdrehung. Von Wilhelm Bastiné. Mit vier Zeichnungen des Verfassers. In: Scherls Jungdeutschland-Buch. 4. Jg. 1917. Hrsg. von Major Maximilian Bayer. Berlin: August Scherl o. J. [1916], S. 31–59.
Der Schuß auf den Mond. Von Wilhelm Bastiné. Mit drei Zeichnungen des Verfassers. In: Scherls Jungdeutschland-Buch [1920]. 7. Jg. [1920]. Hrsg. von Karl Soll. Berlin: August Scherl o. J. [1919], S. 229–243.

Mit der erneuten Herausgabe des Romans und der beiden Erzählungen im Neusatz (die erste Auflage war 2005 erschienen) sollen diese 1914, 1916 und 1919 in Frakturschrift erschienenen Texte samt den dazugehörenden Illustrationen wieder allgemein zugänglich gemacht werden. Der Text wurde auf die seit 1996 geltende und danach oft geänderte „neue deutsche Rechtschreibung“ umgestellt. Hierbei wurden offensichtliche Rechtschreib- oder Drucksatzfehler stillschweigend berichtigt. Im Übrigen ist der Text aber unangetastet geblieben. Das Umschlagbild und die Illustrationen zu Die wiedergefundene Zeitmaschine zeichnete Adolf Wald, ein Jugendbuch-Illustrator, über den weitere biografische Daten nicht ermittelt werden konnten. Die Illustrationen zu den beiden Erzählungen im Anhang stammen von Wilhelm Bastiné selbst.
Ebenso wie schon 1908 Carl Grunert in seiner Novelle Pierre Maurignacs Abenteuer knüpfte auch Bastiné 1914 an Herbert George Wells’ berühmten und einflussreichen Roman The Time Machine (deutsch Die Zeitmaschine) an, indem er die einst mit dem anonymen „Zeitreisenden“ verschollene Zeitmaschine des H. G. Wells (mit der Folge weiterer Zeitreisen seiner Romanfiguren) „wiederfinden“ lässt.
Wenn auch Bastinés Erzählung, wie Nessun Saprà schreibt, „an Die Reise mit der Zeitmaschine (1946) von Egon Friedell oder gar an das Original von Wells … weder intellektuell noch sprachlich“ he ranreicht, ist sie „aber durch ihren hintergründigen Humor doch streckenweise recht unterhaltsam.“
Die beiden Jugenderzählungen sind zwar amüsant zu lesen, aber sie enden, wie so oft bei derartigen Erzählungen, mit dem ernüchternden Erwachen aus einem Traum

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Willem Bilderdijk
Kurzer Bericht über eine bemerkenswerte Luftreise und die Entdeckung eines neuen Planeten
(Kort verhaal van eene aanmerklijke luchtreis en nieuwe planeetontdekking)
Deutsche Erstveröffentlichung der 1813 erschienenen niederländischen Erstausgabe
Klappenbroschur, 108 Seiten, 14 Abbildungen
12,50 €
ISBN 978-3-945807-12-5

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
Dieser deutschen Erstausgabe liegt die niederländische Erstausgabe zugrunde:

Kort verhaal van eene aanmerklijke luchtreis, en nieuwe planeetontdekking. Uit het Russisch vertaald [anonym verfasst von Willem Bilderdijk]. Groningen: W. Wouters 1813.

Im Jahr 1811 schrieb Willem Bilderdijk (1756–1831) die Erzählung Kort verhaal van eene aanmerklijke luchtreis, en nieuwe planeetontdekking die im Jahre 1813 anonym erschien, angeblich „aus dem Russischen übersetzt“. Genau ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 1863, veröffentlichte der Dramatiker und Romancier Jules Verne (1828–1905) den Roman Cinq Semaines en ballon und startete damit seine Karriere als populärer Verfasser abenteuerlicher Erzählungen mit Bezug zu den jeweils aktuellen technischen Möglichkeiten. Bilderdijks Erzählung ist, zumindest im deutschen Sprachraum, nahezu unbemerkt geblieben, vielleicht wegen der Anonymität des Autors.
Beide Autoren bewegten sich auf einem in vieler Hinsicht neuen Gebiet der Literatur, nämlich der der Wissenschaft und Vorstellungskraft, die wir heute als Science-Fiction bezeichnen.
Bilderdijk befasste sich in seiner Geschichte mit einem Zukunftsthema, das erst vor wenigen Jahren seinen Anfang genommen hatte: Im Jahre 1783 hatten die Brüder Montgolfier zum ersten Mal erfolgreich eine Heißluftballon aus Leinen und Papier vorgeführt. Bei Jules Verne im Jahre 1863 hatte der Ballon schon seine endgültige Form gefunden. Ohne Vernes Verdienst schmälern zu wollen, ist es aber an der Zeit, die Bedeutung Bilderdijks auf diesem literarischen Gebiet nach zwei Jahrhunderten aus dem Schatten zu holen.
Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Bilderdijks Erzählung außerhalb seiner eigentlichen literarischen Arbeit lag. Aus diesem Grund wählte er die Anonymität, und auch, weil er das Interesse an bestimmten
Ideen wecken wollte, ohne deshalb ausgelacht zu werden. Denn er glaubte, dass es in unserer Nachbarschaft für uns unsichtbare Himmelskörper gibt, deren Atmosphären an die unsere angrenzen, so dass eine Reise dorthin möglich sei. Er hat daher in seiner Erzählung eine gerade neu erfundene Sache, den Ballon, eingesetzt. Darüber hinaus waren in der griechischen Mythologie obskure Geschichten über die Skythen aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres im Umlauf, sehr intelligente Menschen, die auch die Kultur des antiken Griechenlands weiter entwickelt haben sollen. Ein solcher Skythe, Abaris, hatte selbst schon eine Raumfahrt unternommen. Und so hielt der gläubige Bilderdijk es für möglich, dass das Paradies von der Erde entfernt worden sei, z. B. durch die Abtrennung eines Brockens, und jetzt auf einem solchen kleinen Planeten sein könnte. Insgesamt bildeten diese Ideen die Grundlage für die Geschichte. Bilderdijk wählte wahrscheinlich eine russische Herkunft für seinen anonymen Autor, weil Russland damals als politisch aufstrebend galt und alles, was von dort ausging, als besonders bedeutend angesehen wurde.
Bilderdijks „Bericht“ beginnt mit einer Erörterung der Bedeutung des Zufalls, der hin und wieder der Wissenschaft zur Hilfe kommt. Darauf fußt die Erzählung: Ebenso zufällig wie Kolumbus Amerika entdeckte stößt der Erzähler (letztlich Bilderdijk) auf den kleinen Planeten. Der Bericht über diese Reise und die Vorgeschichte dazu führt uns zunächst nach Persien, und zwar an die Grenze zu Russland. Ein Gerücht über ein Luftschiff ist das Thema des Tages. Die einfältigen Ansichten seiner Umgebung verleiten die Ich-Figur dazu, ihre Kenntnisse über Luftschifffahrt im großen Kreis zum Besten zu geben. Trotz eines erfolgreichen Experiment bleiben seine Zuhörer weiterhin so misstrauisch, dass sie ihn in seiner Verzweiflung zu einem gefährlichen Versprechen drängen: dem Bau eines Ballons und dem Aufstieg damit!
Trotz einiger Rückschläge kommt es so weit, dass er allein mit großer Geschwindigkeit in den Raum aufsteigt. Er verliert das Bewusstsein und landet auf einem ihm völlig unbekannten Terrain. Ist es ein einsamer Ort auf der Erde, ist es der Mond? Warum sind ihm diese Tiere hier unbekannt? Was für ein fremdartiger großer Himmelskörper steht dort über dem Horizont? Warum ist es so lange hell oder dunkel? Mit dem Nachspüren der Antworten ist der Erzähler die halbe Erzählung lang beschäftigt. Aber dann weiß er auch alles über seine Verhältnisse. Er scheint der Herrscher eines neuen Planeten geworden zu sein, als eine bösartige Truthahnart ihn aus dem Traum erweckt und ihn schwer verletzt.
Von nun an läuft alles gegen ihn: Sein Messer bricht, seine Kleidung verschleißt. Er entdeckt das Skelett eines gewissen Abaris, eines Skythen aus der griechischen Antike, und sinniert über sein Schicksal, hier ebenfalls sterben zu müssen. Eine Zeit lang ist er in einem Zustand der Verzweiflung und Apathie. Durch Zufall kommt er zurück an den Ort der Landung, und die Schäden an seinem Ballon scheinen sich in Grenzen zu halten. Er stellt das Luftschiff wieder her, findet hierin die Überreste der Hilfsmittel für die Gasgewinnung und steigt in den Raum auf.
Wieder verliert er das Bewusstsein und kommt gerade wieder zu sich, als er von einem Adler, dem einzigen bis dahin bekannten Hochflieger, in seinem Fahrzeug angegriffen wird. Er bringt diesem Feind eine Wunde bei, schlägt aber in seiner Verzweiflung dabei auch ein Loch in den Ballon. Ein russisches Schiff fischt ihn halbtot aus dem Meer auf, aber er wird wieder gesund, und mit einem kurzen Kommentar endet Bilderdijks Erzählung.

Willem Bilderdijk
Der am 17. September 1756 in Amsterdam geborene Willem Bilderdijk wuchs dort als Sohn eines Arztes auf. Die Ehe seiner Eltern war nicht glücklich. Willem war außerdem wegen einer Verletzung an seinem linken Fuß gezwungen, seine ganze Kindheit im Haus zu verbringen. Die Spannungen im Hause blieben nicht ohne Folgen für den Jungen. Er las aus der Bibliothek seines Vaters allerlei Bücher auf wissenschaftlichem, literarischem und kunsthistorischem Gebiet, sowohl in niederländischer als auch in fremden Sprachen, allerdings ohne dabei jeweils genügende Anleitung zu erhalten. Er vertiefte sich in die medizinische Literatur aus der Schule von Boerhaave, sodass er später bei verschiedenen Gelegenheiten als Arzt auftrat und Rezepte ausschrieb. Auch die Ich-Figur unserer Geschichte fungiert als Arzt.
Sehr früh gab Bilderdijk sein literarisches Debüt und gewann, zwanzig Jahre alt, eine Goldmedaille.
Im Jahre 1783 ließ er sich, nach drei Jahren Studium in Leiden, als Rechtsanwalt in Den Haag nieder und heiratete einige Jahre später Catherina Rebecca Woesthoven. In jener Zeit verfasste er Theaterstücke, romantische Erzählungen und Gedichte. Seine Ehe erwies sich als nicht glücklich, und seine Launen verschlimmerten die Konflikte. Im Jahr 1795 entkam er seiner Frau und seinen Gläubigern, indem er über Hamburg ins Londoner Exil ging. Der nun fast Vierzigjährige verliebte sich leidenschaftlich in die neunzehnjährige Tochter seines britischen Gastgebers, Katharina Wilhelmina Schweickhardt. Seine dabei sich vollziehenden inneren Kämpfe fanden ihren Ausdruck in einigen seiner schönsten und romantischsten Gedichte, z. B. in „Gebed“ („Gebet“). Er wählte einen merkwürdigen Ausweg: Eigenmächtig löste er seine erste Ehe und schloss 1897 seine zweite, ohne eine behördliche Registrierung vornehmen zu lassen. Diese romantische „natürliche Ehe“ hielt noch lange Zeit die Schreibfedern der Zeitgenossen in Bewegung. Seine gültige Ehe mit Catharina Rebecca Woesthoven wurde übrigens erst am 26. Februar 1802 geschieden.
Wie dem auch sei, durch die Liebe und den Charme der (zweiten) Katharina wurde der ältere Bilderdijk zu einem arbeitsamen Leben als Dichter, Schriftsteller und Gelehrter angeregt, woran sie selbst einen kreativen Anteil hatte.
Das politische Ansehen der Niederlande war im 18. Jahrhundert stark gesunken. Der Handel und die Industrie zeigten einen alarmierenden Niedergang. Die Kluft zwischen arm und reich, Obrigkeit und Handwerkern war sehr groß. Die Statthalter Willem IV. und Willem V. waren nicht in der Lage, diese Widersprüche zu beseitigen, die sie durch ihr Verhalten eher noch verstärkten. Die Revolution in Frankreich erhöhte die Spannungen. Die armen Leute standen treu zum Königshaus Oranien und gingen auf die Straße. Deshalb hatte Bilderdijk den wegen Volksverhetzung verhafteten Kaat Mossel in dessen Prozess 1784 verteidigt. Im Jahr 1787 wichen die Patrioten nach Süden aus und kamen Anfang 1795 mit den Franzosen wieder zurück.
Es war so etwas wie ein unblutiger Wachwechsel. Willem V. ging nach England; Bilderdijk und andere folgten ihm. Die neu gegründete Batavische Republik wurde von einer patriotischen Regierung geführt. 1806 wurde dem nunmehrigen Königreich Holland Napoleons Bruder Louis als König Lodewijk aufgezwungen. Und fast alle knieten vor dem Thron.
Bilderdijk war inzwischen (1806) mit seiner neuen Lebensgefährtin aus dem Exil in England und Deutschland zurückgekehrt und wurde Bibliothekar des Königs und bald darauf auch Mitglied und Sekretär des holländischen Nationalinstituts. Außerdem hatte er die undankbare Aufgabe, dem König wöchentlichen Unterricht in Niederländisch zu erteilen.
Bilderdijk schrieb in dieser Zeit u. a. eine Hommage an Kaiser Napoleon, wie so viele in Europa neben ihm. Es entstanden große Werke: De ziekte der geleerden („Die Krankheit der Gelehrten“), De kunst der poëzij („Die Kunst der Poesie“), De ondergang der eerste wareld („Der Untergang der ersten Welt“) und die Theaterstücke Floris V („Floris V“), Willem van Holland („Willem von Holland“) und Kormak („Kormak“). Nach 1810 überkam ihn wieder die Armut, und Bilderdijk glaubte, wie so oft, dass sein Ende nahe sei.
Im Jahr 1810 annektierte Napoleon Holland, weil sein Bruder Louis aus seiner Sicht zu sehr auf die Interessen seiner Untertanen Rücksicht nahm (ins besondere im Zusammenhang mit der Kontinentalsperre), und schloss es unmittelbar an das Kaiserreich Frankreich an. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo waren die Niederländer wieder unter sich.
Bilderdijk erhielt nach der Landung (1813) und Krönung (1815) von Willem I. von Oranien-Nassau für seine Verdienste um die königliche Familie und das Vaterland ein Jahresgehalt (das ihm später im Zuge der Restauration wieder genommen wurde). Die Lage des Dichters hatte sich also zwar vorläufig verbessert, aber die königliche Politik und eine nicht erhaltene Professur brachten ihn zu heftiger Kritik am modernen Fortschritt, z. B. mit De dieren („Die Tiere“), einem Lehrgedicht gegen den Evolutionsgedanken.
Allzu schnell setzte sich der neue Rationalismus des 19. Jahrhunderts durch, wodurch Bilderdijk mit seinen Ansichten ins Abseits geriet. Dennoch gelang es diesem, nach 1817 als Privatdozent in Leiden eine große Schar von Jüngern um sich zu versammeln, die er für sich einnehmen konnte; am meisten zugetan war ihm wohl Isaac da Costa, der später eine Gesamtausgabe seiner Werke samt Biografie herausgab. Diese Gruppe wehrte sich gegen die Folgen der Französischen Revolution und sprach sich für eine allmähliche Entwicklung hin zu einer christlichen Gesellschaft aus. So waren sie Vorläufer der späteren A. R. P. (Anti-Revolutionaire Partij) und C. H. U. (Christelijk-Histo rische Unie). Ihre Gedankenwelt richtete sich gegen Rationalismus, Liberalismus und Atheismus als „mo derne“ Fortschrittsideen und strebte die Erhaltung und Wiederbelebung christlicher Überzeugungen und die Übertragung auf das alltägliche Leben an.
Im Jahre 1830 starb Katharina Schweickhardt und während eines schweren Unwetters am 18. Dezember 1831 Willem Bilderdijk. Mit ihm starb vorerst die Romantik in den Niederlanden, die ihre Wiedergeburt erst mit der Generation von 1880 erfuhr.
Glücklicherweise ließen die Niederlande es sich nicht nehmen, Bilderdijk als Dichter zu ehren; wenige Monate vor seinem Tod erhielt er die Goldene Medaille der Niederländischen Gesellschaft für Literatur. Auch heute noch wird Willem Bilderdijks Andenken in den Niederlanden bewahrt, durch Biografien und Neuausgaben sein Werke und nicht zuletzt durch das nach ihm benannte Museum in Amsterdam.

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Albert Daiber
Anno 2222 • Die Weltensegler • Vom Mars zur Erde
Neuausgabe der zwischen 1905 und um 1910–1914 erschienenen Romane
Klappenbroschur, 332 Seiten, 33 Abbildungen
22,50 € — ISBN 978-3-945807-20-0

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Anno 2222

Die Weltensegler
Erstes Kapitel: Vorbereitungen
Zweites Kapitel: Die Abreise der Weltensegler
Drittes Kapitel: Zwischen Himmel und Erde
Viertes Kapitel: Auf dem Mars
Fünftes Kapitel: Lumata und Angola
Sechstes Kapitel: Im Reiche der Vergessenen
Siebentes Kapitel: Der Abschied
Achtes Kapitel: Ein Abtrünniger
Neuntes Kapitel: Wieder auf der Erde
Zehntes Kapitel: In der Heimat
Vom Mars zur Erde
Erstes Kapitel: Der Erdensohn auf dem Mars
Zweites Kapitel: Die Sühne
Drittes Kapitel: Eine Sisyphusarbeit
Viertes Kapitel: Getäuschte Hoffnungen
Fünftes Kapitel: Die Doppelkanäle auf dem Mars
Sechstes Kapitel: Ein tapferer Entschluss
Siebentes Kapitel: Vorbereitungen zur Rückkehr
Achtes Kapitel: Auf der Fahrt im Weltraum
Neuntes Kapitel: Eine Station auf dem Monde
Zehntes Kapitel: Die drei Freunde
Elftes Kapitel: Wieder auf der Erde
Zwölftes Kapitel: Fromme Wünsche
Anmerkungen des Herausgebers

Anno 2222
Die hier als Nachdruck im Neusatz vorgelegte Erzählung Anno 2222. Ein Zukunftstraum erschien 1905 im Stuttgarter Verlag Strecker & Schröder. Eine weitere Auflage erschien noch im gleichen Jahr. Diese erste Zukunftserzählung Albert Daibers hat viele seiner Leser verunsichert. Auch Besprechungen und Erwähnungen in jüngerer Zeit sind in Bezug auf die politische Tendenz und die handwerkliche Ausführung der Erzählung überwiegend negativ ausgefallen. Daher möchte ich hier einige Hinweise geben, die den Gegenstand der Kritik vielleicht in einem milderen Licht erscheinen lassen.
Um die Lesefreude nicht zu beeinträchtigen, möchte ich die Handlung selbst nicht in Kurzform wiedergeben; es soll der Hinweis genügen, dass eine sehr überschaubare Gruppe allegorisch-repräsentativer Personen sich im April 2222 in zwei miteinander verbundenen Handlungssträngen bewegt: Auf der einen Seite werden die Vereinigten Staaten von Europa vom Präsidenten der USA wegen einer Formalität massiv unter Druck gesetzt, auf der anderen Seite droht ein Absturz des Mondes auf die Erde. Am Ende ist die Welt, aus europäischer Sicht, wieder in Ordnung.
Man fragt sich, welches Motiv der angesehene Dr. Albert Daiber wohl hatte, diese doch recht grob gestrickte satirische Erzählung zu verfassen. Hierfür mag es zwei Gründe gegeben haben:
1. Albert Daiber, der langjährige praktizierende Freimaurer, hatte sich 1905 oder kurz davor von der Freimaurerei verabschiedet und dies in seiner erstmals 1905 erschienenen Schrift Elf Jahre Freimaurer! öffentlich gemacht. Seit einiger Zeit war er in zweiter Ehe verheiratet. Am 2. Dezember 1904 – Daiber war zu dieser Zeit immerhin schon 47 Jahre alt – war die Tochter Hildegard geboren worden. Diese prägenden Veränderungen in seinem Leben mögen ihn, wenn auch nur für kurze Zeit, in die Stimmung versetzt haben, einmal „etwas Überdrehtes“ zu schreiben.
Das Thema des Herauskatapultierens eines halben Kontinents aus der Erde ohne größeren Schaden für die Betroffenen mag Jules Vernes Roman Hector Servadac (Frankreich, 1877; dt. unter dem Titel Reise durch die Sonnenwelt, Wien/Pest/Leipzig: Hartleben, 2 Bände, 1877) nachempfunden gewesen sein. Wenn wir heute über die Medien hautnah miterleben, welchen Schaden schon „nur“ ein Seebeben im Indischen Ozean anrichtet, können wir uns vorstellen, dass ein Aufprall des Mondes auf der Erde wohl existenzielle Folgen bis zur Vernichtung der menschlichen Zivilisation haben würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Daiber einen solchen Vorgang ernsthaft für so harmlos gehalten hätte, wie er ihn schildert; ich kann mir aber vorstellen, dass Daiber Jules Vernes Darstellung ebenso wenig folgen konnte und hier „auf einen Schelm zwei“ gesetzt hat …
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob die Erzählung nicht ursprünglich gar als Theaterstück konzipiert war. Die begrenzte Personenzahl, der stotternde Professor Gründlich, der gehört leichter erträglich sein würde als gelesen, und die wenigen Szenenwechsel sprechen für diese Annahme. Hätte es damals schon Rundfunk und Hörspiele gegeben, wäre dies Medium wohl das geeignetste gewesen. Und dass Daiber ein anderer, ein mehr dem Leben zugewandter Mann geworden ist, lässt er in der Erzählung in der Person des bisher eher spartanisch lebenden Professors Gründlich anklingen, der durch die mehrfache Ermunterung und vor allem das Beispiel des Lebenskünstlers Professor Chauvin (dieser hat eine Gruppe Ballett-Tänzerinnen mit auf die Reise genommen …) zunehmend die angenehmen Seiten des Lebens zu würdigen beginnt.
2. Das zweite Motiv dürfte Daibers Unzufriedenheit mit der damaligen deutschen Politik gewesen sein, wie er sie aus der Zeit um die Jahreswende 1904/1905 eingeschätzt haben mag: Politische Utopien wollen in der Regel weniger „die Zukunft“ schildern als den Zeitgenossen einen Spiegel vorhalten. Inhaltlich muss man die damals tagesaktuellen (und heute geschichtlichen) Ereignisse unmittelbar vor dem Jahr 1905 (russisch-japanischer Krieg, Ausscheren Großbritanniens aus der Phalanx der „weißen“ Kolonialmächte durch Ausgleich mit Japan, Vorgänge um den Bau des Panamá-Kanals mit der Rolle der USA, insbesondere des damaligen Präsidenten Theodore Roosevelt und dessen Verständnis einer „erweiterten Monroe-Doktrin“) berücksichtigen, um die Gedankengänge und Beweggründe des Autors nachvollziehen zu können, ohne sie billigen zu müssen.
Theodore Roosevelt (1858–1919, Präsident der USA von 1901–1909), verfolgte eine expansionistische Außenpolitik. 1903 unterstützte er eine „Revolution“ für die Unabhängigkeit in Panamá, um dann unter günstigen Bedingungen die Panamá-Kanalzone für die USA zu sichern. 1904 beanspruchte er im sog. „Roosevelt-Zusatz“ zur Monroe-Doktrin für die USA faktisch die „Polizeigewalt“ über Lateinamerika. Ihm dürfte die Figur des US-Präsidenten „Jingo X.“ auf den Leib geschrieben worden sein. Als „Jingo“ (engl.) bezeichnete man seit dem russisch-türkischen Krieg von 1878 extrem aggressive Nationalisten oder Hurra-Patrioten. Ein populärer englischer Schlager hatte den Begriff geprägt, der sich auch in den USA und in Deutschland bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt.
Der Jingoismus ist vergleichbar mit dem Chauvinismus, einer weiteren Form des übersteigerten Nationalismus. Dieser Be griff geht auf einen glühenden Anhänger und Verteidiger Napoléons I. zurück. Es ist allerdings erstaunlich, dass der französische Expeditionsteilnehmer Professor Chauvin sich in keiner Weise chauvinistisch verhält, sondern im Gegenteil Lebensfreude und Toleranz verkörpert, und das vor allem gegenüber dem deutschen Professor Gründlich, also einem Vertreter des damaligen „Erbfeindes“.
Es ist überhaupt im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdig, wie Albert Daiber die künftigen führenden Rollen Deutschlands und Frankreichs in den Vereinigten Staaten von Europa in der Person zweier „typischer“ Vertreter ihrer Völker umschreibt. Und das Verhältnis zwischen den USA und dem „alten“ Europa zeigt verblüffende Parallelen zu unserer Gegenwart der Jahre ab 2003 und wieder ab 2017. Das amerikanische Präsidentenamt ist, anders als in der Erzählung, zwar bis heute nicht erblich, aber es gibt doch zu denken, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Familie Bush schon zwei Präsidenten gestellt hat – Vater und Sohn …
Es fällt auf, dass Daiber dem „Wilhelmismus“ sehr distanziert gegenüber stand, was auch bei den handelnden Personen deutlich wird. Daiber war wohl Patriot, aber in erster Linie Lokalpatriot, nämlich Schwabe, was in seinen späteren Erzählungen Die Weltensegler und Vom Mars zur Erde mehr als deutlich wird. Er macht sich über Wilhelms II. Barttracht mit den aufwärts weisenden Schnurrbartspitzen („Es ist erreicht!“; es gibt auch noch einen protzigen Kronleuchter des Typs „Endlich erreicht!“) lustig, indem er den Redakteur Kannegießer mit einem Schnurrbart auftreten lässt, dessen „Enden der Zeitströmung gemäß senkrecht nach unten gerichtet“ sind. (Als „Kannegießer“ bezeichnet man nach dem Lustspiel Der politische Kannegießer des dänischen Dramatikers und Historikers Ludwig Holberg [1684–1754] übrigens einen politischen Schwätzer, einen Stammtischpolitiker.)
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Gestalt des Kapitäns Bernhard, der das Expeditionsschiff führt und einen Bart trägt, dessen Enden weder nach oben noch nach unten zeigen, sondern „neutral“ an den Wangen anliegen. Er hat seinen Bart „gewissermaßen den Strömungen der Zeit angepasst, mögen diese kommen, woher sie wollen, stets schmiegt sich mein so angelegter Bart nach denselben und bleibt tadellos in Ordnung.“ (S. 31). Kapitän Bernhard, der in der Erzählung eine sehr zurückhaltende und vorsichtig-diplomatische Rolle spielt, wenn es ernst wird, war vorher bei der in Schwierigkeiten geratenen „Zickzack-Linie“ angestellt. Zu Recht war Daiber wohl über die erfolglose „Zick zack“-Politik des damaligen Reichskanzlers (1900–1909) Bernhard (!) von Bülow (1849–1929) verärgert, die Deutschland mehr und mehr unglaubwürdig gemacht und in die Isolation geführt hat
Am Schluss der Erzählung werden die Expeditionsteilnehmer nach ihrer Rückkehr nach Berlin mit Ehrungen überhäuft – obwohl sie eigentlich nichts geleistet haben, sondern nur Zuschauer waren. Durch die ausführliche Darstellung der mit lauter Floskeln verbundenen Ehrungen wollte Daiber mit Sicherheit deutlich machen, wie er selbst solche gesellschaftlichen Ereignisse verabscheut hat. In seinem Roman Die Weltensegler hat er dies im Kapitel „In der Heimat“ noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht.
Wenn die Erzählung im Vergleich zu den Weltenseglern und den übrigen Erzählungen Daibers auch tatsächlich etliche Schwächen aufweist, so halte ich sie unter Berücksichtigung der dargelegten Gründe doch für wert, vor dem Vergessen bewahrt zu werden.

Bibliografische Daten der beiden Marsromane Die Weltensegler und Vom Mars zur Erde
Es konnte leider nicht genau ermittelt werden, wann die hier als Nachdrucke vorliegenden Romane Die Weltensegler. Drei Jahre auf dem Mars. Der reiferen Jugend erzählt und Vom Mars zur Erde. Eine Erzählung für die reifere Jugend (beide Stuttgart: Levy & Müller o. J.) verfasst und wann sie zum ersten Mal erschienen sind, denn weder das jeweilige Impressum noch die bibliographischen Verzeichnisse wie z. B. das Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums (GV) 1700–1910 (München u. a.: Saur 1981, Band 27, S. 45) und GV 1911–1965 (München: Verlag Dokumentation 1976, Band 25, S. 83) liefern hierzu eindeutige Angaben, sondern nennen in Klammern (also geschätzt) für die 2. Auflage der Weltensegler und für die 1. Auflage von Vom Mars zur Erde das Jahr 1910.
Einige Indizien belegen allerdings, dass der Band Die Weltensegler spätestens 1909 erschienen ist, also nach dem ersten Chile-Aufenthalt Daibers: Herr Detlef Münch (Synergen-Verlag) ist nach einer Mitteilung vom 10. Januar 2018 im Besitz einer Weltensegler-Ausgabe mit Eintrag eines Namens und der Angabe „1909“.
Weiter: Die Marsreisenden besteigen auf der Nordhalbkugel des Mars u. a. einen Berg vulkanischen Ursprungs, der einen der Reisenden, den vielgereisten Dubelmeier, an den Vulkan „Villarica“ (richtige Schreib weise: „Volcán Villarrica“) im südlichen Chile erinnert. Von diesem Berg aus beobachten die sieben schwäbischen Gelehrten den Nordpol des Mars: „Kein Zweifel, es ist der Nordpol. Wie wunderbar, dass unsere Augen auf einem andern Planeten das schauen dürfen, was auf der Erde bis jetzt, allen Versuchen zum Trotz, niemandem gelang“, sprach Herr Stiller (vgl. S. 166). Da die Nachrichten über die Entdeckung des Nordpols der Erde (unabhängig von der Streitfrage, ob am 21. April 1908 durch Frederik A. Cook oder am 6. April 1909 durch Robert Edwin Peary) erst ab Anfang September 1909 durch die internationale Presse verbreitet wurden (in Deutschland z. B. ausführlich in der Zeitschrift ‚Die Woche‘, Berlin, Scherl, Nr. 37 vom 11. September 1909, S. 1553ff), kann angenommen werden, dass Daiber das Manuskript beendet und abgesandt hatte, bevor er von dieser Nachricht erfahren konnte, also spätestens im Sommer 1909.
Der schon zitierte Vulkan Villarrica ist etwa 180 km von Puerto Octay entfernt, liegt also, gemessen an der mit ca. 3900 km beträchtlichen Nord-Süd-Ausdehnung Chiles, ungeachtet des unwegsamen Geländes in relativer Nähe. Gleiches gilt für die Orte Lumaco (ca. 150 km vom Volcán Villarrica entfernt) und Angol (ca. 40 km von Lumaco entfernt). Zwar nicht Lumaco, aber doch, ähnlich klingend,
„Lumata“ ist der regelmäßige Wohnort der „Weltensegler“ auf dem Mars, die Nachbarstadt „Angola“ ist Sitz des „Stammes der Weisen“ und Ort mehrerer feierlicher Begegnungen. Diese Namensähnlichkeiten und geografischen Zusammenhänge sprechen sehr dafür, dass Daiber sie in seiner Erzählung, ähnlich wie mehrfach „das liebe Schwabenland“, verarbeitet hat.
Ob der Folgeband Vom Mars zur Erde (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Jugendbuch von Hans Rosenstengel, Stuttgart: Thienemanns 1931; Vorabdruck 1925 im gleichen Verlag im Deutschen Knabenbuch, Bd. 34) wirklich, wie im Gesamtverzeichnis angegeben, schon 1910 erschienen ist oder erst später, konnte nicht eindeutig geklärt werden: Claus Ritter spricht von „der kurz vor dem Weltkrieg erschienenen Fortsetzung“ und nennt in seinem Literaturverzeichnis als Erscheinungsjahr 1914. Ein Erscheinungsdatum nach 1910 erscheint realistischer als das Jahr 1910: Es kann angenommen werden, dass zwischen beiden Bänden ein längerer Zeitraum gelegen haben muss, denn in der am Ende des Buches enthaltenen Verlagswerbung findet sich auch ein Hinweis auf Die Weltensegler mit Auszügen aus in mehreren Zeitungen und Zeitschriften erschienenen Buchbesprechungen. Die Einleitung der Verlagsanzeige lässt ebenfalls auf einen größeren zeitlichen Abstand schließen.
Die beiden Weltensegler-Erzählungen sind übrigens auch zusammen in einem Band veröffentlicht worden, und zwar unter dem Titel Im Luftschiff nach dem Mars. Die Weltensegler & Vom Mars zur Erde (Stuttgart: Levy & Müller o. J. [etwa 1927]). Ferner gab es eine von Catharina A. Visser übersetzte niederländische Ausgabe nur des Romans Die Weltensegler unter dem Titel Per luchtschip „De Argonaut“ naar Mars (Bussum: Sleeswijk o. J. [1909]) mit sechs Bildtafeln von André Cornelis Vlaanderen. Der Roman erschien nochmals um 1923 im Amsterdamer Verlag Johannes Müller, allerdings mit nur vier Bildtafeln. Es muss allerdings erwähnt werden, dass Vlaanderen keine eigenständigen Zeichnungen geschaffen, sondern lediglich Fritz Bergens Tondruckbilder in holzschnittartige Zeichnungen umgewandelt hat.

Die Weltensegler
Die „Weltensegler“, das sind sieben Professoren von der schwäbischen Universität Tübingen, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit dem gleichnamigen Luftschiff eine Reise zum Mars unternehmen, wobei sie den Mond passieren und kurz vor der Landung noch den Marsmond Phobos streifen. Auf dem Mars, wo sie menschenähnliche Wesen (Marsiten) antreffen, die nach Kleidung und nach den von ihnen bewohnten Gebäuden an Menschen der Antike erinnern, verbringen die „Weltensegler“ zwei (nicht etwa drei; vgl. S. 330) Jahre, die sie nutzen, um die aus ihrer Sicht ideale Lebensweise der Marsiten zu studieren und den Planeten zu erkunden. Schließlich kehren sechs der Reisenden auf die Erde zurück, während einer von ihnen, der Professor der Ethik und Theologie Fridolin Frommherz, beschließt, auf dem Mars zu bleiben. Seine Erlebnisse und schließliche Rückkehr zur Erde sind Gegenstand des Fortsetzungsbandes Vom Mars zur Erde.
Das für die „reifere Jugend“ bestimmte Buch ist, was die technischen und astronomischen Erkenntnisse angeht, schon seit langem überholt: Das Luftschiff war Anfang des 20. Jahrhunderts, besonders angesichts der spektakulären Flüge des Grafen Zeppelin (im Sommer 1909 flog er übrigens mit dem LZ III nach Berlin, wo er, wie übrigens auch schon früher über dem Cannstatter Wasen [!], von einer begeisterten Menschenmenge empfangen und vom Kaiser begrüßt wurde), zwar sehr populär, war und ist als Fahrzeug für eine Reise durch den Weltraum zu einem anderen Himmelskörper aber ebenso wenig geeignet wie ein sonstiges Flugzeug oder auch ein aus einer Riesenkanone abgeschossenes Projektil, wie es Jules Verne thematisierte. Man sollte dem Verfasser Albert Daiber aber zu Gute halten, dass die Kenntnisse über die Grundlagen der wissenschaftlichen Astronautik erst Anfang der 1920er Jahre publiziert worden sind: Konstantin E. Ziolkowskis Schrift Die Erforschung des Weltraums mit Reaktionsapparaten erschien erst 1903 in der Moskauer ‚Wissenschaftlichen Rundschau‘ und wurde — wie seine weiteren Schriften — erst wesentlich später und auch nur teilweise im Ausland bekannt, Robert H. Goddards Schrift A Method of Reaching Extreme Altitudes erschien erst 1919 als Institutsschrift und hatte nur eine geringe Verbreitung; erst Hermann Oberths grundlegendes Werk Die Rakete zu den Planetenräumen (München: R. Oldenbourg 1923) präsentierte eine in sich geschlossene und wissenschaftlich begründete Theorie der Astronautik, an der sich spätere Schriftsteller messen lassen mussten.
Sieht man von diesen naturwissenschaftlich-technischen Rahmenbedingungen ab, so bietet das Buch auch heute noch ein unterhaltsames Lesevergnügen. Und Claus Ritter betont: „Vom gegenwärtigen Stand der Utopieforschung aus gesehen ist Dr. Albert Daiber der einzige Autor, welcher das im Württembergischen vom Grafen Zeppelin erfundene Starrluftschiff dazu benutzte, um die frohe Botschaft von einer unkriegerischen hochzivilisierten Menschheitsordnung den Erdenkindern einzufliegen.“
Daiber hat viel Herz und Gemüt in die Handlung gelegt, so schon zu Beginn, wenn er den Start des „Weltenseglers“ vom „Cannstatter Wasen“, einem Volksfestplatz am Neckar in Bad Cannstatt (heute Teil der Landeshauptstadt Stuttgart), erfolgen lässt, und auch ansonsten, wenn er die Hauptfigur des Romans, Dr. Siegfried Stiller, Professor an der Tübinger Landesuniversität, der ein Haus in Cannstatt bewohnt, mehrfach das „liebe Schwabenland“ loben lässt. Die Vor- und Nachnamen der sieben „Weltensegler“ (Wer denkt da nicht gleich an die „Sieben Schwaben“?) beginnen übrigens sämtlich mit jeweils gleichem Buchstaben: Es sind, außer dem geistigen Vater und Leiter der Expedition, Professor Dr. Siegfried Stiller (Astro no mie, Physik und Chemie), die Professoren Dres. Paracelsus Piller (Medizin und allgemeine Naturwissenschaft), David Dubelmeier (Juris prudenz), Bombastus Brummhuber (Philosophie), Hieronymus Hämmerle (Philologie), Theobald Thudium (Nationalökonomie) und schließlich Fridolin Frommherz (Ethik und Theologie).
Der Untertitel lautet zwar „Drei Jahre auf dem Mars“, doch dauert der Aufenthalt nach dem Handlungsablauf nur zwei Jahre: Das Luftschiff startet an einem 7. Dezember. Der Rückflug wird zwei Jahre später, ebenfalls am 7. März („am zweiten Jahrestage ihrer Landung auf dem Mars“) angetreten und endet mit der Landung auf der Erde (übrigens auf Matupi, einer Insel des in deutschem Kolonialbesitz befindlichen Bismarck-Archipels, das Daiber 1900 selbst bereist hat, wo die Reisenden von einem schwäbischen Landsmann empfangen werden) am 31. August. Der Expeditionsleiter, Professor Stiller, spricht in einem Telegramm folgerichtig auch von zwei Jahren Aufenthalt. Die Reise insgesamt hat also zwei Jahre und neun Monate gedauert, also nahezu drei Jahre, der Aufenthalt auf dem Mars dagegen genau zwei Jahre. Dies bestätigt Daiber selbst, indem er auf der Originalseite 114 des Folgebandes Vom Mars zur Erde die Inschrift eines Gedenksteins auf dem Cannstatter Wasen zitiert: „Nach nahezu dreijähriger Abwesenheit und zweijährigem Aufenthalt auf dem Mars ...“ (siehe S. 288).

Vom Mars zur Erde
Während sechs der sieben „Weltensegler“ auf die Erde zurückgekehrt sind, ist einer von ihnen, der Professor der Ethik und Theologie Fridolin Frommherz, auf dem Mars geblieben.
Seine Erlebnisse auf dem Mars und seine Rückkehr zur Erde nach fast 14 Jahren sind Gegenstand des Fortsetzungsbandes Vom Mars zur Erde. Daiber hat offenbar auch sich selbst gespiegelt, indem er den ein wenig verzagten Fridolin Frommherz auf dem Mars (in Chile?) innerlich wachsen lässt.
Bei jeder Interpretation besteht die Gefahr, mehr in einen Text hinein zu „geheimnissen“, als der Verfasser – bewusst oder unbewusst – hinein gegeben hat. Dennoch ist es nicht nur ein unbestimmtes Gefühl, das in dem unvollkommenen, suchenden Fridolin Frommherz den von der Freimaurerei enttäuschten, aber (mit immerhin etwa 57 Jahren) noch immer suchenden Albert Daiber und im väterlich-weisen Professor Siegfried Stiller und dem weisen Marsiten Eran den verehrten und in der Heimat hoch geachteten Vater Karl Heinrich Daiber zu erkennen glaubt: Fridolin Frommherz und Albert Daiber haben beide am 26. September Geburtstag.

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Albert Daiber
Albert Ludwig Daiber wurde am 26. September 1857 in Bad Cannstatt (seit 1905 Stadtteil der Landeshauptstadt Stuttgart, seit 1933 Bad) im damaligen Königreich Württemberg als Sohn des Rektors der Realanstalt der Oberamtsstadt Cannstatt, Karl Heinrich Daiber (28.10.1815–08.08.1881), und seiner Ehefrau Luise Daiber geb. Vestner (01.03.1825–22.01.1900) geboren. Carl Heinrich Daiber war nicht nur ein angesehener Schulleiter, sondern auch ein vielseitig interessierter Chronist seiner näheren Heimat, der er mit viel Liebe zugetan war. So verfasste er u. a. die 1878 erschienene und 1967 nachgedruckte Beschreibung und Geschichte der Stadt Cannstatt. Unter Berücksichtigung des Wichtigsten über die Amtsorte. Seit 1958 gibt es in Bad Cannstatt den offenbar nach ihm benannten Daiberweg. Die Eltern Albert Daibers sind in einem würdigen Grabmal auf dem Uffkirchhof in Bad Cannstatt begraben; in der unmittelbaren Nachbarschaft befinden sich die Grabstätten Gottlieb Daimlers, Wilhelm Maybachs, Ferdinand Freiligraths und anderer bedeutender Persönlichkeiten.
Nach Kindheit und Jugend in Cannstatt und dem Studium der Pharmazie und der darauf folgenden Promotion zum Dr. phil. am 9. Dezember 1889 in Zürich mit der 1890 veröffentlichten Dissertation Ueber Hydrirung des Carbodiphenylimids durch Phenylhydrazin und über Verbindungen der beiden Körper war Albert Daiber am physiologischen und bakteriologischen Laboratorium in Zürich tätig. In dieser Zeit entstanden u. a. seine Schriften Anleitung zur chemischen und mikroskopischen Untersuchung des Harns (1892) und Chemie und Mikroskopie des Harns (1894), aus der das Buch Mikroskopie der Harnsedimente (Wiesbaden: J. F. Bergmann 1896) hervorging, das 1906 eine erweiterte Neuauflage erlebte. Im gleichen Verlag erschien 1898 die Schrift Mikroskopie des Auswurfes.
Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, die den Mädchennamen von Appenzeller trug (aus dieser Ehe ist der Sohn Albert jr. hervorgegangen) heiratete Dr. Daiber, inzwischen Professor an der Universität Zürich, Hildegard Heyne, die Professorin an der Universität Basel war und sich ebenfalls schriftstellerisch betätigt hat. Im Alter von immerhin schon 40 Jahren (also in den Jahren um 1897) studierte Albert Daiber mit großem Erfolg Medizin und wurde Arzt.
Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Hildegard unternahm er im Jahr 1900 eine Reise nach Australien und in die Südsee. Am 8. Mai 1900 trafen die Eheleute mit der „Karlsruhe“ in Freemantle ein, von wo sie über Adelaide, Melbourne, Sydney (hier gab es einen längeren Aufenthalt) nach Brisbane reisten. Am 30. Juli 1900 verließen sie Brisbane an Bord des Dampfschiffes „München“, um über das Bismarck-Archipel, Neu Guinea, die Karolinen und die Marianen (damals sämtlich unter deutscher Kolonialverwaltung stehend) nach China weiter zu reisen. Ein Ergebnis dieser mit vielen Eindrücken verbundenen Reise waren die Bücher Eine Australien- und Südseefahrt (Leipzig: B. G. Teubner 1902), Geschichten aus Australien (Stuttgart: G. Weise 1902) und Geschichten aus der Südsee. Zwei geschichtliche Erzählungen für die reifere Jugend (Stuttgart: G. Weise o. J. [um 1908]).
Weitere Sachbücher aus der Zeit nach der Australien- und Südseereise waren u. a. Elf Jahre Freimaurer! (Stuttgart: Strecker & Schröder 1905; mehrere Auflagen – insgesamt mehr als 100 000 Exemplare! – bis in die 1920er Jahre hinein), Des Lebens Werdegang und Ende. Naturwissenschaftliche Offenbarungen der Neuzeit (Stuttgart: Strecker & Schröder 1906), Aus der Werkstätte des Lebens. Der Wechsel des Stoffes im Lichte der Forschung (Stuttgart: Strecker & Schröder 1907) und Erhalte deine Lebenskraft (Stuttgart: Strecker & Schröder o. J.).
Neben seinen wissenschaftlichen Werken und den Südsee-Erzählungen verfasste Dr. Albert Daiber mehrere weitere Bücher, die sich teilweise ausdrücklich an die „reifere Jugend“ richteten: Anno 2222. Ein Zukunftstraum (Stuttgart: Strecker & Schröder 1905), Jenseits der Cordillera. Zwei geschichtliche Erzählungen für die Jugend (Stuttgart: G. Weise o. J. [um 1906, weitere Auf lagen um 1910 und 1931]), Juan Fernandez der Seefahrer. Eine geschichtliche Erzählung für die Jugend (Stuttgart: G. Weise o. J. [um 1907]) – diese letztgenannten Texte sind später teilweise auszugsweise in Heftform unter veränderten Titeln nachgedruckt worden – und schließlich Die Weltensegler und Vom Mars zur Erde (beide Stuttgart: Levy & Müller o. J.).
Reaktionen auf das erstmals 1905 veröffentlichte sehr erfolgreiche Buch Elf Jahre Freimaurer! waren nach der Erinnerung der Nachkommen offenbar ein Grund dafür, dass Dr. Albert Daiber, nachdem er sich dort schon vorher (wahrscheinlich 1908/09) über längere Zeit aufgehalten hatte, mit seiner Frau, seinem aus erster Ehe stammenden Sohn Albert jr. und einem weiteren Sohn und zwei Töchtern um 1913/14 endgültig nach Chile auswanderte. Nach der Ankunft in Valparaíso ließ sich die Familie in Puerto Octay im Süden Chiles nieder, wo Dr. Albert Daiber seinen Beruf als Arzt ausübte. Sein Sohn Albert Daiber jr. (mit dem auf spanisch-chilenischem Namensrecht beruhenden Namenszusatz „von Appenzeller“, dem Nachnamen der Mutter) war als Ingenieur tätig, sein Enkel Alberto Daiber Etcheberry und sein Urenkel Alberto Daiber Vuillemin wurden wiederum Ärzte.
Dr. Albert Daiber starb am 12. August 1928 in Santiago de Chile.



Carl Grunert
Im Königreich Nirgendwo

Sämtliche Zukunfts-Novellen.
Gesamtausgabe der 33 Zukunfts-Novellen aus den Sammelbänden Im irdischen Jenseits (1904), Menschen von morgen (1905), Feinde im Weltall? (1907), Der Marsspion (1908) und den Zeitschriften ARENA, RECLAMS UNIVERSUM und ILLUSTRIRTE ZEITUNG (1907–1914)
2. Auflage,
ohne Gedichte, Klappenbroschur, 535 Seiten, 72 Abb., Vorbemerkungen, ausführliche illustrierte Bibliographie mit Registern.
27,50 € ISBN 978-3-945807-33-0

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Herausgebers
IM IRDISCHEN JENSEITS - Zukunfts-Novellen (1904)
Zueignung [an Kurd Laßwitz]
Das Untersee-Telephon-Amt
Gefangener Sonnenschein
Auf den Schwingen des Weltäthers
Die Fern-Ehe
Scarlatina. Ein Fiebertraum
Das Gas X
Unter den Papuas. Ein Ostermärchen
Schlußwort an den Leser
MENSCHEN VON MORGEN - Zukunfts-Novellen (1905)
Widmung
Die Radiumbremse
Ein Rätsel der Lüfte
Das Geschenk des Oxygenius
FEINDE IM WELTALL? - und andere Novellen (1907)
Feinde im Weltall?
Nitakerts Erwachen
Adam Perennius, der Zeitlose
Der Fremde
DER MARSSPION und andere Novellen (1908)
Der Marsspion
Pierre Maurignacs Abenteuer
Das Ei des Urvogels
Katalyse
Ein verirrter Telephondraht
Mr. Vivacius Style
Ballon und Eiland
Mysis
Das Ende der Erde?
Heimkehr
ZUKUNFTS-NOVELLEN aus ARENA, RECLAMS UNIVERSUM und ILLUSTRIRTE ZEITUNG
Im Fluge zum Frieden (1907)
Der Mann aus dem Monde (1908)
Mr. Infrangibles Erfindung (1909)
Das Phonogramm von Pompeji (1909)
Das weiße Rätsel (1909)
Der schreibende Affe (1911)
Die Maschine des Theodulos Energeios (1912)
Der Ätherseelenmensch (1913)
Gelöste Probleme (1914)
BIBLIOGRAFIE
Erläuterungen
Chronologisches Verzeichnis
Alphabetisches Verzeichnis der Erzählungen
Alphabetisches Verzeichnis der Gedichte und Dramen
Abbildungen
Ausgewählte Sekundärliteratur
ANHANG
Karlernst Knatz: Ein Geleitwort [zu Der Marsspion] (1908)
Fünf Briefe von Carl Grunert an Kurd Laßwitz (1903–1908)

Die Erzählungen
Von Carl Grunerts Novellen, die man heute wohl zu einem großen Teil als „Scientific Romances“ – immerhin 18 von 33 Novellen sind solche im Wissenschafts-Milieu spielenden Liebesgeschichten – oder sogar als „Science Fiction“ bezeichnen würde, haben nur einige wenige die seit ihrer ersten Veröffentlichung zu Anfang des 20. Jahrhunderts (zwischen 1903/1904 und 1914) vergangenen Jahrzehnte vorwiegend deshalb überdauert, weil sie in den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts in vereinzelten Kurzgeschichten-Sammlungen nachgedruckt worden sind. Der größere Teil seiner Novellen (Romane hat er, soweit bisher bekannt, nicht geschrieben, jedenfalls nicht veröffentlicht.) ist aber, ebenso wie seine Gedichte und seine Theaterstücke, inzwischen weitgehend aus dem Blickfeld geraten.
Carl Grunert kannte und schätzte zwar seit seinem zwölften Lebensjahr Jules Verne, vor allem aber war er, wie schon erwähnt, ein großer Bewunderer und Verehrer des „Vaters der deutschen Science Fiction“, Kurd Laßwitz, dem er nachzueifern versuchte, wozu er sich auch offen bekannte, also kein bloßer Plagiator sein wollte. So gibt es in Grunerts utopisch-technischem Werk (nach derzeitigem Stand 33 Novellen) mehrere Erzählungen, die Motive aus den Werken von E. T. A. Hoffmann (1776–1822), Jules Verne, Kurd Laßwitz und H. G Wells aufgreifen und reflektieren, daneben aber auch durchaus eigenständige Ideen in origineller Weise vorstellen. Viele dieser Novellen, obwohl sie am wenigsten bekannt sind, haben bis heute ihren Reiz behalten und sind vergnüglich und teilweise sogar sehr spannend zu lesen.
Aus seinem Zueignungs-Gedicht in Im irdischen Jenseits ist zu entnehmen, dass er „Aus schwerer Krankheit neu erwacht zum Lichte …“ und „… gefesselt noch von fliehender Krankheit Bann …“ den 1897 erschienenen zweibändigen Roman Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz gelesen hatte und von ihm stark beeindruckt, ja „gefangen“ war.
Neben dem ausgiebigen Gebrauch des Gedankenstrichs, sei es als Mittel der Verstärkung oder als „Pausenzeichen“, fällt auf, dass Grunert sehr oft seltsame Namen verwendete: Der geduldige niederländische Leiter der Friedenskonferenz in Den Haag heißt in der Novelle Im Fluge zum Frieden „van Geduldjen“, der unaufrichtige (also lügende) britische Vertreter heißt „Lyell“, der ernste deutsche Abgesandte trägt den Namen „Ernst“. Ein scheinbar unzerbrechlicher Erfinder heißt in der gleichnamigen Novelle „Mr. Infrangible“, sein Widerpart, ein bluffender Unternehmer, nennt sich „Mr. Bluff“. Ein Professor, der sich mit der Erforschung der Menschenaffen befasst, trägt in der Novelle Der schreibende Affe den Namen „Monkey“. Der Finder besagten Eies in Das Ei des Urvogels in der Sammlung Der Marsspion heißt „Dr. Finder“, der beglückte Professor „Diluvius“. Ein schreibgewandter Journalist heißt, wie die Novelle selbst, „Vivacius Style“, sein Arzt „Magnus Magician“. Der eine Astronom in Das Ende der Erde? heißt „T. E. Leskop“, der andere „O. B. Servator“. Die Motive Grunerts hierfür sind nicht erkennbar, zumal zumindest die letztgenannte Novelle nicht als Humoreske angesehen werden kann. Andererseits lässt er in Der Marsspion in der realen Sternwarte in Flagstaff (Arizona, USA) den realen Astronomen Mr. ([Percival] Lowell und seinen ebenso realen Assistenten [Carl Otto] Lampland auftreten.
Eine Würdigung seines Werkes 5, auch wenn man sich nur auf seine Novellen beschränkt und die fast vergessenen Gedichte und Dramen beiseite lässt, fällt nicht leicht: Carl Grunert hat stets auf seine Vorbilder, vor allem auf Laßwitz, hingewiesen und eingeräumt, dass seine „Skizzen … von ihrem Vorbild noch | Soweit entfernt, als wie die Nacht vom Tag“ waren 6, doch hat er im weiteren Lauf seines Schaffens an Sicherheit gewonnen und auf seinem Gebiet der Kurzgeschichte (also der deutschen „SF-Story“) eine Bahn gebrochen und einige literarische Perlen hinterlassen.
Von den 33 Novellen stehen einige in einem inneren Zusammenhang oder wenigstens doch in lockerer Beziehung zueinander:
In drei Novellen (Die Radiumbremse, Adam Perennius, der Zeitlose und Mysis) bildet die „Abendschule“, eine Art gehobener literarischer Stammtisch, das Handlungsfeld, in dem ein Ich-Erzähler (Grunert?) berichtet und in der Novelle Mysis (enthalten in Der Marsspion) an eine in Feinde im Weltall? enthaltene Vorgeschichte anknüpft. Vorbild für diese „Abendschule“ könnten E. T. A. Hoffmanns „Serapionsbrüder“ oder, in verkleinerter Version, die von Kurd Laßwitz mitbegründete und maßgeblich geprägte Gothaer „Mittwochs-Gesellschaft“ gewesen sein.
Die Novellen Der Mann aus dem Monde, Die Maschine des Theodulos Energeios und Der Ätherseelenmensch stehen insofern in einem Zusammenhang, als der Ich-Erzähler (Grunert?) in beiden Fällen u. a. von seinem „Freund Hintze“ berichtet; ein „Professor Hintze“ spielt auch eine Rolle in der Erzählung Gefangener Sonnenschein aus der Sammlung Im irdischen Jenseits. In den Novellen Die Fern-Ehe und Das Geschenk des Oxygenius werden erstmals Personen (z. B. Fritz Oldenburger und Felix und Maud Ridinger) eingeführt, die uns 1908 in Ballon und Eiland im Sammelband Der Marsspion wieder begegnen.
Die wenig bekannte Novelle Das weiße Rätsel überrascht auch die heutigen Leserinnen und Leser als „moderne“ UFO-Entführungs-Geschichte. Zwar hat es in der utopisch-phantastischen Literatur auch vorher schon Begegnungen von Menschen mit Außerirdischen und Mitnahmen in deren Weltraumfahrzeugen gegeben, aber Das weiße Rätsel wirkt in keiner Weise antiquiert, sondern strahlt eine Spannung und einen „sense of wonder“ aus, die von heutigen Autoren und Filmemachern kaum eindrucksvoller erreicht werden.
Gleiches gilt für Ein Rätsel der Lüfte: Die hier unternommenen Versuche, eine unvertraute Himmelserscheinung zu deuten und dabei auf natürliche oder technische Ursachen zurückzuführen, nehmen die Argumentationsweisen und die Diskussion vorweg, die sich Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts an den ersten UFO-Meldungen entzündeten. Sogar das Problem der Auswertung fotografischer Aufnahmen als Beweismittel wird plastisch geschildert.
Die in Menschen von morgen enthaltene Novelle Das Geschenk des Oxygenius knüpft schon dem Titel nach und auch inhaltlich an Jules Vernes Le Docteur Ox (1874; dt. Eine Idee des Doktor Ox, 1875) an, behandelt aber nicht nur die Auswirkungen eines erhöhten Sauerstoffgehalts in der Atmosphäre auf Menschen, sondern auch auf Verbrennungsmotoren und Dampfmaschinen, insbesondere Lokomotiven. In der Ausführungstiefe steht Grunert damit zwischen Jules Vernes Novelle Doktor Ox und Raymond F. Jones’ Roman The Year when Stardust Fell (1958; dt. Sternenstaub, UTOPIA-GROSSBAND 124, Rastatt:, Erich Pabel, 1960), in dem die allgemeinen gesellschaftlichen Folgen des Versagens von Maschinen bis hin zu Hungersnöten drastisch geschildert werden.
Die Novelle Die Maschine des Theodulos Energeios hat offenbar Bezüge zu Grunerts über Jahre hindurch schlechten Gesundheitszustand. Schon in seiner erstmals 1907 erschienenen und 1908 in Der Marsspion und andere Novellen nachgedruckten Novelle Heimkehr behandelte Grunert das Thema der schwindenden Lebenskräfte und damit seine eigene Befindlichkeit.
Die am weitesten verbreitete letzte Novellen-Sammlung Der Marsspion und andere Novellen, die in mehreren Ausgaben und Einbandvarianten (erstmals 1908) erschienen ist, enthält, bis auf die schon 1907 veröffentlichten Novellen Heimkehr und Mr. Vivacius Style, ausschließlich Originalbeiträge. Die immer wieder zitierte Zeitreise-Novelle Pierre Maurignacs Abenteuer ist später, wie sich der Bibliografie entnehmen lässt, mehrfach nachgedruckt worden. In Meidingers Knaben-Buch ist die Erzählung übrigens 1921 unter dem Titel Abenteuerliche Reisen mit der Zeitmaschine und in eingedeutschter Fassung enthalten: Aus Pierre wurde Peter, aus Jeanne Hilde, aus dem Maire der Bürgermeister usw.
Gerade Der Marsspion, Das Ei des Urvogels und Pierre Maurignacs Abenteuer enthalten deutliche Bezüge zum Werk von H. G. Wells, der in der letztgenannten Novelle sogar durch ein Telegramm zum Mitwirkenden wird. Ballon und Eiland wirkt wie eine Kurzfassung von Jules Vernes Geheimnisvoller Insel. In dieser Novelle treffen wir in dem Ehepaar Fritz und Grete Oldenburger übrigens Bekannte aus der Sammlung Im irdischen Jenseits wieder, ebenso wie in Mysis den Protagonisten Justus Starck aus Feinde im Weltall?. Katalyse zeigt sich als originelle Liebesgeschichte. Die letzte Novelle, Heimkehr, enthält, wie schon ausgeführt, autobiografische Züge: Der Erzähler (Grunert) wird durch eine wundersame Brille u. a. in die Lage versetzt, gespiegelt durch die Scheiben eines Stadtbahnzuges, seinen kranken, in jeder Hinsicht verbrauchten und kurz vor dem Ende stehenden Körper zu erkennen.
Das Geleitwort zur 1908 erschienenen Novellensammlung Der Marsspion (Grunert hatte sich eigentlich den Titel „Im Königreiche Nirgendwo“ gewünscht; dieser Wunsch wird ihm nun mit der vorliegenden Neuausgabe nachträglich erfüllt.) hat der Chefredakteur der Zeitschrift ARENA, Karlernst Knatz (1882–1951), geschrieben. Dies Geleitwort, das im Anhang wiedergegeben wird, enthält einige wenige Hinweise zu Grunerts Biografie und eine erste ausdrückliche Würdigung seines Werkes.

Editorische Hinweise
Dieser Gesamtausgabe liegen die unten aufgeführten Ausgaben „letzter Hand“ (also die zu Grunerts Lebzeiten zuletzt erschienenen) Veröffentlichungen zugrunde, die zwischen 1887 und 1914 in folgenden Sammelbänden und Zeitschriften erschienen sind oder sich im Nachlass von Kurd Laßwitz befinden. Weitere Daten enthält die Bibliografie am Ende des Buches.

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Carl Grunert
Über Carl Grunerts Leben ist wenig bekannt. Die folgenden Lebensdaten sind nur bruchstückhaft und können eine noch immer fehlende Biografie nicht ersetzen, sondern nur als vorläufige Darstellung dienen.
Carl Grunert wurde am 2. November 1865 im damals zu Preußen und heute zu Sachsen-Anhalt gehörenden Naumburg an der Saale geboren. Nach dem Besuch des Lehrerseminars in Weißenfels (Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt) war er einige Jahre in seiner Heimatstadt Naumburg als Lehrer tätig, u. a. am Domgymnasium.
Schon im Alter von 21 Jahren (1887) veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Carl Friedland“ den im übertragenen Sinne „mit Herzblut“ verfassten Gedichtband Schlichte Gedichte. Es folgten in den beiden Jahren darauf, diesmal unter seinem bürgerlichen Namen, die (wahrscheinlich nie aufgeführten) Dramen Judas Ischarioth (1888) und Ihr seid geschieden! (1889). Diese drei Frühwerke brachten ihm in seiner privaten und wohl auch beruflichen Umgebung „Enttäuschung, ja auch Anfechtungen und Verdächtigungen“ ein. Diese negative Erfahrung veranlasste Grunert, zusammen mit seiner Ehefrau Erna geb. Huth, die er 1889 geheiratet hatte, Naumburg zu verlassen und nach Berlin zu ziehen, wo er weiterhin als Lehrer arbeitete.
In den 14 Jahren von 1889 bis 1903 trat Carl Grunert als „gebranntes Kind“ schriftstellerisch nicht in Erscheinung. Er nutzte aber die zahlreichen Bildungsmöglichkeiten der Reichshauptstadt (Er wohnte in Berlin-Moabit in der Wiclef- und der Stephanstraße.) insbesondere auf den Gebieten der Physik und Chemie und besuchte über mehrere Jahre akademische Vorlesungen.
Carl Grunert war, was sich in fast seinem gesamten erzählerischen und dichterischen Werk widerspiegelt, Zeit seines Lebens kränklich, und zwar an Körper und Seele, mit den jeweils verstärkenden Wechselwirkungen. Hinzu kamen, nach offenbar tief-schmerzlich empfundenen Liebes-Enttäuschungen in seiner Jugendzeit, schwere Schicksalsschläge: Der Sohn Hans war offenbar im Kleinkindalter verstorben, wahrscheinlich im Kindesalter auch eine Tochter namens Else; beiden hat der Vater in Gedichten 3 gedacht. Geblieben war der Familie der Sohn Carl Georg Friedrich (1899–1966), der Diplom-Chemiker geworden ist und 1925 mit einer Dissertation auf dem Gebiet der Chemie promovierte.
Nach einer durchlittenen schweren Krankheit lernte Carl Grunert die Werke von Kurd Laßwitz kennen und schätzen, was ihn nach langer Pause wieder zu schriftstellerischer Aktivität ermutigte, wobei er sich erklärtermaßen an seinem großen Vorbild orientieren wollte. So widmete er diesem denn auch „in dankbarer Verehrung“ seinen ersten Novellenband Im irdischen Jenseits mit einer besonderen Zueignung. In diesem Zusammenhang hat er fünf Briefe an den Professor in Gotha geschrieben, die im Anhang der Gesamtausgabe vollständig abgedruckt werden. Die Antworten sind leider nicht mehr erhalten. Es folgten bis 1914 die weiter unten genannten Erzählungen und Gedichte.
Carl Grunert litt über Jahre hinweg an Schlaflosigkeit, was zu einem immer stärkeren Gebrauch von Barbitursäure führte. Der regelmäßige Gebrauch von Schlafmitteln vom Barbiturat-Typ birgt eine erhebliche Suchtgefahr. Offenbar hatte sich eine solche Abhängigkeit entwickelt. Als der gerade 19-jährige Sohn Carl Georg Friedrich im Frühjahr 1918 weitgehend zu Fuß als Soldat von der Ostfront zurückkehrte, fand er seinen inzwischen in Erkner bei Berlin (in der Nähe des Müggelsees) wohnenden Vater mit einer schweren Barbiturat-Vergiftung und überhaupt krank vor. Nachdem der Sohn, in bester Absicht, ihm die Barbitursäure weggenommen hatte, verschlechterte sich der Zustand des Vaters, wohl bedingt durch die schweren Entzugsfolgen, drastisch. Angesichts seines schlechten Gesundheitszustandes in Verbindung mit den Folgeerscheinungen des plötzlichen Entzugs und der mangelhaften medizinischen Versorgungslage im letzten Kriegsjahr erlag Carl Grunert schließlich am 22. April 1918 in Erkner bei Berlin einer Lungenentzündung.



Lazar von Hellenbach
Die Insel Mellonta
Neuausgabe des erstmals 1883 erschienenen Romans
Paperback, 158 S., 4 Abb., mit einem erläuternden Nachwort von Dr. Ulrich Bach (Texas State University, USA)
15,00 € ISBN 978-3-940679-69-7

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Vorrede zur zweiten Auflage
I. Die Wellen des stillen Oceans
II. Das Vermächtniß einer entschwundenen Generation
III. Die Fortschritte des XIX. Jahrhunderts
IV. Der erste Unterricht
V. Die Wanderung durch Mellonta
VI. Das Capitel der Betrachtungen
VII. Die Segelfahrt
VIII. Die Bacchantin
IX. Das tagende Mellonta
X. Die Philosophie im stillen Weltmeere
XI. Die Arbeit eine Lust
XII. Die Schwingungen der Liebe
XIII. Die Vestalin
XIV. Das Fatum Alexander
XV. Der Schleier der Maja
XVI. Der Abschied
Ulrich Bach: Lazar von Hellenbachs Insel Mellonta

Auszug aus dem Nachwort von Dr. Ulrich Bach
[…] im Jahre 1883 brachte der angesehene Wiener Verleger Carl Leopold Rosner von Hellenbachs Insel Mellonta auf den Markt, und bis zur vorläufig letzten Veröffentlichung 1926 kam es zu drei weiteren Editionen. Abgesehen von der Veröffentlichung der Insel Mellonta entdeckte Rosner mit Heinrich Laube den bekannten österreichischen Schriftsteller Ludwig Anzengruber und arrangierte für den flanierenden Essayisten Daniel Spitzer die Veröffentlichung seiner berühmten Skizzen in der bekannten liberalen Zeitung Neue Freie Presse. Die Anzahl der Editionen und der Ruf des ersten Verlegers zeigen, dass von Hellenbachs Roman vom lesenden Publikum gut aufgenommen wurde. Die dritte Auflage des Buches pries der herausgebende Oswald-Mutze-Verlag gar als „Seitenstück zu Bellamy’s Rückblick auf das Jahr 2000.“ Bezeichnenderweise war Bellamys Looking Backward: 2000–1887 (1888) die erfolgreichste amerikanische Utopie des späten 19. Jahrhunderts. […]
     Dem Zeitbezug nicht entbunden sind Insel Mellontas Kolonialismus- und Nationalismus-Debatten, obwohl die Utopie von Inversion und Transgression des herrschenden Diskurses lebt. Von Hellenbach eignet sich die koloniale Rhetorik für seine Erzählung an, ohne über tatsächliche Reiseerlebnisse in die Südsee zu verfügen. Vielmehr verhalf ihm seine Erfahrung als in Wien lebender Aristokrat aus Kroatien dazu, sich mit der Situation des gesellschaftlichen Außenseiters zu identifizieren und sein spirituelles Lehrstück als Inseltraum zu inszenierten. Seine Vision der Inselgemeinschaft liefert daher keinen Beitrag zur konkreten Utopie, in der die unterdrückten werktätigen Massen der europäischen Metropolen sich selbst entdecken könnten, sondern sie repräsentiert lediglich gesellschaftliche Umstände, unter denen die sozialen Probleme „ihre Lösung durch die Initiative von oben“ gefunden haben. Die manifesten sozialen Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit, lassen von Hellenbach eher auf eine Rückkehr zu einer vorindustriellen brüderlichen Gemeinschaft hoffen. Dennoch erfüllt das konservative Weltbild von Hellenbachs die Funktion eines „vanishing mediator“ (verschwindenden Vermittlers), der zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen Übergänge schafft, und deren besondere Wirksamkeit verschwindet, sobald sich neue soziale Realitäten entwickelt haben.
(
Copyright © 2012 by Dr. Ulrich Bach, Texas State University, USA)

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Lazar von Hellenbach
Lazar Freiherr von Hellenbach (1827–1887) war ein in Österreich einflussreicher philosophischer Schriftsteller, der auch geschichtliche, sozialpolitische und volkswirtschaftliche Fragen einbezog und am politischen Leben teilnahm. Nach seiner Schulzeit in Wien studierte er ab 1842 an der Universität Prag u. a. Rechtswissenschaften, Philosophie und Naturwissenschaften. Nach kurzer Militärdienstzeit in Ungarn und landwirtschaftlicher Tätigkeit auf seinem Heimatgut wurde er politisch tätig. Von 1860–1867 war er Abgeordneter im kroatischen Landtag. 1869 kehrte er nach Wien zurück.
Hellenbach vertrat die Idee, Geburt und Tod seien nur ein „Wechsel der Anschauungsform“, in die sich der Mensch jeweils begibt. Der Mensch habe eine „Doppelnatur“: eine phänomenale, in den drei Raumdimensionen erscheinende und eine „transzendentale“, die sein eigentliches Wesen sei.
Hellenbachs politische Schriften richteten sich vor allem gegen soziale und nationale Vorurteile. Er trat für einen „ver edelten Sozialismus“ ein, der vor allem auf der Anhäufung von „Kollektiveigentum“ beruhen sollte, das dem Staat von kinderlosen Erblassern zu überlassen wäre.


Kollektion Hoffmann, Band 1


Oskar Hoffmann
Mac Milfords Reisen im Universum
Von der Terra zur Luna oder Unter den Seleniten. Astronomische Erzählung

Nachdruck der erstmals 1902 erschienenen Originalausgabe im
Neusatz
2. Auflage 2019, Klappenbroschur, 335 S., Vorbemerkungen, 61 Illustrationen von Fritz Brändel, mehrere Reproduktionen, 2 Fotos.
25,00 — ISBN 978-3-945807-35-4

Inhalt:
Vorbemerkungen des Herausgebers
Einleitung – Des Verfassers Hypothese
1. Kapitel –  Wie Mac Milford eine Reisegefährtin fand
2. Kapitel –  Eine geheimnisvolle Depesche
3. Kapitel –  Ein Mitglied des Trente et quarante-Klubs
4. Kapitel –  Wie jemand eine seiner Rippen als Visitenkarte hinterläßt
5. Kapitel –  In den Grampian Mountains
6. Kapitel –  5000 Kilometer über der Erde
7. Kapitel –  Ein Renkontre mit dem „Liliput“
8. Kapitel –  In dem Schlunde des Vulkans
9. Kapitel –  Ein kosmisches Paradies
10. Kapitel –  Adam und Eva
11. Kapitel –  Ein Abenteuer im Weltäther
12. Kapitel –  Der tote Punkt
13. Kapitel –  Die Ankunft Toms auf dem Monde
14. Kapitel –  Welches den Leser mit dem Leben und Treiben der Seleniten näher bekannt macht und von einem Spaziergang zum Nordpol erzählt
15. Kapitel –  Wie Tom neun Stunden lang die Rolle eines Mondgötzen spielt
16. Kapitel –  Wie der Zufall es will, daß sich zwei Erdenbürger auf dem Monde treffen
17. Kapitel –  Mac Milfords Landung
18. Kapitel –  Der Panarch der Mondstaaten
19. Kapitel –  Welches den Leser in ein geologisches Paradies führt, ihm die Flucht der Erdenbürger und den den Untergang der Kraterstadt Resles schildert
20. Kapitel –  Der Kampf um die Herrschaft des Mondes
21. Kapitel –  Der Champion of the Moon
22. Kapitel –  Das Walten des Schicksals
23. Kapitel –  Das Ende vom Liede
Anhang – Aus der Weltgeschichte des Mondes

Über das Buch
Das wohl bekannteste Beispiel für Hoffmanns Fabulierkunst ist die umfangreiche „astronomische Erzählung“ Mac Milfords Reisen im Universum. Von der Terra zur Luna oder Unter den Seleniten. Der Roman schildert die Erlebnisse des schottischen Professors Mac Milford, seiner studentischen Begleiterin Mary Watson, seines Gehilfen George Price und seines Dieners Tom auf dem von „Seleniten“ bewohnten Mond, zu denen sich im Lauf der Entwicklung noch ein amerikanischer Mondreisender gesellt. Mehr sei zur im wahrsten Sinne des Wortes abenteuerlichen und teilweise humorvollen Handlung nicht verraten. Nur einen Hinweis halte ich noch für angebracht:
Während des Vorstellungsgesprächs der wagemutigen Studentin Mary Watson doziert Professor Mac Milford u. a. über eine Theorie der „vierten Dimension“, über Linien- und Flächenwesen, und präsentiert ein offenbar von einem Mondbewohner namens „Lun-Lun“ verfasstes Werk mit dem Titel „Vierdimensionale Lebewesen im Weltall. Eine mathematisch-physio-psychologische Studie“. Sechs Jahre später hat Hoffmann das Thema in seinem „metaphysischen Roman“ Die vierte Dimension aufgegriffen und zum Hauptthema gewählt: Ein dänischer Mathematikprofessor hat ein Manuskript mit dem Titel „Metaphysische Geometrie. Grundlagen einer Vorstellung transzendentaler Raumgebilde vier- und mehrdimensionaler Natur“ verfasst und unternimmt eine virtuelle Reise in „andere Dimensionen“; dieser Professor heißt zwar nicht „Lun-Lun“, aber doch immerhin – „Lund“ …
Übrigens finden die Abenteuer Mac Milfords ihre Fortsetzung (und auch ihr Ende) im 1905 erschienenen Roman Unter Marsmenschen; die erstmals 1900 im Knaben-Jahrbuch NEUER DEUTSCHER JUGENDFREUND (Leipzig: Schmidt & Spring, Bd. 55) erschienene gleichnamige Erzählung hat übrigens eine eigenständige andere Handlung mit anderen auftretenden Personen.

Oskar Hoffmann
Oskar Hoffmann wurde am 29. Oktober 1866 in Gotha geboren. Nach seinen Jugendjahren in Halle und einem Volontariat in einer Berliner Sortimentsbuchhandlung bildete Hoffmann sich autodidaktisch weiter und brachte es im Lauf seines weiteren Lebens zum Autor mehrerer populär-naturwissenschaftlicher Werke (z. B. Erfindungen und Entdeckungen auf allen Gebieten der Wissenschaft und Technik. Radebeul und Leipzig: F. E. Bilz, o. J. [um 1900] und Das illustrierte Buch der Technik. Berlin: Neuer Allgemeiner Verlag, o. J. [um 1913]) und Aufsätze und vor allem mehrerer abenteuerlicher utopisch-technischer Romane, die man heute als Science Fiction bezeichnen würde. Der Volksliteratur-Forscher Heinz J. Galle vertritt unter Hinweis auf Textindizien (z. B. ähnliche Abbildungen eines Weltraumfahrzeuges, Thematisierung des „toten Punktes“ zwischen Erde und Mond als Ort der Gefahr) sogar die These, dass Hoffmann zumindest einige Bände der von 1908 bis ca. 1911/12 erschienenen utopisch-technischen Heftromanserie Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff verfasst hat, und erwähnt, dass auch das vorliegende Buch als Lieferungsroman in zehn Heften erschienen ist.
Oskar Hoffmann starb am 21. Dezember 1928 in Wiesbaden. Diese bisher fehlende Information habe ich von Herrn Dipl.-Ing. Malte Huth, Inning am Ammersee, einem Enkel von Oskar Hoffmann, erhalten, der auch die Rechte an den hier mit seiner Erlaubnis wiedergegebenen beiden Fotos von Oskar Hoffmann inne hat. Herr Dipl.-Ing. Malte Huth ist übrigens der Erfinder des Treibstoff sparenden Motor-Beschichtungsmittels Hit-Flon
®.

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Kollektion Hoffmann, Band 2


Oskar Hoffmann
Unter Marsmenschen
Erzählung.
 Nachdruck der erstmals 1905 erschienenen Originalausgabe im Neusatz
2. Auflage 2019,
Klappenbroschur
, 273 S., Vorwort, 10 Abb.
22,50 — ISBN 978-3-945807-36-1

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Herausgebers
Einleitung
1. Kapitel: Eine Rede in der Royal Society
2. Kapitel: Die Gründung des Weltallkolonialklubs
3. Kapitel: Eine wissenschaftliche Diskussion
4. Kapitel: Die Expedition rüstet sich
5. Kapitel: Das Festmahl in der Royal Society
6. Kapitel: Der Abschiedssalut
7. Kapitel: Die Wacht auf der Sternwarte
8. Kapitel: Draußen im Weltall
9. Kapitel: Astronomisches vom Mars
10. Kapitel: Acht Millionen zweihundertundeinundsechzigtausend Meilen vom Erdplaneten
11. Kapitel: Deimos und Phobos
12. Kapitel: Schiffbruch des Sirius
13. Kapitel: Auf fremder Weltscholle
14. Kapitel: Die Audienz beim Volkspotentaten
15. Kapitel: Auf dem Staatsobservatorium
16. Kapitel: Die Wunder einer ausgereiften Technik
17. Kapitel: Im Laboratorium martischer Forscher
18. Kapitel: Versuche eines Verkehrs mit der Erde
19. Kapitel: Eine physio-psychologische Heilung
20. Kapitel: Aus der Weltgeschichte des Marsvolkes
21. Kapitel: Irdische Opfer martischer Sitten
22. Kapitel: Ein freudiges Wiedersehn
23. Kapitel: Eine Kanalfahrt zum Magnetpol
24. Kapitel: Die Verschanzung des Marsballes
25. Kapitel: Die Jagd auf den Kometen
26. Kapitel: Die Flucht zur Mutter Erde
27. Kapitel: Der Absturz in die Rocky Mountains
28. Kapitel: Der Empfang in London

Über das Buch
Im Mittelpunkt dieses als „Erzählung“ bezeichneten umfangreichen Romans steht, wie schon in Mac Milfords Reisen im Universum (1902), der schottische Professor Mac Milford, diesmal mit einer rein männlichen Begleitmannschaft.
Nachdem der wackere Schotte als pflichteifriger Diener seiner Königin Viktoria schon den Mond samt seinen Bewohnern, den Seleniten, für das britische Empire in Kolonialbesitz genommen hat, strebt er nun, in konsequenter Fortsetzung dieser Expansion und auf der Grundlage eines „Weltallkolonialklubs“ die Annexion des Planeten Mars an.
Wieder kommt das schon bekannte „Atomistikum“, ein Materie-Transmitter, zum (unvollkommenen) Einsatz, weshalb die Expedition, wie schon bei der Fahrt zum Mond, vorsorglich das langsamere, aber weniger anfällige „Antigravitationsvehikel“, ein Raumschiff namens „Sirius“ in der äußeren Gestalt eines Luftschiffes, benutzt. Auf dem Mars findet man eine hoch entwickelte Zivilisation vor. Wie schon beim Wettlauf um die Annexion des Mondes treten auch hier wieder Nordamerikaner, die von den Briten verachteten „Yankees“, als Konkurrenten auf, die aber von den Marsbewohnern noch vor ihrer Landung in der Luft vernichtet werden. Als die britischen verhinderten Kolonisatoren sich angesichts des wohlbegründeten Misstrauens der Marsbewohner schließlich faktisch in der Rolle von Internierten wiederfinden, flüchten sie bei passender Gelegenheit vom Mars und kehren, ohne eine „Erschließung“ (also Ausbeutung) des Mars ermöglicht zu haben, zur Erde zurück.
Hier findet der alte Professor Mac Milford samt seinen Reisen im Universum krankheitsbedingt sein Ende. Dem beim Versuch mit dem „Atomistikum“ verschollenen Faktotum Tom wird eine Gedenktafel gewidmet. Schließlich wird auch der „Weltallkolonialklub“ angesichts fehlender Mitglieder aufgelöst.
Dieser umfangreiche Roman, nicht selten 13 verwechselt mit der zwar gleichnamigen aber wesentlich kürzeren erstmals 1900 erschienenen Knabenbuch-Erzählung 14, die einen völlig anderen Inhalt mit anderen handelnden Personen hat (wenn auch einige Motive wie eine Fahrt auf einem Marskanal, die Besichtigung eines Museums mit Beschreibung eines überaus leistungsfähigen Akkumulators usw. wieder aufgegriffen und vertieft werden), ist eine unmittelbare Fortsetzung des 1902 erschienenen Romans Mac Milfords Reisen im Universum und zeichnet sich durch eine, im Vergleich etwa zur gleichnamigen Erzählung aus dem Jahr 1900, durchgängige Dramatik und Spannung aus, was ihn (abgesehen vom wie selbstverständlich vertretenen Ungeist des hemmungslosen Kolonialismus und Imperialismus) auch heute noch lesbar macht.

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Kollektion Hoffmann, Band 3


Oskar Hoffmann
Der Goldtrust | Die Eroberung der Luft
Internationaler Finanzroman
| Kulturroman vom Jahre 1940
Nachdruck der erstmals 1907 und 1908 erschienenen Originalausgaben in einem Band im Neusatz
 2. Auflage 2019, Klappenbroschur, 320 S., Vorbemerkungen, 14 Abb.

25,00 €ISBN 978-3-945807-37-8

Der Goldtrust
Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen
1. Der Herr der Erde
2. Die Probe aufs Exempel
3. Ein Hundert Millionen Lire-Geschäft
4. Ein bißchen Weltpolitik
5. Dämon Gold hält die Gemüter in Schach
6. Das chemische Kuckucksei
7. Vor dem Forum des hohen Gerichtshofes
8. Der Archipel der Spitzbuben
9. Old Englands Passarillen
10. Betrogene Betrüger
11. Die Jagd auf dem Ozean
12. Yankeezorn
13. Gaunerstreiche
14. Ein inszenierter Riesentrust
15. Naturgold gegen Kunstgold
16. Im Bann der Circe
17. Ein Ballonkrieg
18. Der Schlußakkord des Weltdramas

Im Mittelpunkt dieses „internationalen Finanzromans“ steht der russische Chemiker Wassilowitsch, ein „Adept“ der Alchimie, dem die künstliche Herstellung von Gold gelungen ist. Statt durch dieses Werk reich und glücklich zu werden, wird er zum Spielball staatlicher und privater Mächtegruppen und verfällt schließlich einer Frau, mit der zusammen er auf seiner endlichen Flucht mit einem Ballon den Tod findet.
Der Goldtrust, dessen Hauptperson unter dem Namen Nikitin in einer in Italien spielenden Episode des Romans noch einmal in der 1912 erschienenen kurzen Erzählung König Mammon wiederkehrt, thematisiert das klassische Motiv des mehr oder weniger erfolgreichen Goldmachers und sein ewiges Scheitern. Dieser erstmals 1907 als Pilotband der späteren Reihe der CHAMPION-ROMANE im Verlag Hermann Seemann Nachfolger, Berlin und Leipzig, erschienene Roman zeichnet sich durch eine, im Vergleich etwa zu Die Eroberung der Luft, durchgängige Dramatik und Spannung aus, was ihn heute noch lesbar macht.

Die Eroberung der Luft
Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen
1. Die neue Ära
2. Das Festmahl der Aerodynamiker
3. Ein Streifzug im Luftmeer
4. Aus den Annalen der Aeronautik
5. Die Entdeckung des Nordpols
6. Ein Bombardement aus der Vogelperspektive
7. Sylvester 1940
8. Amerikanischer Aero-Imperialismus
9. Um die Weltherrschaft im Luftozean
10. Friedensstörer
11. Reichstags-Debatten
12. Die Ouvertüre zum Weltkrieg
13. Völkerringen in hohen Regionen
14. Und Friede auf Erden

Gegenstand dieses „Kulturromans vom Jahre 1940“ ist die in die (damalige) Zukunft der Jahre 1940 und 1941 fortgeführte Entwicklung der Luftfahrt, insbesondere auf militärischem Gebiet, samt ihren und Begleiterscheinungen und Folgen im Verlauf eines für das Jahr 1941 (da war wirklich Weltkrieg!) geschilderten Weltkrieges.
Eigentlich handelt es sich nicht um einen in sich geschlossenen Roman mit durchgehender Handlung, sondern um eine Rahmenhandlung mit eingestreuten und nur locker miteinander verbundenen Einzelerzählungen und Essays, die an Hoffmanns Wirken als Sachbuchautor, gerade auf dem Gebiet der Technik, erinnern. Dabei wirkt das Ganze eher betulich bis peinlich, teilweise auch abstoßend, wenn etwa das deutsche Wesen mit einem gütigen, greisen Kaiser Wilhelm dem II. (der starb in der Realität am 14. Juni 1941 im niederländischen Exil!) herausgestellt wird, an dem die übrige Welt genesen soll — wobei sie angesichts des Sieges, den Deutschland mit Hilfe einer Massenvernichtungswaffe, einem elektrischen „Todesstrahler“, erzielt hat, wohl auch gar keine Wahl hat.
Die Franzosen, Briten und US-Amerikaner werden nach den damals gängigen Klischees geschildert, die Sozialdemokraten als vaterlandslose Gesellen vorgeführt, vor denen (und dem „Zentrum“, der Partei der Katholiken) man („man“ — das sind „Se. Majestät“, der deutsche Generalstab und die „regierungstreuen“ Parteien) militärische Planungen geheim hält und die man in öffentlicher Reichstagssitzung planmäßig belügt.
Hoffmann hat hier, wie so viele andere „patriotische“ Schriftsteller seiner Zeit, ins chauvinistische Horn gestoßen und dabei kein Meisterwerk geliefert. Wenn dieser „Kulturroman“ — ironischerweise werden die europäischen imperialistischen Mächte, die mit allen Mitteln nach „Weltherrschaft“ streben, als „Kulturstaaten“ bezeichnet — hier als Nachdruck vorgestellt wird, dann eher als abschreckendes Beispiel für diese Art „Zukunftskriegs“-Literatur.
Es ist nicht eindeutig zu ermitteln, wann der Roman erstmals erschienen ist: Hauptsächlich werden hierzu die Jahre 1902 und 1908 genannt. Aus folgenden Gründen bin ich zum Ergebnis gekommen, daß 1908 das Ersterscheinungsjahr war: Im 6. Kapitel („Ein Bombardement aus der Vogelperspektive“) wird die Zeit „der brenzlichen Marokkoangelegenheit“ im Zusammenhang mit der von Frankreich betriebenen sog. „friedlichen Durchdringung“ Marokkos, die von deutscher Seite als Beeinträchtigung deutscher Interessen empfunden wurde, erwähnt. Es handelt sich hier um die später als erste Marokko-Krise bezeichnete Auseinandersetzung auf diplomatischer Ebene, die ihren spektakulären Höhepunkt mit dem Besuch Kaiser Wilhelms II. in Tanger am 31. März 1905 und ihren Abschluss auf der Konferenz von Algeciras am 16. Januar 1906 erreichte, die nur scheinbar für Deutschland erfolgreich war, zumal sie die außenpolitische Isolierung Deutschlands deutlich werden ließ. Der Roman kann daher frühestens 1906 erschienen sein. In der Reihe der CHAMPION-ROMANE erschien Die Eroberung der Luft nach dem erstmals 1907 erschienenen Roman Der Goldtrust als Bd. 2, was für 1908, frühestens aber 1907 als Ersterscheinungsjahr spricht.
Der Roman erlebte bis etwa 1910 mindestens 18 Auflagen, seit der 9. Auflage offenbar auch in der parallel in einfacherer Ausstattung zu 1,00 Mark erscheinenden Reihe SIESTA („Bibliothek beliebter zeitgenössischer Erzähler!“) im gleichen Verlag mit dem abgewandelten Untertitel „Moderner Kulturroman“.

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Kollektion Hoffmann, Band 4

 


Oskar Hoffmann
Bezwinger der Natur | Die vierte Dimension

Phantasieroman
| Metaphysischer Phantasieroman
Nachdruck der erstmals 1908 und 1909 erschienenen Originalausgaben in einem Band im Neusatz
2. Auflage 2019, Klappenbroschur, 239 S., Vorbemerkungen des Herausgebers, Reproduktionen
20,00 €ISBN 978-3-945807-38-5

Bezwinger der Natur
Inhalt
1. Das Dokument aus altindischer Zeit
2. Die Quelle neuen Lebens
3.Feuerzauber
4. Zersetztes Wasser
5. Der trockene Ozean
6. Flüssige Luft
7. Die Todesstunde der Bazillen
8. Segnungen neuer Naturzustände
9. Der irdische Schöpfer
10. Fiasko am Ziele

Im Mittelpunkt des Romans Bezwinger der Natur steht der britische Sanskrit-Forscher George Robinson, der auf der Grundlage eines aus einem Tempel entwendeten Dokuments „aus altindischer Zeit“ mehrere Versuche unternimmt, „die Welt zu verbessern“, indem er in großem Maßstab Meerwasser (hier das der niederländischen Zuiderzee, die in der Realität inzwischen durch den Abschlussdamm zum Ijsselmeer geworden ist) in festen und große Teile der Luft in flüssigen Zustand zu versetzen. Hierbei unterstützt ihn der Niederländer Butkens. Ebenso, wie es kaum ein Medikament ohne „Risiken oder Nebenwirkungen“ gibt, bleiben auch bei Robinsons und Butkens’ „Wohltaten“ nachteilige Wirkungen auf anderen Gebieten nicht aus. Robinson und sein Helfer müssen für ihre Eingriffe in die Natur bezahlen, und die Menschheit kommt einigermaßen glimpflich davon.
Um diesen Kern rankt sich eine Reihe durchaus spannend erzählter abenteuerlicher Erlebnisse und Verwicklungen. Der Anfang des Romans vermittelt, wohl als Zugeständnis an die zur Zeit seines ersten Erscheinens populären spiritistischen und theosophischen Lehren, eine Nähe zu den „Geheimnissen Indiens“. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass, „wer der Natur ins Handwerk pfuscht,“ … „die Folgen stets am eigenen Leibe erfahren“ wird.

Die vierte Dimension
Inhalt

1. Der Roman-Epilog
2. Etwas Mathematik über die vierte Dimension
3. Phantasie und Wirklichkeit
4. In der Lebenssphäre der Punkt- und Linienwesen
5. Die Daseinswelt der Flächenkreaturen
6. Unter den Vierdimensionalen
7. Gelöste Lebensrätsel
8. Kontakte mit der irdischen Welt
9. Unter Dichterfürsten
10. Irdische Vorgänge
11. Ein Interview mit Moses und Ramses II.
12. Im Flachlande
13. Der Monatsschläfer
14. Der genarrte Kongreß
15. Der Spiritistenpapst
16. Die Seelenjäger

Hauptfigur des „metaphysischen Phantasieromans“ Die vierte Dimension ist der Kopenhagener Mathematikprofessor Arrild Lund, der eine „virtuelle“ Reise in andere Dimensionen, insbesondere in die vierte Dimension, die Welt der Seelen, unternimmt. Die theoretischen Grundlagen dazu werden in Auszügen aus einem fiktiven Buch Lunds erläutert, wobei die Botschaft sinngemäß lautet, ein Durchschnittsmensch könne die Darlegungen nicht nachvollziehen, ohne Schaden an Geist und Seele zu erleiden.
Der mit Hilfe des radiumbetriebenen „Telepators“ verlässt der Geist (und/oder die Seele) des Professors den Körper und trifft, virtuell, Linien- und Flächenwesen. Ein weiterer Versuch führt in schließlich in die vierte Dimension, in der er die Seelen verstorbener Persönlichkeiten der näheren und ferneren Vergangenheit trifft und spricht, so z. B. Moses, Ramses II. und Francis Bacon, wobei er erfährt, dass Bacon die Shakespeare zugeschriebenen Werke verfasst hat.
Letztere These geht offenbar zurück auf Ignatius Donnellys 1888 in den USA erschienenes umfangreiches Werk The Great Cryptogram. Francis Bacon’s Cipher in the So-Calles Shakespeare Plays, wie Hoffmann sich überhaupt weniger von Herbert George Wells’ Time Machine (GB 1895; dt. Die Zeitmaschine, 1904) als von spiritistischen Gedanken hat inspirieren lassen.
Professor Lund landet schließlich im Irrenhaus, wo er und damit sein Gedankengebäude stirbt, denn sein Assistent ist nicht in der Lage, die Experimente im Sinne seines Meisters wieder aufzunehmen oder gar fortzuführen.

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Kollektion Hoffmann, Band 5


Oskar Hoffmann
Phantastische Novellen
Nachdruck der erstmals zwischen 1900 und 1912 erschienenen Erzählungen in einem Band im Neusatz
2. Auflage 2019, Klappenbroschur, 299 S., Vorwort, 9 Illustrationen, 21 ganzseitige Reproduktionen
22,50 € 978-3-945807-39-2

Inhalt:

Hoffmann, Oscar:
Unter Marsmenschen. Eine Erzählung
, in: NEUER DEUTSCHER JUGENDFREUND, Leipzig: Schmidt & Spring, Bd. 55, o. J. [1900], S. 433–451, 481–497, 529–545, mit 4 Illustrationen [1 farb.] von Fritz Bergen
Erlebnisse eines Wiener Studenten auf dem Mars, wobei die Reise dorthin mit einer Art „Materie-Transmitter“ erfolgt. Diese Erzählung hat zwar den gleichen Titel wie der 1905 erschienene Roman, aber einen eigenständigen Inhalt.

Hoffmann, Oskar:
Eine Luftreise in die Eisregionen. Erzählung, in: BIBLIOTHEK FÜR ALLE. Stuttgart, Leipzig: Zeller & Schmidt, 1. Jg. 1909, Bd. III, S. 81–106, Bd. IV, S. 97–112, Bd. V, S. 112–132, mit 2 Illustrationen von Friedrich Gubitz
Zwei Briten werden mit einem besonders konstruierten Luftschiff während des Jungfernfluges ungewollt in das Nordpolargebiet verschlagen.

Hoffmann, Oskar:
König Mammon. Eine moderne Adeptengeschichte, in: WELT UND WISSEN. Berlin: Neuer Allgemeiner Verlag, Bd. 1, o. J. [1912], S. 71–72, 93–96, 117–120, 140–144, mit 3 Illustrationen von N. N.
Diese Erzählung entspricht, stark verkürzt, dem wesentlichen Inhalt des 1907 erschienenen Romans Der Goldtrust.

Hoffmann, Oskar:
Das Rätsel des Lebens. Geschichte eines Grüblers. Leipzig: Verlag von F. E. Bilz, 1911. 135 S.
Die „Geschichte eines Grüblers“ schildert die Gedankengänge, Experimente, Höhen und Tiefen eines Nervenarztes, der sich zum Ziel gesetzt hat, das „Rätsel des Lebens“, in diesem Falle das Rätsel der Entstehung des Lebens, zu ergründen. Hierbei ist er zahlreichen Anfeindungen und Belastungen ausgesetzt, was für ihn nicht ohne negative Folgen bleibt.

Hamilton, Fred W. (Pseudonym, = Oskar Hoffmann):
Ypsilons Gefrorene Elektrizität
. Der Roman einer phantastischen Erfindung.
Berlin: Dr. Potthof  Co., 1911. 113 S.
Ein Privatgelehrter namens Ellbogen (alias Dr. Ypsilon), der im ländlichen Hessen-Nassau ansässig ist, hat sich zum Ziel gesetzt, Elektrizität in gefrorenem Zustand aufzubewahren und so orts- und zeitversetzt nutzbar zu machen. Wie es bei Hoffmanns stets „verhinderten Erfindern“ üblich ist, hat auch Ellbogen mit Vorbehalten seiner Umwelt und vor allem mit „Risiken und Nebenwirkungen“ seiner Methoden zu kämpfen. Interessant ist, dass der Verfasser hier, meines Wissens erstmals, den Begriff der „gefrorenen Blitze“ verwendet hat, einen Begriff, der in den 1940er Jahren für die Kondensstreifen der als „V 2“ bekannt gewordenen von Peenemünde aus über der Ostsee erprobten „A 4“-Raketen verwendet worden ist; die DEFA hat sogar einen 1967 gedrehten Peenemünde-Spielfilm mit diesem Titel versehen.

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Sophus Michaelis
Das Himmelsschiff
Neuausgabe des 1926 erschienenen Romans nach dem dänischen Film Himmelskibet (1918)
Klappenbroschur,193 Seiten, 26 Abbildungen, 2 Anhänge
17,50 € — ISBN 978-3-945807-10-1

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
In der frühen Phase des Stummfilms gehörte Dänemark zu den bedeutendsten Produktionsländern. Dänische Stummfilme mit ihren populären Darstellern fanden weite Verbreitung in Europa und hier ganz besonders in Deutschland. Zu den populären Hauptdarstellern gehörten nicht nur Asta Nielsen und das Schauspielerpaar Carl Schenstrøm und Harald Madsen („Pat und Patachon“), sondern auch Gunnar Tolnæs und Lilly Jacobson (u. a. in Die Lieblingsfrau des Maharadscha, 1917). Während des Ersten Weltkriegs wurden Filme nicht genehmen (z. B. pazifistischen) Inhalts von der deutschen Militärzensur verboten. Hierzu zählte auch der nach dem Roman Die Waffen nieder! von Bertha von Suttner schon 1914 nach dem Drehbuch von Carl Theodor Dreyer (Regie: Holger-Madsen) von Ole Olsen für die
„Nordisk Film“ produzierte dänische „Friedensfilm“ Ned med våbnene (auch Pax aeterna – der ewige Frieden). Erst nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 kam der Film auch in die deutschen Lichtspieltheater.
Während der Stummfilmzeit hatte „Nordisk Film“ zu den weltweit erfolgreichsten Filmproduzenten gehört. Durch die immer größer werdende weltweite Konkurrenz aus Hollywood und durch den aufkommenden Tonfilm begann der Niedergang des Unternehmens. Insbesondere hatte es der dänische Film schwer, sich gegenüber der Ende 1917 gegründeten „Universum Film Aktiengesellschaft“ (UFA) zu behaupten, die nach Kriegsende die deutsche Filmwirtschaft und die Lichtspieltheater zunehmend mit eigenen Produktionen zu beherrschen begann. Gegen Ende der „guten Zeit“ des dänischen Films, im Sommer 1918, produzierte die „Nordisk Film“ unter der Regie von Holger-Madsen nach einem Drehbuch von Sophus Michaelis und Ole Olsen der Science-Fiction-Film Himmelskibet (deutsch: Das Himmelsschiff), der, 11 Jahre vor Thea von Harbous und Fritz Langs Frau im Mond gedreht, als einer der ersten abendfüllenden Spielfilme gilt, die die Raumfahrt zum Thema haben.
Die pazifistische Botschaft des Films Himmelskibet (Dänemark war im Ersten Weltkrieg neutral) verstand sich als utopischer Gegenentwurf zur kriegerischen europäischen Umgebung des kleinen skandinavischen Landes. Die Reise und der Aufenthalt auf dem Mars mit dessen Bevölkerung und Gesellschaftsordnung erinnern an entsprechende Marsromane wie etwa Die Weltensegler und Vom Mars zur Erde von Albert Daiber (1857–1928), Jenseits des Zodiakus von Percy Greg (1836–1889) und Unter Marsmenschen von Oskar Hoffmann (1866–1928). Die schließliche Verbindung zwischen einem Erdenmenschen (Avanti) und einer Marsianerin (Marya) entspricht der Verbindung zwischen Saltner und La in Auf zwei Planeten (1897) von Kurd Laßwitz (1848–1910). Der Film ist 2006 vom Danske Filminstitut umfassend restauriert worden und auch als DVD mit dänischen und englischen Zwischentiteln veröffentlicht worden (vgl. die Standbilder im Anhang 2).
Schon in der Stummfilmzeit war es üblich, ein „Buch zum Film“ parallel oder im Nachhinein zu präsentieren. In diesem Fall war es 1921 der gleichnamige Roman Himmelskibet von Sophus Michaëlis. In der deutschen Übersetzung hieß er Das Himmelsschiff. Der Vergleich des vorliegenden Romans mit der in Anhang 1 enthaltenen Inhaltsbeschreibung des Films macht deutlich, dass die Romanhandlung erheblich von der des Films abweicht: Während der Film eine optimistische Botschaft enthält, gekrönt durch die Verbindung zwischen dem männlichen Protagonisten Avanti mit der Marsianerin Marya, führt der Roman die Figur des italienischen Soldaten Ercole Sabene (deutsch: „Herkules Weiß-es-gut“) ein, der nach einem Gasangriff von der gemischtnationalen Mannschaft des kugelförmigen Raumschiffs „Kosmopolis“ (im Film hieß das einem Luftschiff ähnelnde Gefährt „Excelsior“) gerettet, geheilt und mit zum Mars genommen wird (allein die Schilderung dieser Reise nimmt die Hälfte des Romanumfangs ein), wo er allein eine geheime Expedition unternimmt, deren Ende offen bleibt; schließlich entpuppt sich die gesamte Erzählung als Todestraum Sabenes, der tot in einem Schützengraben des Weltkrieges gefunden wird.
Der weise Marsführer hat im Roman keine Tochter, es kommt zu keiner Verbindung eines Erdenmenschen mit einer Marsfrau. Die
eher bedrückende „Botschaft“ des Romans besteht im Wesentlichen in Überlegungen zu Geburtenkontrolle, Eugenik und Euthanasie, die in den 1920er Jahren nicht nur in Skandinavien und Deutschland verbreitet waren und an entsprechende Gedankengänge in Paolo Mantegazzas (1831–1910) Zukunftsroman Das Jahr 3000 erinnern.
Man merkt dem Roman seine Entstehungszeit kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs an. In allen am Kriege beteiligten Ländern, nicht nur in Deutschland, wirkten seine Begleitumstände wie Tod, Verkrüppelung und Verelendung nach und hinterließen allgemein pessimistische Erwartungen. So kann der „Roman zum Film“ (was er ja nur dem Namen nach ist) in all seiner Düsternis und angesichts der handlungsarmen Erzählweise die Wirkung des Films auch nicht annähernd erreichen. Dennoch soll er gerade deshalb als Zeitdokument wieder erreichbar sein.
     Der Text ist an die seit 1996 geltenden neuen Rechtschreibregeln (Stand 2006) angepasst worden, ansonsten aber unangetastet geblieben; lediglich offensichtliche Schriftsatzfehler und falsche oder unübliche Schreibweisen sind stillschweigend berichtigt worden.

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Sophus Michaelis
Sophus August Berthel Michaëlis (1865–1932) war ein dänischer Dichter deutscher (Vater) und spanischer (Mutter) Abstammung. Die vielfältigen Erfahrungen auf seinen Reisen nach Italien, Griechenland und Ägypten gaben ihm eine solide Basis für seine historischen Romane. Als Dichter, der seine Gefühle in eleganten Versen ausdrücken konnte, war Michaelis einer der beliebtesten Schriftsteller seines Landes. Zusammen mit Ole Olsen (1863–1943), einem dänischen Filmproduzenten, verfasste er das Drehbuch und 1921 allein den Roman Himmelskibet.
     Olsen betrieb seit 1905 ein eigenes Kino in Kopenhagen. Da er nach eigenen Worten gern mehr qualitativ hochwertige Filme zeigen wollte, als damals zur Verfügung standen, entschloss er sich 1906 zur Gründung einer eigenen Produktionsgesellschaft, der „Nordisk Film“.
     Holger Madsen (1878–1943) war ein dänischer Schauspieler, Drehbuchautor und vor allem Filmregisseur für die Filmgesellschaft „Nordisk Film“ insbesondere in der dänischen Stummfilmzeit. Seit 1911 schrieb er seinen Namen mit einem Bindestrich „Holger-Madsen“.



Paul Alfred Müller [Lok Myler / Freder van Holk]
Blaue Kugel
Roman eines phantastischen Abenteuers
2., erweiterte Auflage der Neuausgabe des erstmals 1938 und zuletzt 1954 erschienenen Romans, Paperback, 197 Seiten, 11 Abbildungen, Vorbemerkungen. Die 2. Auflage enthält zusätzlich den in der Erstausgabe 1938 enthaltenen Text aus den Schlusskapiteln (noch ohne Hohlweltbezug).
17,50 €
— ISBN 978-3-940679-91-8

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
Im Jahre 1933 veröffentlichte Paul Alfred Müller im Rahmen seiner erfolgreichen SUN-KOH-Serie als Heft 20 die Folge Die Schleier des Kondors mit den Erlebnissen seiner Helden im Gebiet der südamerikanischen Anden. Sie stoßen auf Hinterlassenschaften Außerirdischer, die vor langer Zeit dort gelebt hatten. Die Titelbilder dieser und auch der 1949 erschienenen Nachkriegsausgabe zeigen die entscheidende Phase, in der die Protagonisten auf einem schmalen Felsband plötzlich mit dem Phänomen der Gravitationsaufhebung konfrontiert werden.
In der 1938 erschienenden Erstausgabe seines Romans Blaue Kugel taucht dieses Szene wieder auf. Hatte der Autor sich in SUN KOH mit dem (späteren) Däniken-Thema noch zurückgehalten, so ließ er seiner Phantasie in diesem Roman eines phantastischen Abenteuers freien Lauf. Das Schlüsselerlebnis seiner Helden besteht in dem Auffinden des kugelförmigen Raumschiffs der Fremden:

Unmittelbar vor den dreien wölbte sich eine mächtige Kugel zur Decke. Sie besaß ungefähr zehn Meter Durchmesser und schimmerte in einem wundersamen Zartblau. Sie lag nicht auf. Zwischen ihr und dem Boden befand sich fast ein Meter Abstand. Aber oben berührte sie den Felsen …
„Was ist das für eine Kugel?“ flüsterte Peter Marhoff.
„Wahrscheinlich der Flugkörper, mit dem jene Menschen auf die Erde gekommen sind.“ (
Lok Myler: Blaue Kugel. Roman eines phantastischen Abenteuers. – Leipzig: A. Bergmann 1938, S. 32f.; vorliegende Neuausgabe [NA] S. 37.)

Dreizehn Jahre später kommt es im utopischen Roman Reich im Mond von Manfred Langrenus (Pseudonym des Professor Dr. Friedrich Hecht, 1903–1980) zu einer vergleichbaren Begegnung:

Dort, unweit vom „Hermann Oberth“, lag doch ein kugelförmiges, glänzendes Gebilde von silberweißer Farbe … Im übrigen schien die geheimnisvolle Kugel größer als der „Linné“ zu sein … Als sie davor standen, sahen sie, daß der untere Teil der Kugel zertrümmert war. Der unbeschädigte Teil zeigte Luken, mit glasähnlicher Substanz bedeckt. Der Durchmesser der Kugel betrug an die vierzig Meter, war also doppelt so groß wie die Länge des „Peer Gynt“. Zweifellos lag hier ein fremdes Flugschiff vor, das verunglückt war. (Manfred Langrenus: Reich im Mond. Utopisch-wissenschaftlicher Roman. – Würzburg/Wien: Zettner, 1958, S. 98f. – Lizenzausgabe der 1951 erschienenen Erstausgabe Leoben: Loewen-Verlag)

Und dreiundzwanzig Jahre nach der Veröffentlichung der Blauen Kugel kommt es noch einmal zu einer Wiederholung dieser Ausgangssituation:

„Sie haben eine Bruchlandung gemacht“, sagte er nach einer Weile. „ Sie haben den halben Kraterwall abrasiert und das mit einer derartigen Wucht, daß man kaum daran denken darf. …“ Auf der glatten Oberfläche des kugelförmigen Riesen war nichts zu bemerken. … Das ganze Schiff stand regungslos vor der durchbrochenen Kraterwand. (K. H. Scheer: Unternehmen Stardust (= Perry Rhodan 1). – München: Moewig, o. J. [1961], S. 36.)

Duplizität der Ereignisse oder bewusste bzw. unbewusste Beeinflussung durch Müllers Roman? Auf jeden Fall lässt sich eine gedankliche Verbindungskette zwischen den Beispielen knüpfen. In den drei Szenarien stoßen die Protagonisten jeweils auf kugelförmige Raumschiffe außerirdischer Intelligenzen. Sie übernehmen deren technisches Wissen und verwenden diesen Vorteil gegenüber der restlichen Menschheit zur Errichtung einer eigenen Machtbasis. Zum Teil erliegen die Helden auch dem Rausch der Macht und schwingen sich zu Diktatoren (in Blaue Kugel und – in der Anfangsphase – bei PERRY RHODAN) auf, errichten einen unabhängigen Staat bzw. eine „Dritte Macht“.
Zusammen mit Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg gehört die Blaue Kugel zu den besten Werken des Autors. Müllers Gabe, technisches Wissen mit einer spannenden Handlung zu verknüpfen, kommt hier am besten zum Tragen.
Auch Erich von Dänikens Gedankengebäude von der Überlegenheit außerirdischer Besucher auf Erden in längst vergangener Zeit ist in der Blauen Kugel bereits angedacht worden. Langrenus verkürzte die Zeitabläufe, indem er die Jahrmillionen dauernde Entwicklung der Atlanter in Form von Filmaufnahmen vor den Augen der Helden innerhalb von Stunden ablaufen ließ. Auch diese Idee präsentierte Müller bereits 1938 in seinem utopischen Roman.
Im Jahre 1938 (und in 2. Aufl. wahrscheinlich 1941 unter dem Verfassernamen „P. A. Müller“ statt wie bisher „Lok Myler“) erschien die Blaue Kugel im Leipziger Bergmann-Verlag, 1951 (mit der Bezeichnung „3. Auflage“) im Münchner Bielmannen-Verlag und 1954 (mit der Bezeichnung „2. Auflage“; als „1. Auflage“ wurde dabei offenbar die Bielmannen-Neuausgabe von 1951 angesehen.) noch einmal im Verlag der Gebrüder Weiß in Berlin. Vergleicht man die drei Entwürfe der Schutzumschläge, so kann man Otto Schmailzls Vision (Bielmannen Verlag) als die idealste Annäherung an Müllers literarisches Vorbild bezeichnen.
Die Ausgabe von 1938 unterscheidet sich von den nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erschienenden Versionen erheblich.
Unerheblich sind dabei die Namensänderungen; ob nun der spätere Diktator Houston Valerian Kent (1938) oder Hannibal Valerian Roxas (1951) heißt, das dürfte kaum eine Rolle spielen: Wahrscheinlich hat Müller in der Figur des Roxas dem argentinischen Professor Paolo Emilio Amico-Roxas, einem Vertreter der Hohlwelt-Theorie und Verfasser des Buches El falso concepto del universo (Rosario/Argentinien: Arpe, 1933) ein literarisches Denkmal gesetzt.
Ausgemerzt hat Müller auch diverse etwas burschikose Dialoge sowie kleinliche Streitereien unter den drei Ingenieuren, wie er sie in der SUN-KOH-Serie zwischen Hal und Nimba und in der JAN-MAYEN-Serie zwischen Barry und Bunny ablaufen ließ.
Komplett neu geschrieben wurde das Kapitel 8, in dem es um den Flug in den Weltraum geht. In der Urversion fliegen die drei Helden um den Mond herum und dann weiter zum Mars, wo sie Flora und Fauna des Planeten bewundern und auch Kontakt zu kleinwüchsigen Marsmenschen aufnehmen. Auf den Seiten dieses Kapitels ging Müller zusätzlich auf Hörbigers Welteistheorie ein, erwähnt die Sintflutsagen und in deren Zusammenhang auch das unvermeidliche Atlantis-Thema.
In der Neuausgabe von 1951 ist dieses Kapitel in Richtung auf die Hohlwelttheorie total umgeschrieben worden. Hier diskutieren die Protagonisten ständig alle Probleme der Theorie, sie landen auf dem Mond (Der Marsabstecher fehlt.), und die Erde steht über ihnen wie ein Himmelsgewölbe. So sehen Sie auch die Erde auf ihrem Flug nicht als Kugel, sondern blicken aus großer Höhe wie in einen Trichter hinein. Dazu kommt noch, dass die fremden Erbauer des kugelförmigen Raumschiffes sich während des Fluges akustisch bemerkbar machen.
Die Blaue Kugel hat, wie oben erläutert, wahrscheinlich inspirierend auf Reich im Mond und PERRY RHODAN gewirkt. Aber auch Müller hat bei sich selbst eine „Anleihe“ genommen: In Kapitel 8 müssen die drei Hauptpersonen des Romans erleben, dass ihre „Blaue Kugel“ nach einer Landung auf einem Flugplatz in Florida Aufsehen erregt und mehrere Interessenten sich bemühen, mit mehr oder weniger legalen Methoden in den Besitz der Kugel zu gelangen. Eine entsprechende Handlung, bezogen auf ein außergewöhnliches Luftschiff, enthielt schon Heft 12 (Dreitausend Stundenkilometer) der Serie JAN MAYEN …
Die vorliegende Neuausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der o. g. 1954 erschienenen Ausgabe des Gebr.-Weiß-Verlags, Berlin, also der letzten zu Lebzeiten des Verfassers erschienenen Ausgabe. Lediglich offensichtliche Drucksatzfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Außerdem wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.
Die Schutzumschlag- und die Einbanddeckel-Zeichnung der Ausgabe von 1954 schuf der Maler Bernhard Wilhelm Borchert (1910–1971).
Man sagt, es sei nichts schneller überholt als ein utopischer Roman von gestern! Nun, wenn auch die Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Mondes und der des Mars inzwischen aufgrund der Landung auf dem Mond sowie der Mars-Sonden enorm gewachsen sind und man heute einiges nicht so mehr schreiben würde, ist dieser frühe Science-Fiction-Roman doch immer noch sehr gut lesbar. Man sollte ihn lediglich aus der Intention der Entstehungszeit beurteilen.

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Paul Alfred Müller
Paul Alfred Müller wurde am 18. Oktober 1901 als Sohn eines Eisenbahn-Angestellten in Halle geboren. Von 1916–1922 besuchte er das Lehrerseminar in Merseburg. In den Jahren 1923/24 arbeitete er als Volksschullehrer und begann dann ein Studium an der Technischen Hochschule in Leipzig, das er mit der Staatsprüfung als Gewerbelehrer abschloss. Von 1927–1930 arbeitete er als Berufsschullehrer und danach als Fachlehrer für Baugewerbe an der Meisterschule des Deutschen Handwerks in Leipzig.
In dieser Zeit startete er auch seine schriftstellerische Laufbahn, zuerst mit kleineren humoristischen Beiträgen für das Neue Verlagshaus für Volksliteratur in Berlin und den Bergmann-Verlag in Leipzig. Ab 1933 schrieb Müller für eben diesen Leipziger Bergmann-Verlag die Serie, die ihn bekannt machen sollte: SUN KOH – Der Erbe von Atlantis. Mitte der 1930er Jahre begann er sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen. Die als Heftromane entstandenen Sun-Koh-Geschichten erschienen nun auch in Buchform, es folgte eine weitere Heftserie um die Titelfigur JAN MAYEN. Daneben veröffentlichte er weitere „Phantastische Romane“ und verdiente so gut, dass er sich ein eigenes Haus leisten konnte.
Im Jahre 1943 wurde er gemustert, aber aufgrund seines Hüftleidens vom Militätdienst freigestellt. In der 1945 entstandenen Sowjetzone fühlte er sich nicht wohl und floh über die Grenze in den Westen. Er ließ sich in Murnau am Staffelsee (Oberbayern) nieder; seine Frau, die er 1934 geheiratet hatte, folgte ihm kurz darauf nach.
In den 1950er Jahren engagierte sich Paul Alfred Müller für die sog. „Hohlwelttheorie“, was sich auch in diversen Romanen niederschlug. Mit dem erfolgreichen Start des ersten künstlichen Erdsatelliten („Sputnik 1“, 1957) nahm sein öffentliches Engagement für diese Theorie, nach der wir nicht auf der Außenseite der Erdkugel, sondern auf der Innenseite einer Hohlkugel leben sollen, zwar ab, aber er hielt weiter an ihr fest.
Müller war in jenen Jahren einer der erfolgreichsten und beliebtesten deutschsprachigen Autoren von Zukunftsromanen. Neben seiner Mitarbeit an diversen utopischen Heftserien (darunter RAH NORTEN, UTOPIA-ZUKUNFTSROMAN, UTOPIA-GROSSBAND und MARK POWERS) verfasste er eine große Anzahl utopisch-phantastischer Bücher. Dabei bediente er sich in den letzten Jahren überwiegend des Pseudonyms „Freder van Holk“, nachdem er seine frühen Heftserien schon als „Lok Myler“ verfasst hatte. 1961 war daran gedacht worden, ihn als Mitarbeiter für die gerade konzipierte PERRY RHODAN-Serie zu gewinnen. Hierzu kam es aber vor allem wegen Müllers Beharren auf der Hohlwelttheorie nicht.
P. A. Müller war ein Schriftsteller im Wortsinn, ein Handwerker, der die Schrift stellte, der von der Arbeit an der Schreibmaschine lebte und leben musste. Er schrieb daher auch, was verlangt wurde, darunter Kriminal-, Abenteuer- oder Liebesromane. In den letzten Lebensjahren arbeitete er hauptsächlich für den Pabel-Verlag und schrieb Kriminalromane für die Serie KOMISSAR X.
Paul Alfred Müller, der schon seit langem an chronischem Asthma gelitten hatte, starb am 1. Januar 1970 im Alter von 68 Jahren an den Folgen einer Grippe-Infektion. Seine Romane sind in den letzten Jahrzehnten zunehmend in Vergessenheit geraten, obwohl viele von ihnen ideenreich und noch immer unterhaltsam zu lesen sind.



Paul Alfred Müller [Freder van Holk]
Die Erde brennt
Neuausgabe des 1951 erschienenen Romans
Paperback, 229 Seiten, 10 Abbildungen, Vorbemerkungen
17,50 € — ISBN 978-3-940679-65-9

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
Nachdem am 6. September 1945 über Hiroshima und drei Tage später über Nagasaki die Atompilze aufgeflammt waren, wurde es der Menschheit nach und nach bewusst, dass man die „Büchse der Pandora“ geöffnet hatte. In den folgenden Jahren begannen Schriftsteller auf dieses Weltuntergangsszenario zu reagieren. In Amerika und England erschienen diverse einschlägige Romane, in Deutschland traten in den Jahren 1948/49 gleich drei Autoren mit derartigen Werken auf den Plan: Helmuth Lange (1903–?) mit Blumen wachsen im Himmel, Hans Wörner (1904–1963; andere Angabe: 1903–1965) mit Wir fanden Menschen und Ernst von Khuon-Wildegg (1915–1997) mit Helium. Besonders Wörners „After Doomsday“-Roman schildert sehr eindringlich die Welt nach einer atomaren Katastrophe. Die betroffene Landschaft ist unbewohnbar geworden, die ausgesandte Expedition sucht dort nach Überresten der untergegangenen Zivilisation.
Müllers letzte Veröffentlichung vor Kriegsende war 1940 der Roman Die Fahne des Bataillons, eine Auftragsarbeit. Im Jahre 1948 siedelte er von der sowjetischen in die amerikanische Besatzungszone nach Murnau (Bayern) über. In dieser achtjährigen Publikationspause hatten sich bei ihm diverse Manuskripte angesammelt. Noch im gleichen Jahr der Übersiedlung reihte er sich mit dem Weltuntergangsroman Vielleicht ist morgen schon der letzte Tag in die Phalanx der Menetekel-Beschwörer ein und schilderte darin eindringlich die möglichen Folgen des Missbrauchs der Atomkraft.
In seinem Roman Helium warnte Ernst von Khuon 1949 vor der Gefahr eines Atombrandes. Um diesen Atombrand zu ersticken, schlug der später durch das Fernsehen populär gewordene Wissenschaftsjournalist von Khuon in seinem Buch den Großeinsatz von Cadmium vor.
Dass auch dem Autor P. A. Müller das Thema einer außer Kontrolle geratenen Kettenreaktion am Herzen lag, zeigt die schon drei Jahre später erfolgte Variante seines Weltuntergangs-Szenarios von 1948, das unter dem Titel Die Erde brennt erschien. Am 22. Januar 1951 hatte er mit dem in Berlin ansässigen Herbig-Verlag einen Vertrag über die Veröffentlichung des entsprechenden Manuskripts im Rahmen der neuen NON-STOP-Reihe abgeschlossen. Es war eine der Zeit entsprechende preiswerte Bücherreihe im Stil der damaligen Taschenbuchserien, die es auch als Leinen-Variante gab. Der Verlag hielt die Rechte an diesem mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren gedruckten utopischen Roman bis 1956, ehe er sie an den Verfasser zurückgab. Erstaunlicherweise erlebte dieses Werk danach keine weitere Auflage, sodass wir mit der hier vorgelegten Neuausgabe eine Lücke schließen. Im Blick auf heutige Befürchtungen gegenüber den inzwischen mindestens acht Atomwaffen-Mächten zuzüglich mehrerer „Schwellenländer“ ist dieser Roman P. A. Müllers aktueller denn je.
Die Handlung des über sechzig Jahre alten Zukunftsromans spiegelt die Frühzeit des spätestens 1948 (Berlin-Blockade) begonnenen „Kalten Krieges“ wider. Müller versteckte die konkurrierenden Machtblöcke unter solch blumigen Nationalitätsbezeichnungen wie Pelargonien, Geranien und Dahlien, die deutlich erkennbar für die USA, Deutschland und die Sowjetunion stehen. Die unverkennbaren Sowjet-Kommunisten werden hier übrigens als „Kanzlisten“, Dahlien als „Kanzlei-Union“ bezeichnet. Die Arbeit geranischer (d. h. deutscher) Wissenschaftler für West bzw. Ost spaltet hier eine Familie: Der junge Protagonist, der Atomwissenschaftler Karl Davertshoven, arbeitet für die Pelargonier, sein Vater Rudolf Davertshoven, bei dem sich auch dessen Enkelin Elka, also Karls Tochter, aufhält, für die Dahlier.
Als Ergebnis einer eher persönlichen Auseinandersetzung zwischen einem dahlischen Geheimdienstoffizier und Rudolf Davertshoven im Versuchslabor Mesonsk am Barkalsee aktiviert letzterer die von ihm entwickelte Anlage. Der dadurch entstandene Atombrand weitet sich aus und droht die Erde zu vernichten. Paul Alfred Müller alias Freder van Holk findet aber eine verblüffende Lösung zur Rettung des blauen Planeten – aber das lesen Sie bitte selbst!
Vier Jahre später nahm der Autor das Thema der unerwarteten Folgen derartiger atomarer Spaltungsversuche in seinem Roman Kosmotron 8 noch einmal auf. Dies zeigt, dass er in Bezug auf die Anti-Atombewegung seiner Zeit weit voraus war.
P. A. Müller starb 1970. Er hat es nicht mehr erlebt, dass seine düsteren Gedankenspiele Realität annahmen. Man denke an die Kernschmelze in Three Mile Island (USA) am 28. März 1979, an die Explosion des Reaktors von Tschernobyl (Ukraine) am 26. April 1986 oder ganz aktuell an die Kernschmelze im Reaktorbereich von Fukushima (Japan) am 11. März 2011.
Nach Fukushima sollte es nun auch wirklich keine weitere Verharmlosung der Atomreaktoren mehr geben. Bei fast 150 Atomreaktoren, die in Europa stehen, fragt es sich wohl weniger, ob es wieder passieren kann, sondern eher wann und wo es passieren wird …

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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]
Die Unsterblichen
Neuausgabe des 1952 erschienenen Romans.
Paperback, 167 S., 6 Abb., Vorbemerkungen.
15,00 € — ISBN 978-3-940679-64-2

Ausverkauf, keine Nachauflage

Über das Buch
Am 15. Oktober 1952 schloss Paul Alfred Müller mit dem Münchner Bielmannen-Verlag, seinem damaligen „Hausverlag“, einen Vertrag über die Herausgabe des Romans Die Unsterblichen unter der Verfasserangabe „Freder van Holk“ ab. Noch im gleichen Jahr erschien das Buch in München. Am 1. August 1953 kam es zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Bielmannen-Verlag in München, und dem Gebrüder-Weiß-Verlag in Berlin. Das Berliner Unternehmen, das u. a. schon die überarbeiteten Romane von Hans Dominik im Programm hatte und zum neuen „Hausverlag“ Müllers wurde, übernahm zwölf Titel des Bielmannen-Verlages. Dieser hatte sich darin u. a. dazu verpflichtet, alle Bücher mit Schutzumschlag nach Berlin abzuliefern. So erschienen schließlich diese Müller-Titel noch längere Zeit in Berlin im Gewand des Münchner Bielmannen-Verlages, ohne dass in der Verlagswerbung darauf hingewiesen wurde.
In diesem Roman schlug Freder van Holk ein „klassisches“ Thema an, nämlich das Problem der Verlängerung des menschlichen Lebens, das seit Jahrzehnten oder länger von der Wissenschaft zu lösen versucht wird. Dass aber das Gelingen eines solchen Experimentes zu unvorstellbaren Komplikationen führen kann, wird uns hier eindringlich vor Augen geführt.
Als Freder van Holk gestaltete Müller hier nicht nur ein menschliches Drama, sondern er zeigte auch ernste soziale Probleme auf, die sich aus den Bemühungen um künstliche Verjüngung und Lebensverlängerung ergeben. Als Folge der Überalterung wird nämlich die junge Generation völlig zurückgedrängt und findet bis ins reife Mannesalter hinein keine Lebensbasis.
Das Thema „Alterspyramide“ war in den frühen 1950er Jahren, also kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, noch nicht „in“. Das könnte ein Grund dafür sein, warum dieser Roman nur 1952 erschienen und seitdem weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Heute ist dieses Problem so akut wie nie und die auf die Spitze gestellte Alterspyramide zu einem drohenden Menetekel geworden.
Regina Ziegler produzierte z. B. 2007 für das ZDF ein Doku-Drama mit dem Titel 2030 – Aufstand der Alten. Ebenfalls im ZDF lief im April 2012 ihr Sterbehilfe-Doku-Drama Komm, schöner Tod. Es spielt in einer nicht zu fernen Zukunft in einem Deutschland, in dem die Straßen der großen Städte mit demenzkranken Alten bevölkert sind. Die Polizei sammelt die Umherirrenden ein und transportiert sie in Altenverwahranstalten.
Man ersieht daraus, dass das Thema immer wird präsenter wird; so wurde in Jugendorganisationen einiger Parteien auch schon laut über Leistungskürzungen gegenüber den immer älter, aber auch hilfebedürftiger und vor allem ärmer werdenden sog. „Senioren“ nachgedacht.
Müller beschrieb schon 1952 in Die Unsterblichen, wie dank des medizinischen Fortschritts im fiktiven Jahre 2024 Menschen so alt werden können wie sie möchten, was zur Folge hat, dass der Anteil der älteren Menschen gegenüber den jüngeren Jahrgängen überproportional anwächst. Fußend darauf entwickelt sich der Widerstand der Jugend, dessen Kämpfer gegen die Ungleichheit der herrschenden Generationenverhältnisse auch vor Anschlägen auf die Produzenten des Verjüngungsmittel „Vitin“ nicht zurückschrecken. Diese Vision mag 1952, als Familien in der Regel noch mehrere Kinder hatten und die Rentner deutlich früher starben als heute, „utopisch“ angemutet haben; heute erscheinen uns solche Aussichten als durchaus realistisch. Daher haben wir uns entschlossen, diesen zu Unrecht fast vergessenen Roman P. A. Müllers heutigen Lesern wieder zugänglich zu machen.
Noch zu Lebzeiten Müllers erschienen übrigens in Deutschland zwei weitere Romane, in denen sich die Autoren mit dem Thema der immer älter werdenden Menschen befassten. Der 1925 geborene britische SF-Schriftsteller Brian W. Aldiss veröffentlichte 1964 den Roman Greybeard (DA: Aufstand der Alten. München: Heyne, 1967). Hier geht es allerdings mehr um das Überleben alter Menschen, die auf einer Erde dahinvegetieren, deren Zivilisation zusammengebrochen ist, nachdem keine Kinder mehr geboren werden; die Menschheit ist steril geworden. Alle handelnden Personen sind im hohen Alter, ihre Reaktionen auf das herannahende Ende der Menschheit sind durchaus nachzuvollziehen. Und obwohl die Handlung des Romans glaubwürdig und realistisch ist, die Figuren liebevoll präsentiert werden, blieb in den 1960er Jahren auch dieser Roman sowohl in Großbritannien als auch bei uns relativ unbeachtet.
Fast zeitgleich schrieb der Amerikaner Harry Harrison, der wie Aldiss ebenfalls 1925 das Licht der Welt erblickte, ebenfalls einen SF-Roman zum Thema der Übervölkerung. Er erschien 1966 unter dem Titel Make Room! Make Room! (DA: New York 1999. München, Heyne, 1969). Im Gegensatz zu Aldiss’ Werk erreichte dieser Roman, auch durch die spätere Verfilmung, eine enorme Popularität; Es geht darin um die Übervölkerung der Erde und die damit verbundene Nahrungsmittelknappheit. Die Lösung dieses Problem schockte die Leser und Zuschauer. Der Regisseur Richard Fleischer verfilmte diesen Roman 1973 unter dem Titel Soylent Green (Deutscher Titel … Jahr 2022 … die überleben wollen …) mit Charlton Heston in der Hauptrolle. Mit den Mitteln des Films konnten die schockierenden Auswirkungen der Überbevölkerung noch drastischer dargestellt werden. Und das Thema „Sterben in Würde“ wurde hier in einer denkwürdigen Szene mit Edgar R. Robinson in Szene gesetzt. Es war übrigens seine letzte Filmrolle – er starb kurz nach Beendigung der Dreharbeiten am 26. Januar 1973 in Hollywood …
Der Roman Die Unsterblichen schließt mit folgender Aussage: „ … daß sich bei zunehmendem Alter eine gewisse Weisheit nicht ganz vermeiden läßt. Und wer möchte der Menschheit eine gewisse Weisheit vorenthalten?“ Leider lässt sich aber auch Altersstarrsinn nicht ganz vermeiden, sodass die Rechnung bestenfalls neutral aufgehen dürfte …
Die vorliegende Neuausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der 1952 erschienenen einzigen Ausgabe des Bielmannen-Verlags, München. Lediglich offensichtliche Drucksatzfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Außerdem wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.

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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]
Kosmotron
Roman aus der Welt von morgen. Neuausgabe des 1955 erschienenen Romans.
Paperback, 185 S., 8 Abb., Vorbemerkungen.
17,50 € — ISBN 978-3-940679-52-9

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
Die 1950er Jahre kann man auch als das „Goldene Atomzeitalter“ bezeichnen. Die Euphorie war groß: Man dachte an atomar angetriebene Eisbrecher, Lokomotiven, die in naher Zukunft mit atomarem Brennstoff angetrieben werden, höhere Agrarerträge durch radioaktive Bestrahlung des Getreides usw. usw. Auch die Energieversorgung schien gewährleistet, Kohle damit überflüssig geworden – Atomreaktoren würden an ihre Stelle treten.
Und das taten Sie dann auch.
Der erste „Warnschuss“ traf im März 1979 Harrisburg in Pennsylvania (USA), als es dort zu einem relativ schweren Reaktorunfall kam (Three Mile Island).
Am 26. April 1986 folgte das Unglück von Tschernobyl (Ukraine). Hier trat der sogenannte „Super-GAU“, der „größte anzunehmende Unfall“, auf. Durch überhitzte Brennstäbe kam es zu einer Kernschmelze mit nachfolgender Explosion des Reaktorgebäudes, 25 000 Quadratkilometer wurden kontaminiert, ein radioaktiver Niederschlag überzog danach Europa.
Im März 2011 folgte die nächste Katastrophe: In Japan (Fukushima) kam es aufgrund eines Erdbebens zum Ausfall der Kühlung in einer Kette von Reaktoren und damit erneut zur Kernschmelze und radioaktiver Verseuchung der Umwelt, deren Folgen heute noch gar nicht abzusehen sind.
Vor einer derartigen Kernschmelze mit all ihren Folgen hatten verschiedene Schriftsteller bereits lange vorher gewarnt:
Erstaunlicherweise war schon 1927 bei Friedrich Wilhelm Grunow in Leipzig ein Werk erschienen, dessen Titel sich auf das betreffende Thema bezog: Atomfeuer. Der Roman eines Weltunterganges, verfasst von Lovis Stevenhagen. Er beschrieb darin, wie fanatische Wissenschaftler im Amerika des 23. Jahrhunderts „mit dem Feuer spielen“, eine künstliche Sonne aufflammen lassen und eine atomare Kettenreaktion auslösen, die schließlich die Erde in Stücke reißt.
Nun, so radikal waren seine Epigonen nicht: Der amerikanische Science-Fiction-Autor Lester del Rey (1915–1993) veröffentlichte 1942 im US-SF-Magazin ASTOUNDING seine Novelle Nerves. Hier geht es allerdings nur um einen Störfall in einem amerikanischen Atomkraftwerk, aber es war immerhin einer der ersten Hinweise auf die Berechtigung der warnenden Hinweise. Lester del Rey präsentierte sich in diesem Werk als Prophet kommender atomarer Katastrophen. Die zum Roman erweiterte Schilderung eines atomaren Störfalls, die 1956 bei Balantines, New York, erschienen war, erlebte schon 1957 im Pabel-Verlag, Rastatt, als UTOPIA-GROSSBAND Nr. 59 unter dem Titel Atomalarm eine erste (wenn auch vom Übersetzer Walter Ernsting bearbeitete) deutsche Ausgabe; eine als „deutsche Erstveröffentlichung“ bezeichnete (von Harro Christensen neu übersetzte und wohl ungekürzte) Neuausgabe erschien 1981 aus aktuellem Anlass.
Lester del Rey hatte schon 1942 vor den verheerenden Folgen einer atomaren Katastrophe gewarnt. Der britische Autor Edwin Charles Tubb (1920-2010) veröffentlichte 12 Jahre danach sein Menetekel unter dem Titel World at Bay (London: Hamilton, Panther Books, 1954). Er schildert darin, wie in Schottland ein Atomreaktor außer Kontrolle gerät und der entstandene Krater sich immer weiter auszudehnen beginnt. Unter dem Titel Krater der Hölle erschien der Roman 1956 als UTOPIA-GROSSBAND im Pabel-Verlag, Rastatt.
Im Jahre 1948 brachte der Wuppertaler Verlag „Die Lampions“ unter der Verfasserangabe „Lok Myler“ P. A. Müllers Abenteuerroman Die Diamantenklippe heraus. Im gleichen Verlag und im gleichen Jahr erschien dort Die entfesselten Atome. Ein phantastischer Roman eines Viktor Efer. Hier gerät ein Atommeiler außer Kontrolle, der atomare Zerfall beginnt, man versucht den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben und wirft Atombomben auf das Gebiet um den Meiler. Ob Müller dieses Buch kannte, konnte nicht ermittelt werden, aber drei Jahre später lieferte er seinen Beitrag zum Thema der atomaren Katastrophe. Das Buch erschien im Berliner Herbig-Verlag und trug den Titel Die Erde brennt. Im Vertrag vom 22. Januar 1951 wurde ihm für das 1.–10. Tausend ein Honorar von 10 % gezahlt. Erstaunlicherweise hielt der Verlag die Rechte für dieses Werk bis zum 10. Januar 1956. Müllers Roman ist äußerst dramatisch und wie immer bei ihm glaubhaft und stimmig. Er weicht allerdings vor einer Radikallösung aus und lässt den Protonenzerfall, nach dem Anwachsen des Kraters auf einen Durchmesser von gut tausend Kilometer, aufgrund Sauerstoffmangels zum Stehen kommen; über dem Krater hatte sich eine Glocke aus Stickstoff gebildet.
Am 31. Mai 1955 schloss Müller mit dem Gebrüder-Weiß-Verlag in Berlin einen Vertrag über die Herausgabe seines utopischen Romans Kosmotron ab. Dieses Werk gilt heute als einer seiner gelungensten Zukunftsromane. Er siedelt darin eine Atomspaltungsanlage in Oberbayern an. Auch hier treten schon „Wutbürger“ auf, ein fanatischer Gegner des Projektes, der „Herold“ (der übrigens auch so heißt) stellt sich an die Spitze der Demonstranten und schreckt auch nicht vor Sabotageaktionen zurück.
Der Roman mit seinem (hier nicht verratenen) dramatischen Höhepunkt ist ambitioniert geschrieben und als leichte Kost nicht geeignet. Müller hatte sich wirklich in das Thema vertieft und die äußeren und inneren Konflikte der in einer kammerspielartigen, räumlich beschränkten Umgebung agierenden Personen überzeugend beschrieben. Dabei hat er die einzelnen Charaktere nicht, wie oft üblich, holzschnittartig, sondern sehr differenziert herausgearbeitet und ihre Standorte im Beziehungsgeflecht des Kosmotron-Personals glaubhaft ausgeleuchtet.
Gelegentlich liest man in Verbindung mit derartigen Werken den Vorwurf, es sei überflüssigerweise auch eine Liebesgeschichte eingeflochten worden, was auch im vorliegenden Roman der Fall ist. Nun – Verlage sind Unternehmen, die nach finanziellen Gesichtspunkten geführt werden, sie wollen und müssen Bücher verkaufen. Hohe Absatzzahlen erreicht man eher mit belletristischen Werken, seltener mit rein wissenschaftlichen Büchern.
Die vorliegende Neuausgabe entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text der 1955 erschienenen einzigen Ausgabe des Gebr.-Weiß-Verlags, Berlin. Lediglich offensichtliche Drucksatzfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Außerdem wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.
Die Schutzumschlag- und die Einbanddeckel-Zeichnung schuf der Maler Bernhard Wilhelm Borchert (1910–1971).

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Paul Alfred Müller [Werner Keyen]
Sprung über die Zeit
Neuausgabe des 1959 erschienenen Romans
Paperback, 158 Seiten, 12 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
15,00 € — ISBN 978-3-940679-68-0

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Das Keyen-Quartett (Auszug)
Science Fiction, speziell die sogenannte Space Opera, sei nicht sein Lieblingsthema – so hat es Paul Alfred Müller alias Freder van Holk, etwas verklausuliert, 1955 in einem Beitrag für die Hauszeitschrift des Berliner Gebrüder-Weiß-Verlages verkündet:

Freder van Holk sieht den utopischen Roman nicht als Ausdruck einer enthemmten Phantasie, die das Unmögliche darstellt, sondern beschränkt sich bewußt auf Probleme, deren wissenschaftliche und technische Lösung in absehbarer Zukunft als möglich erscheint. „Ich lege Wert darauf, daß der wissenschaftliche oder technischer Kern jeder Arbeit dem neuesten Stand der Forschung entspricht“, sagt er.

Als er später von diesem Ideal abwich, zeigte es sich, dass er besser bei diesem löblichen Vorsatz geblieben wäre: Wilde Spekulationen im Weltall – das lag ihm nicht. Wenn er dennoch versuchte, sich auf diesem Sektor mit amerikanischen Vorbildern zu messen, erlitt er Schiffbruch. Seine Art, die „amerikanische“ Science Fiction zu parodieren, gelang nur unzureichend und kam bei den Lesern nicht gut an:

Aufgrund der weitgehend fehlenden Seriencharakteristik fällt es schwer, allgemeines zu den MARK POWERS-Heften zu sagen. Gemeinsam ist den Heften jedoch, daß in thematischer Hinsicht ausschließlich auf die Klischees der Trivial-SF zurückgegriffen wurde. […] Diese Themen wurden fast ausnahmslos auf eine unbeholfene Weise behandelt, selbst in Anbetracht der besonderen Maßstäbe deutscher Heft-SF. Gelegentlich ist die Darstellung jedoch von einer derartig bezwingenden Naivität und Schwülstigkeit, daß man stellenweise geneigt ist zu glauben, die Autoren wollten die SF parodieren.

Im Gegensatz zu den satirischen „Fehlschüssen“ auf dem Gebiet der Science Fiction bewegte sich Müller auf dem Sektor der humoristischen Erzählliteratur, z. B. in seinen Romanen Gesellschaftsreise – alles inbegriffen, Sommerseide, Die Liebeskarosse und Der Querkopf jedoch durchaus elegant; diese Werke sind auch heute noch gut lesbar.
Während Müller gegen Ende der 1950er Jahre seine SUN-KOH-Serie für den Hermann-Borgsmüller-Verlag aufbereitete, lieferte er diesem (seinem neuen Hausverlag) zwischen Mai 1958 und August 1960 auch noch die Manuskripte für die serienunabhängigen Romane Jenseits vom Licht, Menschen im Mond, Sprung über die Zeit und Die Minusmaterie. Sie erschienen hier alle unter seinem neuen Pseudonym „Werner Keyen“.

Sprung über die Zeit
Ebenfalls 1959 veröffentlichte der Borgsmüller-Verlag den Roman Sprung über die Zeit. Im Untertitel wird er als „Zukunfts-Roman“ bezeichnet. Liest man die Inhaltsangabe, dann stellt man fest, dass Müller hier sogar noch den berüchtigten „Doc“ Smith (Edward Elmer Smith, 1890–1965) mit seiner 1960/61 auch in deutscher Ausgabe erschienenen „Lensmen“-Saga in den Schatten stellt:

Der große Sammy überspringt Jahrtausende und findet, daß man Menschen mit Atombomben glücklich machen [!] kann.

Ob dies ein Grund war, warum gerade dieser Roman keine Auferstehung im Genre des Heftromans erlebte, konnte nicht ermittelt werden. Müller unterzeichnete den Vertrag mit Borgsmüller am 28. April 1959; es ist daher anzunehmen, dass sein Werk im zweiten, spätestens im dritten Quartal 1959 auf dem Markt erschien. Auch hier lag die Auflage bei 2000 Exemplaren.
Die Honorarhöhe hatte sich mit ebenfalls 800,00 DM nicht verändert. Etwas fällt allerdings an dieser Buchausgabe sofort auf: Gegenüber der Umschlaggestaltung der beiden ersten Bände war die zeichnerische Interpretation des Themas eleganter, ansprechender; verantwortlich dafür war Johannes Herbert (Johnny) Bruck.

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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]:
Die tödlichen Träume
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1961 erschienenen Romans
Paperback, 161 Seiten, 17 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
15,00 € — ISBN 978-3-945807-00-2

Ausverkauf, keine Nachauflage

Über das Buch
Viele Utopien des 18. und 19. Jahrhunderts wurden vom jeweiligen Erzähler mit der Pointe beendet: „Es war alles nur ein Traum …“
Dass man Träume künstlich erzeugen, dass man Träume manipulieren kann, dass man das Phantasie-Erlebnis des Traumes auf technischem Wege erzeugen kann – all dies war in jener Zeit unvorstellbar. Der Naturwissenschaftler Manfred Baron von Ardenne (1907–1997), den man aufgrund seiner etwa 600 Erfindungen durchaus als „deutschen Edison“ bezeichnen kann, entdeckte bei seinen Forschungen auf dem Gebiet der Elektronenphysik, dass menschliche Körper bei jeder Muskelbewegung elektrische Felder in den Raum ausstrahlen. Damit wurde der Mensch quasi als eine Art Strahlenquelle ausgewiesen.
Die Schriftsteller des utopisch-phantastischen Genres nahmen diese Erkenntnis dankbar auf und begannen diese Entdeckung für ihre Zwecke auszubeuten. In der Belletristik erschienen nun vermehrt Novellen und Romane, in denen auf technischer Basis künstliche Träume erzeugt wurden.
In Paul Alfred Müllers Sun-Koh-Serie taucht die Möglichkeit der technischen Manipulation des menschlichen Gehirns in mehreren Erzählungen auf: Im 1934 veröffentlichen Heft 36 (Die künstliche Seele) soll der Schurke Juan García durch die naive Gedankenwelt eines Herrn Trouthan geläutert werden. Der einfältige Trouthan ist mit einem Metallnetz auf dem Kopf versehen worden, seine Gedanken werden auf diesem Wege direkt zum Nachbarn übertragen. Ein Jahr später baute Müller alias „Lok Myler“ diese Idee mit einem Drahtnetz als Sender der Gehirnwellen erneut in die Sun-Koh-Ausgabe 80 (Die mechanische Hypnose) ein. Er sprach hier bereits die gefährliche Möglichkeit einer Massenbeeinflussung menschlicher Gehirne an. Und schließlich nahm er im Sun-Koh-Heft 113 (Der Gefühlssender) das Thema noch einmal auf. Hier ist es bereits ein Sender, mit dessen Hilfe die Menschen emotional beeinflusst werden können. Aus dieser Handlung entstand später der Roman Ferngelenkte Seelen.
Möglicherweise ließ sich Müller bei diesen Varianten von seinem erfolgreichen Schriftsteller-Kollegen Hans Dominik (1872–1945), dem Doyen der deutschen Zukunftsroman-Autoren, anregen? Von ihm erschien 1933 im Scherl-Verlag, Berlin, der Roman Der Befehl aus dem Dunkel. Als Vorabdruck war das Werk, wie fast immer bei Dominiks Romanen, in der Scherl-Zeitschrift Die Woche von Februar bis Mai 1933 (Hefte 7–18) veröffentlicht worden. Hier ließ der Verfasser wieder einmal die „Gelbe Gefahr“ am Horizont erscheinen: Die Asiaten werden den Deutschen gefährlich, die Feinde aus dem Fernen Osten sind im Besitz alter tibetanischer Geheimnisse, „die Gedanken auf dem Winde senden können“; ein Teufelswerk, das dem Bund zwischen Japan und China dient und dazu führt, dass die territorialen Besitztümer „der weißen Rasse“ an die neuen Machthaber fallen.
So weit ließ es Müller nicht kommen, aber die Idee der Beeinflussung menschlicher Gehirne durch die Technik des zwanzigsten Jahrhunderts faszinierte ihn schon, er ging immer wieder darauf ein.
Bereits in der auf Sun Koh folgenden Serie Jan Mayen des gleichen Leipziger Verlages beschäftigte er sich abermals mit der künstlichen Traumerzeugung. Als Heft 20 kam im Jahre 1936 Der Traumhut heraus. In dieser Geschichte lernt der Held den Erfinder Professor Spörli kennen, der einen „Traumulus“ erfunden hat und ihn mit den Worten „Mein Apparat liefert sorgfältig ausgearbeitete Träume in höchster Vollendung“ bewirbt. Dieser Traumspender besteht aus einem Hut, der mit Kabeln und kleinen Apparaten ausgestattet ist. Der eigentliche Traum ist auf einer Art Magnetband fixiert und rollt, scheinbar Stunden, Tage oder noch länger dauernd, in wenigen Minuten im Gehirn des Trägers ab.
Ein weiterer Ideengeber könnte auch die Erzählung „Die Traumsendegesellschaft“ von Leo am Bruhl gewesen sein, die 1931 (also zwei Jahre vor Beginn der Sun-Koh-Serie) in der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens erschienen war, einer seit 1876 im Stuttgarter Union-Verlag bestehenden Familienzeitschrift in Buchform. Der Erzähler in dieser Geschichte bekommt in Südamerika Kontakt zu einem Unternehmen, das behauptet, Träume auf Katalogbasis liefern zu können. Die Gesellschaft kann Träume aller Art bereitstellen; es gibt Träume nach Wahl, Träume nach Sonderwünschen, auch Fernübertragungen sind möglich. Der erste Traum kostet nur 10 Pesos. Der Kunde wird vorab untersucht, ihm wird Blut abgenommen, damit man die für ihn geeignete Telepathiewelle findet, daraufhin kann der jeweilige Traum übertragen werden. Als der Erzähler sich eine noch nicht existierende Wunschfamilie im fernen Deutschland erträumen möchte, muss er ein Foto übergeben, damit der Sendebeamte sich eine Vorstellung von den zukünftigen Kindern des Auftraggebers machen kann,
Tatsächlich sieht sich der Erzähler dann im Traum in einem Garten sitzen, umgeben von Ehefrau und Kindern. Zum Schluss verwandeln sich allerdings die Kinder in Äpfel an einem Baum. Zur Erklärung teilt ihm die Traumsendegesellschaft mit, dass das Ende des Traumes sich stets selbstständig mache und dass dieses Ende nicht beeinflusst werden könne.
Unbestritten aber gehen viele Handlungsteile in Müllers Romanheftserien Sun Koh und Jan Mayen und letztlich auch in Die tödlichen Träume auf noch weiter zurückliegende Texte deutscher Autoren zurück. So entdeckte und nutzte Müller unter Verwendung seines bürgerlichen Namens und der Pseudonyme Lok Myler und Freder van Holk ausgiebig Robert Krafts (1869–1916) Kolportageroman Atalanta, die Geheimnisse des Sklavensees als nahezu unerschöpflichen Ideenbrunnen. Der „Traumator“ in Die tödlichen Träume geht zurück auf den „Traumhut“ und die „Traumapotheke“ (so auch der Titel eines in die Handlung eingebetteten Manuskriptauszugs) in den Lieferungen 38 und 39 des umfangreichen Romans.
Und beide Autoren haben sich vielleicht auch von ihrem Landsmann Kurd Laßwitz (1848–1910) inspirieren lassen, der schon 1886 über einen „Traumfabrikanten“ berichtete und noch früher, 1877, eine „Gehirnorgel“ vorgestellt hatte.
In Müllers Hausverlag der Vorkriegszeit, dem A.-Bergmann-Verlag in Leipzig, kam 1939 mit Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg ein ungewöhnliches Buch aus der Feder des Sun-Koh-Autors heraus, denn dieses Werk bestand aus vier durch eine Rahmenhandlung verbundene Novellen: „Das eisige Feuer“, „Die wachsende Sonne“, „Der sterbende Stahl“ und „Die gestohlene Schwerkraft“. In Verbindung mit dem vorliegenden Roman Die tödlichen Träume ist besonders die Novelle „Die wachsende Sonne“ (diese Erzählung baute Müller 1950 als Freder van Holk zu einer gleichnamigen aber umfangreicheren Novelle aus) von Interesse. Hierin ging der Autor erneut auf das Thema der künstlichen Traumerzeugung ein, wobei die inhaltliche Nähe zur Erzählung „Die Traumsendegesellschaft“ von Leo am Bruhl besonders auffällig ist:

… „Ein Traum dauert Sekunden, im höchsten Falle wenige Minuten. In dieser Zeit können Sie Jahrzehnte durchleben. Die Gedanken laufen mit der Geschwindigkeit des elektrischen Stroms ab, sobald sie nicht durch die hemmende Siebsperre des Bewußtseins hindurch müssen.“ …
     „Gewiß. Das Prinzip dieses Traumators ist recht einfach. Im Innern befindet sich ein Band, das sehr viel dehnbarer als Gummi ist. Dieses Band wurde im gedehnten Zustand mit den Impulsen des Traums versehen wie etwa ein Filmband mit Lichtbildern. Das Band läuft nun im ungedehnten Zustand ab und bringt die zahllosen Traumimpulse, die eine bestimmte Reaktion auszulösen haben, in dichtester Folge. Die hohe Empfindlichkeit unseres Unbewußten und die Geschwindigkeit der Ganglinienarbeit führt zu einer rückläufigen Dehnung, so daß der Träumende nichts mehr von der Überbeschleunigung bemerkt, sondern im geordneten Zeitmaß erlebt.“ …

     In den Jahren 1960 und 1961 veröffentlichte Müller im Borgsmüller-Verlag, Münster, als Freder van Holk vier Abenteuerromane, die als Steve-Corell-Reihe präsentiert wurden: Abgrund der Versuchung (1960), Die Geier (1961), Der Haijäger (1961), und Die tödlichen Träume (1961). Außerdem erschien mit Die schwarzen Geister (1962) ein weiterer Steve-Corell-Text, allerdings unter der Verfasserangabe „Rolf Hermes“)
1961 erschien der Roman Die tödlichen Träume mit einem Abenteuer um die Helden Steve Corell und seinen Begleiter Wilson Wobbler, genannt „Wobb“. Der Autor hatte dafür als Basis die Jan-Mayen-Erzählung Der Traumhut (Heft 20) benutzt. Sogar die Figur des Erfinders, Professor Spörli, übernahm er in seine Romanfassung.
Der Verlag sprach im sog. „Waschzettel“ (siehe den Text auf der Einbandrückseite der vorliegenden Neuausgabe) von der „gefährlichste[n] Erfindung aller Zeiten, tödlicher selbst als Kernbomben, weil sie Gehirn, Geist und Seele des Menschen vernichtet, …“
Und dies ist nicht zu hoch gegriffen, denn die Träume sind doch immer noch die einzigen Paradiese, aus denen wir nicht vertreiben werden möchten!

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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]:
Der Krieg, den keiner wollte
Neuausgabe des erstmals und nur einmal 1961/62 erschienenen Romans
Paperback, 185 Seiten, 12 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
17,50 € — ISBN 978-3-940679-99-4

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
Die 1950er Jahre waren, vor allem auf dem Sektor der gebundenen Bücher, die fruchtbarsten im Schaffen des Paul Alfred Müller alias Freder van Holk, der Ausstoß seiner Manuskripte in jener Zeit war enorm.
Dies waren auch die Jahre, in denen die Gefahr eines Atomkrieges zwischen den beiden Großmächten USA und Sowjetunion und ihren jeweiligen Einflussgebieten in beängstigender Weise immer wahrscheinlicher wurde. Im Mai 1955 wurde der Warschauer Pakt gegründet, im gleichen Monat trat die Bundesrepublik Deutschland der schon 1949 gegründeten NATO bei. Die UdSSR zündete im November 1955 die erste transportable Wasserstoffbombe; im Februar 1956 begannen beide deutsche Staaten (jedenfalls offiziell; „Vorarbeiten“ hatte es schon seit Jahren gegeben) mit der Aufstellung eigener Armeen.
Die Bevölkerung wurde in jenen Jahren von offiziellen Stellen mit Postwurfsendungen auf einen möglichen Atomkrieg vorbereitet. Das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz in Bad Godesberg gab im Auftrag des Bundes-Innenministeriums Informationsblätter heraus, die Titel wie Schutz gegen radioaktive Niederschläge in Haus und Betrieb oder Jeder hat eine Chance hatten und – neben reichlichem Spott – eher zur Verunsicherung als zur Beruhigung beitrugen. In letzterer Broschüre gab es sogar Hinweise, wie man seinen Keller zum Atombunker ausbauen konnte.
Der seit 1949 herrschende und bis 1990/91 andauernde „Kalte Krieg“ zwischen den Machtblöcken war in den Medien stets präsent, drückte auf die Stimmung. Diese Atmosphäre der Angst schlug sich auch in Müllers Romanen nieder. Der Ausbau der Atomkraft rief weitere Zukunftsängste in der Bevölkerung hervor. Ein geplanter und intensiv bekämpfter Bau einer Atomspaltungsanlage in unmittelbarer Nähe des Wohnortes Müllers fand seinen Niederschlag in dem 1955 von ihm veröffentlichten Roman Kosmotron.
Ende der 1950er Jahre fasste der Autor die latent vorhandenen Befürchtungen der Bevölkerung vor einem Atomkrieg in einem Manuskript mit dem Arbeitstitel „Die Verworfenen“ zusammen. Für das 273 Seiten umfassende Typoskript benutzte Müller diesmal das Pseudonym „Paul Murnau“ (nach seinem Wohnort Murnau am Staffelsee).
Der Autor geht in diesem Menetekel rigoros vor, lässt Europa durch die Großmächte mittels Atombomben in Schutt und Asche legen, die gleiche Katastrophe für Russland und Amerika kann nur in letzter Minute abgewehrt werden. Die eigentliche Handlung jedoch spielt sich in einem Atombunker ab, in dem am Schluss von den Schutzsuchenden nur ein Paar übrig bleibt. Ein Liebespaar als Happy End ist Müllers Zugeständnis an die Wünsche der Leser. Alle im Bunker handelnden Personen legen nach und nach ihre Schwächen offen und streifen die vermeintlich schützende Hülle der Kultur und Zivilisation ab, d. h. sie reißen sich diese Maske gegenseitig vom Gesicht. Diese beklemmende kammerspielartige Atmosphäre erinnert teilweise an Jean-Paul Sartres 1944 uraufgeführtes Stück Geschlossene Gesellschaft (Huis clos), das in dem Aufschrei gipfelt: „Die Hölle, das sind die anderen!“ („L’Enfer, c’est les autres!“).
Als kleine Rache an der Zensur der nationalsozialistischen Periode könnte man eine Szene interpretieren, die sich gleich zu Beginn des Romans abspielt: Im Jahre 1933 erschien in der Sun-Koh-Reihe das Heft 28 mit dem Titel Brennende Luft. Darin lässt ein verbrecherischer deutscher Wissenschaftler Magdeburg durch einen Großbrand zerstören. Nachdem 1935 von den Nationalsozialisten die Vorzensur eingeführt worden war und eine Zweitauflage der Sun-Koh-Reihe anlief, war so etwas nicht mehr opportun. Müller musste die zusammenhängende Handlung der Hefte 26–29 umschreiben: Aus dem Flächenbrand, der Magdeburgs Straßen und Häuser erfasste, war nun lediglich eine brennende Garage geworden! Jetzt, in Der Krieg, den keiner wollte (diesen Titel erhielt die gedruckte Fassung des Romans), holt Müller die Vernichtung Magdeburgs nach und lässt die Stadt von einer fehlgeleiteten Atomrakete ausradieren. Da zu der Zeit unglücklicherweise der stellvertretende sowjetische Ministerpräsident in der Stadt weilt, ist dies der Auslöser zum folgenden Armageddon.
Und noch ein kleiner Seitenhieb durchzieht den Roman: Mit dem Münchner Verleger Emil Biehl, in dessen Bielmannen-Verlag zwischen 1949 und 1952 mehrere Romane Müllers (als Freder van Holk) erschienen waren, hatte er sich aus verschiedenen Gründen (u. a. hatte sich Biehl geweigert, nach dem wirtschaftlichen Misserfolg von Müllers Hohlwelt-Sachbuch Welträtsel Universum weitere schon geschriebene Sachbuch-Manuskripte zu veröffentlichen) überworfen. Müller hat Emil Biehl in der Figur des großspurigen „Emil Polle“ in Der Krieg, den keiner wollte ein zweifelhaftes „Denkmal“ gesetzt.
Dass dieser bitterböse Roman nicht überall auf Gegenliebe stieß, ist erklärlich, zumal die „Kuba-Krise“ (1962), die die Welt tatsächlich in die Nähe eines Atomkriegs geführt und ein entsprechendes Bewusstsein der realen Gefahr bewirkt hat, zu dieser Zeit (1961) erst noch bevorstand.
Müller hatte daher große Probleme, das Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Nachdem auch sein Leihbuch-„Hausverlag“ Borgsmüller sich nicht zu einer Veröffentlichung entschließen konnte, wandte sich Müller an den Pabel-Verlag, in dem schon Heftnachdrucke einiger seiner Romane erschienen waren. Der Roman muss auf das Lektorat des Pabel-Verlages einen gewissen Eindruck gemacht haben, denn bereits im Vertrag wird bestätigt, dass das Werk als Utopia-Großband Nr. 164 in zwei Teilen erscheinen sollte – eine im Rahmen des üblichen Veröffentlichungszyklus’ völlig unübliche Verfahrensweise, etwas, was Heftroman-Verlage nur ungern machen. Am 17. August 1961 unterschrieb er den entsprechenden Verlagsvertrag. Als Titel taucht hier noch „Die Verworfenen“ auf. Laut Vertrag sollte der Roman am 14. November 1961 erscheinen. Als Honorar wurde ein Betrag von 1.400 DM ausgewiesen, aus dem Verfasser „Paul Murnau“ war nun „Freder van Holk“ geworden. Aber Müller musste das ursprüngliche Manuskript für den auf Heftromane spezialisierten Pabel-Verlag stark umarbeiten, einen neuen Anfang verfassen und den Roman im Ganzen um ca. ein Viertel des Umfangs kürzen. Es entfielen vor allen Dingen philosophische und wissenschaftskritische Dialoge, die Müller wohl am Herzen gelegen haben.
Die beiden Bände erschienen dann wahrscheinlich (das tatsächliche Erscheinungsdatum konnte nicht ermittelt werden) Anfang 1962 unter einer laufenden Nummer (164 I und II), zusammengehalten von einer weißen Banderole (siehe oben).
Neben einer besonderen Einführung seitens der Utopia-Redaktion (siehe die Reproduktion auf S. 6) enthielt das Werk noch ein spezielles Geleitwort, in dem erneut auf die Gefahr einer atomaren Vernichtung der menschlichen Rasse hingewiesen wurde.
Leider hat sich die Weltlage in den letzten Jahren, insbesondere angesichts der Ukraine-Krise, dermaßen verschlechtert, dass ein neuer „Kalter Krieg“ mit entsprechenden Bedrohungs-Szenarien als nicht unwahrscheinlich erscheint. Auf eine derartige erneute Aktualität hätten wir nach über 50 Jahren, nun im 21. Jahrhundert, gern verzichtet.

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Paul Alfred Müller [Werner Keyen]
Falsche Mesonen
Erstveröffentlichung aus dem Nachlass
Paperback, 158 Seiten, 18 Abbildungen, mit einem Nachwort von Heinz J. Galle
15,00 € — ISBN 978-3-940679-77-2

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Über das Buch
Die hier vorgelegte Erstveröffentlichung des von Paul Alfred Müller unter dem Pseudonym „Werner Keyen“ offenbar für den Borgsmüller-Verlag verfassten Romans aus dem Nachlass entspricht dem ungekürzten und unbearbeiteten Text des um 1960/61, entstandenen Original-Typoskripts. Lediglich offensichtliche Schreibfehler und falsche Schreibweisen sind berichtigt worden. Dabei wurde die Rechtschreibung an die seit 1996 geltenden neuen Regeln angepasst.
Obwohl seit der Niederschrift des Romans mehr als 50 Jahre vergangen sind, haben wir uns zu einer Erstveröffentlichung aus dem Nachlass entschlossen, weil manche der behandelten Probleme auch heute noch oder wieder bestehen und weil nach den vier früheren unter dem Pseudonym „Werner Keyen“ verfassten und zwischen 1958 und 1960 im Borgsmüller-Verlag, Münster, erschienenen Romanen (siehe die Angaben und Abbildungen auf der folgenden Seite) auch der letzte „Keyen-Roman“ allgemein zugänglich sein soll.
Neben den zwischen 1959 und 1960 im Borgsmüller-Verlag, Münster, erschienenen vier „Keyen“-Romanen (Jenseits vom Licht, Menschen im Mond, Sprung über die Zeit und Die Minus-Materie) existiert noch ein fünfter Werner-Keyen-Roman, der den Titel „Falsche Mesonen“ trägt. Es handelt sich um ein 144 Seiten umfassendes Manuskript, das Müller offensichtlich nicht bei einem Verlag unterbringen konnte. Das von P. A. Müller bzw. Werner Keyen konzipierte Vorwort zu „Falsche Mesonen“, lässt eher an einen Kriminalroman denn an einen „Zukunftsroman“ denken; als solchen hatte Müller den Roman untertitelt:

Das ist die Geschichte einer großen wissenschaftlichen Entdeckung, die nie gemacht wurde, aber trotzdem die Schicksale vieler Menschen und eines ganzen Kontinents beeinflußte. Phil Kane experimentiert mit Halbleitern und verunglückt dabei. Sein Freund und Mitarbeiter Dudley Walsh verfeindet sich um den zukünftigen Erfolg und einer Frau willen mit Vernon Kane, dem Bruder des Toten, der selbst in der gleichen Richtung forscht. Mörder setzen sich in Bewegung, Haß und Rachsucht treiben. Während Dudley Walsh sich selbst und seine Schwester verkauft, um schließlich vor dem Unmöglichen zu stehen, erarbeitet sich Vernon Kane verbissen die Millionen, die er für seine Rache braucht. Er zahlt zurück, war er empfing, aber die Genugtuung bleibt ihm versagt, denn alle Schuld verdeckt nur den Irrtum.

Im umfangreichen Materialienband Sun Koh. Der Erbe von Atlantis und andere deutsche Supermänner steht noch etwas mehr zu diesem Roman:

Ausgangspunkt ist eine mysteriöse Explosion in einem Labor, der dort mit Halbleitern experimentierende Physiker Phil Kane kommt dabei ums Leben. Wie sein angereister Bruder Vernon Kane, seines Zeichens ebenfalls Physiker, argwöhnt, war er offensichtlich einer großen Sache auf der Spur, von der sein ehemaliger Freund und Laborpartner Dudley Walsh, der sich zum Zeitpunkt der Explosion außerhalb des Labors aufhielt, jedoch angeblich nichts weiß. Walsh läßt sich von der neugegründeten Afrikanischen Union unter der Präsidentschaft eines in New York aufgewachsenen Schwarzen anwerben, die Union verfügt darauf schon bald über die neuartige Mesonenbombe und kann sich mit Ausnahme der nördlichen Mittelmeeranrainer sämtliche afrikanischen Staaten einverleiben. Der Bruder des verstorbenen Physikers erhielt ebenfalls eine Berufung nach Afrika, schlug das Angebot jedoch aus, darauf wurde ein Mordanschlag auf ihn verübt, den er nur durch Zufall schwerverletzt überlebte. Er taucht darauf unter und schmiedet einen gigantischen Racheplan …

Müller griff hier noch einmal das Thema afrikanischer Potentaten auf, das er schon in den 1930er Jahren in der SUN-KOH-Serie behandelt hatte. 21 Er ging auch in gewisser Weise auf den „Kalten Krieg“ mit den sich gegenüber stehenden Machtblöcken in Zusammenhang mit dem Gerangel in der UNO ein und befasste sich auch mit den Problemen fehlgeschlagener Projekte zur Entwicklungshilfe. Generell schlug er in diesem Roman sehr pessimistische Töne an.

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Paul Alfred Müller [Freder van Holk]
Alle Feuer verlöschen auf Erden (PAM-Sammelband 1)
und andere Romane aus der Welt von morgen
Paperback, 509 Seiten (15 x 22 cm, zweispaltig gesetzt, 20 Abbildungen, 3 Anhänge (u. a. Dokumentation von Heinz J. Galle)
30,00 € — ISBN
978-3-940679-79-6

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Inhaltsverzeichnis
1. Herz hinter Eis. Kampf um eine große Erfindung (1948)
2. Und sie bewegt sich nicht (1939/1951)
3. Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg [Rahmenhandlung] (1950)
4. Die gestohlene Schwerkraft (1950)
5. Alle Feuer verlöschen auf Erden (1948/1956)
6. Die wachsende Sonne (1950)
7. Der sterbende Stahl (1950)
8. Vielleicht ist morgen schon der letzte Tag (1948/1954)

Herz hinter Eis
Besonders freuen wir uns, dass wir die Erzählung Herz hinter Eis wieder zugänglich machen können. Sie gehört zu den seltensten Nachkriegstexten Müllers. Nach jahrelanger Suche ist es dem Verlag gelungen, eine Kopie dieser utopisch-technischen (Liebes-)Geschichte zu bekommen.
Im Jahre 1948 hatte P. A. Müller mit Hilfe von Helmut Diehl, einem alten Freund aus dem Bekanntenkreis um den Hohlwelt-Theoretiker Johannes Lang, die nächtliche Flucht über die „grüne Grenze“ angetreten: Er verließ die sowjetische Besatzungszone und ließ sich in Murnau (Bayern) in der amerikanischen Zone nieder. Am 30. Juli des gleichen Jahres schloss er mit dem Braunschweiger Löwen-Verlag (dem späteren Planet-Verlag) einen Vertrag über die erneute (bearbeitete) Herausgabe seiner erstmals von 1933–1936 mit 150 Heften im Leipziger Bergmann-Verlag erschienenen SUN-KOH-Heftserie ab; es erschienen bis 1953 insgesamt 120 Hefte.
Das Braunschweiger Unternehmen hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine „Frauenroman“-Heftreihe mit dem Titel SAMMLUNG SPANNENDER ERLEBNISBERICHTE (später auch unter der Bezeichnung ERLEBNIS-ROMAN) im Programm. Müller arbeitete dafür einige seiner älteren Manuskripte des Bergmann-Verlages um. Dazu zählten u. a. auch drei JAN-MAYEN-Hefte aus dem Jahre 1937: Der Regenprofessor (Nr. 62), Die gläserne Kugel (Nr. 63) und Tillyt (Nr. 64). Die Handlung dreht sich um die Erfindung des „Tillyts“, eines Stoffes, der die Luftfeuchtigkeit wie ein Magnet anzieht und blitzartig zu einem eisigen Nebel verdichtet. Ein Kondensat dieser JAN-MAYEN-Abenteuer präsentierte der Autor in vorliegender Geschichte vom „Kampf um eine große Erfindung“ unter dem Titel Herz hinter Eis.

Und sie bewegt sich nicht
Mit dem Untertitel „Roman der Weltentdeckung“ (auf dem Schutzumschlag: „Roman der Hohlwelt“; siehe die Abb. auf der folgenden Seite) veröffentlichte 1939 der Frankfurter Verlag Schirmer & Mahlau P. A. Müllers Roman Und sie bewegt sich doch nicht! Ein Jahr zuvor hatte er den Hohlwelt-Theoretiker und Sachbuchautor Johannes Lang (1899–1967) kennengelernt. Langs ebenfalls bei Schirmer & Mahlau erschienenes Werk Die Hohlwelttheorie (1. Aufl. 1936, 2. erweiterte Aufl. 1938) hatte Müller begeistert. Johannes Lang und Paul Alfred Müller wurden Freunde. Lang überzeugte Müller von der Hohlwelttheorie, und bereits 1939 veröffentlichte sein neuer Anhänger eine Hommage an Johannes Lang: Müller widmete Und sie bewegt sich doch nicht! seinem Mentor („Johannes Lang, dem Schöpfer der Hohlwelt-Theorie, in dankbarer Verehrung gewidmet.“) und stellte in diesem Schlüsselroman sich selbst als Ingenieur Rainer Perthus vor, der von dem alten Forscher Irmin Love (= Johannes Lang) mit der Idee der Hohlwelttheorie infiziert wird. Der Romanheld hat ein Buch über diese Theorie verfasst und findet dafür keinen Verleger. Schließlich erbarmt sich ein Leihbuchverlag zur Herausgabe des Werkes. Beim Versuch, die Theorie endgültig zu beweisen, kommt der Protagonist beim Flug
„ins All“ (also in den Erd-Innenraum) ums Leben.
1940 erschien im gleichen Verlag P. A. Müllers Streitschrift Kritik der Hohlwelttheorie, der 1949 im Bielmannen-Verlag, München, sein hohlwelttheoretisches Hauptwerk Welträtsel Universum folgte. Beide Schriften sind 2011 im Verlag Dieter von Reeken, Lüneburg, als Neuausgabe erschienen.
Im Jahre 1951 brachte der Bielmannen-Verlag, München, eine Neuausgabe dieses hybriden Werkes heraus, welches gleichzeitig Sachbuch- und Romanvorstellungen befriedigen will. Der neue Titel lautete, nun auch nicht mehr ganz so provozierend, sondern schlicht: … und sie bewegt sich nicht Im Impressum wird da rauf hingewiesen, dass es sich um eine völlige Neubearbeitung handelt und alle wissenschaftlichen und technischen Angaben dem neuesten Stand der Forschung entsprächen. Auch der Untertitel gab sich bescheidener; jetzt lautete er nicht mehr „Roman der Weltentdeckung“, sondern schlicht „Utopischer Roman“. Das Alter Ego Johannes Langs, „Irmin Love“, hatte sich in der neuen Fassung aus nicht nachvollziehbaren Gründen, in den Forscher „Joos Anthamatten“ verwandelt.
Bleibt noch anzumerken, dass der Bielmannen-Verleger, Emil Biehl, selbst Anhänger der Hohlwelt-Theorie war.

Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
Im September 2013 erregte eine Pressemeldung Aufsehen. Ein Zukunftsforscher (Bernd Flessener von der Universität Erlangen-Nürnberg) hatte behauptet, dass die meisten Science-Fiction-Autoren bessere Zukunftsprognosen abgeben könnten als dies bei Wissenschaftlern der Fall sei. Dies liege daran, dass Wissenschaftler sich bei Ihren Voraussagen überwiegend nur auf ihr Spezialgebiet bezögen, während die Schriftsteller des utopischen Genres eine komplette Zukunftswelt entwerfen und darstellen und dabei übergreifend alle Technologien mit einbeziehen müssten.
Genau dies trifft auf Müllers bemerkenswerten Episodenroman Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg (Leipzig: A. Bergmann 1939; Neuausg. 2011 im Verlag Dieter von Reeken, Lüneburg) zu. Es war sein mutigster Beitrag auf dem Sektor utopischer Visionen. Das Werk ist leicht und locker geschrieben. Der Autor entfacht hier ein wahres Feuerwerk an Ideen und technischen Prognosen. Mit der Vorstellung der Teleportation zeigt sich Müller amerikanischen Science-Fiction-Autoren jener Jahre absolut ebenbürtig. Immerhin lässt er schon 1939 Protagonisten entmaterialisieren („kubographieren“) und als Energieladung nach Brasilien „senden“!
Sicherheitshalber wurde dieses Werk vom Verlag als „Münchhausiade“ deklariert und die Handlung in eine – damals – ferne Zukunft (2004) verlegt. Es war mit dem Untertitel „Phantastischer Roman“ versehen worden. Das am 4. Dezember 1939 erschienene Buch besteht im Prinzip aus vier Episoden, deren einzelne Titel lauten: „Das eisige Feuer“ (76 Seiten Umfang), „Die wachsende Sonne“ (61 Seiten) „Der sterbende Stahl“ (40 Seiten) sowie „Die gestohlene Schwerkraft“ (29 Seiten).
Eine fünfteilige Rahmenhandlung umgibt diese utopischen Novellen: Der Erzähler liegt nach einem Unfall verletzt im Haus den Herrn Vandenberg, und dieser erzählt ihm Geschichten aus der Vergangenheit. Zum Beispiel die Geschichte des eisigen Feuers, die im Jahre 1956 beginnt und ein Jahr später zu einer industriellen Revolution führt, als der „Permostat“ jegliche vorherige Energiequelle ersetzt, indem er dem Wasser sowie der Luft Wärmeeinheiten entzieht und die so gewonnene Energie speichern kann. Diese Erzählung ist später (siehe weiter unten) zum umfangreichen Roman Alle Feuer verlöschen auf Erden ausgearbeitet worden
Es war einmal – so fangen viele Märchen an und dies trifft auch auf die Entwicklungsgeschichte diverser Romane Müllers zu. So geht zum Beispiel die erste Vandenberg-Novelle auf das bereits 1933 erschienene SUN-KOH-Heft 12 (Der eisige Blitz) zurück, in der ein Mann in einem Park einen eiförmigen metallenen Gegenstand findet, an dem er sich verbrennt oder Erfrierungen zuzieht, je nachdem, wie er die Einstellung dieses Energiespeichers verändert.
Nach dem Auslaufen der SUN-KOH-Serie startete der Bergmann-Verlag 1936 als Nachfolger sofort die JAN-MAYEN-Heftserie des gleichen Verfassers „Lok Myler“. Im Rahmen dieser Abenteuergeschichten integrierte Müller auch die Idee des „Permostaten“, und zwar in drei Textbeiträgen, die dort 1937 veröffentlicht wurden. Sie trugen die Titel Das sterbende Land (Nr. 44), Das verlorene Wunder (Nr. 45) sowie Das unsichtbare Feuer (Nr. 46).
Auf der Basis dieser Hefte verfasste Müller 1939 die erste Vandenberg-Novelle „Das eisige Feuer“. Auf diese Erzählung griff er zurück, als er sich kurz nach Kriegsende mit dem Braunschweiger Löwen-Verlag in Verbindung setzte. Dort erschien im Jahre 1948 dieser Beitrag in Form eines umfangreichen utopischen Romans mit dem Titel … und alle Feuer verlöschen auf Erden.
Die zweite Episode, „Die wachsende Sonne“, handelt von einer Klimakatastrophe, in deren Verlauf die Temperaturen auf Erden ansteigen. Hier wird auch schon die Existenz eines Tunnels zwischen Frankreich und England beschrieben, der laut Vandenberg in den Jahren 1960–1965 gebaut wurde. Da hat sich Müller, was die Bauzeit anbetrifft, nur um ein Jahr verschätzt: 1987 begann der Vortrieb zum Eurotunnel, 1994 war das gigantische Vorhaben Wirklichkeit geworden.
Auch beim darauffolgenden Textbaustein, „Der sterbende Stahl“, wird ein Katastrophenszenario präsentiert. Ein Komet nähert sich der Erde und verändert die Struktur des Stahls, jenes Bausteins, den man getrost als Stützpfeiler der technischen Zivilisation bezeichnen kann.

Die gestohlene Schwerkraft
Nicht „recycelt“ wurde von den vier Vandenberg-Novellen lediglich die letzte Episode, „Die gestohlene Schwerkraft“, in der ein Planetoid der Erde zu nahe kommt und dabei die Schwerkraftverhältnisse verändert. In genialer Weise entwarf der Autor hier mit Witz und Ironie das Bild einer totalen Umwälzung allen irdischen Lebens, einem Freiherrn von Münchhausen ebenbürtig. Zu den vielen Innovationen Müllers in diesem Werk gehört zum Beispiel auch die Vision einer Magnetschwebebahn. Im Jahr 1934 hatte Hermann Kemper im Deutschen Reich das Patent für die Konstruktion einer Magnetschwebebahn erhalten, Müller nahm diese Nachricht (Zeitungsnotiz) auf und baute dieses Transportmittel in die Geschichte von der „gestohlenen Schwerkraft“ ein. Die verkehrstechnische Revolution mit Hilfe dieses neuen Verkehrsmittels blieb in der Realität allerdings bisher aus. Im Jahre 2006 wurde die Versuchsstrecke im Emsland nach einem tragischen Unfall stillgelegt, seit 2004 befährt der „Transrapid Shanghai“ in China eine Strecke, die zum Flughafen nach Pudong führt. Zu weiteren Höhenflügen hat sich das innovative Verkehrsmittel bisher nicht aufschwingen können.

Alle Feuer verlöschen auf Erden
Der 1948 im Löwen-Verlag, Braunschweig, erschienene Roman … und alle Feuer verlöschen auf Erden, hervorgegangen aus der ersten Vandenberg-Novelle, wurde 1956 unter dem abgewandelten Titel Alle Feuer verlöschen auf Erden nochmals im Berliner Verlag der Gebr. Weiß veröffentlicht. Diese Fassung „letzter Hand“ ist im vorliegenden Sammelband enthalten.

Die wachsende Sonne / Der sterbende Stahl
Diese beiden Vandenberg-Episoden „Die wachsende Sonne“ und „Der sterbende Stahl“ vereinte und erweiterte der Autor in der langen schriftstellerischen Pause zwischen 1940 und 1947 und bot das Manuskript unter dem Titel Die wachsende Sonne dem Braunschweiger Löwen-Verlag an. Am 1. November 1948 erfolgte zwar der Vertragsabschluss, es kam jedoch aus unersichtlichen Gründen nicht zur Drucklegung dieses Buches.
In seinem Hausverlag (von 1949–1952), dem Münchener Bielmannen-Verlag, konnte „Freder van Holk“ (so sein neues Nachkriegs-Pseudonym) dann endlich diesen Band veröffentlichen. Als Die wachsende Sonne (Untertitel: Utopische Novelle) erschien das Werk im Jahre 1950. Aus den ursprünglich 101 Seiten der beiden Vandenberg-Episoden war in der 1. Aufl. ein 318 Seiten umfassendes Buch geworden. Im Vertrag vom 5. Juli 1950 ist zwar von zwei Novellen die Rede, veröffentlicht wurde das Buch jedoch nur unter dem Titel der ersten Novelle, Die wachsende Sonne. Das Werk erlebte zwei Jahre später auch noch eine zweite Auflage mit einer reduzierten Seitenzahl von 301 Seiten; diese Fassung „letzter Hand“ ist im vorliegenden Sammelband enthalten.
Die Restauflage wurde schließlich aufgrund eines Übernahmevertrages ab 1953 vom Verlag der Gebrüder Weiß in Berlin vertrieben.

Vielleicht ist morgen schon der letzte Tag
Nach Kriegsende trat Paul Alfred Müller alias „Lok Myler“ unter dem neuen Pseudonym „Freder van Holk“ auf. Unter diesem Decknamen erschien dann auch 1948 der utopische Roman Vielleicht ist morgen schon der letzte Tag im Braunschweiger Löwen-Verlag.
Kriegsbedingt hatte der Autor sieben Jahre lang nichts veröffentlichen können. In diesem Zeitraum hatten sich einige Manuskripte angesammelt. Noch als er in Leipzig weilte, hatte Müller mit dem Löwen-Verlag Kontakt aufgenommen und am 23. Juni 1947 den Vertrag über diesen Roman abgeschlossen.
Zu einer Zeit, als viele Publizisten und Wissenschaftler noch vom anbrechenden „wunderbaren“ Atomzeitalter schwärmten, brachte Müller mit diesem Weltuntergangsroman bereits seine Warnung vor einem möglichen Missbrauch der Atomkraft heraus:
Auf amerikanischem Boden hat eine feindliche Macht eine 50-Tonnen-Tritiumbombe deponiert und erpresst damit den Staat. Die Uhr tickt, es sind nur noch 24 Stunden bis zur Explosion, Panik bricht aus, man versucht zu fliehen. Aber natürlich gibt es auch hier ein Happy End und es gelingt in letzter Sekunde, den Zünder unschädlich zu machen.
Die 1954 im Berliner Verlag der Gebr. Weiß erschienene Neuausgabe dieses „Romans aus der Welt von morgen“ als Ausgabe „letzter Hand“ schließt den vorliegenden Sammelband ab.

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Über das Buch
In den elf Jahren zwischen 1939 und 1950 veröffentlichte Paul Alfred Müller siebzehn umfangreiche Romane jeglicher Thematik; ob es sich nun um Utopien, Kriminalromane, humoristische Erzählungen oder Liebesromane handelte – der Autor beherrschte jedes Metier.
Viele seiner Romane sind, mehr oder weniger stark bearbeitet und/oder gekürzt, in mehreren Auflagen und Fassungen erschienen, teilweise erst nach dem Tod des Verfassers. In solchen Fällen stellt sich bei Neuausgaben die Frage, welche dieser Fassungen hierfür ausgewählt werden sollen - die Erstausgaben, die zuletzt erschienenen (evtl. von fremder Hand bearbeiteten und „modernisierten“) oder die vom Autor selbst verantworteten letzten Fassungen?
Wir haben uns entschieden, die Texte in der Fassung „letzter Hand“ herauszugeben, also in der Textgestalt, die P. A. Müller selbst als letzte festgelegt hat. Soweit es von ihm selbst oder mit seiner Zustimmung gekürzte Fassungen (insbesondere für Heftausgaben umfangreicherer Bücher) gibt, haben wir auf die zugrundeliegende letzte vollständige Fassung zurückgegriffen. Außerdem wollen wir die Romane in einer möglichst preiswerten Ausgabe vorlegen. Die bibliografischen Daten sind aus dem Verzeichnis im Anhang 3 ersichtlich.
Aus diesem Grund wurden aus dem nur einmal 1939 erschienenen Episodenroman Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg für den vorliegenden Sammelband nur die Rahmenhandlung und die vierte Novelle „Die gestohlene Schwerkraft“ abgedruckt, da ja die anderen drei Episoden später zu zwei umfangreichen Romanen ausgebaut wurden (siehe dazu weiter unten).
Der Sammelband enthält neben der genannten Rahmenhandlung sieben Romane und Erzählungen. Gerade der „Vandenberg-Komplex“ zeigt sehr schön die Entwicklungsgeschichte der in diesem Novellenband in konzentrierter Form behandelten visionären Ideen, die den Autor damals gedanklich bewegten.



Constantin Redzich
Ein Besuch auf dem Mars im Jahre 3000
Neuausgabe des nur einmal 1922 erschienenen Romans
Paperback, 157 Seiten, 3 Abbildungen, Kommentar von Franz Rottensteiner
15,00 € — ISBN 978-3-945807-25-5

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
1. Das Jahrhundert der Weltwunder
2. In den Ätherregionen
3. Im Schweifnebel des Kometen
4. Eine grausige Entdeckung
5. Marsstudien
6. Zusammenstoß mit einem Meteor
7. Im Marslazarett
8. Überwältigende Eindrücke
9. Die Wunder der Marswelt
10. Geniale Künstler
11. Ideale Staatsformen
12. An der Grenze des Übersinnlichen
13. Eine hochinteressante Entdeckung
14. Idealehe
15. Verwirklichung des Übersinnlichen
16. Abschied und Abfahrt
17. Idealphilosophie
18. Unheimliche Situation
19. Übersinnliche Vorgänge
20. Ausklang
Anmerkungen

Aus den Anmerkungen
Constantin Redzich (1869–19??), der mit bürgerlichem Namen Egon Falkenhayn hieß und Ingenieur war, lebte und arbeitete in Frankfurt am Main als Redakteur der Zeitschrift ‚Welt und Technik‘ (um 1926/27) und war Verfasser mehrerer Romane und eines zweiteiligen Sachbuchs über Erfindungen und Erfinder:

Zugvogel. Reise-Erinnerungen und Erlebnisse aus Deutsch-Ost-Afrika zur Zeit der ersten Landerwerbungen. Berlin: W. v. Frankenstein 1913, 261 S.
Schuldbann und Opfer. Eine Familientragödie (Deutsche Roman-Woche 6). Leipzig: Vogel & Vogel 1914, 68 S.
Die eiserne Brigade. Original-Kriegsroman (Mignon-Romane 98). Dresden: Mignon o. J. [1915], 96 S.
In französischer Gefangenschaft. Original-Kriegsroman (Mignon-Romane 101). Dresden: Mignon o. J. [1915], 96 S.
Deutsche unter Kosakenknuten. Original-Kriegsroman (Mignon-Romane 104). Dresden: Mignon o. J. [1915], 96 S.
Anabnacorona (Ambosshefte 39). München: Müller & Königer o. J. [1917], 16 S.
Unter afrikanischer Tropensonne. Reise- und Jagdabenteuer im ehemaligen Deutsch-Ostafrika. Leipzig: A. Bergmann 1925, 230 S.
Ein Besuch auf dem Mars im Jahre 3000. Stuttgart: Wagnersche Verlagsanstalt (Otto R. Wagner, Inh. Anton Bippi), 1.–5. Tsd. 1922, 183 S.
Das große Buch der Erfindungen und deren Erfinder. Lebensschicksale unserer Bahnbrecher aufstrebender Kultur, von den Anfängen des Menschengeschlechts bis zur Jetztzeit. Zusammengestellt und bearbeitet von Constantin Redzich. Erfurt: Thüringer Verlagsanstalt H. Bartholomäus o. J. [1928/29]. Erster Band: 407 S., mit Abb., 1 Tafel; Zweiter Band: 400 S., mit Abb.

Weitere Informationen zu Leben und Werk Egon Falkenhayns, insbesondere das Todesjahr, konnten leider nicht ermittelt werden. Die beiden 1913 und 1925 erschienenen Afrika-Bücher lassen vermuten, dass sich Redzich vor dem Ersten Weltkrieg in Ostafrika aufgehalten hat.
     Der nur einmal 1922 erschienene phantasiereiche utopische Roman Ein Besuch auf dem Mars im Jahre 3000, der hier nach über 95 Jahren wieder zugänglich gemacht wird, beschreibt die Reise einer Gruppe von Menschen zum Mars und ihre Erlebnisse mit der dortigen fortgeschrittenen Marszivilisation und weist somit eine Verwandtschaft zu Albert Daibers Marsromanen Die Weltensegler [1] und Vom Mars zur Erde [2] auf.
     Nach der Einschätzung von Franz Rottensteiner [3] ist Ein Besuch auf dem Mars im Jahre 3000 „ein höchst merkwürdiges Produkt, einerseits eine Art deutsches Ralph 124 C 41+, eine Sammlung von merkwürdigen Erfindungen und wissenschaftlicher und sozialer Entdeckungen, die allerdings rein phantastisch, unwissenschaftlich und ganz und gar unzeitgemäß sind, so glaubt der Autor noch allen Ernstes an den Äther, sein Raumschiff ist ein Luftballon und sein Umgang mit der elektrischen Spannung einfach abenteuerlich; andererseits ist die Geschichte in allen Einzelheiten der Handlung und in den bieder-treuherzigen Dialogen von einer Naivität, die selbst Gernsbacks Pionierroman als anspruchsvolles Stück Prosa erscheinen lässt. Der Autor hat dabei unzweifelhaft Phantasie, die sich zwar großteils in trivialen technischen und gesellschaftlichen Einzelheiten erschöpft, aber auch einige interessante, wenn auch anachronistische Bilder liefert. Redzich ist nicht ohne Ideen, aber sie stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert, und Aufbau und Handlung seines kurzen Werkchens ähneln denen erzieherischer Knabenliteratur, mit der Autoritätsfigur eines allwissenden, superklugen Professors, der seine weniger klugen Gehilfen, die mit grob-humoristischen Eigenheiten behaftet sind, ständig dozierend belehrt und der immer Recht behält, auch wenn seine Meinungen im Grunde von höchster Verschrobenheit sind. Als Literatur ist dieses Büchlein völlig bedeutungslos, aber es ist ein reizvolles Sammelsurium skurriler Einfälle.“

[1] Albert Daiber: Die Weltensegler. Drei Jahre auf dem Mars. Der reiferen Jugend erzählt. Stuttgart: Levy & Müller o. J. [1909/1910]. – Wiederabdruck in: Ders.: Anno 2222. Die Weltensegler. Vom Mars zur Erde. Neuausgabe der zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienenen Romane. Lüneburg: Dieter von Reeken 2018, S. 83–195.
[2] Vom Mars zur Erde. Eine Erzählung für die reifere Jugend. Stuttgart: Levy & Müller a. O. (wie Anm. 1) o. J. [1910–1914]. – Wiederabdruck in: Ders.: Anno 2222. Die Weltensegler. Vom Mars zur Erde. A. a. O. (wie Anm. 1), S. 197–315.
[3] Franz Rottensteiner: Constantin Redzich (d. i. Egon Falkenhayn): Ein Besuch auf dem Mars im Jahre 3000. In: Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur, herausgegeben von Franz Rottensteiner und Michael Koseler (Loseblattausgabe). Meitingen: Corian (H. Wimmer), 6. Erg.Lfg. Dezember 1990, S. 1–4, hier S. 4.

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Hans Rosenstengel / Waldemar Schilling (Ferdinand Kringel)
Vom Mars zur Erde
sowie die Erzählungen Des Himmelsstürmers Planetenfahrten, Von der Erde zum Mars, Die Diamantenjagd im Weltenraume und
Fünf Jahre auf dem Mars.
Neuausgabe der zwischen 1907 und 1925 erschienenen Erzählungen von Hans Rosenstengel und Waldemar Schilling (Ps.: Ferdinand Kringel)
Klappenbroschur, 238 Seiten, 27 Abbildungen
17,50 € — ISBN 978-3-945807-18-7

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis

Hans Rosenstengel
DES HIMMELSSTÜRMERS PLANETENFAHRTEN

Hans Rosenstengel
VOM MARS ZUR ERDE
Die Verbindung
Die Meldung
Häi
Atome
Die Fahrt
Die Ankunft
Der Verkehr mit Menschen

Ferdinand Kringel (= Waldemar Schilling)
VON DER ERDE ZUM MARS
I. Kapitel: Das Testament und seine Verbreitung
II. Kapitel: Der Komet Marchetti · Sein Zusammenstoß mit der Erde Die Marsbewohner sind um ihren Planeten in großer Sorge
III. Kapitel: Die Katastrophe und ihre Folgen für den Mars und seine Bewohner
IV. Kapitel: Das Testament der Frau Sermont wird den Marsbewohnern bekannt gegeben; sie können dasselbe zunächst für sich nicht nutzbar machen
V. Kapitel: Die von der Erde nach dem Mars gesandten Zeichen M. W. werden von demselben nicht verstanden · Auf dem Mars erscheinen Morsezeichen von 200 Kilometer Länge
VI. Kapitel: Auf der Erde versteht man die Morsezeichen des Mars nicht zu deuten
VII. Kapitel: Der Anspruch des Dr. ing. Carolus Martius auf die ganzen testamentarisch ausgelobten 3 Milliarden Franks wird dem Erdbewohner bekannt gegeben
VIII. Kapitel: Der Astronom auf dem Mars erhält seinen Gewinnanteil in Kilowatt elektrischer Energie von der Erde aus richtig zugesandt · Die dauernde telegraphische Verbindung von der Erde zum Mars ist gesichert 000 00

Ferdinand Kringel (=Waldemar Schilling)
DIE DIAMANTENJAGD IM WELTENRAUME

Waldemar Schilling
FÜNF JAHRE AUF DEM MARS
1. Kapitel: Der Flug durch die Sonnenwelt · Es naht der Mars
2. Kapitel: Das Leben auf dem Mars · Ernährungssorgen
3. Kapitel: Die Wunder der Marswelt
4. Kapitel: Der Elektronenfänger · Der Mars ein Torso früherer Pracht
5. Kapitel: Mein Leben und mein Lieben
6. Kapitel: Mein Aufstieg zurück zur Erde
Anmerkungen des Herausgebers

Aus den Anmerkungen

Hans Rosenstengel
Über Hans Rosenstengel konnten bisher keine Lebensdaten ermittelt werden. Bekannt ist nur, dass er die hier wiedergegebenen beiden Erzählungen verfasst hat:

Hans Rosenstengel: Des Himmelsstürmers Planetenfahrten. Mit Bildern von Professor Ludwig Fahrenkrog. In: Deutsches Knabenbuch. Ein Jahrbuch der Unterhaltung, Belehrung und Beschäftigung. Bd. 31. Hrsg. von Julius R. Haarhaus und Martin Lang. Stuttgart: K. Thienemann o. J. [1922], S. 199–228.
Hans Rosenstengel: Vom Mars zur Erde. Mit acht Zeichnungen von Eduard Winkler. In: Deutsches Knabenbuch. Ein Jahrbuch der Unterhaltung, Belehrung und Beschäftigung. Bd. 34. Hrsg. von Julius R. Haarhaus. Stuttgart: K. Thienemann o. J. [1925], S. 6–37.

In den Literarischen Bemerkungen zur Erzählung Vom Mars zur Erde heißt es lediglich:

So phantasievoll die Geschichte auch ist, so entbehrt sie nicht des realen Kerns. Der Verfasser ist ein ausgezeichneter Kenner auf dem Gebiete der Physik und Astronomie und spinnt nur die technischen Möglichkeiten weiter aus.

In Des Himmelsstürmers Planetenfahrten, angesiedelt im Jahr 2001, reisen zwei Erwachsene und ein Jugendlicher zum Mond und zur Venus. Dies wird ermöglicht durch eine Methode, die Schwerkraft zielgerichtet zu beeinflussen, was an das mit „Cavorit“ betriebene Raumfahrzeug im Roman The First Men in the Moon (deutsch Die ersten Menschen im Mond) von Herbert George Wells erinnert. Die Handlung selbst bietet keine Überraschungen und kaum Spannung. Bezeichnend ist die anti-britische Tendenz, die eine Folge der Regelungen des Versailler Friedensvertrags (1919) sein dürfte, vielleicht sogar aktuell eine Reaktion auf die harten Reparationsbedingungen als Ergebnis der Londoner Konferenz (1921). In technischer Hinsicht ist erwähnenswert, dass in der Erzählung ein „Taschentelefon“, also ein Mobil-Telefon („Han dy“) verwendet wird.
Die Erzählung Vom Mars zur Erde hat pazifistische Anklänge und erinnert teilweise an die Schilderungen der Mars-Gesellschaften in Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz sowie Die Weltensegler und Vom Mars zur Erde (hier stimmen sogar die Titel überein) von Albert Daiber. Für mich als in Lüneburg lebender Herausgeber hat die Erzählung ihren besonderen Reiz, weil die Marsianer „in der Lüneburger Heide“ landen, wobei es kaum Sprachprobleme gibt: Die Marsianer, die sich bisher durch Gedankenübertragung verständlich gemacht haben lernen sehr schnell Deutsch. Die Erzählung ist 19317 nochmals separat als Buch erschienen.

Waldemar Schilling
Auch über Waldemar Schilling und sein Leben konnten bisher keine Daten ermittelt werden. Da seine Romane und Erzählungen in der Zeit zwischen 1907 und 1913 veröffentlicht wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Schilling ein Zeitgenosse von Kurd Laßwitz (1848–1910), Carl Grunert (1865–1918) und Oskar Hoffmann (1866–1928) war, also von Schriftsteller-Kollegen, die wie er utopisch-technisch-phantastische Romane und Novellen verfassten.
Auffällig ist, dass Schilling bis auf die letzte bisher bekannt gewordene Erzählung Fünf Jahre auf dem Mars (1913) und die evtl. auch von ihm verfasste Erzählung Der Ehescheue (1916) bei seinen Veröffentlichungen stets das Pseudonym „Ferdinand Kringel“ verwendete. Dass es sich bei dem Namen „Kringel“ um ein Pseudonym handelte, ergibt sich ausdrücklich aus einem Hinweis auf der Titelseite des Romans Von der Erde zum Mars. Die indirekte Offenlegung des bürgerlichen Namens Schilling unter Hinweis auf das bisher verwendete Pseudonym erfolgte auf der Titelseite der als Broschüre erschienenen Erzählung Fünf Jahre auf dem Mars.
Schilling verfasste, soweit bis heute ermittelt werden konnte, fünf als selbstständige Hefte oder Broschüren (teilweise im Rahmen von Reihen) erschienene utopisch-technisch-phantastische Romane und Erzählungen sowie zwei populärwissenschaftliche Darstellungen:

Ferdinand Kringel: Von der Erde zum Mars. Phantastisch-naturwis senschaftlicher Roman nach eigenen Erlebnissen in acht Kapiteln. Berlin/ Leipzig: Modernes Verlagsbüro Curt Wigand 1907. 81 S.
Ferdinand Kringel: Das Radium. Eine populär-wissenschaftliche Besprechung. Sattler’s interessante Bibliothek. Nr. 2. Leipzig: Richard Sattler o. J. [1907/1908]. 39 S.
Ferdinand Kringel: Der Mondanzünder. Eine phantastische Erzählung. Sattler’s interessante Bibliothek. Nr. 5/6. Leipzig: Richard Sattler o. J. [1907/1908]. 67 S.
Ferdinand Kringel: Mister Petearsons Expreßzug. Eine launig-satyrische Erzählung. Sattler’s interessante Bibliothek. Nr. 12/13. Leipzig: Richard Sattler o. J. [1908]. 70 S.
Ferdinand Kringel: Der Merkur zur Zeit eine zweite Erde. Phantastisch-naturwissenschaftliche Plauderei. Sattler’s interessante Bibliothek. Nr. 17/18. Leipzig: Richard Sattler o. J. [1908/09?]. 48 S.
Ferdinand Kringel: Die Diamantenjagd im Weltenraume. Bücherei fürs deutsche Haus. Bd. 1. Heilbronn: O. Weber o. J. [1911]. 48 S.
Waldemar Schilling: Fünf Jahre auf dem Mars. Phantastischer Roman. Kattowitz/Breslau/Berlin/Leipzig: Phönix-Verlag Inh. Fritz u. Carl Siwinna o. J. [1913]. 79 S.

Möglicherweise sind noch zwei weitere Unterhaltungsromane von Ferdinand Kringel bzw. Waldemar Schilling erschienen:

Ferd. Kringel: Backfischstreiche. Berlin: E. Bartels o. J. [1912]. 240 S.
Wald. Schilling: Der Ehescheue. Hansa-Romane. Bd. 92. Lübeck: O. Wessel o. J. [1916]. 89 S.

     Bisher konnten leider nur die hier wieder abgedruckten drei Erzählungen aufgefunden und eingesehen werden.
     In Von der Erde zum Mars schildert Kringel vor dem Hintergrund eines milliardenschweren Vermächtnisses, das diejenige Person oder Gruppe erhalten soll, der es gelingt, Beziehungen zwischen Erde und Mars anzubahnen, das Leben der Marsianer und ihrer Kultur und die erfolgreichen Bemühungen eines marsianischen Wissenschaftlers, durch morseartige Technik eine optische Fernverbindung zur Erde herzustellen. Ein Bruder im Geiste auf der Erde, identisch mit dem Verfasser Kringel, wird sein Partner und ermöglicht so eine Kommunikation in beide Richtungen. Man teilt sich die Milliarden, wobei der Anspruchsberechtigte auf dem Mars seinen Anteil in Form von elektrischer Energie drahtlos übermittelt bekommt! Eine tatsächliche physische Begegnung durch Weltraumfahrt kommt allerdings nicht zustande.
Die Diamantenjagd im Weltenraume findet nicht, wie der Titel vermuten lässt, mit Menschen im Weltraum statt, sondern allein von der Erde aus und auf der Erde. In dieser im Eiltempo abgewickelten mehr oder weniger banalen Liebes- und Schatzsuche-Geschichte will keine rechte Spannung aufkommen.
Sechs Jahre nach Von der Erde zum Mars, diesmal und das einzige Mal unter seinem bürgerlichen Namen, lässt Schilling in Fünf Jahre auf dem Mars einen Menschen unter der Einwirkung einer größeren Menge Radiums (scheinbar) auch physisch auf den Mars gelangen. Der irdische Wissenschaftler findet sich, wie einst Gulliver, unter Riesen
wieder und kann, trotz mancher Unannehmlichkeiten für ihn als Erdenbewohner, Leben und Arbeit der Marsianer kennenlernen. So fällt ihm z. B. auf, dass die marsianischen Riesen „Fernsprechkapseln“ (wir würden heute sagen: ein „Handy“) bei sich tragen!.
Bevor er eine sich anbahnende Romanze mit einer, auch größenmäßig, zu ihm passenden Marsianerin zum glücklichen Ende führen kann, erwacht der Held aus einem Fiebertraum in seinem Bett auf der Erde.      Diese „Lösung“, wie sie sich oft bei den Verfassern utopisch-phantastischer Erzählungen findet, wirkt dann doch enttäuschend.

Zur technischen Möglichkeit der Weltraumfahrt
Die hier abgedruckten Erzählungen sind (bis auf Vom Mars zur Erde) sämtlich vor der ersten deutschsprachigen wissenschaftlichen Veröffentlichung über die Möglichkeiten und Bedingungen einer Weltraumfahrt, dem bahnbrechenden Werk Die Rakete zu den Planetenräumen von Hermann Oberth im Jahr 1923, erschienen.
Oberth hatte deutlich gemacht, dass nur die Flüssigkeitsrakete, insbesondere in mehrstufiger Form, Weltraumfahrten ermöglichen könnte und dass eine bemannte Weltraumfahrt mit aus Riesenkanonen abgeschossenen Projektilen sich nicht verwirklichen lassen würde. Seit Erscheinen dieses Buches, spätestens seit Vorliegen der stark erweiterten und „volkstümlicher“ gestalteten 3. Auflage, 1929 erschienen unter dem neuen Titel Wege zur Raumschiffahrt, und dem Fritz-Lang-Film Frau im Mond (1929), an dem Oberth als Berater mitgearbeitet hat, kamen die Verfasser von Raumfahrtromanen an der Rakete als Transportmittel kaum noch vorbei, es sei denn, sie legten eine Methode zur Regulierung der Schwerkraft zugrunde.
Rosenstengel und Kringel/Schilling mag daher als Autoren aus der Zeit vor 1923 nachgesehen werden, dass sie sich auf das zu ihrer Zeit entdeckte Radium konzentrierten; ob Rosenstengel 1924/25 (Vom Mars zur Erde) Oberths Schrift schon kannte, konnte nicht ermittelt werden.

Editorische Hinweise
Den Nachdrucken liegen die Erstausgaben zugrunde. Die Texte wurden auf die seit 1996 geltende und danach oft geänderte „neue deutsche Rechtschreibung“ umgestellt. Hierbei wurden offensichtliche Rechtschreib- oder Drucksatzfehler stillschweigend berichtigt. Die (wohl aus Gründen der Platzersparnis) überlangen Absätze der Erzählung Des Himmelsstürmers Planetenfahrten wurden behutsam entflochten (z. B. bei wechselnder wörtlicher Rede). Im Übrigen ist der Text aber unangetastet geblieben.

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Helmut K. Schmidt [= I. V. Steen / Ive Steen / H. Ch.Leroy]
Der Mann aus dem All
und andere utopisch-phantastische Erzählungen
Neuausgabe der in den Jahren 1953–1958 erschienenen Romane und Erzählungen Der kupferne Mond, Der Mann aus dem All, Der Atomtod im Cadillac, Rückkehr gestern, Ich war im Mond, Spur durch vier Dimensionen und Sternengeschenk im Eis
Paperback, 345 Seiten, 15 Abb., Anmerkungen
22,50 € — ISBN 978-3-940679-92-5

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Herausgebers
Der kupferne Mond [1953]
Der Mann aus dem All [1956]
Der Atomtod im Cadillac [1956]
Rückkehr gestern [1956]
Ich war im Mond [1957]
Spur durch vier Dimensionen [1958]
Sternengeschenk im Eis

Über das Buch
Die vorliegende Neuausgabe enthält die ungekürzten und unbearbeiteten Texte der folgenden von Helmut K. Schmidt unter verschiedenen Namen verfassten Romane und Erzählungen:

Ive Steen: Der kupferne Mond. Kriminalroman (ERDBALL-ROMAN 148). Hamburg: Marken 1953
I. V. Steen: Der Mann aus dem All (UTOPIA-ZUKUNFTSROMAN 77). Rastatt: Pabel o. J. [1956]
I. V. Steen: Der Atomtod im Cadillac. In: MANN UND WELT, November 1956, S. 67–74
I. V. Steen: Rückkehr gestern. In: MANN UND WELT, Dezember 1956, S. 35–47, illustriert von Lerich
I. V. Steen: Ich war im Mond. In: MANN UND WELT, Mai 1957, S. 35–39, illustriert von Lerich
I. V. Steen: Spur durch vier Dimensionen. Utopischer Roman (LUNA-WELTALL 34). Hannover: Lehning o. J. [1958]
H. Ch. Leroy: Sternengeschenk im Eis. Zukunftsroman (LUNA-WELTALL 41). Hannover: Lehning o. J. [1958]

Der Text ist an die seit 1996 geltenden neuen Rechtschreibregeln angepasst worden, ansonsten aber unverändert geblieben; lediglich offensichtliche Rechtschreibfehler und falsche Schreibweisen sind stillschweigend berichtigt worden.
Schon vor seiner Übersiedlung aus der damaligen Sowjetischen Besatzungs-Zone nach Bayern (1949; Müller war schon 1948 in den Westen gegangen; beide hatten bis dahin in Sachsen gewohnt) hatte Helmut K. Schmidt als „Ive Steen“ unter der „Schirmherrschaft“ seines Mentors P. A. Müller die im Aufbau an SUN KOH und JAN MAYEN anknüpfende Romanheft-Serie RAH NORTEN, DER EROBERER DES WELTALLS zu schreiben begonnen, die ab Heft 13 (bis zur Einstellung mit Heft 20) von „Freder van Holk“ fortgeführt wurde.
Danach verfasste Schmidt nebenberuflich (er war inzwischen – bis 1985 – im Beschaffungswesen der US-Streitkräfte in Deutschland tätig, zuletzt als Dienststellenleiter) mehrere Jugend-, Soldaten-, Western- und utopisch-technisch-phantastische Erzählungen, u. a. für die Romanheftserien PETE, TOM PROX, DIE ANDERE SEITE, BILLY JENKINS, LUNA-WELTALL, UTOPIA-ZUKUNFTSROMAN und MARK POWERS sowie zuletzt für die dreibändige Taschenbuchserie KIM ROY.
Die im vorliegenden Sammelband erstmals nach ihrer Veröffentlichung in den Jahren von 1953 bis 1958 wieder zugänglich gemachten utopisch-phantastischen Erzählungen sind „Kinder ihrer Zeit“; sie entstanden in den 1950er Jahren, als die Weltraumfahrt noch Utopie war und die Science Fiction Deutschland noch nicht „erobert“ hatte, und dienten der Unterhaltung des literarisch und finanziell noch nicht „verwöhnten“ Publikums. Ein Wiederabdruck ist aber auch nach etwa 60 Jahren reizvoll, denn es finden sich mehrere Bezüge zu früheren und späteren entsprechenden Romanen: Für Der kupferne Mond verwertete der Autor Handlungselemente, die ursprünglich für RAH NORTEN vorgesehen waren (Sax Kelvin – Rah Norten ≈ Sax Norman). Das Sternengeschenk im Eis erinnert an Müllers Blaue Kugel und Der Mann aus dem All findet durch Namen („Alk“) und Konstellationen Entsprechungen in SUN KOH und sogar im Arkoniden „Atlan“, der im Rahmen der PERRY-RHODAN-Serie mit Hilfe der Menschen die Rückkehr in seine Heimat anstrebt. Und schließlich ist es einfach unterhaltsam, der abenteuerlichen Spur durch vier Dimensionen zu folgen …

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Helmut K. Schmidt
Der 1921 geborene Helmut K. Schmidt war seit 1940 mit dem Schriftsteller Paul Alfred Müller (1901–1970) bekannt. Müller hatte zu dieser Zeit schon unter dem Pseudonym „Lok Myler“ (seit 1948 vorwiegend als „Freder van Holk“) u. a. die mit utopisch-technisch-phantastischen Elementen versehenen Romanheftserien SUN KOH, DER ERBE VON ATLANTIS (1933–1936) und JAN MAYEN (1936–1938) und, neben heiteren, Liebes- und Abenteuerromanen, die serienunabhängigen Romane Blaue Kugel (1938), Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg (1939) und Sonnenmotor Nr. 1 (1940) verfasst. Seit dieser Zeit (und bis zu seinem Lebensende) vertrat Müller auch die sogenannte „Hohlwelttheorie“, für die er auch Schmidt gewann: Beide waren seit den 1950er Jahren in der „Gesellschaft für Erdweltforschung“ aktiv.



I. V. Steen (Ps., Hemut K. Schmidt)
Das Lied der Norne

Phantastischer Roman aus dem Innern der Erde
. Erstausgabe
Klappenbroschur, 336 Seiten, Nachwort
22,50 € — ISBN 978-3-945807-43-9

Ausverkauf, keine Nachauflage!

I. V. Steen (Ps., = Helmut K. Schmidt)
Der 1921 geborene Helmut K. Schmidt war seit 1940 mit dem Schriftsteller Paul Alfred Müller (1901–1970) bekannt. Müller hatte zu dieser Zeit schon unter dem Pseudonym „Lok Myler“ (seit 1948 vorwiegend als „Freder van Holk“) u. a. die mit utopisch-technisch-phan tastischen Elementen versehenen Romanheftserien ‚Sun Koh, der Erbe von Atlantis‘ (1933–1936) und ‚Jan Mayen‘ (1936–1938) sowie serienunabhängige neben heitere, Liebes-, Abenteuer- und phantastische Romane verfasst. Seit dieser Zeit (und bis zu seinem Lebensende) vertrat Müller auch die sogenannte „Hohlwelttheorie“, für die er auch Schmidt gewann: Beide waren seit den 1950er Jahren in der „Gesellschaft für Erdweltforschung“ aktiv.
Schon vor seiner Übersiedlung aus der damaligen Sowjetischen Besatzungs-Zone nach Bayern (1949; Müller war schon 1948 in den Westen gegangen, beide hatten bis dahin in Sachsen gewohnt) hatte Helmut K. Schmidt als „Ive Steen“ unter der „Schirmherrschaft“ seines Mentors P. A. Müller die im Aufbau an ‚Sun Koh‘ und ‚Jan Mayen‘ anknüpfende Romanheft-Serie ‚Rah Norten, der Eroberer des Weltalls‘ zu schreiben begonnen, die ab Heft 13 (bis zur Einstellung mit Heft 20) von „Freder van Holk“ fortgeführt wurde. Danach verfasste Schmidt nebenberuflich (er war inzwischen – bis 1985 – im Beschaffungswesen der US-Streit kräfte in Deutschland tätig, zuletzt als Dienststellenleiter) unter verschiedenen Pseudonymen mehrere Jugend-, Soldaten-, Western- und utopisch-technisch-phantastische Erzählungen, u. a. für die Romanheftserien ‚Pete‘, ‚Tom Prox‘, ‚Die andere Seite‘, ‚Billy Jenkins‘, ‚Luna-Weltall‘, ‚Utopia-Zukunftsroman‘ und ‚Mark Powers‘ sowie zuletzt für die dreibändige Taschenbuchserie ‚Kim Roy‘
2015 erschien ein Sammelband4, in dem erstmals nach ihrer Veröffentlichung in den Jahren von 1953 bis 1958 vier utopisch-phantastische Kurzromane und drei Kurzgeschichten des Autors wieder zugänglich gemacht wurden (siehe oben).
Seit den 1970er Jahren war H. K. Schmidt mit einem mehrfach umgearbeiteten Manuskript befasst, dass schließlich unter dem Titel Das Lied der Norne seine endgültige Fassung als Fantasy-Roman erhielt. Die im bewohnten Innern der Erde, einer fiktiven Parallelwelt, angesiedelte Handlung zeigt eine gedankliche Nähe zu Terry Pratchetts Scheibenwelt und Tolkiens Herr der Ringe, lässt aber auch Anklänge an Theodor Storms Regentrude erkennen. Dieser Roman, der dem Verfasser sehr am Herzen liegt, wird nun endlich unter dem bevorzugten Pseudonym „I. V. Steen“ erstmals veröffentlicht.


Über das Buch
In einem mythischen Zeitalter in einer Welt annähernd parallel der unsrigen, mit Anklängen an Terry Pratchetts Scheibenwelt, J. R. R. Tolkiens Herr der Ringe und Theodor Storms Regentrude, wird hier eine märchenhafte Hohlkugel-Innenerde unterstellt. Um den Bestand dieser Welt zu erhalten, muss die Innenerde, so wie sie von den „Göttern“ gedacht war, beständig von der Norne Werdandi gesungen werden. Systemwidriges Feedback aus der Menschheit führt zu einer Verwirrung des Gesangs der Norne, und damit beginnt der Zerfall der Strukturen von Welt und Gesellschaft. Um die Auflösung zu verhindern, muss die Norne geweckt und wieder richtig gestimmt werden.
Die „Götter“ schicken einen „reinen Tor“ namens Torsten auf den Weg, die Norne zu suchen und aufzuwecken. Dabei stolpert der kleine Held blindlings und ahnungslos durch eine Folge magisch bestimmter Situationen. Sein ebenso ahnungsloser Begleiter ist Chidder, der als Astronaut von „unserer“ Welt aus dem Mond in jene Innenerde gefallen war. Torstens Gegenspieler ist primär Mekkanis, eine Art Satan, der in mancherlei Gestalt und Form den
Erfolg des jungen Beauftragten der Götter zu verhindern sucht. Zu Torsten gesellt sich eine junge Hexen-Novizin namens Rissa; die beiden verlieben sich ineinander.
Während Torsten mit seiner kleinen Gefolgschaft auf der Suche nach der Norne durch irdische und überirdische Bereiche wandert, schreitet der Zerfall der Innenerde weiter fort. Die Planeten geraten aus ihren Bahnen, der Mond schraubt sich bedrohlich näher an die Erdoberfläche heran …

Romanbeginn
Der junge Torsten fröstelte. Er saß in seiner Astgabel in der Krone der alten Eiche hinterm Haus und schaute übers Land. Er sah den Hof Skogard, blickte über den dunklen Waldrand, der die Lichtung abschloss, und streifte die grauen Berge in der Ferne, gerade so, als wäre er zum ersten Mal hier. Oder zum letzten Mal.
Dinge geschahen jetzt. Die Sonne wurde bleich, ihr Glanz verlosch; sie stand sichtbar im Mittag, doch ihr Schein senkte sich herab wie ein dünner weißlicher Schleier, der die Welt einhüllte. Alles sah aus, fahl und bleich, als wäre das Leben herausgestohlen worden.
Die Vögel hörten auf zu singen. Das Murmeln des Bächleins hinterm Haus klang angstvoll, es klang wie: „Torsten, kriech ins Mauseloch!“ Und die niedrigen Häuser des Einödhofes mit ihren Grasdächern, sie waren ja nie beeindruckend gewesen, doch immer bis heute das wärmende, schützende Nest; jetzt duckten sie sich ängstlich, wehrlos vor einem Angriff des Unheimlichen.
Torsten nahm sich zusammen. Wenn er auf seinem Ast ein wenig nach vorn rutschte, konnte er sich mit einem Satz auf das Dach des Stalles schwingen. Früher, als Kind, hatte er diesen Sprung öfters gewagt, doch heute, mit sechzehn, war er wohl zu schwer für die schilfgedeckten morschen Dachlatten auf verrotteten Sparrenhölzern. Auch das Dach des Wohnhauses, mit wärmenden Grassoden gedeckt, war seit Jahren nicht ausgebessert worden und in der Mitte bereits eingesunken wie ein Wellental.
Torsten kletterte am Stamm hinunter und ging zögernd um das Haus herum zum Eingang. Sein Vater hatte ihn ermahnt, ja rechtzeitig zum Mittagessen zu erscheinen. Obwohl sein Magen knurrte, ging der Junge heute nicht gern zum Essen. Er hatte beobachtet, was für sonderbare Leute zu Besuch gekommen waren, Leute, die er nicht kannte und auch gar nicht kennenlernen mochte.
Mutter hatte gemunkelt, unter den Besuchern würde der große alte Merlin sein; wenn Torsten daran dachte, bekam er eine Gänsehaut.
Auf dem Wiesenhang unterhalb der Eingangstür lagen schillernd drei riesige Seifenblasen; die eine war fast mannshoch, die anderen maßen immerhin gut einen Meter, und alle drei spiegelten bunt das trübe Licht der Sonne wider. Diese Kugeln gehörten den Besuchern. Man konnte damit fliegen. Torsten war noch nie mit einer Seifenblase geflogen; er hätte es gern versucht, aber er machte einen großen Bogen um diese Gebilde. Sie waren ihm nicht ganz geheuer, seit damals, als Aristark von der Positiven Lehranstalt bei Torstens Vater zu Besuch gewesen war …

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Helmut K. Schmidt (Ps. I. V. Steen) 1948 (links) und Juni 2011

Umschlagbilder

Kurd Laßwitz –  preiswerte Sonderausgaben!

verkleinerte Musterseiten, Abbildungen, Texte

Auf zwei Planeten (Sonderausgabe 1)
Roman in zwei Büchern.
Ungekürzte Neuausgabe des erstmals 1897 erschienenen zweibändigen Romans als Sonderausgabe, 2. Auflage. Paperback, 22 x 15 cm, 354 Seiten, 4 Abbildungen, Anhang.
17,50 €  — ISBN 978-3-940679-61-1

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Diese preiswerte Sonderausgabe wird durch die Verwendung eines leicht verkleinerten Schriftsatzes (9,5 Punkt statt 10 Punkt, zweispaltig) und eines vergrößerten zweispaltigen Satzspiegels ermöglicht.

Siehe auch die Video-Rezension von Florian Jung auf Youtube

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Kurd Laßwitz (1908) / Gedenktafel am Gymnasium Ernestinum in Gotha



SO 2 - Schlangenmoos und Sternentau (Sonderausgabe 2)
Die erstmals zwischen 1884 und 1909 erschienenen Romane Schlangenmoos, Homchen, Aspira und Sternentau in ungekürzter und unbearbeiteter Fassung als Sonderausgabe. Paperback, 22 x 15 cm, 404 Seiten, 8 Abbildungen, Anmerkungen.
20,00 € ISBN 978-3-940679-56-7

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Diese preiswerte Sonderausgabe wird durch die Verwendung eines leicht verkleinerten Schriftsatzes (9,5 Punkt statt 10 Punkt, zweispaltig) und eines vergrößerten zweispaltigen Satzspiegels ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis
Schlangenmoos.
Novelle [als L. Velatus, 1884)
Homchen. Ein Tiermärchen aus der oberen Kreide [1902]
Aspira. Der Roman einer Wolke [1905]
Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond [1909]
Anmerkungen

Schlangenmoos
Diesem Nachdruck liegt die folgende Ausgabe zugrunde, die bis 2008 auch die einzige war: Schlangenmoos. Novelle von L. Velatus (= 3 MARK BIBLIOTHEK Bd. 22). – Breslau: S. Schottlaender, 1884, 267 S. – Druck: S. Schottlaender, Breslau.
Der Broschürenumschlag nennt übrigens als Verlagsort neben Breslau auch Leipzig und als Erscheinungsjahr 1883, was auf zeitlich versetzte Arbeitsgänge bei der Herstellung des Umschlags und des Buchblocks zurückzuführen sein dürfte. Allerdings spricht die Jahreszahl „1883“ bei Annahme eines gewissen zeitlichen Vorlaufs bei der Veröffentlichungsplanung dafür, dass die Erzählung spätestens 1883, also noch vor der Ernennung Laßwitz’ zum Gymnasialprofessor (7. April 1884), druckfertig war.
Laut seinen Tagebuchaufzeichnungen hatte Laßwitz die Novelle nach mehreren Anläufen jedenfalls schon im Oktober 1879 beendet und im November ins Reine geschrieben. Ebenfalls aus dem Tagebuch (1881) ergibt sich, dass die Veröffentlichung nach offenbar erfolglosen früheren Bemühungen schließlich nur noch aus finanziellen Gründen erfolgte:
„Da sich bei der Rechng. im Januar ein großes Deficit herausgestellt hatte, so beschloß ich nochmals den Versuch zu machen, ‚Schlangenmoos‘ zu verkaufen. Ich wandte mich an S. Schottlaender in Breslau und trat mein Autorrecht an ‚Schlangenmoos‘ an denselben gegen 500 M. ab, indem ich zugleich die Bedingg. der Pseudonymität (L. Velatus) stellte.“ (Kurd Laßwitz: Tagebuch, Gotha, 6. Juni 1876 bis Weihnachten 1883. – Forschungsbibliothek Gotha, handschriftlicher Nachlass, Sign. Chart. B 2203 [7] Bl. 28).
Schlangenmoos ist als wenig anspruchsvolle Liebesgeschichte mit teilweise autobiografischen Bezügen in Laßwitz’ schlesischer Heimat angesiedelt. Wenig bekannt ist, dass Laßwitz Schlangenmoos unter dem Titel Studien als Lustspiel in vier Aufzügen dramatisiert hat. Dies Lustspiel, um 1886 verfasst, ist bis zur Erstveröffentlichung aus dem handschriftlichen Nachlass im Rahmen der KOLLEKTION LASSWITZ (enthalten in KL I.11) weder veröffentlicht oder aufgeführt worden.
An einige Themen aus der im Verhältnis zu den übrigen Erzählungen von Laßwitz-Kennern weniger geschätzten Erzählung Schlangenmoos hat Kurd Laßwitz übrigens in seiner umfangreicheren und hochgeschätzten späteren Erzählung Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond (1909; nähere Angaben siehe unten) in weiter entwickelter Form noch einmal angeknüpft.

Homchen
Diesem Nachdruck liegt Band 1 der folgenden zweibändigen Ausgabe letzter Hand zugrunde: Homchen. Ein Tiermärchen aus der oberen Kreide von Kurd Laßwitz (= NIE UND IMMER. Erster Band). – Leipzig: Elischer Nachfolger, 3. u. 4. Tsd., o. J. [1907], IV, 205 S. – Druck: Lippert & Co. (G. Pätz’sche Buchdruckerei), Naumburg a. S.
Das Tiermärchen Homchen, das erstmals 1902 als Teil 1 des in einem Band veröffentlichten Sammelbands Nie und Immer neben der in Teil 2 enthaltenen Erzählungssammlung Traumkristalle erschienen ist, gehört zu Laßwitz’ reizvollsten Erzählungen; sie ist zwar (noch) nicht verfilmt worden, kann aber durchaus dem von Steven Spielberg produzierten Zeichentrickfilm The Land Before Time (dt. In einem Land vor unserer Zeit, 1988; Regie: Don Bluth) als mindestens gleichwertig zur Seite gestellt werden.
Allerdings ist Homchen kein reines Märchen mit niedlichen oder schrecklichen Tieren, sondern eine kaum versteckte Auseinandersetzung mit dem Widerstreit zwischen Wissenschaft und Philosophie auf der einen und Kirche und Priestertum auf der anderen Seite.

Aspira
Diesem Nachdruck liegt die folgende Ausgabe letzter Hand zugrunde:Aspira. Der Roman einer Wolke. Von Kurd Laßwitz. – Leipzig: B. Elischer Nachfolger, 3. Tsd., o. J. [1908], IV, 265 S. – Druck: Lippert & Co. (G. Pätz’sche Buchdruckerei), Naumburg a. S.
Wie später (1909) in seinem letzten Roman Sternentau hat Laßwitz in seiner erstmals 1905 erschienenen Erzählung Aspira die Fechner’sche Vorstellung von einer „besee lten Natur“ thematisiert. Anders als in Sternentau geht es hier nicht um „Elfenwesen“, sondern um eine diffuse „über irdi sche“ Wolke, deren Versuch, eine harmonische Verbindung zwischen „der Natur“ und „dem Menschen“ herzustellen, ebenso wie in Sternentau letztlich scheitert. Ebenso wie in Schlangenmoos und später in Sternentau spielt auch hier eine gebildete junge Frau, die Chemikerin Wera Lentius, eine bedeutende Rolle: In ihrem Körper „materialisiert“ sich die „Wolken prinzessin“ Aspira und bekommt so für sie völlig neue, ihr fremd bleibende Einblicke in das Empfinden der Menschen. Aspira kehrt angesichts ihres Scheiterns (wie die „Idonen“ in Sternentau) in „ihre Welt“ zurück.
Anders als vier Jahre später in Sternentau heiratet die junge Frau Wera Lentius aber schließlich nicht den „jugendlichen Liebhaber“, den Ingenieur Theodor Martin (denn der ist dramaturgisch „passend“ bei einem Unfall ums Leben gekommen), sondern ihren väterlichen Freund und Wissenschaftler-Kollegen Paul Sohm.
Der Roman spiegelt sehr deutlich Laßwitz’ Ausrichtung auf die Gedankenwelten Immanuel Kants und insbesondere Gustav Theodor Fechners wider. Das hat (neben den für den Handlungsfluss eher als störend empfundenen zahlreichen Gedichten im Kapitel „Werbung“), ebenso wie später bei Sternentau, nicht dazu beigetragen, den von einem nur kleinen Publikum (dafür aber sehr) geschätzten Roman so populär werden zu lassen wie den „handfesteren“ Großroman Auf zwei Planeten.

Sternentau
Diesem Nachdruck liegt die folgende Erstausgabe, die gleichzeitig (Laßwitz starb 1910) auch die Ausgabe letzter Hand war, zugrunde: Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond. Von Kurd Laßwitz. – Leipzig: B. Elischer Nachfolger, o. J. [1909], IV, 376 S. – Druck: keine Angabe, wahrscheinlich Lippert & Co. (G. Pätz’sche Buchdruckerei), Naumburg a. S.
Im Roman Sternentau mit dem Untertitel Die Pflanze vom Neptunsmond hat Laßwitz Elemente aus seiner 1884 erschienenen Novelle Schlangenmoos aufgegriffen und in kosmischem Rahmen weiter ausgebaut. Anders als in Schlangenmoos geht es hier nicht um nur vage angedeutete „Elfenwesen“, sondern um deutlicher in Erscheinung tretende pflanzengebundene „Idonen“, Wesen außerirdischer Herkunft, deren Versuche eines bewussten Zusammenlebens mit den Menschen scheitern.
Der Roman spiegelt noch deutlicher als Aspira Laßwitz’ Ausrichtung auf die Gedankenwelten Gustav Theodor Fechners, über den er auch eine Biografie verfasst hat (KL II.5), wider. Wie schon in Schlangenmoos und Aspira spielt hierbei eine selbstbewusste, sensible junge Frau, Harda, eine bedeutende Rolle. In der Figur der Fabrikantentochter Harda Kern (der Entsprechung der „Lilly“ in Schlangenmoos) hat Laßwitz seine Cousine zweiten Grades Hanna Brier (1886–1973) verewigt, in der Gestalt des väterlich-weisen Geo Solves (und wohl auch des jungen Dr. Eynitz, der Entsprechung des Lenz Gradenau aus Schlangenmoos) sich selbst. Dieser Umstand lässt einen inneren Wandel bei Laßwitz’ schwärmerischer und offenbar auf Gegenseitigkeit beruhender Zuneigung zu Hanna Brier erkennen: Gewinnt – 1905 im Roman Aspira – (noch) der altersweise väterliche Freund die junge Frau, so tritt 1909 in Sternentau endgültig ein junger Mann an diese Stelle, während sich der ältere Mann in die Rolle des eben (nur) väterlichen Freundes fügt.

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SO 3 - Seifenblasen und Traumkristalle
Die erstmals zwischen 1878 und 1902 erschienenen Erzählungssammlungen Bilder aus der Zukunft, Seifenblasen und Traumkristalle sowie sämtliche andere Erzählungen (selten, teils aus dem Nachlass) in ungekürzter und unbearbeiteter Fassung als Sonderausgabe. Paperback, 22 x 15 cm, 392 Seiten, 46 Abbildungen, Anmerkungen.
20,00 € ISBN 978-3-940679-59-8

Ausverkauf, keine Nachauflage!

Diese preiswerte Sonderausgabe wird durch die Verwendung eines leicht verkleinerten Schriftsatzes (9,5 Punkt statt 10 Punkt, zweispaltig) und eines vergrößerten zweispaltigen Satzspiegels ermöglicht.

Inhaltsverzeichnis
Bilder aus der Zukunft

Vorwort / Vorbemerkung
Bis zum Nullpunkt des Seins
Gegen das Weltgesetz
Seifenblasen. Moderne Märchen

Prolog
Auf der Seifenblase
Prinzessin Jaja
Stäubchen
Apoikis
Aladdins Wunderlampe
Aus dem Tagebuch einer Ameise
Musen und Weise
Unverwüstlich
Der Schirm
Der Traumfabrikant
Psychotomie
Mirax
Tröpfchen
Selbstbiographische Studien
Epilog
Traumkristalle. Neue Märchen
Prolog
Jahrhundertmärchen
Der gefangene Blitz
Das Lächeln des Glücks  
Die drei Nägel
Die Frau von Feldbach
Die neue Welt
Die Fernschule
Der Gehirnspiegel
Morgentraum
Das Gesetz
Weihnachtsmärchen
Die Universalbibliothek
Wie der Teufel den Professor holte
Der Gott der Veranda
Schiefe Gedanken
Moderne Märchen und andere Erzählungen
Vom Tropfen, der die Welt sehn wollte
A priori
Frauenaugen
Nach Chicago (Telelyt)
Die Unbeseelten
Hebe [Nachlass]
Eine Geschichte ohne Anfang und Ende [Nachlass]
Die entflohene Blume
Die Weltprojekte
Die Vernunft im Bade [Nachlass, unvollendet]
Die Zauberschminke [Nachlass, unvollendet]
Humoresken

Herr Strehler oder der poetische Hauslehrer [1868, 2010 wiederentdeckt], illustriert
Ich und mein Bruder werden nie heirathen [1869, 2010 wiederentdeckt], illustriert
O Gott, wie man sich täuschen kann
Ein gefährlicher Hirsch
Abgezählt
Die Anzeige [Nachlass]
Grotesken

Der Scharfrichter oder Ein treues Herz
Die Meergreise
Die Geschwister
Anmerkungen

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Umschlagbilder

Kollektion Laßwitz in 20 Bänden (vollständig erschienen)

verkleinerte Musterseiten, Bilder, Texte

 

Abteilung I - Romane, Erzählungen, Gedichte

 


Kollektion Laßwitz, Band I.1


Bilder aus der Zukunft
Zwei Erzählungen aus dem 24. und 39. Jahrhundert
(Bis zum Nullpunkt des Seins | Gegen des Weltgesetz).
Neuausgabe der 3. Auflage 1879 der erstmals 1878 erschienenen Buchausgabe der Erzählungen.

2. Auflage, Klappenbroschur, 143 Seiten, 14 Abbildungen
12,50 €ISBN 978-3-940679-40-8

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
Vorrede zur dritten Auflage
Vorbemerkung
Bis zum Nullpunkt des Seins

I. Das Geruchsklavier
II. Im Pyramidenhotel
III. Die Rache im Odoratorium
IV. In’s All verbannt
Gegen das Weltgesetz
I. Eine Erziehungsanstalt im Jahre 3877
II. Das vierte Jahrtausend. Ein Stückchen Culturgeschichte
III. Unter’m Meeresspiegel. Die Gehirnorgel. Der letzte Botaniker
IV. Neue Körper. Lyrika. Die Weltformel
V. Ein Mittagbrot. Der Heiratsantrag. Was man im 39. Jahrhundert von der Zukunft dachte
VI. Lyrika’s Kampf
VII. Eine gespenstische Braut
VIII. Tunnelbauten. Die Saphirgrotte. Die Jagd. Ueber den Ocean
IX. Die geheimnißvolle Kiste
X. Eine Hochzeitsreise. Atom’s Vulkan
Anhang (Zeitungsausschnitte 1871 und 1877)

Über das Buch
1871, nachdem er schon einige kleinere, vorwiegend humoristische Beiträge veröffentlicht hatte, erschien Laßwitz’ 1869 verfasste erste in der fernen Zukunft spielende Erzählung Bis zum Nullpunkt des Seins. Dieser ursprüngliche Text ist von Kurd Laßwitz auf Wunsch des Breslauer Verlages S. Schottlaender für die Buchausgabe überarbeitet worden, was ein Textvergleich8 verdeutlicht. Es ist in der Sekundärliteratur oft übersehen worden, dass der 1871 erschienene Erstdruck im Untertitel nicht das 24., sondern das 23. Jahrhundert nennt.
Im Frühjahr 1877 – inzwischen (1873) zum Dr. phil. promoviert und seit 1876 als Gymnasiallehrer in Gotha tätig – ließ er die in noch fernerer Zukunft angesiedelte Erzählung Gegen das Weltgesetz folgen. Der eigentlichen Erzählung war eine „Vorbemerkung“ vorangestellt.
Schon etwa ein Jahr später, laut Impressum 1878, nach der Angabe in Kurd Laßwitz’ Tagebuch schon Ende November 1877, erschienen die beiden Kurzromane unter dem Titel Bilder aus der Zukunft in Buchform, und zwar in der 1. und 2. Auflage in zwei kleinformatigen Bänden, im Jahr darauf in 3. Auflage in einem Band. Die „Vorbemerkung“ zu Gegen das Weltgesetz ist in geringfügig geänderter und erweiterter Fassung in der Buchausgabe beiden Erzählungen vorangestellt worden.
Nach 1879 hat es dann zu Lebzeiten Laßwitz’ keine weitere Ausgabe mehr gegeben. Erst 1964 gab es einen Sammler-Nachdruck der 3. Auflage, der aber angesichts der geringen Auflage keine Breitenwirkung entfalten konnte.
Ansonsten sind bis heute zwar zahlreiche mehr oder weniger gekürzte und bearbeitete Nachdrucke der beiden Erzählungen erschienen, aber nur selten als Bilder aus der Zukunft.
Die besonders bemerkenswerte „Vorbemerkung“ und die „Vorrede zur dritten Auflage“ der Bilder aus der Zukunft enthalten, in Form einer Rechtfertigung (wohl als Reaktion auf aufgrund der Vorauflagen und der früheren Zeitungsveröffentlichungen erfolgte kritische Stimmen) eine kurze „Gebrauchsanweisung“ für Science-Fiction-Autoren, eine komprimierte Theorie der Science-Fiction.
Die beiden sich konsequent an diese eigenen Vorgaben haltenden ersten Zukunftserzählungen von Kurd Laßwitz bedeuten daher erheblich mehr als nur „Finger übungen“ für das etwa 20 Jahre später (1897) erschienene erzählerische Hauptwerk Auf zwei Planeten, wie Franz Rottensteiner überzeugend dargelegt hat. Hier sprüht ein Feuerwerk origineller Ideen, indem manche der sich zu Beginn des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts abzeichnende Entwicklungen „hochgerechnet“ werden. Einige dieser Ansätze sind noch heute „Zukunftsmusik“, einige wirken heute erstaunlich aktuell.
Der vorliegenden Neuausgabe liegt die folgende Ausgabe letzter Hand zugrunde:

Bilder aus der Zukunft. Zwei Erzählungen aus dem vierundzwanzigsten und neununddreißigsten Jahrhundert von Kurd Laßwitz. Breslau: Druck und Verlag von S. Schottlaender 1879. Ganzleinen mit Goldprägung, Buchblock ca. 16,8 x 11,3 cm, XII + 226 Seiten.

Der Text selbst bleibt, auch hinsichtlich der Rechtschreibung einschließlich der Zeichensetzung und veralteter oder aus heutiger Sicht missverständlicher Schreibweisen unangetastet. Nur offensichtliche Drucksatzfehler im Original sind stillschweigend berichtigt worden.

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Kurd Laßwitz
Kurd Laßwitz wurde am 20. April 1848 in Breslau in einer Kaufmannsfamilie geboren. Nach Kindheit und Jugend in Breslau studierte er von 1866–1874 (mit Unterbrechung durch den Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger, u. a. in Frankreich) in Breslau, Berlin und schließlich wieder Breslau Mathematik und Physik. Nach der Promotion zum Dr. phil. in Breslau 1873 bestand er dort 1874 das Staatsexamen für das höhere Lehramt in den Fächern Mathematik, Physik, Geografie und Philosophie. Nach anschließenden Lehrtätigkeiten an Gymnasien in Breslau und Ratibor wechselte er 1876 an das Gymnasium Ernestinum in Gotha. Hier war er, seit 1884 als Gymnasialprofessor, bis zu seinem Ausscheiden aus dem Schuldienst mit Ablauf des Jahres 1907 tätig. 1876 hatte Kurd Laßwitz die Breslauer Kaufmannstochter Jenny Landsberg (1854–1936) geheiratet. Aus der Ehe gingen die beiden Söhne Rudolf (1877–1935) und Erich (1880–1959) hervor. Kurd Laßwitz starb am 17. Oktober 1910.
Seit Ende der 1860er Jahre bis zu seinem Tode war Laßwitz schriftstellerisch tätig, teilweise unter Pseudonymen wie „Jeremias Heiter“
und „L. Velatus“. Neben bedeutenden naturwissenschaftlichen und philosophischen Schriften (insbesondere über die Arbeiten Immanuel Kants und Gustav Theodor Fechners) und zahlreichen Essays verfasste er vor allem „moderne Märchen“, Romane, Novellen und Kurzgeschichten, die man heute rückblickend als „Science Fiction“ oder „Fantasy“, als überwiegend anspruchsvolle spekulative oder wissenschaftlich-phantastische Erzählliteratur bezeichnen kann.
Vor allem wegen seines umfangreichen Romans Auf zwei Planeten (1897) wird Laßwitz heute vielfach „Vater der deutschen Science-Fiction“ genannt; ein „deutscher Jules Verne“ – das war er allerdings nicht, wohl eher ein „deutscher Hans Christian Andersen“.
Das zwischen 1933 und 1945 „unerwünschte“ und daher diskriminierte Werk Kurd Laßwitz’ war, abgesehen von (meist gekürzten und bearbeiteten) Fassungen des Romans Auf zwei Planeten und einigen wenigen anderen Veröffentlichungen, jahrzehntelang im Buchhandel nicht (mehr oder wieder) erhältlich. Erst seit den 1980er Jahren gab es einige vollständige Neuausgaben ausgewählter Werke. Einen Überblick über das Gesamtwerk bietet die 2010 von Rudi Schweikert bearbeitete illustrierte Bibliografie. Mit der seit 2008 in meinem Verlag erschienenen ‚Kollektion Laßwitz‘ liegen die Romane, Erzählungen, Dramen, Lieder, Gedichte, Aufsätze und Sachbücher des Dichters und wissenschaftlich-philosophischen Schriftstellers inzwischen in 20 Bänden wieder geschlossen vor.


Kollektion Laßwitz, Band I.2


Schlangenmoos
Novelle [als L. Velatus] 
Neuausgabe der erstmals 1884 erschienenen Novelle.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),
170 Seiten, 3 Reproduktionen

20,00 € — ISBN 978-3-940679-13-0

Über das Buch
Der Neusatz-Nachdruck ist eine textgetreue Neuausgabe der wenig bekannten, mit autobiografischen Anklängen versehenen und an die „Erzgebirgischen Dorfgeschichten“ Karl Mays und die romantischen „Zukunfts-Novellen“ des bekennenden Laßwitz-Verehrers Carl Grunert erinnernden 1884 erschienenen Erzählung Schlangenmoos. An einige Themen aus der unter dem Pseudonym „L. Velatus“ (also der „verhüllte“ oder „verdeckte L.[aßwitz]“) erschienenen Novelle hat Kurd Laßwitz übrigens in seiner umfangreicheren späteren Erzählung Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond (1909) in weiter entwickelter Form noch einmal angeknüpft. Übrigens hat Laßwitz den Schlangenmoos-Stoff zu einem „Lustspiel in vier Aufzügen“ mit dem Titel Studien verarbeitet, das im Rahmen der ‚Kollektion Laßwitz‘ erstmals im Druck erschienen ist (KL I.10).
Diesem Nachdruck liegt die 1884 im Breslauer Verlag von S. Schottlaender erschiene erste und, soweit ich ermitteln konnte, bisher auch einzigen Ausgabe zu Grunde.
Der Text ist, auch hinsichtlich der Rechtschreibung einschließlich der Zeichensetzung und veralteter oder aus heutiger Sicht missverständlicher Schreibweisen, unangetastet geblieben.

Siehe die Video-Buchbesprechung von Florian Jung auf Youtube.

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Kollektion Laßwitz, Band I.3


Seifenblasen

Moderne Märchen. Nachdruck des 5.–6. Tsd. (ab 1906) der erstmals 1890 erschienenen Erzählungssammlung im Neusatz.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),
190 Seiten, 3 Reproduktionen
22,50 €ISBN 978-3-940679-24-6

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
Prolog
Auf der Seifenblase
Prinzessin Jaja
Stäubchen
Apoikis
Aladdins Wunderlampe
Aus dem Tagebuch einer Ameise
Musen und Weise
Unverwüstlich
Der Schirm
Der Traumfabrikant
Psychotomie
Mirax
Tröpfchen
Selbstbiographische Studien
Epilog

Über das Buch
Viele der Erzählungen von Kurd Laßwitz sind seit 1868 in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen erschienen. Nach den Buchveröffentlichungen Bilder aus der Zukunft (EA 1878) und Schlangenmoos (1884) folgte 1890 der Sammelband Seifenblasen, der unter dem Untertitel „Moderne Märchen“ elf Erzählungen und drei Gedichte enthielt, die bis auf zwei Erzählungen und einem Gedicht in den Jahren zwischen 1882 und 1889 schon in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht worden waren, darunter die sehr populäre Erzählung Auf der Seifenblase (1887) und die bedeutende und preisgekrönte Erzählung Apoikis (1882).
Seit der zweiten Auflage (1894) enthielt die Sammlung zusätzlich das zwischenzeitlich erschienene „moderne Märchen“ Prinzessin Jaja (1892) und das Märchen Der Schirm (1893).
Es handelt sich bei der Sammlung Seifenblasen um oft satirisch gefärbte utopisch-phantastische Erzählungen, Tier- und Naturmärchen, Gedichte und einen Essay.
Die letzte (undatierte) Ausgabe in dieser Zusammenstellung erschien wahrscheinlich 1930 im 13. u. 14. Tsd. Nach 1945 waren und sind viele der Seifenblasen-Erzählungen gemeinsam mit anderen Erzählungen von Laßwitz und anderen Autoren Bestandteile neu zusammengestellter Sammelbände.

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Kollektion Laßwitz, Band I.4/5


Auf zwei Planeten
R
oman in zwei Büchern.
Ungekürzte Neuausgabe des 9.–11. Tsd. (1908) des erstmals 1897 erschienenen zweibändigen Romans im Neusatz in einem Band.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 607 Seiten, 10 Reproduktionen, Kapitel- und Schlussvignetten, 35 Illustrationen von Walter Zeeden (1891–1961)
42,50 € — ISBN 978-3-940679-26-0

Vergriffen; für Nachauflage bitte vorbestellen; siehe zwischenzeitlich die broschierte Ausgabe oben

Über das Buch
Nachdem er schon mehrere utopisch-phantastische und sonstige Erzählungen veröffentlicht hatte, erschien 1897 Kurd Laßwitz’ erzählerisches Hauptwerk, der Marsroman Auf zwei Planeten. Dieser Roman ist seitdem nahezu unverändert in mehreren Auflagen bis etwa 1930 mit einer Gesamtauflage von ca. 70 000 Exemplaren nachgedruckt worden und auch in vielen fremdsprachigen Übersetzungen erschienen.
Auf zwei Planeten ist im zeitlichen Umfeld anderer großer „Marsromane“ entstanden und erschienen; genannt seien hier stellvertretend Across the Zodiac (1880; dt. Jenseits des Zodiakus, 1882, Neuausgabe 2008 in der DvR-Buchreihe) von Percy Greg und The War of the Worlds (1898; dt. Der Krieg der Welten, 1901) von Herbert George Wells. Leider ist Laßwitz’ großes Werk nach dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte hinweg in nur mehr oder weniger stark bearbeiteten und gekürzten Ausgaben in Buch-, Taschenbuch- und sogar Heftform erschienen, wobei der Text weitgehend auf die äußerliche Handlung reduziert worden ist; die Imperialismuskritik und der humanistische Geist sind dabei weitgehend verloren gegangen. Erst ab 1979 wurde der Roman erstmals wieder in sprachlich modernisierten, aber vollständigen Ausgaben vorgelegt. Hierzu gehört auch die vorliegende Neuausgabe, die den unveränderten Text der „Ausgabe letzter Hand“ (9.–11. Tsd., o. J., wahrscheinlich 1908) wiedergibt.
Wie wenig gegenwärtig der so oft zitierte und in seiner vollständigen Fassung wenig bekannte Roman Auf zwei Planeten heute auch in „Fachkreisen“ noch ist, zeigt sich u. a. darin, dass vielfach die Ansicht vertreten wird, Raumschiffe in Kugelform seien eine „Erfindung“ der 1961 begonnenen und noch immer erfolgreich laufenden PERRY-RHODAN-Serie, also ihrer Autoren und insbesondere des Exposé-Redakteurs Karl-Herbert Scheer. Kugelraumschiffe hat es auch vor 1961 in der „SF-Welt“ gegeben, sei es seit 1958 bei der Zeichenserie NICK DER WELTRAUMFAHRER von Hansrudi Wäscher oder auf Titelbildern von SF-Heftromanen, die seit Anfang der 1950er Jahre auch in Deutschland erschienen sind. Und auch Kurd Laßwitz hat seinen „Martiern“ Kugelraumschiffe zugeschrieben, zwar erst nach der noch früheren Erwähnung eines Kugelraumschiffs in Robert Cromies Roman A Plunge Into Space (1890), aber doch mit eigener Gestaltungskraft, was die in der nun vorliegenden Neuausgabe enthaltenen Illustrationen des als Marinemaler bekannten Walter Zeeden (1891–1961) verdeutlichen: Für Laßwitz, der über die physikalischen Eigenschaften von „Tropfen, die … der Schwerkraft ausgesetzt sind“ promovierte (vgl. KOLLEKTION LASSWITZ, Bd. II.1), waren Kugelraumschiffe eben metallene „Tropfen“, die besonders stabil und übrigens regelmäßig nicht der Schwerkraft ausgesetzt waren ...
Ob Karl-Herbert Scheer sich bei seiner Vorliebe für Kugelraumschiffe von Auf zwei Planeten – bewusst oder unbewusst – oder von anderen Vorbildern hat inspirieren lassen, ist mir nicht bekannt. Für die erste Annahme könnte allerdings sprechen, dass es in der PERRY-RHODAN-Welt, d. h. im Wega-System, einen unwirtlichen Planeten „Gol“ und auf dem Laßwitz-Mars eine „Wüste Gol“ gibt …
Der vorliegenden Neuausgabe liegt die folgende Ausgabe letzter Hand zugrunde: Kurd Laßwitz: Auf zwei Planeten. Roman in zwei Büchern. Leipzig: Verlag von B. Elischer Nachfolger, 9.–11. Tsd., o. J. [1908], 2 Bde. (Bd. 1: IV + 421 S., Bd. 2: IV + 545 S.). Ganzleinen, Farb- und Goldprägung, Buchblock ca. 18,5 x 12,3 cm, Druck v. Lippert & Co (G. Pätz’sche Buchdr.), Naumburg a. S.
Die Hardcover-Ausgabe enthält die 35 Illustrationen von Walter Zeeden, die dieser für die von Erich Laßwitz (1880–1959) gekürzte und bearbeitete und 1948 im Verlag Cassianeum, Donauwörth, erschienene Fassung geschaffen hat.

Siehe auch die Video-Rezension von Florian Jung auf Youtube

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Kollektion Laßwitz, Band I.6


Nie und Immer
Homchen. Ein Tiermärchen aus der oberen Kreide / Traumkristalle. Neue Märchen.
Nachdruck des 3.–4. Tsd. (1907) der erstmals 1902 erschienenen zweiteiligen Erzählungssammlung im Neusatz, beide Teile in einem Band.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),271 Seiten, 9 Reproduktionen
30,00 €ISBN 978-3-940679-25-3

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
1. Homchen. Ein Tiermärchen aus der oberen Kreide
2. Traumkristalle. Neue Märchen

[Prolog]
Jahrhundertmärchen
Der gefangene Blitz
Das Lächeln des Glücks  
Die drei Nägel
Die Frau von Feldbach
Die neue Welt
Die Fernschule
Der Gehirnspiegel
Morgentraum
Das Gesetz
Weihnachtsmärchen
Die Universalbibliothek
Wie der Teufel den Professor holte
Der Gott der Veranda
Schiefe Gedanken

Über das Buch

Die Sammlung Traumkristalle enthielt ursprünglich zehn Erzählungen, von denen drei in den Jahren 1899 und 1900 schon in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht worden waren. Seit der 1907 in zwei Bänden erschienenen zweiten Auflage (3. u. 4. Tsd., o. J. [1907]), die der vorliegenden Neuausgabe zu Grunde liegt, enthielt der Sammelband Traumkristalle zusätzlich fünf weitere, ebenfalls teilweise zwischenzeitlich erschienene „neue Märchen“: Das Gesetz, Weihnachtsmärchen, Die Universalbibliothek, Wie der Teufel den Professor holte und Der Gott der Veranda.
Es handelt sich bei Nie und Immer um oft satirisch gefärbte utopisch-phantastische Erzählungen, Tier- und Naturmärchen mit teilweise eingebetteten Gedichten. Die letzte (undatierte) Ausgabe in dieser Zusammenstellung erschien 1928 oder 1930 im 9. u. 10. Tsd. Nach 1945 waren und sind Homchen und viele der Traumkristalle-Erzählungen gemeinsam mit anderen Erzählungen (zumeist aus der Sammlung Seifenblasen) Bestandteile neu zusammengestellter Sammelbände. Die längere Erzählung Homchen ist 1982 und 2002 auch separat erschienen.
In vielen der in Nie und Immer enthaltenen Erzählungen hat Laßwitz nicht nur zeitgenössische Evolutionstheorien und -erkenntnisse (so in Homchen und Die Frau von Feldbach) thematisiert und die gesellschaftlichen Verhältnisse und Erwartungen seiner Zeit satirisch gespiegelt (z. B. in Homchen und Jahrhundertmärchen), sondern auch Autobiografisches eingeflochten (etwa in Der gefangene Blitz, Die Fernschule, Die Universalbibliothek und Wie der Teufel den Professor holte): In Der gefangene Blitz und Die Fernschule macht er besonders deutlich, wie sehr ihn der alltägliche Trott des Lehrerberufs belastet hat.
Die erstmals in Traumkristalle veröffentlichte Erzählung Die drei Nägel war übrigens von Laßwitz 1892 unter dem Titel „Die Nägel von Schrobeck“ der Zeitschrift UNSERE ZEIT. SCHORER’S FAMILIENBLATT angeboten worden, in der kurz zuvor die von ihm im Zusammenwirken mit der Redaktion in Form eines fiktiven Leserbriefs in Verbindung mit einem Preisausschreiben verfasste technisch-phantastische Erzählung Nach Chicago (Eine Preiskonkurrenz) (ursprünglicher Titel des Manuskripts: „Telelyt“) und die Humoreske Abgezählt erschienen waren. Die Redaktion hatte aber, wie sich dem Briefwechsel entnehmen läßt, offenbar eigenmächtige Veränderungen am Manuskript vorgenommen, worüber Laßwitz sich verärgert äußerte. Es kam daraufhin zu keinem Abdruck und auch zu keiner weiteren Zusammenarbeit. Laßwitz hatte vorgeschlagen, die (natürliche) Lösung für die übernatürlich erscheinenden Vorkommnisse um „Die Nägel von Schrobeck“ erst in einer späteren Ausgabe der Zeitschrift abzudrucken, nachdem das Publikum Gelegenheit gehabt hätte, hierzu (wie im Zusammenhang mit Nach Chicago) eigene Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen.
Die Erzählung Die neue Welt hatte im ursprünglichen handschriftlichen Manuskript den Titel „Die Entdeckung Amerikas“

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Kollektion Laßwitz, Band I.7


Aspira
Der Roman einer Wolke.
Nachdruck des 3. Tsd. (1906/07) des erstmals 1905 erschienenen Romans im Neusatz.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),180 Seiten, 3 Reproduktionen
22,50 €ISBN 978-3-940679-18-5

Über das Buch
Wie später (1909) in seinem letzten Roman Sternentau hat Laßwitz in seiner erstmals 1905 erschienenen Erzählung Aspira die Fechner’sche Vorstellung von einer „beseelten Natur“ thematisiert. Anders als in Sternentau geht es hier nicht um „Elfenwesen“, sondern um eine diffuse „überirdische“ Wolke, deren Versuch, eine harmonische Verbindung zwischen „der Natur“ und „dem Menschen“ herzustellen, ebenso wie in Sternentau letztlich scheitert. Wie später in Sternentau spielt auch hier eine gebildete junge Frau, die Chemikerin Wera Lentius, eine bedeutende Rolle: In ihrem Körper „materialisiert“ sich die „Wolkenprinzessin“ Aspira und bekommt so für sie völlig neue, ihr fremd bleibende Einblicke in das Empfinden der Menschen. Aspira kehrt angesichts ihres Scheiterns (wie die „Idonen“ in Sternentau) in „ihre Welt“ zurück.
Anders als vier Jahre später als in Sternentau heiratet die junge Frau Wera Lentius aber schließlich nicht den „jugendlichen Liebhaber“, den bei einem Umfall ums Leben gekommenen Ingenieur Theodor Martin, sondern ihren väterlichen Freund und Wissenschaftler-Kollegen Paul Sohm. Dieser Umstand lässt einen inneren Wandel bei Laßwitz’ schwärmerischer und offenbar auf Gegenseitigkeit beruhender Neigung zu seiner Cousine zweiten Grades, Hanna Brier, erkennen: Gewinnt – im Roman – 1905 (noch) der altersweise väterliche Freund die junge Frau, so tritt 1909 in Sternentau endgültig ein junger Mann an diese Stelle, während sich der ältere Mann in die Rolle des eben (nur) väterlichen Freundes fügt.
Der Roman spiegelt sehr deutlich Laßwitz’ Ausrichtung auf die Gedankenwelten Immanuel Kants und Gustav Theodor Fechners wider. Das hat (neben den für den Handlungsfluss eher als störend wirkenden zahlreichen Gedichten im Kapitel „Werbung“), ebenso wie später bei Sternentau, nicht dazu beigetragen, den von einem nur kleinen Publikum (dafür aber sehr) geschätzten Roman so populär werden zu lassen wie den „handfesteren“ Großroman Auf zwei Planeten: Nach dem 7. bis 8. Tausend (1924) hat es bisher offenbar nur einen auszugsweisen Nachdruck und zwei reprografische Nachdrucke gegeben.
Der vorliegenden Neuausgabe liegt die folgende Ausgabe letzter Hand zugrunde:

Aspira. Der Roman einer Wolke. Von Kurd Laßwitz. Leipzig: B. Elischer Nachfolger, 3. Tsd., o. J. [1906/07], Ganzleinen, Buchblock ca. 18,0 x 12,0 cm, IV, 265 Seiten

Das 4. Tausend ist, soweit dies aus Werbeanzeigen in anderen Laßwitz-Ausgaben des Elischer-Verlags zu rekonstruiert werden konnte, erst nach 1910, wahrscheinlich erst 1913, erschienen.

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Kollektion Laßwitz, Band I.8


Sternentau
Die Pflanze vom Neptunsmond.
Neuausgabe der erstmals 1909 erschienenen Erzählung.
2. Auflage, Klappenbroschur, 238 Seiten, 3 Reproduktionen
27,50 €ISBN 978-3-940679-15-4

Über das Buch
Im Roman Sternentau mit dem Untertitel Die Pflanze vom Neptunsmond hat Laßwitz Elemente aus seiner 1884 erschienenen Novelle Schlangenmoos 9 aufgegriffen und in kosmischem Rahmen weiter ausgebaut. Anders als in Schlangenmoos geht es hier nicht um nur vage angedeutete „Elfenwesen“, sondern um deutlicher in Erscheinung tretende pflanzengebundene „überirdische“ Wesen außerirdischer Herkunft, deren Versuche eines bewussten Zusammenlebens mit den Menschen scheitern. Wie schon in Schlangenmoos spielt hierbei eine selbstbewusste, sensible junge Frau, Harda, eine bedeutende Rolle. In der Figur der Fabrikantentochter Harda Kern (der Entsprechung der „Lilly“ in Schlangenmoos) hat Laßwitz seine entfernte Cousine Hanna Brier, für die er tiefe Zuneigung empfand und die ihn schwärmerisch verehrte, verewigt, in der Gestalt des väterlich-weisen Geo Solves (und wohl auch des jungen Dr. Eynitz, der Entsprechung des Lenz Gradenau aus Schlangenmoos) sich selbst.
Der Roman spiegelt sehr deutlich Laßwitz’ Ausrichtung auf die Gedankenwelten Immanuel Kants und, was die „beseelten Pflanzen“ betrifft, Gustav Theodor Fechners wider.
Der vorliegenden Neuausgabe liegt die folgende Erstausgabe und gleichzeitig Ausgabe letzter Hand zugrunde:

Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond. Von Kurd Laßwitz. Leipzig: B. Elischer Nachfolger, o. J. [1909], Kunstleder, Buchblock ca. 18,0 x 12,0 cm, IV, 376 Seiten

Der Text ist, auch hinsichtlich der Rechtschreibung einschließlich der Zeichensetzung und veralteter oder aus heutiger Sicht missverständlicher Schreibweisen, unangetastet geblieben. Offensichtliche Drucksatzfehler im Original sind jedoch stillschweigend berichtigt worden.

Siehe die Buchbesprechung von Stefan Vorer auf "lesen verbindet"

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Kollektion Laßwitz, Band I.9


Gedichte und Erzählungen
Gedichte, Scherzlieder, Humoresken und andere Erzählungen.
Neuausgabe seltener Gedichte, Scherzlieder, Humoresken und sonstiger Erzählungen aus den Jahren 1869–1910, u. a. aus  Empfundenes und und Erkanntes und Die Welt und der Mathematikus)
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 283 Seiten, 50 Abbildungen (Illustrationen und Reproduktionen)

30,00 €ISBN 978-3-940679-14-7

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
1. Gedichte vermischten Inhalts
[1871–1910]
Feldpostbrief
Elegien
zahlreiche weitere Gedichte
2. Späte Liebe
[Drei Gedicht-Zyklen]
Sehnen und Werben
Erfüllung und Glück
Verlieren und Gedenken
3. Anlassbezogene Gedichte
Drei Brautsonette
Erich und Elsa Laßwitz zu ihrem Hochzeitsfeste [1908]
Prolog zur Schillerfeier [1909]
Begrüßung [25 Jahre Mittwochsgesellschaft, 1909]
4. Witze, Scherzgedichte, Scherzlieder
Die harte Nuß [1870]
Bibel-Auslegung [1870]
Eine delicate Nummer [1870]
Der einzige Unterschied [1871]
Albumblätter für junge Damen, zur Erinnerung an Adonis von Schmachten [1871]
Hi und Ho [1875]
Lunulae Hippokrates [1875]
Traurige Ballade von den eifersüchtigen Kegeln [1880]
Prost. Der Faust-Tragödie (-n)ter Teil [„Faust“-Parodie,1882]
dx [1902]
5. Humoresken
Der Scharfrichter oder Ein treues Herz. Neuester Sensationsroman [1869]
O Gott, wie man sich täuschen kann [1876]
Ein gefährlicher Hirsch [1877]
Abgezählt [1892]
6. Andere Erzählungen

Vom Tropfen, der die Welt sehn wollte [1877]
A priori [1884]
Frauenaugen [1886]
Nach Chicago (Eine Preiskonkurrenz) [1892]
Die Unbeseelten [1908]
Die Weltprojekte [1908]
Die entflohene Blume [1910]

Über das Buch
Wer bisher nur den vielzitierten zweibändigen Großroman Auf zwei Planeten und die in verschiedenen Sammelbänden enthaltenen „Naturmärchen", „Modernen Märchen" und sonstigen spekulativen Erzählungen von Kurd Laßwitz kannte, wird erstaunt sein, dass der akademisch gebildete und promovierte sogenannte „Vater der deutschen Science Fiction", nach dem (wie schon einmal 1959) seit 1981 ein SF-Literaturpreis benannt ist, nicht nur in seiner Studentenzeit, sondern auch noch als im Berufsleben stehender Pädagoge „ganz anders" schreiben und dichten konnte und geschrieben und gedichtet hat. Da findet man leidenschaftliche Liebes- und besinnliche Gedichte und schlichte Witze und Humoresken neben „mathematischen" Scherzliedern, Parodien und „Naturmärchen". Man weiß von Laßwitz’ Urheberschaft in vielen Fällen anonymer oder pseudonymer Veröffentlichung übrigens nur durch das von ihm 1893 verfasste handschriftliche Verzeichnis seiner Veröffentlichungen von 1868–1893. Aber auch das gehört zum „ganzen" Laßwitz und kann getrost wieder vorgestellt werden, ohne dass dadurch sein „eigentliches" naturwissenschaftliches, essayistisches und belletristisches Werk Schaden nehmen müsste.
Die frühen Humoresken und oft sentimentalen Kalender- und Dorfgeschichten lassen an Karl Mays entsprechende frühe (und auch noch späte!) Schriften denken. Wenn die beiden Schriftsteller auch in keiner erkennbaren Beziehung zueinander gestanden haben, obwohl sie Zeitgenossen waren (Karl May lebte von 1842 bis 1912), finden wir sie doch zumindest in einer Publikation dicht beieinander: In TREWENDT’S VOLKS-KALENDER FÜR 1878 erschien 1877 Karl Mays Humoreske Die verhängnißvolle Neujahrsnacht auf S. 29–55, Kurd Laßwitz’ Naturmärchen Vom Tropfen, der die Welt sehn wollte auf S. 67–74 …
Die Texte folgen in der Regel den Ausgaben „letzter Hand", also den Ausgaben, die als letzte zu Lebzeiten des Verfassers im Druck erschienen sind, wobei in vielen Fällen, in denen nur ein Druck erfolgt ist, Erstdruck und Druck „letzter Hand" identisch sind. Die jeweils verwendeten Texte werden in den folgenden editorischen Hinweisen zu den sechs Abschnitten des vorliegenden Sammelbands im Einzelnen genannt.
Die Gedichte sind größtenteils dem etwa zehn Jahre nach Laßwitz’ Tod von Hans Lindau herausgegebenen Sammelband Empfundenes und Erkanntes und teilweise dem 1924 von Walter Lietzmann herausgegebenen Sammelband Die Welt und der Mathematikus entnommen worden. Die Gedichte, Erzählungen und sonstigen Beiträge sind in den jeweiligen Abschnitten in chronologischer Reihenfolge enthalten, wobei auf das erste Erscheinungsjahr oder, falls sich eine davor liegender Entstehungszeit anderweitig feststellen ließ, auf diese abgestellt worden ist. Die erstmals posthum im Druck erschienenen Texte werden innerhalb der Abschnitte in der dortigen Reihenfolge des Abdrucks wiedergegeben.

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Kollektion Laßwitz, Band I.10


Studien
Lustspiel in vier Aufzügen und andere Gedichte, Humoresken und Erzählungen.
Erstveröffentlichungen aus dem handschriftlichen Nachlass.
2. Auflage, Klappenbroschur, 198 Seiten,6 Reproduktionen
15,00 € — ISBN 978-3-945807-31-6

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
1. Studien
[1886 oder später]
Lustspiel in vier Aufzügen nach Motiven aus der Erzählung Schlangenmoos (KL I.2)
2. Gedichte

Das Hochgebirge ist mit Schnee bedeckt [1872]
Versäumt [1887]
Weltendauer [1888]
3. Grotesken und Humoresken
Alizarin. Eine lehrreiche Geschichte
Die Anzeige. Humoreske
Die Meergreise oder Die Rache des Gelehrten (Groteske)
4. Märchen und Erzählungen
Eine Geschichte ohne Anfang und Ende
Hebe. Erzählung
Die Vernunft im Bade [unvollendet]
Die Zauberschminke [unvollendet]

Über das Buch
Wer bisher nur den vielzitierten zweibändigen Großroman Auf zwei Planeten und die in verschiedenen Sammelbänden enthaltenen „Naturmärchen“, „Modernen Märchen“ und sonstigen spekulativen Erzählungen von Kurd Laßwitz kannte, wird erstaunt sein, dass der akademisch gebildete und promovierte sogenannte „Vater der deutschen Science Fiction“, nach dem (wie schon einmal 1959) seit 1981 ein SF-Literaturpreis benannt ist, nicht nur in seiner Studentenzeit, sondern auch noch als im Berufsleben stehender Pädagoge „ganz anders“ schreiben und dichten konnte und geschrieben und gedichtet hat. Da findet man leidenschaftliche Liebes- und besinnliche Gedichte und schlichte Witze und Humoresken neben „mathematischen“ Scherzliedern, Parodien und „Naturmärchen“. Von der Urheberschaft Laßwitz’ wissen wir übrigens in den Fällen anonymer oder pseudonymer Veröffentlichungen oft nur durch das in der Forschungsbibliothek Gotha aufbewahrte von ihm 1893 gefertigte handschriftliche Verzeichnis seiner Veröffentlichungen 1868–1893.
Aber auch das gehört zum „ganzen“ Laßwitz und kann, wie schon zu einem großen Teil im Sammelband Gedichte und Erzählungen (KL I.9) getrost wieder vorgestellt werden, ohne dass dadurch sein „eigentliches“ naturwissenschaftliches, essayistisches und belletristisches Werk Schaden nehmen müsste. Man sehe dem Dichter also seine „Jugendsünden“ nach und erfreue sich an den teilweise recht einfach gestrickten Texten, die im Übrigen einen Vergleich mit noch heute beliebten „Volksstücken“ nicht zu scheuen brauchen.
Die Auswahl der Texte hat sich, neben der Lesbarkeit der Handschrift, auch daran orientiert, ob sie für Kurd Laßwitz’ Biografie und für seine schriftstellerische Entwicklung von Bedeutung sein können.

Studien. Lustspiel in vier Aufzügen
Das Lustspiel ist, abgesehen von veränderten Namen und Beziehungen der handelnden Personen zueinander, weitgehend eine dramatisierte Fassung der 1884 unter dem Pseudonym „L. Velatus“ (also der „verhüllte“ oder „verdeckte L.[aßwitz]“) erschienenen Novelle Schlangenmoos (KL I.2) an die Kurd Laßwitz übrigens in seiner umfangreicheren und hochgeschätzten späteren Erzählung Sternentau. Die Pflanze vom Neptunsmond (1909, KL I.8) in weiter entwickelter Form noch einmal angeknüpft hat. Es konnte bisher leider nicht ermittelt werden, wann das im Manuskript undatierte (und nach bisherigen Informationen auch nie aufgeführte) Lustspiel entstanden ist und warum die einander entsprechenden Personen zwar sehr ähnliche, aber eben doch andere Namen als in Schlangenmoos haben; Sternentau ist darüber hinaus völlig neu konzipiert.
Aus im Text enthaltenen Hinweisen kann geschlossen werden, dass Studien nach Schlangenmoos entstanden ist, und zwar frühestens 1886, vielleicht auch noch später:
Das Lustspiel Studien gehört, ebenso wie Schlangenmoos, nicht zu den „stärkeren“ Laßwitz-Texten. Das wird der schon zum Gymnasialprofessor ernannte und auf eine Universitäts-Professur hoffende Akademiker, Ehemann und Familienvater im Alter von etwa 36–37 Jahren wohl auch empfunden haben, denn nicht ohne Grund hat er in beiden Fällen ein Pseudonym benutzt. Andererseits ist es aber doch bemerkenswert, daß Laßwitz eine relativ schwache (im Druck erschienene) Erzählung kurze Zeit später nochmals dramatisiert hat. Die Handlung mit teilweise autobiografischen Bezügen muss ihm in irgend einer besonderen Weise am Herzen gelegen haben.
Dieser Erstveröffentlichung aus dem Nachlass liegt die folgende Handschrift zu Grunde:

Studien. Lustspiel in vier Aufzügen von Velatus. Manuskript, o. J., Handschrift Hs.Sg.Sg.35 in der Sammlung neuerer Handschriften (Hs Sg 1–204) in der Universitätsbibliothek Gießen. Kladde, ca. 21,5 x 17,8 cm, 138 Blatt, einseitig beschriftet

Gedichte
Die beiden Gedichte sind, anderes als die übrigen in diesem Band enthaltenen Texte, nicht dem handschriftlichen Nachlass entnommen worden, sondern 1872 bzw. 1888 in Zeitschriften erschienen. Das längere schwermütige Gedicht Das Hochgebirge ist mit Schnee bedeckt wird hier nachgedruckt, weil es inhaltlich dem Handlungsraum des Lustspiels Studien nahe steht, das kürzere Gedicht Weltendauer zeigt, dass Laßwitz auch noch nach seiner Ernennung zum Gymnasialprofessor (1884) Gedichte nicht (nur) anonym, sondern unter Angabe zwar nicht seines vollen Namens, aber doch seiner Initialen „K. Ltz.“ auch in Unterhaltungszeitschriften veröffentlichen ließ.
Die Gedichte sind folgenden Zeitschriften entnommen worden:

Das Hochgebirge ist mit Schnee bedeckt, in: RÜBEZAHL (zugleich Organ für Mitteilungen und Berichte der Philomathien zu Oppeln). Glogau, N. F. 11 (1872), S. 193
Weltendauer [als K. Ltz.], in: FLIEGENDE BLÄTTER. München: Schreiber, Bd. 89 (1888), Nr. 2245, S. 53

Grotesken und Humoresken
Die Versdichtung Alizarin stammt wahrscheinlich aus der Zeit um 1870 und enthält Anspielungen auf Laßwitz selbst und einige Künstler aus seinem Bekanntenkreis (z. B. Max Kalbeck), wahrscheinlich im Rahmen des Breslauer Vereins „Dintenfaß“; Alizarin ist ein Tintenfarbstoff.
Die Verwechslungsgeschichte Die Anzeige erinnert an die frühe Humoresken Karl Mays „vom Ernstthaler Stammtisch“.
Die 1872 entstandene Groteske Die Meergreise parodiert, wie schon 1869 der im Untertitel zitierte „Roman“ Der Scharfrichter oder Ein treues Herz (in KL I.9) die damals beliebten ebenso umfang- wie erfolgreichen bandwurmartigen in mehrere „Bücher“ und Kapitel aufgeteilte Fortsetzungs-Sensationsromane.
Diesen Erstveröffentlichungen aus dem Nachlass liegen die folgenden Handschriften zu Grunde:

Alizarin. Eine lehrreiche Geschichte. Allen unglücklichen Musenjüngern in gereimten Hinkjamben erzählt von K. Laßwitz. Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 1969 (A) Bl. 29–35
Die Anzeige. Humoreske. Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 1964a Bl. 308–337
Die Meergreise oder Die Rache des Gelehrten oder Die geheimnisvolle Person. Geographisch - physikalisch - historischer Loral - Sitten - Roman in sechs Bänden vom Verfasser des Sensationsromans: „Der Scharfrichter oder ein treues Herz.“ Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 2170 II (1) Bl. 1–16; die erste Manuskriptseite trägt die Jahreszahl „1872“.

Märchen und Erzählungen
Mit der Abfassung der surrealistisch anmutenden Erzählung Eine Geschichte ohne Anfang und Ende hat Laßwitz wahrscheinlich versucht, die Eindrücke aus seiner Militärzeit (1870/71) zu verarbeiten.
Das gilt noch mehr für die in eben dieser Besatzungszeit in Frankreich spielende Erzählung Hebe, die keinen „Hurra-Patriotismus“ vermittelt, sondern die gewöhnlichen, in den einschlägigen Familienblättern nicht findenden schlimmen Begleiterscheinungen eines Krieges vor allem für die Zivilbevölkerung eines besetzten Landes eindrucksvoll schildert. Diese von Mitgefühl und „der Frage nach dem Sinn“ geprägte Erzählung findet ihre Parallele im ebenfalls aus dem Jahr 1871 stammenden Gedicht Feldpostbrief (in KL I.9).
Die Erzählung Die Vernunft im Bade ist offenbar unvollendet geblieben, so daß die Zielrichtung, die Botschaft, offen bleibt. Ebenso bleibt offen, ob Laßwitz mit der weiblichen Hauptperson auf die Schriftstellerin und Friedensnobelpreisträgerin (1905) Bertha von Suttner (1843–1914) anspielen wollte, die mindestens von 1887–1998 mit ihm korrespondierte.
Auch das Märchen Die Zauberschminke ist unvollendet geblieben und lässt Fragen offen.
Vorsorglich möchte ich darauf hinweisen, daß einige Erzählungen aus dem Nachlass hier nicht veröffentlicht werden, weil sie später unter anderen Titeln bei weitgehend gleichem oder nur redaktionell geändertem (z. B. durch Gedichte erweitertem) Inhalt veröffentlicht worden sind. So entsprechen die Handschriften Was die Welle vom Menschen erfuhr der Erzählung Vom Tropfen, der die Welt sehn wollte (in KL I.9), Das Märchen vom Herzen, das nicht trocknen konnte der Erzählung Der Schirm (in KL I.3), Telelyt der Erzählung Nach Chicago (in KL I.9) und Die Entdeckung Amerikas der Erzählung Die neue Welt (in KL I.6).
Den im vorliegenden Band enthaltenen Erstveröffentlichungen aus dem handschriftlichen Nachlass liegen die folgenden Handschriften zu Grunde:

Eine Geschichte ohne Anfang und Ende. Von Kurd Laßwitz Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 2170 I (2) B Bl. 83–90; das Deckblatt des Manuskripts enthält die Jahreszahl „1871“.
Hebe. Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 1969 (2) Bl. 99–106
Die Vernunft im Bade. Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 1964b Bl. 769–773 [offenbar unvollendet]
Die Zauberschminke. Ein Märchen. Handschriftlicher Nachlass der Forschungsbibliothek Gotha, Signatur Chart. B 1964b Bl. 774–777 [offenbar unvollendet]

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Kollektion Laßwitz, Band I.11


Herr Strehler oder der poetische Hauslehrer
und andere seltene Texte [1868–1894].
Neuausgabe seltener Humoresken, Festspiele, Scherzlieder und Gedichte.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 154 Seiten, 23 Illustrationen und 10 Reproduktionen
22,50 € — ISBN 978-3-940679-38-3

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise

1
. Humoresken
Herr Strehler oder der poetische Hauslehrer [1868], illustriert
Ich und mein Bruder werden nie heirathen [1869], illustriert
Die Geschwister. Historischer Roman in fünf Capiteln [aus dem Nachlass, ca. 1880]
2. Festspiele
Festspiel zum ersten Stiftungsfeste der Mittwochs-Gesellschaft [1885]
Schulfestspiel [Marien-Institut, 1886]

3
. Mathematische und astronomische Lieder
Wie die mathematischen Größen ein Fest feierten [1872]
Wer hörte nicht jüngst ein Gemunkel entstehn [1874]
Weltverbesserung [1874]
Das Lied vom Raume [1877]
Die größten Geister der Magie [1879]
22. Stiftungsfest [1884]
Festgruß vom Seeberg [1894]
Lied an die Sternenfreunde [1894]
4. Scherzgedichte

Praxis in allen Vocalen [1870]
Die Unverwüstlichen [Erstfassung 1878], illustriert
Die Bowle [1879]
Neujungdeutschlands Werkbetriebsloblied [Nachlass]

5
. Sonstige Gedichte
Zum 29. März [Gedicht über das Elternhaus; Nachlass, 1867], illustriert
Schiebende Wellen [Nachlass, o. J.]

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Abteilung II - Sachbücher, Vorträge, Aufsätze


 


Kollektion Laßwitz, Band II.1


Über Tropfen, Atomistik und Kritizismus
Ueber Tropfen, welche an festen Körpern hängen und der Schwerkraft unterworfen sind
[Dissertation]
Atomistik und Kriticismus. Ein Beitrag zur erkenntnistheoretischen Grundlegung der Physik

Reprografische Nachdrucke der Dissertation aus dem Jahr 1873 und der Abhandlung aus dem Jahr 1878.

Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 219 Seiten, Vorwort, Reproduktionen
25,00 €ISBN 978-3-940679-16-1

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
Ueber Tropfen, welche an festen Körpern hängen und der Schwerkraft unterworfen sind

Einleitung
I. [ohne Titel]
II. Differentialgleichung eines „kreisförmigen“ Tropfens. Grenzbedingungen
III. Differential-Gleichung eines „ringförmigen“ Tropfens. Differential-Gleichung eines Wulstes
IV. Grenzfall des Gleichgewichts
V. Maximale Länge der Tropfen
VI. Volumen kreisförmiger Tropfen
VII. Specielle Fälle des Volumens kreisförmiger Tropfen
VIII. Volumen wulstförmiger Tropfen
IX. Volumen und Länge ringförmiger Tropfen
X. Volumen und Länge eines ringförmigen Wulstes
XI. Integral-Gleichung eines sehr kleinen Tropfens
XII. Weitere Annäherung
XIII. Integral-Gleichung eines sehr flachen Tropfens
XIV. Integral-Gleichung ringförmiger Tropfen und ringförmiger Wulste     
XV. Allgemeine Integralgleichung eines kreisförmigen Tropfens
Lebenslauf
Thesen
Atomistik und Kriticismus. Ein Beitrag zur erkenntnistheoretischen Grundlegung der Physik
Ankündigung
Vorwort
I. Einleitung
II. Die Aufgabe der Naturwissenschaft
III. Die Entstehung des Atombegriffs
IV. Vertheidigung des phänomenalen Atoms
V. Der Zusammenhang der Atome und die Mittheilung der Bewegung als Andrangsempfindung
VI. Die Principien der Mechanik
VII. Das Apriori in der Physik
VIII. Der Begriff der Elasticität und der Stoss der Atome
IX. Schluss

Über die beiden Texte
Die Dissertation Ueber Tropfen, welche an festen Körpern hängen und der Schwerkraft unterworfen sind aus dem Jahr 1873 hat die Eigenschaften von Tropfen unter bestimmten physikalischen Bedingungen zum Gegenstand. Eine wissenschaftliche Untersuchung „über Tropfen“ mutet heute vielleicht seltsam an; sie ist auch für Laien angesichts der großen Anzahl oft sehr komplexer Gleichungen nur schwer nachvollziehbar. Immerhin ist sie aber, unter leicht verändertem Titel und Text, aber im Wesentlichen mit gleichem Inhalt (weshalb auch im Rahmen der K
OLLEKTION LASSWITZ (KL) von einem Abdruck abgesehen wird), schon ein Jahr später in der hochangesehenen Fachzeitschrift ANNALEN DER PHYSIK UND CHEMIE einem breiteren und vor allem kompetenten Publikum zugänglich gemacht worden.
Aber abgesehen von der wissenschaftlichen Bedeutung der Dissertation ist das Thema „Tropfen“ aber offenbar für Laßwitz von besonderer Bedeutung gewesen: In mehreren Erzählungen spielen Tropfen eine tragende Rolle oder werden bemerkenswert oft thematisiert, z. B. in Vom Tropfen, der die Welt sehn wollte (enthalten in KL I.9) und in der erweiterten Fassung Tröpfchen (enthalten in Seifenblasen), in Schlangenmoos (KL I.2) und schließlich in Sternentau (KL I.8).
Die 1878, zeitgleich mit der volkstümlichen Schrift Natur und Mensch und dem aus zwei Erzählungen bestehenden Sammelband Bilder aus der Zukunft, erschienene Abhandlung Atomistik und Kriticismus ist, abgesehenen von verschiedenen themengleichen Zeitschriftenveröffentlichungen vor und nach 1878, in Laßwitz’ 1890 erschienenen wissenschaftlichem Hauptwerk, der zweibändigen Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis Newton, aufgegangen. Da diese frühe Abhandlung aber immerhin zwölf Jahre vor der Geschichte der Atomistik erschienen und wegen ihrer Seltenheit sehr gesucht ist, wird sie hier textgetreu wiedergegeben.
Diesem Nachdruck liegen die folgenden Ausgaben zu Grunde, die, soweit ich ermitteln konnte, auch die einzigen waren:

Ueber Tropfen, welche an festen Körpern hängen und der Schwerkraft unterworfen sind. Inaugural-Dissertation [… von] Kurd Lasswitz (siehe den vollständigen Titel auf S. I der Seitenzählung des Originals bzw. S. 15 nach der durchgehenden Seitenzählung]. Breslau: F. W. Jungfer’s Buchdruckerei, 1873. IV + 76 + ii S. Gebunden, Buchblock ca. 21,5 x 14,0 cm

Atomistik und Kriticismus. Ein Beitrag zur erkenntnistheoretischen Grundlegung der Physik von Kurd Lasswitz. Braunschweig: Friedrich Vieweg und Sohn, 1878. VIII + 111 S. Broschüre, Buchblock ca. 22,5 x 14,5 cm

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Kollektion Laßwitz, Band II.2


Die Lehre Kants von der Idealität des Raumes und der Zeit,
i
m Zusammenhange mit seiner Kritik des  Erkennens allgemeinverständlich dargestellt.

Neuausgabe der erstmals 1883 erschienenen preisgekrönten philosophischen Abhandlung im Neusatz.

Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 236 Seiten, Reproduktionen
25,00 €ISBN 978-3-940679-34-5

Inhaltsverzeichnius (ohne Feingliederung)
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
Selbstanzeige
Erklärung
Vorwort
Erster Abschnitt. Die Unzulänglichkeit der materialistischen Weltanschauung
Zweiter Abschnitt. Die Welt als Inhalt des Bewußtseins
Dritter Abschnitt. Die Idealität des Raumes
Vierter Abschnitt. Die Idealität der Zeit
Fünfter Abschnitt. Der Verstand und die Bedingungen der Erfahrung
Sechster Abschnitt. Die Existenz von Gegenständen und die empirische Realität von Raum und Zeit
Siebenter Abschnitt. Die Dinge an sich
Achter Abschnitt. Die Apriorität des Raumes und die mathematische Spekulation
Neunter Abschnitt. Naturgesetz und Naturerkenntnis
Zehnter Abschnitt. Die Schranken des Erkennens. Verstand und Vernunft
Elfter Abschnitt. Die Idee der Freiheit
Zwölfter Abschnitt. Seele. Unsterblichkeit. Gott
Schluß. Die Metaphysik und die Philosophie
Alphabetisches Verzeichnis der wichtigsten Begriffe und Erklärungen

Aus der Selbstanzeige
Das Buch wendet sich an das gebildete Publikum, um das Interesse desselben für die auf Kants Kriticismus gegründete idealistische Weltanschauung zu erwecken. Zu diesem Zwecke wird nach einer Widerlegung des Materialismus die Lehre von der transcendentalen Idealität und empirischen Realität des Raumes und der Zeit, von den Kategorien und den Ideen in populärer Sprache vorgetragen. Für den Philosophen dürfte der Abschnitt über die mathematische Spekulation und die Erörterung der Begriffe des Noumenon und des autonomen Ich durch die Art der Darstellung und Auffassung von Interesse sein, sowie die im Gegensatz zu Kant gegebene Begründung der Atomistik auf die kritische  Erkenntnistheorie. — ([Kurd Lasswitz: Selbstanzeige zu Die Lehre Kants von der Idealität des Raumes und der Zeit], in: VIERTELJAHRSSCHRIFT FÜR WISSENSCHAFTLICHE PHILOSOPHIE. Leipzig, 7. Jg. (1883), Heft 2, S. 248)

Aus dem Vorwort
Im December 1880 versandte das Literatur-Institut von E. Last in Wien das Programm zu einer Preisausschreibung, welchem folgendes zu entnehmen gestattet sei:

„Von einem schönen Idealismus und reiner Humanität beseelt, beschloß Herr Julius Gillis in St. Petersburg eine Preisbewerbung zu veranstalten, um gleichgesinnte philosophisch durchgebildete Männer zu veranlassen, eine Popularisirung des wichtigen Lehrsatzes Kants von der Idealität von Zeit und Raum zu versuchen.
     Er setzt deshalb tausend Gulden Oest. Währung als Preis aus für die beste Beantwortung untenstehender Fragen, welche nur dazu dienen sollen, die Richtung und den Inhalt des gewünschten populär-philosophischen Werkes anzudeuten.
     Jeder dem es bereits zur Ueberzeugung geworden, daß es für die gegenwärtige europäische Menschheit keine wichtigere geistige Aufgabe geben kann als die: dem immermehr in allen Schichten sich ausbreitenden Materialismus gegenüber die idealistische Richtung Kants zur Geltung zu bringen, sie durch Mittheilung zu einem Einflusse, einer Macht in der Wirklichkeit zu gestalten — jeder so Gesinnte wird mit Freuden den Anstoß begrüßen, mit welchem ein Privatmann im russischen Reiche die Thätigkeit der Deutschen auf diesem Felde in Fluß zu bringen bestrebt ist.
     Thema der Arbeit sei also eine genaue und allen Gebildeten verständliche Darstellung der wichtigen und folgenreichen Lehre Kants von der Idealität von Zeit und Raum. Ausgeschlossen seien dabei alle nur für Gelehrte Werth habende philologische Forschungen über den Ursprung dieser Lehre; ausgeschlossen ferner die Anwendung fremder Sprachen in Citaten und im Text, sowohl als ein schwülstiger, schwer verständlicher Styl. Da diese Arbeit den Nutzen haben soll, allen denen, die nach einer ernsteren und tieferen Lebensauffassung verlangen, als sie die materialistischen Lehren geben können, eine klare und vollkommene Einsicht zu verschaffen, sowohl in das Wesen der Lehre selbst, als in die Consequenzen, die daraus hervorgehen, so ist erforderlich:
     1. Die Punkte hervorzuheben und zu verdeutlichen, wo die materialistische Weltanschauung nicht mehr genügt;
     2. die Lehre von der Idealität von Zeit und Raum selbst klar und mit einleuchtenden Beweisen darzustellen;
     3. zu entwickeln, welche Fortschritte in dieser Lehre enthalten sind, und zu welchen Resultaten des Denkens und der Sittlichkeit sie hinleitet. Erklärt werde hierbei die Lehre Kants vom Zusammenbestehen der Freiheit mit der Nothwendigkeit, sowie die vom empirischen und intelligiblen Charakter.“

Dieser Preisausschreibung verdankt das vorliegende Buch seine Entstehung. Das Programm derselben ist von dem Verfasser nach Möglichkeit befolgt worden und bezeichnet daher Absicht und Richtung der Schrift, welche von den Preisrichtern, den Professoren der Philosophie E. Laas in Straßburg, W. Wundt und M. Heinze in Leipzig, mit dem Preise gekrönt wurde.
     Der Zweck populärer Darstellung und das Streben nach Erleichterung für den Leser war in allen Fällen entscheidend, wo es zweifelhaft sein konnte, was von den Darlegungen des Meisters in die Arbeit aufzunehmen wäre. Wo thatsächliche Abweichungen von der Lehre Kants vorliegen, welche nicht bloß durch den angestrebten allgemeinverständlichen Ausdruck geboten waren, sondern sich begründen in der Auffassung und Ueberzeugung des Verfassers, da glaubt derselbe diese Meinungsverschiedenheit genügend kenntlich gemacht zu haben, so z. B. in der Ableitung der Grundlagen der theoretischen Phvsik.
     Einzelnes in der Art der Darstellung und Auffassung dürfte vielleicht selbst für den Fachmann Interesse besitzen, namentlich aber hofft der Verfasser, daß das vorliegende Buch auch dem Anfänger in der Philosophie eine förderliche Einführung in das Studium der Originalwerke des Philosophen sein könne. Vor allem jedoch möge es seinen Zweck erfüllen im Sinne des Stifters der Preisausschreibung und wirken für die Ausbreitung der Kenntnis Kantischer Lehren in den großen Kreisen des gebildeten Publikums.
Gotha, den 11. December 1882
Kurd Laßwitz

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Kollektion Laßwitz, Band II.3


Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis Newton - Band 1
Die Erneuerung der Korpuskulartheorie

Reprografischer Nachdruck des erstmals 1890 in zwei Bänden erschienenen wissenschaftsgeschichtlichen Werkes.
Band 1
2. Auflage, Klappenbroschur, xii + XII + 518 (zusammen 542) Seiten

27,50 €
ISBN 978-3-945807-30-9

Inhaltsverzeichnis (ohne Feingliederung)
Erster Band · Die Erneuerung der Korpuskulartheorie

Vorbemerkungen und editorische Hinweise
Selbstanzeige zu Geschichte der Atomistik
Einleitung
Erstes Buch · Die Atomistik im Mittelalter

1. Die Atomistik bei den Kirchenvätern
2. Die Korpuskulartheorie im Mittelalter vor dem Bekanntwerden der physikalischen Schriften des Aristoteles
3. Aristoteles
4. Die Atomistik der Mutakallimun
5. Jüdische und arabische Philosophen
6. Das Kontinuitätsproblem
7. Korpuskulartheoretische Anregungen
8. Die Frage nach dem Verhalten der Bestandteile in der chemischen Verbindung
9. Occam und Nicolaus de Autricuria
Zweites Buch · Die Erneuerung der Korpuskulartheorie

1. Das Prinzip der innern Entwickelung
2. Angriffe auf die aristotelische Elementenlehre
3. Die Unverwandelbarkeit der Elemente
4. Giordano Bruno
5. Übergänge
6. Die Erneuerung der physikalischen Atomistik in Deutschland durch D. Sennert (1619)
7. David van Goorle (1620)
8. Die Erneuerung der Atomistik in Frankreich (1621)
9. Die Erneuerung der Korpuskulartheorie in Italien

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Kollektion Laßwitz, Band II.4


Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis Newton - Band 2
Höhepunkt und Verfall der Korpuskulartheorie des 17. Jahrhunderts

Reprografischer Nachdruck des erstmals 1890 in zwei Bänden erschienenen wissenschaftsgeschichtlichen Werkes.

2. Auflage, Klappenbroschur,
iv + VIII + 609 (zusammen 621) Seiten.

30,00 €
ISBN 978-3-945807-29-3

Inhaltsverzeichnis (ohne Feingliederung)
Zweiter Band · Höhepunkt und Verfall der Korpuskulartheorie des siebzehnten Jahrhunderts

Drittes Buch · Der philosophische Ausbau der Korpuskulartheorie

1. Der neue Begriff der Bewegung
2. Galileis Atomistik
3. Descartes
4. Gassendi
5. Digby
6. Hobbes
Viertes Buch · Die naturwissenschaftliche Vollendung der Korpuskulartheorie

1. Joachim Jungius
2. Robert Boyle
3. Otto von Guericke
4. Giovanni Alfonso Borelli
5. Die Vibrationstheorien
6. Huygens
Fünftes Buch · Der Übergang zur dynamischen Theorie der Materie

1. Die Realität der Wechselwirkung in der Umbildung des Cartesianismus
2. Spinoza
3. Leibniz
4. Der Verfall der Korpuskulartheorie
5. Beseelte Körper und ausgedehnte Geister
6. Die Attraktionshypothese
7. Newton
Anhang

I. Verzeichnis der unter abgekürzten Titeln citirten Werke
II. Sachregister
III. Namensregister

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Kollektion Laßwitz, Band II.5


Gustav Theodor Fechner
Reprografischer Nachdruck (Antiqua, keine Fraktur) der
3. Auflage 1910 der erstmals 1896 erschienenen Biografie über den Philosophen und Psychologen Fechner (1801–1887).

Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),236 Seiten; im Anhang sind die Vorworte von Laßwitz als Herausgeber der Fechner-Werke Nanna und Zend-Avesta im Neusatz enthalten.
25,00 €ISBN 978-3-940679-31-4

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
Vorbemerkung
Zur ersten Auflage (1896)
Zur zweiten Auflage (1901)
Zur dritten Auflage (1909)
Beim Zitieren

Gustav Theodor Fechner
Einleitung
E r s t e r   T e i l :   L e b e n   u n d   W ir k e n
I. 1801–1843: 1. Die Jugend / 2. Der Mediziner / 3. Naturphilosophie / 4. Der Physiker. Elektrizität / 5. Optische Versuche / 6. Lohnarbeit / 7. Die humoristischen Schriften / 8. Neigung zur Belletristik / 9. Die Krankheit
II. 1844–1860: 10. Uebergang zur Philosophie / 11. Nanna / 12. Zend-Avesta / 14. Gegen den Zeitgeist / 14. Die Atomenlehre
III. 1860–1887: 15. Die Psychophysik / 16. Der Streit um die Psychophysik und die experimentellen Psychologie / 17. Die Aesthetik / 18. Der Lebensabend
Z w e i t e r   T e i l :   D a s   W e l t b i l d
I. Die Bewegung: 19. Das Grundgesetz der Erkenntnis und die Naturwissenschaft / 20. Das allgemeine Gesetz der Bewegung / 21. Gesetz als Einheit des Systems / 22. Anorganisch, organisch, kosmorganisch / 23. Das Princip der Tendenz zur Stabilität / 24. Die Bildung der Erde nach der kosmorganischen Hypothese / 25. Die Erde ein Organismus / 26. Die Entwicklung der Lebewesen auf der Erde
II. Das Bewusstsein: 27. Die Identität des Physischen und Psychischen / 28. Die synechologische Ansicht / 29. Die Schwelle des Bewusstseins / 30. Das Wellenschema / 31. Der psychophysische Parallelismus im Universum / 32. Die Entwicklung des individuellen Bewusstseins / 33. Lust und Unlust und das Princip der Tendenz zur Harmonie / 34. Die Moral / 35. Der Glaube / 36. Das Leben nach dem Tode
Schluss: Kritisches
Namens- und Sachregister
Anhang
Einleitung des Herausgebers zur 4. Auflage von Nanna
Vorwort des Herausgebers zur 2. Auflage von Zend-Avesta
Vorwort des Herausgebers zur 3. Auflage von Zend-Avesta

Gustav Theodor Fechner

Neben Immanuel Kant (1724–1804), über dessen Gedanken zur Kritik des Erkennens er u. a. eine preisgekrönte Schrift verfasst und an dessen Werkausgabe (Kants Gesammelte Schriften) er (zu den vorkritischen Schriften) als Mitherausgeber beteiligt war, zeigte sich Kurd Laßwitz besonders beeindruckt von der Gedankenwelt des Philosophen Gustav Theodor Fechner (1801–1887). Fechner, Begründer der Psychophysik, erarbeitete und propagierte eine panentheistische und panpsychistische Naturphilosophie, die er insbesondere in seinen Schriften Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen (1. Aufl. 1848) und Zend-Avesta oder über die Dinge des Himmels und des Jenseits (1. Aufl. 1851, 3 Bde.) vertrat. Laßwitz hat die beiden Werke ab 1899 bzw. 1901 neu herausgegeben und jeweils eingeleitet bzw. mit Vorworten versehen (vgl. die Abdrucke im Anhang) und damit das Interesse an Fechner neu belebt.
     Zu Fechners Gedankenwelt hatte Kurd Laßwitz ein ambivalentes Verhältnis, was in der vorliegenden Biografie und auch in einem erstmals 1893 erschienenen Aufsatz deutlich wird:
     „Und hierin liegt der schwache Punkt der Fechnerschen Philosophie. Es ist ein Mangel an Kritik: die ästhetische Weltauffassung ist nicht mehr selbständig genug geblieben gegenüber der religiösen. Fechner war kein Schwärmer; denn er hat die Grenzen gegenüber der Wissenschaft gewahrt; er hat seine Lehre nicht für Wissenschaft ausgegeben; aber er war auch kein kritischer Philosoph, denn er hat die Grenzen gegenüber der Religion nicht streng innegehalten, er hat seine Lehre für Religion gelten lassen wollen. Darin ist er dogmatisch geworden. Was ihm als die geeignete Form des Glaubens erschien, das glaubte er für eine allgemeingiltige Glaubenswahrheit erklären zu dürfen. […] Fechner durfte wohl sagen: So wie ich mir das Leben der Gestirne und das Leben nach dem Tode denke, befriedigt mich die Vorstellung des Weltprozesses am meisten und stimmt sie am besten mit meiner Gewißheit von Gott. Deswegen glaube ich daran. Aber er mußte strenger scheiden, was von seinen Vorstellungen nur Produkt der Phantasie und was allgemeines Glaubensbedürfnis sei.“
     Andererseits hat Laßwitz Fechner’sche Gedanken in mehreren Erzählungen aufgegriffen und konsequent ausgeführt, insbesondere in Aspira und Sternentau.
     Im Anhang werden die Einleitung bzw. die Vorworte von Kurd Laßwitz zu den von ihm herausgegebenen Werken Nanna und Zend-Avesta von G. Th. Fechner im Neusatz abgedruckt und damit ebenfalls wieder zugänglich gemacht.

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Kollektion Laßwitz, Band II.6


Wirklichkeiten
Beiträge zum Weltverständnis [1].
Nachdruck der 3. Auflage 1908 der erstmals 1900 erschienenen Aufsatzsammlung im Neusatz.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),, 358 Seiten, Reproduktionen
30,00 €ISBN 978-3-940679-32-1

Inhaltsverzeichnis
V
orbemerkungen und editorische Hinweise
I. Die Entdeckung des Gesetzes
II Von der Weltseele zum Weltäther
III. Weltseele und Naturgesetz
IV. Ins Inn’re der Natur
V. Objektiv und Subjektiv
VI. Bewußtsein und Natur
VII. Energie
VIII. Der sogenannte Parallelismus
IX. Das Gesetz der Schwelle
X. Das Gefühl der Freiheit
XI. Gesetze und Ideen
XII. Die Persönlichkeit
XIII. Die Idee der Freiheit
XIV. Die Idee der Zweckmäßigkeit
XV. Die Grenzen des Gefühls
XVI. Religion und Moral
XVII. Religion und Gefühl
XVIII. Religion und Natur
XIX. Religion und Bekenntnis
XX. Weltuntergang
XXI. Wie ist Irrtum möglich?
XXII. Gerade und Krumm
XXIII. Kant und Schiller
XXIV. Unsere Träume
XXV. Von der Mystik
XXVI. Über Zukunftsträume

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Kollektion Laßwitz, Band II.7


Seelen und Ziele
Beiträge zum Weltverständnis [2].
Nachdruck der 1908 erschienenen Aufsatzsammlung im Neusatz.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),241 Seiten, 3 Reproduktionen
25,00 €ISBN 978-3-940679-33-8

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
I. Vom Rätsel der Zeit
II. Neue Räume
III. Zwei Weltbeseeler
IV. Ein Grundgesetz des Lebendigen
V. Die Grundlagen der Biologie
VI. Die Planetenseele
VII. Spiel und Instinkt
VIII. Instinkt und Leben
IX. Tierseelen
X. Seelenleben der Völker
XI. Die Zeichen der Kultur
XII. Fühlen und Forschen
XIII. Der kritische Gedanke
XIV. Das Schauen des Genius
XV. Dinge, Seelen, Ziele
XVI. Kant und Goethe
XVII. Schiller als Befreier

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Kollektion Laßwitz, Band II.8


Natur und Mensch
und andere Vorträge und Aufsätze
1 (1869–1885).
Neuausgabe seltener Abhandlungen, Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1869–1885 im Neusatz.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen),292 Seiten, 6 Reproduktionen
30,00 €ISBN 978-3-940679-27-7

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
•  Natur und Mensch
(Deutsche Volksschriften, Dritter Band) [1878]
   - Einleitung
   I.  Die ersten Beziehungen des Menschen zur Natur
   II. Die räumliche Stellung des Menschen in der Welt
       1. Das Weltgebäude im Alterthum
       2. Das Weltgebäude in der Neuzeit
   III. Die physische Stellung des Menschen in der Welt
       1. Die Erhaltung der Materie und der Energie
       2. Der Mechanismus der Natur
   IV. Die Stellung des Menschen zur Welt als geistiges Wesen
       1. Der Ursprung und die Grenzen unserer Erkenntniß
       2. Die Erhebung des Menschen über die Natur in Kunst und Religion

•  Vorträge und Aufsätze

   - Zum Couleurwesen [1869]
  - Horaz als römischer Couleurstudent entlarvt [1869]
   - Der Verein „Dintenfaß“ in Breslau (als X) [1870]
   - Ueber Wahrscheinlichkeit und ihre Bedeutung für Leben und Wissenschaft [1874]
   - Aufgaben der Volksbildung [1877]
   - Ein Beitrag zum kosmologischen Problem und zur Feststellung des Unendlichkeitsbegriffes [1877]
   - Zur Verständigung über den Gebrauch des Unendlichkeitsbegriffes [1878]
   - Hypatia, eine Märtyrerin des Griechenthums [1881]
   - Die sieben Weisen Griechenlands [1883]
   - Der 10. November [1883]
   - Galilei und Baco. Preisgekrönter Essay [1883]
   - Das Gesetz des Zufalls [1884]
   - Logische Plaudereien [1884]
   - Ueber Gedankenvermittlung [1884]
   - Gefälschte Welten [1885]
   - Die Ehrenrettungen der Xanthippe [1885]

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Kollektion Laßwitz, Band II.9


Zivilisation und Kultur
und andere Vorträge
,und Aufsätze (1886–1910). Neuausgabe seltener Abhandlungen, Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1886 bis 1910 im Neusatz.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 289 Seiten, 4 Reproduktionen
30,00 €
— ISBN
978-3-940679-29-1

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen und editorische Hinweise
- Unberufen [1886]
- Die poetische und die wissenschaftliche Betrachtung der Natur [1887]
- Zum Problem der Continuität [1888]
- Galilei und das moderne Denken [1888]
- Die Aufgabe der Psychologie [1888]
- Die Erfindungen unseres Jahrhunderts als Kulturmittel [1890]
- Humor und Glauben bei Gustav Theodor Fechner (Dr. Mises)
[1893]
- Die moderne Energetik in ihrer Bedeutung für die Erkenntniskritik
[1893]
- Zivilisation und Kultur
[1900]
- Mars-Phantasien
[1901]
- Religion und Naturwissenschaft
[1904]
- Der Stern von Bethlehem
[1905]
- Wunder und Naturgesetz
[1905]
- Was ist Kultur?
[1906]
- Pflanzenseele
[1908]
- Das Wunder des Zeppelin
[1909]
- 25 Jahre Mittwochgesellschaft. Vortrag des Vorsitzenden
[1909]
- Über Goethe und Kant; Stellungnahme
[1909]
- Die Zukunft unserer Kultur
[1909]
- Der künstliche Mensch
[1910]
- Der tote und der lebendige Mars
[1910]
- Unser Recht auf Bewohner anderer Welten
[1910]
- Das Schaffen des Dichters [1910]

Über das Buch
Seit 1869 sind zahlreiche Vorträge und Aufsätze von Kurd Laßwitz in mehreren Zeitschriften und Zeitungen erschienen. Darunter sind neben wissenschaftlichen und philosophischen Beiträgen auch feuilletonistische (in den Originalveröffentlichungen optisch oft erkennbar an der Anordnung „unterm Strich“) und ausgesprochen humoristische Texte. Der vorliegende Band berücksichtigt in chronologischer Reihenfolge Beiträge, die im Zeitraum von 1886 bis 1910 veröffentlicht worden sind. Der Zeitraum von 1869 bis 1885 ist in Band KL II.8 weitgehend abgedeckt worden. Diese beiden Bände stellen damit eine Ergänzung zu den Sammelbänden Wirklichkeiten (KL II.6) und Seelen und Ziele 8 (KL II.7) dar und enthalten u. a. so seltene Texte wie Unberufen (1886) und Die Erfindungen unseres Jahrhunderts als Kulturmittel (1890).

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Abteilung III - Selbstzeugnisse und Sekundärliteratur


 


Kollektion Laßwitz, Band III.1


Rudi Schweikert
Kurd Laßwitz – Eine illustrierte Bibliografie seiner Werke
Chronologische Bibliografie, systematisch-alphabetisches mehrteiliges Register, Zeitschriftenverzeichnis, Anhang.
Hardcover (laminierter Pappband, Lesebändchen), 279 Seiten, 341 Abb. (davon 156 farbig) auf 116 Bildtafeln
35,00 € — ISBN 978-3-940679-39-0

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Verlegers
Vorbemerkungen des Verfassers
Teil 1 - Bibliografie der veröffentlichten Werke
1. Erläuterungen
2. Chronologisches Verzeichnis
    Anhang: Texte von Kurd Laßwitz in anderen Medien
3.Systematisch-alphabetisches Titelregister
    3.1 Utopisch-phantastische Romane und Erzählungen, Märchen
    3.2 Humoristische und sonstige Erzählungen, Dramen, Grotesken
    3.3 Scherzlieder und -gedichte, Witze, Anekdoten
    3.4 Sonstige Gedichte
    3.5 Sachbücher, Vorträge, Aufsätze, Essays
    3.6 Rezensionen
    3.7 Autorreferate, Selbstanzeigen, Stellungnahmen, Erklärungen u. a.
    3.8 Editionen
    3.9 Übersetzungen
4. Periodika mit Beiträgen von Kurd Laßwitz
Teil 2 - Abbildungen
Erläuterungen
Farbabbildungen (185)
Schwarzweißabbildungen (156)
Teil 3 - Die Kollektion Lasswitz
Erläuterungen
Abteilung I: Romane, Erzählungen, Gedichte
Abteilung II: Sachbücher, Vorträge, Aufsätze

Über das Buch
Kurd Laßwitz (1848–1910), langjähriger Gymnasialprofessor in Gotha, war seit Ende der 1860er Jahre bis zu seinem Tode schriftstellerisch tätig. Neben bedeutenden naturwissenschaftlichen und philosophischen Schriften (insbesondere über die Geschichte der Atomistik, die Arbeiten Immanuel Kants und Gustav Theodor Fechners) und zahlreichen Essays verfasste er vor allem „moderne Märchen“, Romane, Novellen und Kurzgeschichten, die man heute rückblickend als „Science Fiction“, als überwiegend anspruchsvolle spekulative Erzählliteratur bezeichnen kann. Vor allem wegen seines eindrucksvollen umfangreichen Romans Auf zwei Planeten (1897) wird Laßwitz heute vielfach als „Vater der deutschen Science Fiction“ bezeichnet.
Das hier vorliegende Verzeichnis der veröffentlichten Texte von Kurd Laßwitz umfasst den Zeitraum von 1868 bis 2010, dem Jahr seines 100. Todestages. Mit weit über 500 Einträgen und über 330 Abbildungen dokumentiert diese Bibliografie das Schaffen von Kurd Laßwitz in seinem ganzen Umfang, zeigt die vielfältigen Talente und publizistischen Leistungen dieses Dichters und Gelehrten ebenso wie die internationale Verbreitung seiner Werke in über zehn Sprachen.
Die chronologisch angelegte Bibliografie wird durch zahlreiche Register erschlossen, sodass den Benutzern dieses Verzeichnisses ein optimaler Zugang zu den geistigen Welten des renommierten Wissenschaftlers und ideenreichen Erzählers Kurd Laßwitz geboten wird.
Die umfangreichen Bildteile in Farbe und Schwarz-Weiß geben einen genauen Überblick insbesondere über die zahlreichen Einbandvarianten der bis 1928 erschienenen Bücher von Kurd Laßwitz.

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Kollektion Laßwitz, Band III.2


Dieter von Reeken (Hrsg.)
Über Kurd Laßwitz – Tagebuch 1876–1883, Bilder, Aufsätze
Sammelband mit dem Tagebuch 1876–1883 (Erstveröffentlichung aus dem handschriftlichen Nachlass), vielen bisher unveröffentlichten Fotografien und anderen Abb.. 2. Aufl. 2018, Klappenbroschur, 193 Seiten, 82 Abb., Literaturhinweise
15,00 € — ISBN 978-3-945807-23-1

Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen des Herausgebers
Dieter von Reeken
:
- Kurd Laßwitz – Lebensdaten
Kurd Laßwitz:

- Lebenslauf (Gotha, Mai 1898)
- Tagebuch (Gotha, 1876–1883)
Max Kalbeck:

- Kurd Laßwitz. Zum 60. Geburtstag des Dichterphilosophen (1908)
Carl Grunert:

- An Kurd Laßwitz. Zueignung (1904)
- Epilog zu Kurd Laßwitz’ Gedenken (1911)
Brigitte-Karola Liebs:

- Die Gothaer Bürgerin Hanna Brier. Ein Beitrag zur Entstehung des Romans Sternentau  von Kurd Laßwitz sowie zu dessen letzten Lebensjahren(1976)
Bertha von Suttner:
Die Numenheit (1898)
Rudolf Laßwitz
:
Nobile, der Raketenwagen und Kurd Laßwitz (1928)
Franz Rottensteiner:
-
Ordnungsliebend im Weltraum (1967/2013)
- Kurd Laßwitz’ Bilder aus der Zukunft (1987/2013)
- Kurd Laßwitz und die deutsche Science Fiction (1987/2013)
Literaturhinweise / Abbildungsnachweis

Über das Buch
Das Buch enthält Erstveröffentlichungen aus dem handschriftlichen Nachlass sowie Nachdrucke ausgewählter Aufsätze zu Kurd Laßwitz, seinem Werk und seiner Wirkung, wobei nur die Beiträge von Franz Rottensteiner teilweise überarbeitet und an die neue Rechtschreibung angepasst worden sind. Ein umfangreicher Bildteil über Kurd Laßwitz mit Personen und Stationen aus seinem Leben soll die in den Texten enthaltenen Informationen weiter verdeutlichen und mit Leben erfüllen.
Das hier neben dem 1898 verfassten Lebenslauf erstmals veröffentlichte Tagebuch über die Jahre 1876–1883, beginnend mit dem Umzug nach der „zweiten Heimat“ Gotha, gewährt Einblicke in das Familien-, Berufs-, Alltags- und Schriftstellerleben des Dichters mit all seinen Licht- und Schattenseiten, Freuden und Belastungen, u. a. auch über die Entstehung mehrerer seiner Schriften. So wird z. B. deutlich dass die schon Jahre zuvor fertiggestellte Novelle Schlangenmoos vor allem aus finanziellen Gründen und vorsorglich unter dem Pseudonym „L. Velatus“ veröffentlicht wurde.
Der lebenslange Freund Max Kalbeck (1850–1921) bietet neben einer rückblickenden Würdigung Erinnerungen an die gemeinsame Kinder- und Jugendzeit in der Umgebung des mit einer Privatsternwarte auf dem Dach versehenen Laßwitz’schen Elternhauses (siehe die Abb. im Bildteil).
Der Laßwitz-Bewunderer und selbst Verfasser zahlreicher „Zukunfts-Novellen“, Carl Grunert (1865–1918), hat dem „verehrten Meister“ zweimal (neben mehreren Briefen) in Gedichtform in einer Zueignung und in einem Nachruf seinen Dank abgestattet.
Brigitte-Karola Liebs beleuchtet aus ihrer Sicht als langjähriger Freundin Hanna Briers das besondere Verhältnis zwischen Laßwitz und seiner Cousine 2. Grades Hanna Brier, die er in der Gestalt der „Harda“ in seinem letzten Roman Sternentau auftreten ließ.
Beiträge von Dietmar Wenzel und Erich Laßwitz (1880–1959), der im Sinne seines Vaters als Schriftsteller und Redakteur an der Popularisierung der Wissenschaften mitgewirkt hat, konnte ich aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht aufnehmen. Immerhin war es möglich, je einen Beitrag von Bertha von Suttner 10 und von Rudolf Laßwitz (1877–1935) einzufügen, in dem dieser auf die Pionierarbeit seines Vaters für die späteren „Zukunftsromane“ hinweist und auch Anekdotisches mitteilt.
Der erstmals 1967 veröffentlichte grundlegende Aufsatz „Kurd Laßwitz. Ein Versuch einer kritischen Biographie“, der später unter dem neuen Titel „Ordnungsliebend im Weltraum“ wiederabgedruckt worden ist, leitete seinerzeit eine Wiederbesinnung auf Kurd Laßwitz ein, die weitere Höhepunkte ab 1979 in den der Bedeutung des Dichters angemessenen Arbeiten von Rudi Schweikert erreicht hat, wobei der Aufsatz „Von geraden und schiefen Gedanken“ besonders hervorzuheben ist (Ein Wiederabdruck im Rahmen der KOLLEKTION LASSWITZ wird angestrebt.). Neben ihrem wohlwollend-kritischen Blick auf das Werk des Dichters und Philosophen machen die Aufsätze von Franz Rottensteiner die erschütternde Tatsache deutlich, dass der heute oft als „Vater der deutschen Science Fiction“ bezeichnete Kurd Laßwitz auf diesem Gebiet der Literatur tatsächlich weitaus weniger Einfluss und Nachwirkung ausgeübt hat als etwa sein Schüler Hans Dominik (1872–1945), den er (neben anderen Kollegen) von Ostern 1888 bis Sommer 1890 am Gymnasium Ernestinum unterrichtete.

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